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Jahr

Filmstill Ancestor

Ancestor

Dédé
Yasmine Djedje-Fisher-Azoume
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
UK
2025
3 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Durch rhythmische, ekstatische Musik und Bruchstücke folkloristischen Gesangs führt uns Yasmine Djedje-Fisher-Azoume zu den mythischen Urahninnen, Göttinnen und Hüterinnen des Volkes der Bété an der Elfenbeinküste – jenem Ort, aus dem die Vorfahr*innen der Regisseurin stammen. In ihrer von traditionellen Holzskulpturen und Masken inspirierten Filmstudie verwandelt sie diese mithilfe von Kohlezeichnungen und Kupferreliefs in vielgestaltige weibliche Charaktere. Sich um die eigene Achse drehend, mehrgesichtig und allsehend, in flauschigen Gewändern tanzend, vollziehen sie Rituale und entfalten eine ansteckende Choreografie. Der ganze Film pulsiert in diesem Takt, sodass es nicht überrascht, wenn eine Figur einen wortwörtlichen Strom schöpferischer Energie freisetzt.
Dieser Strom ist so stark, dass er bis in die Gegenwart reicht – in einen modernen Tempel, in dem lebendige Göttinnen im unendlichen Fluss des Daseins rotieren. Anders als die leblos arrangierten Exponate in europäischen Museen, Zeugen der kolonialen Gewalt, versammelt Djedje-Fisher-Azoume hier ein Pantheon dessen, was sie ehrt und zutiefst bewegt. Ein Tempel, der nur für diejenigen existiert, die die eigene Herkunft kennen und diese respektvoll behandeln, um daraus Kraft für Gegenwart und Zukunft zu schöpfen. Diese Kraft der mystischen Selbsterkenntnis durchdringt den ganzen Film von der Wurzelspitze bis in die Knospen.

Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Yasmine Djedje-Fisher-Azoume
Produktion
Yasmine Djedje-Fisher-Azoume
Ton
Alex Adetiba
Sound Design
Alex Adetiba
Musik
Alex Adetiba
Animation
Yasmine Djedje-Fisher-Azoume
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Bunnyhood

Bunnyhood

Bunnyhood
Mansi Maheshwari
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
UK
2024
9 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine

Bobbys Magen rebelliert. Sie hat einen Riesenhunger. Normalerweise sollte das Abendessen längst auf dem Tisch stehen. Doch heute ist alles anders. Mit einer Lüge lockt Mum die Teenagertochter aus dem Haus und bringt sie ins Hospital, wo bereits ihre Verwandten auf sie warten. Alle in Schwarz gekleidet, mit Tränen in den Augen, bekunden sie ihr Mitgefühl. Aber Mitgefühl weshalb? Noch bevor Bobby sich versieht, wird sie von unsanftem Pflegepersonal in die endlosen Korridore des Krankenhauses verschleppt, entkleidet und auf eine Operation vorbereitet, von der sie nichts wusste und der sie nie zugestimmt hat.
Hinter den Kulissen dieses nächtlichen Horrortrips offenbart sich eine verstörende Erzählung über das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern. Mansi Maheshwaris Genremix aus Thriller, Angstvision und Erziehungssatire fasziniert. Die dynamische Gestaltung, die dramatische Animation und die fesselnde Tonspur schicken uns tief hinein in einen fürchterlich-vorzüglichen Albtraum, der nachwirkt.

Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Mansi Maheshwari
Buch
Anna Moore, James Davis
Kamera
Adam Pietkiewicz
Schnitt
Kaupo Muuli
Produktion
Ashionye Ogene
Ton
Alexander Faingold
Sound Design
Alexander Faingold
Musik
Marcin Mazurek
Animation
Mansi Maheshwari, Ryan Power, Elizabeth Fraser, Paula Gonsalez, Kathryn Haddow, Beatrice Babbo, Lucas Fruen
Filmvertrieb
Hemant Sharda
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Filmstill The Brown Dog
The Brown Dog Nadia Hallgren, Jamie-James Medina
Eine kalte Winternacht. Gehüllt in Coolness zieht Wachmann Nobody seine einsamen Runden ums Karree, hängt seinen dahintreibenden Gedanken über das Leben nach – Melancholie mit Straßenhaftung.
Filmstill The Brown Dog

The Brown Dog

The Brown Dog
Nadia Hallgren, Jamie-James Medina
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
UK,
USA
2024
14 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine

Die Winternacht tut ihre letzten Atemzüge im milchigen, bernsteinfarbenen Licht der Straßenbeleuchtung. Schneeflocken rieseln herab, die Kamera kreist langsam um eine kleine Wachstube in einer Einfahrt. Auf dieser einsamen Insel sitzt Nacht für Nacht: Nobody. Als Wachmann in der Kälte garantiert er die Sicherheit der warmen Wohnungen und die ihrer Besitzer*innen. Er übersteht die Zeit mit einem unwilligen Ölradiator, einem Kalendermädchen auf grüner Wiese und seinen dahintreibenden Gedanken. Als Seismograf der Lebensbetrachtungen und Nachtrunden ums Karree dienen seine Dienstprotokolle. Nobody ist in eine über lange Zeit gewachsene Hülle der Coolness gepackt, die es ihm schwer macht, auf ein seltenes Lächeln so zu reagieren, wie er es im Herzen gern möchte.
Nadia Hallgren und Jamie-James Medina kondensieren eine autobiografische Kurzgeschichte des Künstlers und Musikers Willis Earl Beal aka „Nobody“. Der 2021 verstorbene Schauspieler Michael K. Williams lieh dem Selbstgespräch seine Stimme und gibt ihm den übernächtigten, melodischen Sound. In dem sehr filmischen, melancholischen Stück im Schwebezustand öffnet Beiläufiges einen philosophischen Kosmos. Doch der gedankliche Ausflug schlägt stets wieder auf dem Asphalt des Parkplatzes vor dem Wohnblock auf.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Nadia Hallgren, Jamie-James Medina
Buch
Willis Earl Beal
Schnitt
Spencer Campbell
Produktion
Michael Stirton, Jamie-James Medina, Nadia Hallgren
Ton
Machine Sound
Sound Design
Michalis Anthis
Musik
Tyshawn Sorey
Animation
Fons Schiedon
Filmvertrieb
Brian Newman
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill The Role

The Role

The Role
Paolo Chianta
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
UK
2023
5 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Krakelige Kugelschreiberlinien auf weißem Papier. Alles wirkt wie eine eilig hingeworfene Kritzelei – eher eine Ideenskizze denn ein fertiger Film, womöglich nur ein schnelles Storyboard. Die ruckelig verbundenen Bilder zeigen einen Imbiss, irgendwo im Nirgendwo. Hier ereignet sich etwas Außergewöhnliches: Zwei Filmschaffende – Bruder und Schwester – heuern den Koch als Hauptdarsteller für ihr Projekt an. Sie planen ein Biopic über ihren Vater. Der Fast-Food-Experte sieht dem berühmten Mann nicht nur zum Verwechseln ähnlich, er ist wie er! Eine bessere Besetzung sei gar nicht vorstellbar, lässt sich der Filmbusiness-Neuling überzeugen. Doch die Aufgabe erweist sich als schwierig. Obwohl der Koch alles daransetzt, die anspruchsvolle Rolle auszufüllen, scheint er von Tag zu Tag weniger passend für den Job. Von den Vorbereitungen auf seinen Einsatz völlig eingenommen, entfernt er sich immer mehr von seinen eigenen Kindern. Die Grenzen zwischen Film und Lebenswirklichkeit des Alleinerziehenden verschwimmen. Haben die Dreharbeiten vielleicht schon längst begonnen?

Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Paolo Chianta
Buch
Paolo Chianta
Schnitt
Paolo Chianta
Produktion
Paolo Chianta
Co-Produktion
Lilah Vandenburgh
Musik
Paolo Chianta
Animation
Paolo Chianta
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis