Filmarchiv

Jahr

Filmstill Sediments

Sedimente

Sedimente
Laura Coppens
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Schweiz,
Deutschland
2025
81 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Szene für Szene wird eine Biografie behutsam in Schichten freigelegt und damit auch deutsche Geschichte: Nationalsozialismus, DDR, Nachwendezeit. Eine Enkelin besucht ihren Großvater. Der ältere Herr treibt regelmäßig Sport, hat einen Gymnastikraum im Haus. Sie erklärt ihm ihr Projekt – und ihr Film wird diesen Projektcharakter behalten. Es ist ein permanentes Ausloten, wie tief, wie weit sie mit ihren Fragen gehen kann.
In einer schäbigen Metallbox, die offenbar schon lange nicht mehr geöffnet wurde, verwahrt er Familienfotos aus der NS-Zeit. Auch die Aufnahme des älteren Bruders in der Uniform des nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienstes ist darunter. Erst wenige Monate nach Kriegsende nahm es die Urgroßmutter aus Angst vor den Blicken der Rotarmisten von der Wand. Der Großvater verehrte seinen 1944 an der Ostfront gefallenen Bruder, bewunderte dessen Kraft und Sportlichkeit. Im Sportland DDR lebte er den Körperkult weiter. Wiederholt geht es in den Gesprächen um persönliche Verantwortung und moralische Grauzonen, um Vergessen und Verdrängung. Die Enkelin scheint sich zu fragen, wem sie überhaupt gegenübersitzt.

Anke Leweke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Laura Coppens
Buch
Laura Coppens
Kamera
Pierre Reischer
Schnitt
Kathrin Schmid
Produktion
Laura Coppens
Ton
Laura Coppens
Sound Design
Azadeh Zandieh
Musik
Azadeh Zandieh
Nominiert für: Gedanken-Aufschluss-Preis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, Filmpreis Leipziger Ring, DEFA Förderpreis
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill Tarantism Revisited

Tarantism Revisited

Tarantism Revisited
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2024
105 Minuten
Italienisch,
Deutsch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Apulien, 1959: Frauen in weißen Kleidern tanzen ekstatisch in einer kleinen Kapelle. Sie springen herum, wälzen sich auf dem Boden, einige klettern sogar auf den Altar. Man sagt, sie seien von einer Spinne gebissen worden. Ihr Tanzwahn erfordert einen rituellen Exorzismus mit Musik. Bilder wie diese inspirierten italienische Anthropolog*innen zu einer Reise nach Süditalien. Mit Tonbandgeräten, Film- und Fotokameras waren sie dem Phänomen des Tarantismus auf der Spur.
Der essayistische Dokumentarfilm folgt den vielen multimedialen Archivalien, die auf dieser Forschungsreise entstanden sind. Er arbeitet die weiblichen Stimmen der Betroffenen heraus, die sich als Expertinnen ihrer eigenen Aufführungen herausstellen. Zwischen der Forscherin Annabella Rossi und der „Tarantata“ Michela Margiotta entwickelte sich eine besondere Beziehung, ihr Briefwechsel steht im Zentrum. Auch heute noch verstören die Bilder der weiblichen Raserei, erzählen vom Kontrollverlust der Ehemänner, Familien, von Wissenschaft und Kirche. Im Apulien der Gegenwart findet der Film lebendige Formen des Tarantismus vor, als Folklore gebändigt, für den Tourismus attraktiv. Es gibt neue Gifte, die das System befallen haben. Auch sie müssen herausgetanzt werden.

Jan Künemund

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Buch
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Kamera
Anja Dreschke
Schnitt
Anja Dreschke
Produktion
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Ton
Birgit Minichmayr
Sound Design
Carlo Peters
Musik
Carlo Peters
Nominiert für: DEFA Förderpreis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube (Deutscher Wettbewerb)
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