Eine junge Schweizerin sucht nach ihren armenischen Wurzeln. Ihrer kritisch-weiblichen Familiengeschichtsschreibung dient ein durchs Nachtblaue reisender Holzschrank als Leitmotiv.
Eine junge Schweizerin sucht nach ihren armenischen Wurzeln. Liebevoll animiert, öffnen sich diverse Schubladen des gleichzeitig entstehenden Familienarchivs. Diese sehr persönliche Auseinandersetzung mit kollektiven Traumata post-migrantischer Communitys findet Bilder und Worte für Rassismus und die Schwierigkeit, mit männlichen Familienmitgliedern über Gefühle zu sprechen. Leitmotiv ist ein durch nachtblaue Landschaften wandernder Schrank, der – den Rissen zum Trotz – alle(s) zusammenhält.
Ein wilder Stop-Motion-Animadok-Trip in die Glitzerträume eines Astronauten, der seinen Mut zusammennimmt, um sich der Welt so zu zeigen, wie er ist. Kurs auf Sternzeit LGBTQAI+.
Ein wunderbar wilder Stop-Motion-Animadok-Trip in unbekannte Welten, in dem sich der achtzehnjährige Astronaut Fatu einer Herausforderung stellt, die für ihn so nervenaufreibend ist wie eine Mondexpedition. Er will im Supermarkt einkaufen gehen – zum ersten Mal so, wie er sich selbst sieht: in vollem Glam-Make-up. Wie wird seine aus dem Kosovo stammende Familie diese neuen Koordinaten aufnehmen? Kommt es zur Kollision zwischen Eigen- und Fremdbild? Kurs auf Sternzeit LGBTQAI+.
Getrieben vom Bellen der Mietwohnung, schleppt sich ein Balletttänzer durch seinen monotonen Alltag. Eine surreale Stop-Motion-Animation über einen, der auf den Hund gekommen ist.
Getrieben vom Bellen der nimmersatten Mietwohnung, bahnt sich ein gealterter Balletttänzer seinen Weg durch eine dauerverregnete Einöde zur monotonen Erwerbsarbeit. Zu Tschaikowskis Schwanensee vollführt der Protagonist grazile Bewegungen und scheint kurz erfüllt. Aber das Publikum? Perlen vor die Kühe! Priit Tenders bissige, surreale Stop-Motion-Animation assoziiert frei nach einem Gedicht von Andres Ehin über einen zermürbenden, gefräßigen Alltag, der auf den Hund gekommen ist.
Tochter, Mutter und Großmutter im Covid-Lockdown in New York. Drei Originale auf engstem Raum liefern sich ehrliche Auseinandersetzungen und aberwitzige Wortgefechte. Köstlich!
Man nehme: drei Generationen von Frauen im Covid-Lockdown in New York, genug Weißwein, Wodka und Zeit, um die wirklich wichtigen Themen zu besprechen. Dana Reilly macht aus den Einschränkungen der Pandemie das Beste und filmt, was passiert, als Mutter Janet und die neunzigjährige Großmutter Sylvia beschließen zusammenzuziehen. Heraus kommt eine witzige, gleichzeitig liebevoll raue Hommage an zwei starke Persönlichkeiten, ihre nicht unkomplizierte Nähe und völlig unterschiedliche Lebenswelten.
Ein Haus an den Klippen, ein Vater, ein Sohn und ein Geschäft mit dem Eis. João Gonzalez’ atmosphärischer Animationsfilm entwickelt sich stilsicher zu einer Metapher über Familie.
An schweren Seilen, fest verankert im Stein des Felses, hängt ein Haus. Hoch oben in den Klippen, weit über der Stadt im Tal. Dort, in der Kälte, lebt ein Vater mit seinem Sohn. Regisseur João Gonzalez kommt in seiner 2D-Animation mit wenigen Farben aus. Umso atmosphärischer wirken seine Zeichnungen, mit den strengen Schatten und den extremen Kameraperspektiven. Ihm gelingt eine metaphorische Erzählung, die sich ohne Dialoge ganz auf ihren Sound und ihre Bilder verlassen kann.
Flirrende 8mm-Bilder verleihen unserer Gegenwart etwas Vergangenes. Für I.O, ein Mädchen aus einer zukünftigen Gesellschaft, sind sie Erinnerungen an die Welt vor dem Klimawandel.
Flugzeuge in allen Größen, Jahrmärkte, Leuchtreklamen, protestierende Menschen, sich amüsierende Männer, Frauen und Kinder, wüstenähnliche Landschaften, städtische Ansichten – die flirrenden 8mm-Bilder entwickeln einen eigentümlichen Sog. Sie kommen aus unserer Gegenwart, wirken dennoch seltsam weit weg, vergangen. Es handelt sich um das visuelle Tagebuch von I.O, einem Mädchen, das in einem zukünftigen Überwachungsstaat lebt und sich an die Welt vor dem Klimawandel erinnert.
Fischer Cristobal liebt das Meer mitsamt seinen Bewohnern, denen er vorm mexikanischen Hafen Lázaro Cárdenas begegnet. Doch das Wasser verkommt mehr und mehr zur giftigen Suppe.
Cristobal, ein junger Fischer bei der Arbeit vor dem mexikanischen Hafen Lázaro Cárdenas, teilt seine Erkenntnisse: Fischen sei härter als ein Work-out. Außerdem verbände ihn und das Meer eine sich verschlimmernde Krankheit. Des Nachts nimmt er wahr, was nur vom Boot aus erfasst werden könne: die Chemikalien, die ins Wasser gelangen, den Gestank, das rote Leuchten der Stahlfabrik. „Men of Salt“ kündet von einem Dilemma: Was, wenn man sich mit einem Ökosystem identifiziert, das fortwährend misshandelt wird?
Carolin Weidner
Credits
Regie
Luis Armando Sosa Gil
Buch
Luis Armando Sosa Gil
Kamera
Luis Armando Sosa Gil
Schnitt
Luis Armando Sosa Gil
Produktion
Luis Armando Sosa Gil, Beuukubi Arenas
Ton
Luis Armando Sosa Gil, Carlos Cortés Navarrete, Oscar Victoria, Odin Acosta
Sound Design
Carlos Cortés Navarrete, Oscar Victoria, Odin Acosta
Szenen einer Ehe als minimalistische, vibrierende Schwarz-Weiß-Animation: Eine Frau und ein Mann in einem Raum. Eine Fliege kreist um die Glühbirne und das Paar um sich selbst.
Eine Fliege rotiert um eine Glühbirne, ein Löffel dreht sich in der Tasse. Hier bewegt sich alles im Kreis. Auch das Leben des Paares. Er schaut aufs Handy, sie macht den Sonnengruß. Selbst ihre Purzelbäume lassen ihn nicht aufschauen. Die minimalistisch gehaltene Schwarz-Weiß-Animation beginnt zu vibrieren. Die Eintönigkeit gerät aus dem Takt. Sie imaginiert ihn als Fliege und jagt ihn. Szenen einer Ehe spiegeln sich in den gelben Augen eines Geckos.
Dolly fährt im Norden Kolumbiens täglich Menschen auf Schienen zwischen den Gemeinden hin und her – auf einem „Motorrodillo“, einem ebenso genialen wie improvisierten Zugersatz.
Im ländlichen Norden Kolumbiens, in dem die Bahngleise längst stillgelegt sind, weiß man sich durch eine Flotte von „Motorrodillos“ – Motorrad-angetriebene Minizüge – selbst zu helfen. Täglich fahren Dolly und ihre Kollegen Schulkinder, Waren und Reisende über abenteuerliche Strecken von Dorf zu Dorf. Wer unterwegs auf Gegenverkehr trifft, muss von den Schienen steigen. Wer Löcher auf den Gleisen findet, der flickt sie kurzerhand. Ein liebevolles Porträt eines selbstorganisierten Transportsystems.
Marie Kloos
Credits
Regie
Alba Jaramillo
Kamera
David Horacio Montoya
Schnitt
Francine Lemaître
Produktion
Qutaiba Barhamji, Marie-Odile Gazin, Alba Jaramillo
Frauen sollten finanziell unabhängig werden, um nicht ihr Leben lang in der Küche stehen zu müssen – vermittelte die Mutter. Ihren Kochkünsten widmet die Tochter diese Hommage.
Beim Kochen lässt sich wunderbar nachdenken, in Erinnerungen schwelgen, sich unterhalten. Und wenn man nie kochen gelernt hat, wenn man sein Leben lang den Platz am Herd als feministischen Rückschritt begriffen hat, dann gibt es geschmorte Schweinerippchen nur im Nachsinnen über die ferne erste Heimat, über die Mutter. Ein Glück aber, dass man auch in der Animation in Erinnerungen schwelgen kann, und zwar so eindrücklich, dass uns die duftenden Bilder das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Ein älteres Ehepaar, ein paar Oliven auf der Erde, die niemand mehr aufsammeln möchte. Einst waren sie die Existenzgrundlage der Familie, die nun in alle Winde zerstreut lebt.
Kopfschüttelnd betrachtet Michele die auf dem Boden liegenden Oliven. Keiner sammelt sie mehr auf. Einst hatte er die Olivenbäume gepflanzt. Sie waren sein Stolz und ernährten die Familie. Nun sitzt er mit seiner Frau am Kamin. Auch ihren Händen sieht man die Jahre der harten Feldarbeit an. Mit zärtlichem Blick beobachtet ihr Enkel die Großeltern beim Kochen, Diskutieren, Spazieren. Es sind berührende Momentaufnahmen, die sich zu gelebtem Leben, zur Chronik der Landflucht in Italien verdichten.
Surrealer Bodyhorror: Eine junge Frau schlüpft in eine zweite Haut und ein seltsamer Auflösungsprozess beginnt. Augen, Münder und noch vieles mehr geraten außer Kontrolle.
Handy, Handy in der Hand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Eine junge Frau schlüpft in eine zweite Haut. Sie geht aus, trinkt Bubbletea mit ihren Freundinnen. Selfies werden geschossen. Die Stimmung ist aufgekratzt. Doch wieder daheim verschmelzen sie und die äußere Hülle miteinander, ein Ich löst sich auf. Das eigene Spiegelbild wird zur Schimäre. Eine surreale Body-Horror-Animation über Schönheitsideale und den Zwang, ins Bild zu passen.
Anke Leweke
Credits
Regie
Sujin Moon
Kamera
Sujin Moon
Schnitt
Sujin Moon
Produktion
Sujin Moon
Ton
Sujin Moon
Musik
Sujin Moon
Ausgezeichnet mit:
Silberne Taube für den besten Film einer Nachwuchsregie (Internationaler Wettbewerb Kurzfilm)
An der irischen Westküste, begleitet vom kritischen Blick des Großvaters, erlernt Cian das herausfordernde Handwerk des Schäfers. Eine einfühlsame Coming-of-Age-Beobachtung.
Der sechzehnjährige Cian soll nach der Schule auf dem Schäferhof der Familie einsteigen. Das Leben dort ist so rau wie die westirische Küstenlandschaft. Fürs Ausschlafen oder Fußballspielen bleibt keine Zeit. Stattdessen müssen Hammel an den Hörnern genommen werden. Aus nächster Nähe beobachtet die Kamera in dieser einfühlsamen Coming-of-Age-Studie, wie der schmächtige Kerl die herausfordernden Handgriffe des Schäferberufs erlernt, begleitet vom geduldigen und kritischen Blick des Großvaters.
Daniel Abma
Credits
Regie
Matthias Joulaud, Lucien Roux
Kamera
Matthias Joulaud, Lucien Roux
Schnitt
Selin Dettwiler
Produktion
Jaber Debzi, Jean-Guillaume Sonnier
Ton
Yatoni Roy Cantu
Musik
Yatoni Roy Cantu
Ausgezeichnet mit:
Special Mention (Internationaler Wettbewerb Kurzfilm)
Ein wunderbar untergründiger Animationsfilm über die relevante (und bis dato nie ganz geklärte) Frage, wie man seinem Kind eigentlich am wenigsten im Weg steht.
Wer heute ein Kind in die Welt setzt, trägt schwer an der neuen Verantwortung. Als Ethan Barrett als „stay at home dad“ plötzlich für das Wohlergehen seiner kleinen Tochter zuständig ist, begreift er schlagartig: Jede seiner Handlungen wird ihr Leben beeinflussen – ob er will oder nicht. Charmant, ironisch und gewitzt sondiert er, wie er ihrer perfekten Entwicklung am wenigsten im Weg stehen könnte. Nach „Burp“ (DOK Leipzig 2020) das nächste kleine Meisterwerk des untergründigen Humors.
Bizarre Animationen auf einer Metallplatte zu Free-Jazz-Klängen. Lichtreflexe. Linien und Kreise, die menschliche oder insektenähnliche Gestalt annehmen und sich wieder auflösen.
Bizarre Animationen von seltsamer Schönheit auf einer Metallplatte zu Free-Jazz-Klängen. Lichtreflexe. Linien und Kreise, die menschliche oder insektenähnliche Gestalt annehmen, ineinander übergehen und sich wieder auflösen. Manchmal gibt eine Stimme aus dem Off Regieanweisungen, verlangt eine neue Platte. Es geht von vorne los – und doch ganz anders. Langsam begreift man: Es handelt sich um eine Expedition durch eine Unterwelt, die verschwiegen miteinander kommunizierende Irrlichter hervorbringt.
Das Erdreich lebt! Eine Expedition unter Tage: Kanalisationen, Tunnelgänge, bizarre Wurzelwerke und unbekannte Formationen. Doch aus wessen Perspektive schauen wir hier?
Eine junge Frau bringt Schallsensoren an einem Baum an. Einen Nagel nach dem anderen hämmert sie in die Rinde. Etwas regt sich im Inneren der Erde, scheint angelockt von dem Geräusch. Dieses Wesen, was auch immer es ist, geht auf die Suche nach dem Ursprung, gleitet durch Tunnelsysteme, durch bizarre Formationen im Untergrund. Manchmal sieht man unsere Welt von unten, laufende Menschen auf ihren täglichen Wegen. Das Erdreich lebt! Es gibt noch einiges zu entdecken.