Gefälschte Nachrichten sind im Mainstream angekommen. Mitverantwortlich ist der „Fake-News-König“ Jestin Coler. Ein Film zwischen Journalismus, Meme, Wahrheit und Lüge in den USA.
Der Journalismus in den USA ist in der Krise. Jestin Coler, auch bekannt als „Fake-News-König“, hat höchstwahrscheinlich dazu beigetragen. Schlagzeilen seiner Satireseite wurden vom Mainstream aufgegriffen und geglaubt. Coler bezeichnet Fake News als Einstiegsdroge – und ironischerweise als Gegenmittel zugleich. Regisseurin Laura Gamse scrollt sich in ihrem Film durch Nachrichten und Memes und gibt damit einen eindrucksvollen Kommentar zum Zustand westlicher Gesellschaften ab.
Kim Busch
Credits
Regie
Laura Gamse
Produktion
Daydream Reels
Musik
Mike Diva, Steven O’Brien, Lostboyevsky, Sony Cleveland, Greg Sinibaldi, Jesse Canterbury
Corona-Lockdown in Sankt Petersburg. Aufgezeichnete Anrufe bei einer Hilfe-Hotline werden zum Spiegelbild eines maroden Systems, in dem alte und schwache Menschen besonders leiden.
Sankt Petersburger Hinterhöfe während des Corona-Lockdowns. Tatyana Chistova verschmilzt Aufnahmen der fast leeren Stadt mit den aufgezeichneten Anrufen bei einer kommunalen Hotline. Sie soll Hilfe und Rat bieten. Das Themenspektrum reicht aber von Banalem bis zu existenziellen Fragen. Vor allem ältere Menschen sind von Armut, Hunger und Vereinsamung betroffen. Chistova zeigt auf, dass in einem System, welches seine Schwächsten vernachlässigt, das Virus nicht die einzige Bedrohung ist.
Dreck fressen und lustvoll rülpsen – ein Wurm gibt sich mit diesem peinlichen Evolutionsergebnis für seine Spezies nicht zufrieden. Er zieht aus, um Besseres zu lernen.
Dreck fressen und lustvoll rülpsen – ein Wurm gibt sich mit diesem peinlichen Evolutionsergebnis für seine Spezies nicht zufrieden und zieht aus, um Besseres zu lernen. Aber die Nachahmung von vielbeinigen und geflügelten Insekten sorgt nicht für distinguiertes Benehmen, sondern birgt Todesgefahren. Grandios belegt Ethan Barrett, dass Knete auf der Entwicklungspyramide der Animationsgeschichte ganz weit oben steht, vor allem, wenn sie mit solcher Leichtigkeit und so pointiert vertont wird.
Monster-Sein ist nicht leicht. Als eine Großstadt plattgemacht werden muss, versagt der kleine Go Zilla: Viel zu wenige Häuser bekommt er kaputt! Ein Familienausflug mit Folgen.
Ein gemütliches Familienpicknick an dem Ort, den man seit der Kreidezeit besucht – das wünscht sich die Familie, bestehend aus Mom, Dad und Go Zilla. Dafür muss aber erstmal die Großstadt plattgemacht werden, die dort lästigerweise gewuchert ist. In den Augen des Vaters lässt die Performance des Nachwuchses leider zu wünschen übrig: zu verträumt und immer noch am Schnuller nuckelnd, zerstört der Kleine einfach nicht genug. Eine kurzweilige Geschichte aus einem fast normalen Familienalltag.
Das Hotel Astoria war der Hotspot Leipzigs. Champagner und Schildkrötensuppe wurden den Gästen serviert – die Stasi hörte mit. Animierte Erinnerungen aus einer anderen Zeit.
Alle Leipziger kennen es: das Hotel Astoria, welches seit 1996 leer steht. Der Film wirft einen Blick in die Zeit, als das Haus der Hotspot der Messestadt war. Mit dem für die DDR größtmöglichen Prunk wurden hier Geschäftsleute, Politiker und Gäste aus aller Welt empfangen und bewirtet. Aber auch die Stasi ging im Hotel ein und aus. Anhand von Archivmaterial und Berichten des Personals sowie mit den unverkennbaren Animationen von Falk Schuster wird ein spannendes Kapitel Stadtgeschichte erzählt.
Kim Busch
Credits
Regie
Falk Schuster, Alina Cyranek
Buch
Alina Cyranek
Schnitt
Alina Cyranek, Falk Schuster
Produktion
Alina Cyranek, Falk Schuster
Co-Produktion
MDR Mitteldeutscher Rundfunk
Ton
Florian Marquardt
Musik
Florian Marquardt
Animation
Falk Schuster, Tim Romanowsky, Alexander Schmidt, Julian Quitsch
Bild für Bild blättert sich eine Tochter durch das Familienalbum: Eltern, Geschwister, Feiern, Ausflüge. Das Salz, das Gift hinter der Normalität schmeckt man in ihren Kommentaren.
Klick, Bildwechsel, klick, Bildwechsel. Die Erzählerin stellt ihre Familie in Schnappschüssen vor: der Vater in jung, die im Sessel posierende Mutter, Geschwister, Geburtstage, Ausflüge, das Übliche. Doch in die albumhaft aufgeblätterte Normalität kommt durch die Kommentare der zurückblickenden Tochter etwas hintergründig Versalzenes, vielleicht sogar Vergiftetes. Winzige Kränkungen häufen sich zu Traurigkeit. Da tut es (fast) nichts zur Sache, dass hier von einer Faultierfamilie die Rede ist.
Ein herkömmliches Schild mit dem Wort „Park“ löst bei einem gut situierten älteren Herrn einen Gedankensturm aus. Nur ein Wort, und die behagliche Alltagsroutine steht Kopf.
Im Leben des Protagonisten verläuft alles friedlich und in geordneten Bahnen: Er ist Abteilungsleiter in einem Kaufhaus und führt eine gute Ehe. An einem Sonntag unternimmt er, wie immer, seinen Spaziergang durch den Park. Doch da irritiert ihn plötzlich ein Schild, auf dem nur ein Wort steht: „Park“. Die Konfusion ist so groß, dass sein ganzer Alltag durcheinandergerät. Frei nach einer Erzählung von Arthur Schnitzler.
Ein Videogame auf amüsant-philosophischen Abwegen: Der Tennisspieler rutscht vom Centre-Court in eine Parallelwelt. Eine Identitätssuche außerhalb der Spielregeln beginnt.
Ein Videogame auf amüsant-philosophischen Abwegen: Die Tennisspielerfigur rutscht vom Centre-Court in eine Parallelwelt und wird um ihr Racket gebracht. Aus dem verschrobenen „Pong“-Setting entwickelt sich ein Parcours der verzweifelten Identitätssuche außerhalb der Spielregeln. Der bemitleidenswerte Roger Federer im Polygon-Look stolpert über Glitches. Halbstarke Nebencharaktere bieten erst Häme, dann Hilfe an. Das Design, dieser Untote aus der Games-Vergangenheit, ist subversiver Mitspieler.
Zwei junge Mädchen und ihre besondere Beziehung zum nahe gelegenen Fluss: ein poetischer, berührender Animationsfilm über die Folgen der Einkindpolitik in China.
Lu und Wei leben in einem Dorf im ländlichen China. Die jungen Mädchen gehen oft am nahe gelegenen Fluss spielen oder fahren mit ihren Vätern zum Fischen hinaus. Der Fluss hat für die beiden eine besondere Bedeutung, denn die Einkindpolitik Chinas führte dazu, dass einige Eltern hier ihre neugeborenen Töchter ertränkten. Poetisch berührend animiert, erzählt Weijia Ma von den Folgen dieses tragischen Kapitels im Leben vieler chinesischer Familien.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Weijia Ma
Produktion
Damien Megherbi, Justin Pechberty
Ton
Didier Falk
Musik
Pablo Pico
Animation
Marion Chopin, Juanjuan Chen, Ziteng Qi, Kun Yu, Thilbault Dumoulin, Mathilde Poigniez, Jihua Zhu, Mengshi Fang, Joseph Roth, Emilie Pigeard, Le Van Ho, Yann Song, Alix Boiron Albrespy
Ausgezeichnet mit:
Silberne Taube (Wettbewerb um den Publikumspreis Kurzfilm)
Abrupt sind Ende wie Neubeginn: Als der Briefwechsel zwischen Halina in Polen und Farouk im Irak abbricht, knüpft ihr gemeinsamer Sohn Adam Jahre später wieder einen Kontakt.
So eindringlich wie hoffnungsvoll sind die Briefe, die Halina in den späten 1970er Jahren von Farouk erhält. Sie haben eine lange Reise hinter sich: vom Irak bis nach Polen. Doch irgendwann reißt der Kontakt ab, die Gründe bleiben ein Geheimnis. Adam, ihrem gemeinsamen Sohn, gelingt es, eine Brücke zu bauen. Und Ignacy wiederum, Adams Sohn, erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive. Eine visuell federleichte Zusammenführung, hinter der sich komplizierte Schicksale verbergen.