Ein kurzer und kurzweiliger Streifzug durch 100 Jahre internationaler Kinogeschichte: Der Spaziergang eines bewegten Mannes führt aus der Zaubertrommel in legendäre Filmszenen.
Das Kino wurde 100. Als wollte er Anlauf nehmen, ging Heinrich Sabl mit seiner Hommage einen kurzen Schritt zurück in die Vorgeschichte der Kinematografie. In einem Praxinoskop – 1877 von Émile Reynaud erfunden – geraten Einzelbilder in Bewegung. Ein Fußgänger nimmt diesen Trug zum Anlass, aus der Zaubertrommel hinaus durch Szenen der internationalen Filmgeschichte zu spazieren.
Stellungskrieg um Troja, die Helden sind bekannt. Die von antiker Formensprache inspirierte Anverwandlung einer Sage des Klassischen Altertums wagt explizite Bilder für Erwachsene.
Der Gewinner der ersten goldenen „Animationstaube“: Neun Jahre Krieg zwischen Griechen und Trojanern sind ins Land gezogen. Der impulsive Patroklos, Waffen- und Bettgefährte des eher kampfesmüden Achill, glaubt, dass der Sieg anders zu erringen sei. Die Tragödie nimmt ihren Lauf – so, wie sie uns die Sagen des Klassischen Altertums überlieferten, aber ergänzt um das, was dort unausgesprochen blieb.
Ein verkannter Filmemacher will Teil der großen Branche sein, will sich verkaufen und gekauft werden. Heftig sprudeln die Wortblasen aus dem kleinen Handbuch der Selbstvermarktung.
Ein Genie des Independent-Films blickt auf sein bislang verkanntes Werk zurück. Fortan will er die Hände von der brotlosen Kunst lassen, will Teil der großen Branche sein, will sich verkaufen und gekauft werden. Leuchtende Zukunft in greifbarer Nähe. Sprudelnde Wortblasen aus dem kleinen Handbuch der Selbstvermarktung. Brennender Ehrgeiz. Ätzender Sarkasmus. Beißende Ironie.
Zwei unterschiedliche Planeten: Männer und Frauen. Was im Paradies eins war, hat die Ursünde vor langer Zeit geschieden. Aber die Welt vergeht vor Sehnsucht nach Wiedervereinigung.
Zwei unterschiedliche Planeten: Männer und Frauen. Was im Paradies eins war, hat die Ursünde geschieden. Seither stehen sich die Geschlechter konfliktreich gegenüber und vergehen doch vor Sehnsucht nach Wiedervereinigung. Die Erwartung ist groß, die Erregung riesig, die Fantasie unermesslich. Ein Tag im Garten der fleischlichen Lüste – von der Ekstase zur Ermattung und wieder zurück.
Tomoko aus Japan reist nach London. Sie ist vorbereitet, rackert sich mit einem Sprachkurs ab und hat gegen das Heimweh ihre Goldfische mitgebracht. Dennoch fühlt sie sich einsam.
Wer kennt das nicht?! Man kommt irgendwo in der Fremde an, ist bereit, die Welt zu umarmen, doch die Welt lehnt diese Umarmung ab. Tomoko aus Japan reist nach London. Sie ist gut vorbereitet, rackert sich mit einem Sprachkurs ab und hat gegen das Heimweh ihre Goldfische mitgebracht. Dennoch fühlt sie sich einsam und bekommt kein Wort heraus, als man sie anspricht. Was tun? How about a slight change of perspective?
Mit „Error 404“ sperrte die tunesische Zensur unliebsame Internetseiten. Erst als Mohamed Bouazizi sich am 17. Dezember 2010 in aller Öffentlichkeit verbrannte, trat eine Wende ein.
Was wuchert da im leeren Raum? Am 17. Dezember 2010 verbrennt sich der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi in aller Öffentlichkeit – der Arabische Frühling beginnt, im Internet verbreitet sich das Feuer. Im Fast-Forward-Modus geht es durch die Innenarchitektur einer modernen Revolution, hinein in den gespreizten Charakter des Ereignisses: vom Boden des Planeten in die digitale Enträumlichung.
Auf einem stillen Platz inmitten einer Stadt sitzt ein alter Mann mit seiner Enkelin. Plötzlich erleidet er einen Herzanfall, fällt zu Boden – und die Zeit friert ein.
Auf einem stillen Platz inmitten einer Stadt sitzt ein alter Mann mit seiner Enkelin. Plötzlich erleidet er einen Herzanfall, fällt zu Boden – und die Zeit friert ein. Das könnte die berühmte Sekunde sein, in der das Leben noch einmal vor dem inneren Auge vorüberzieht. Aber in welche Richtung zieht es eigentlich? In die Vergangenheit nach vorn, in die Zukunft zurück oder seitwärts ins Jetzt?
Ein grellbuntes Polit-Rap-Video aus Italien. Politik, Wirtschaft und Alltag sind vergiftet durch den Einfluss von Mafia und Camorra. Fight da faida! Kämpft gegen die Blutrache!
Ein grellbuntes und treibendes Video zu einer Single des italienischen Rappers Frankie hi-nrg mc von 1992. Es geht um die Vergiftung von Politik, Wirtschaft und Alltag durch Mafia und Camorra. Die lodernde Klage aus einem „Bürgerkrieg“ wird zum Appell: Immunisiert euch gegen die Verführungen eines todbringenden Lifestyles! Fight da faida: Bekämpft die scheinbare Unausweichlichkeit der Blutrache!
Frank ist Carolines Mann. Der erfolgsverwöhnte Filmregisseur will sie bei ihrer Autobiografie unterstützen, aber natürlich auch mitreden. Caroline findet das eher mittelprächtig.
Ein Filmemacherpaar – sie Produzentin, er Regisseur – müht sich, eine Autobiografie der Frau, Caroline, herzustellen. Für die Verfilmung seines eigenen Lebens hatte der Mann, Frank, vor langer Zeit schon einmal einen Oscar bekommen. Jetzt will er Caroline nur ein bisschen Beistand leisten, aber natürlich auch mitreden. Caroline findet das eher mittelprächtig.
Ein karierter Herr, ein freundlicher Gruß, ein Lob auf das Reisen ins südliche Ausland – und dann eine animierte Eskalation von allem, was seit Langem einmal gesagt werden musste.
Ein kurzes Ja und ein langes Aber. Ein Herr im Karohemd grüßt freundlich und schwärmt vom Reisen ins südliche Ausland. Aber wenn er zurückkommt, dann hat es diese südlichen Ausländer, ja, in die Schweiz geschwemmt. Das ist nicht gut. Gar nicht gut! Jeder Satz gibt dem darauffolgenden Feuer. Je länger die Hasstirade dauert, desto röter und böser wird der ansonsten freundliche, karierte Herr.
Zur guten Nacht eine bizarre Story, in der eine Prinzessin und ihre Spielzeugmaus vorkommen, eine zu Misstrauen mahnende Mutter sowie ein Großvater, der Hundefutter vertilgt.
Eine schaurig schöne Gutenachtgeschichte mit vielen losen Enden. Darin: eine Prinzessin und ihre Spielzeugmaus, eine Mutter, die dem Mädchen rät, immer misstrauisch gegen Fremde zu sein, sowie ein bizarrer Großvater, der heimlich Hundefutter vertilgt. Möglicherweise nimmt das schläfrige Kind nur ein Viertel der absurd-morbiden Erzählung auf, aber vermutlich ist das auch gut so.
Im Kongo leiden Umwelt und Menschen unter den Folgen des Kobalt- und Lithiumabbaus. Wie existieren eigentlich all jene, die im Schmutz für unsere „saubere“ Energie sorgen?
Elektromobilität ist ein großes Zukunftsversprechen. Mit seinen enormen Kobalt- und Lithiumvorkommen liefert die Demokratische Republik Kongo zwei der wesentlichen Bausteine für die entsprechenden Batterien. „Machini“ rückt das Leben derer in den Mittelpunkt, die die Leidtragenden der Erschließung solch schmutziger Rohstoffe für unsere „saubere“ Energie sind.
Sexuelle Halluzinationen eines Verlassenen. Die Hölle der Eifersucht mischt sich mit dem Fegefeuer der Eitelkeiten, rosafarbene Sehnsucht blendet über in violettes Begehren.
Sexuelle Halluzinationen eines Verlassenen, in denen sich buchstäblich jedes Ding in ein fragwürdiges Objekt pulsierender Lüste verwandelt. Die Hölle der Eifersucht mischt sich mit dem Fegefeuer der Eitelkeiten und rosafarbene Sehnsucht blendet über in violettes Begehren: Lechzende Körper. Stampfender Schmerz. Hechelnde Musik. Phallus sucht Vagina. Ewig, rastlos, gierig.
Am Vortag der Heirat heizt Mütterchen Njurka die Sauna ein und der Hausgeist sorgt dafür, dass die gesamte Hochzeitsgesellschaft endlich die längst verdiente Abreibung kriegt.
Eine Volkssage aus dem Ural: Am Tag vor der Hochzeit heizt das alte Mütterchen Njurka die Sauna ein. Das Dampfbad ist Pflicht, und für den zuständigen Hausgeist ist es Ehrensache, dass die gesamte Hochzeitsgesellschaft die Abreibung kriegt, die sie schon immer verdient hat. Nach der wilden Jagd besänftigt Njurka den Kobold, füttert ihn und wünscht dem Brautpaar eine glückliche Zukunft.
Angeregt durch den Medientheoretiker Friedrich Kittler feiert die experimentelle Hommage drei Dichter und ihre Leidenschaft für Tonaufzeichnungen: Rilke, Burroughs und Pynchon.
Eine Collage in Schwarz-Weiß, in Positiv und Negativ, mit tanzender Lyrik, hüpfenden Gedanken und schlendernden Geräuschen. Angeregt durch den Medientheoretiker Friedrich Kittler feiert die experimentelle Hommage drei Dichter und ihre Leidenschaft für Tonaufzeichnungsapparate: Thomas Pynchon (Gedankenrekorder), William S. Burroughs (Tonbandgerät) und Rainer Maria Rilke (Phonograph).
Ein Kaninchen hoppelt nichtsahnend durch Kinderland. Es ist das Wirtstier eines zaubermächtigen Kobolds, der den lieben Kleinen Tugenden wie Gier, Neid und Habsucht nahebringt.
Fernes Idyll, darin artige Kinder spielen: eine hübsch illustrierte und gut beschriftete Welt. Nichtsahnend hoppelt hier ein Kaninchen, welches zwar niedlich ist, aber auch gequält und geschlachtet werden kann. Und wenn aus dem Leichnam ein Kobold springt, der Insekten in blinkende Diamanten wandelt, dann wären es doch dumme Kinder, die darin kein Geschäft witterten. Gute Kinder! Böse Kinder!
Ralph Eue
Credits
Regie
Run Wrake
Buch
Run Wrake
Schnitt
Rich White
Produktion
Run Wrake
Musik
Howie B, Craig Richards
Animation
Run Wrake, Martin Morris, Murray John, Barnaby Hewlett