Filmarchiv

DOK Neuland 2025
Filmstill Geomancy
Geomancy Sybil Montet
Ein experimenteller Science-Fiction-Film, der sich ständig mit dem Wetter verändert. Er reagiert auf Echtzeitdaten aus aller Welt. Eine lebendige Interaktion zwischen Computergrafik und Natur.
Filmstill Geomancy

Geomancy

Geomancy
Sybil Montet
DOK Neuland 2025
XR
Frankreich,
Deutschland
2024
10 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Dieser Cyborg unter den Filmen lässt Computergrafik und Natur dynamisch interagieren. Auf der Basis planetarer Daten von über vierzig Orten auf der ganzen Welt werden Rhythmus und Sequenzierung in Echtzeit vom Wettergeschehen umgeformt. Konzipiert im Geist der Geomantie, die den Geschichten der Erde lauscht und ihr antwortet, ist hier eine Erfahrung von wahrhaft magischer Qualität zu machen.

Dana Melaver

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Sybil Montet
Produktion
Sybil Montet
Ton
Davor Bokhari
Coding
Phil Rohr
Interaktives Design
Pavel Seldemirov
Produktionsfirma
ifa Visual Arts
MDR Special Screening 2025
Filmstill Go Clara Go
Go Clara Go Sylvie Kürsten
In den 1970er Jahren erklären die Freigeister der Künstler*innengruppe aus Karl-Marx-Stadt Clara Mosch die DDR zur Happening-Zone. Ein poetisches Filmporträt über die Kraft der Kunst.
Filmstill Go Clara Go

Go Clara Go

Go Clara Go
Sylvie Kürsten
MDR Special Screening 2025
Dokumentarfilm
Deutschland
2025
93 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Keine

In den 1970er Jahren erklären die Freigeister der Künstler*innengruppe aus Karl-Marx-Stadt Clara Mosch die DDR zur Happening-Zone. Ein poetisches Filmporträt über die Kraft der Kunst.

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Sylvie Kürsten
Kamera
Martin Langner
Produktion
Gregor Streiber
Filmstill God Is Shy

God Is Shy

Dieu est timide
Jocelyn Charles
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Frankreich
2025
15 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch

Die Zugfahrt ist sterbenslangweilig. Die Landschaft rauscht sirrend als abstraktes Farbkaleidoskop vorbei, und Ariel und Paul vertreiben sich die Zeit, indem sie füreinander ihre schlimmsten Albträume zeichnen. Bei Paul ist es die auf offener See auf ihn zuschwimmende Mutter, die ihn unter Wasser reißt, bei Ariel die Konfrontation mit einer psychotischen Frau in der Badewanne. Was als Spiel beginnt, entwickelt plötzlich unheimliche Züge, als sich die mitreisende Gilda dazu setzt – und dann davon erzählt, dass ihr das Unheimlichste überhaupt passiert sei. Sie habe ihren dementen Mann im Schlaf hypnotisiert. Derjenige, der ihr dann antwortete, sei niemand Geringeres als Gott gewesen. Ein ungehaltener Gott, ein verstimmter Gott, und schließlich ein regelrecht erzürnter Gott, denn sie habe partout nicht aufhören wollen, ihren schlafenden Mann zu fragen: Warum existieren wir?
Mit einem unglaublich präzisen Sinn für den Moment, in dem das Profane plötzlich Horrorpotenzial entwickelt, nimmt uns Jocelyn Charles mit auf einen großartigen Psychotrip. Dabei überlässt es der Regisseur dem Publikum, ob man den 2D-animierten Film einfach als pointierte Genre-Unterhaltung schaut, oder ob man die Untertöne mitnimmt: die Hybris, als Mensch ständig Gott spielen und jedes Mysterium aufklären zu wollen, beispielsweise. Eine Hybris, die nicht ohne Folgen bleibt.

Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jocelyn Charles
Buch
Jocelyn Charles
Produktion
Joséphine Mancini
Animation
Tamerlan Bekmurzayev, Jocelyn Charles, Hugues Valin
Filmvertrieb
Anaïs Colpin
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Retrospektive: Un-American Activities 2025
Filmstill Golub
Golub Jerry Blumenthal, Gordon Quinn
Wie kann man auf die Gräuel, die sich tagtäglich in der Welt ereignen, mit Kunst antworten? Leon Golub gibt Einblicke in sein New Yorker Atelier und zeigt seine schonungslos politische Malerei.
Filmstill Golub

Golub

Golub
Jerry Blumenthal, Gordon Quinn
Retrospektive: Un-American Activities 2025
Dokumentarfilm
USA
1988
55 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine

Wie hängen Kunst und gesellschaftliche Wirklichkeit zusammen? Wie kann man auf die Gräuel, die sich tagtäglich in der Welt ereignen, mit Kunst antworten? Ab wann ist Kunst politisch, ab wann vom Markt korrumpiert? In seinem New Yorker Atelier arbeitet Leon Golub (1922–2004) an riesigen Leinwänden, nimmt sich Pressefotos als Vorlagen, destilliert Gesten daraus, trägt Farbe auf, trägt sie ab, schabt vormals Verdecktes frei. Das hat etwas Gewaltsames – wie die martialischen Motive seiner Werke. Sie zeigen Erschießungen, Folterungen oder fratzenhafte Gestalten, die an ihren unmenschlichen Taten Gefallen finden. Es sind Motive, wie sie normalerweise der Investigativjournalismus zu Kriegszeiten zutage fördert. Nun hängen sie im vermeintlich alltagsbefreiten Ausstellungsraum – und schockieren.

Tobias Hering, Tilman Schumacher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jerry Blumenthal, Gordon Quinn
Kamera
Gordon Quinn
Schnitt
Jerry Blumenthal
Produktion
Kartemquin Films
Filmstill Green Desert

Green Desert

Desierto verde
Meliza Luna Venegas
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Chile
2025
70 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch

Schwer zu sagen, welche Bilder aus der Vergangenheit stammen und welche von heute – etwa wenn die Regisseurin im Haus ihrer Urgroßeltern in den Spiegel blickt und darin mehrere Generationen ihrer mütterlichen Verwandtschaftslinie gleichzeitig sieht, all die Frauen, die früher Figuren aus Ton fertigten und zur Vihuela, einer Art Gitarre, Lieder sangen. Das Haus steht im Wald, in den Bergen: knorrige Baumstämme, rauschendes Wasser, grünes Laub und schimmernde Blüten auf Zelluloid, das Farben und Texturen zu einem hinreißenden Ganzen verschmelzen lässt. Aber dieses Naturparadies ist verschwunden, Waldbrände haben die alten Eichen mitsamt ihrem Unterholz zu Asche gemacht.
Wenn der Mann auf dem Pferd ein Holzkreuz durch das jetzt kahle Gelände zieht, scheint es, als würde er die Landschaft selbst betrauern. Die von der Regierung angelegte Kiefern-Monokultur ist kein Ersatz, nur noch mehr Futter für die Holzindustrie, das darauf wartet, in den riesigen Häcksler zu wandern und sich als Staub aus Spänen und Splittern auf den nackten Körper der Regisseurin zu senken. „Green Desert“ ist ein enorm persönlicher Essayfilm voller Schönheit, Wut und Reue. Er verbindet das Schicksal einer Familie mit allgemein lebensformenden Traditionen, er verknüpft eine unfreiwillig verformte Region in Chile mit einem allgemeinen ökologischen Unwohlsein.

James Lattimer

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Meliza Luna Venegas
Buch
Meliza Luna Venegas
Kamera
Ignacio Igna Martinez, Cristina Daza
Schnitt
Melisa Miranda, Macarena Ortiz
Produktion
Isabel Orellana Guarello
Co-Produktion
Vestigio Cine
Ton
Pablo Pinto
Sound Design
Romina Cano
Musik
Santiago Jara
Nominiert für: FIPRESCI Preis, Silberne Taube, Preis der Interreligiösen Jury
Doc Alliance Award 2025
Filmstill Grey Zone
Grey Zone Daniela Meressa Rusnoková
In der „Grauzone“ geborene Kinder sind Extremfrühchen, der Umgang mit ihnen ist gesellschaftlich kaum vorgesehen. Daniela Meressa Rusnoková wagt eine höchst intime, verletzliche Annäherung.
Filmstill Grey Zone

Grey Zone

Šedá zóna
Daniela Meressa Rusnoková
Doc Alliance Award 2025
Dokumentarfilm
Slowakei
2024
75 Minuten
Slowakisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Kommt ein Kind bereits in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt, befindet es sich in der sogenannten Grauzone. Die Eltern entscheiden, ob es kurativ oder palliativ behandelt, ob es also am Leben erhalten oder sanft in den Tod begleitet werden soll. Daniela Meressa Rusnoková hat fünfzehn Minuten Zeit zu überlegen. Sie entscheidet sich für Ersteres. Fortan befindet auch sie sich in einer Grauzone, ohne Halt und Orientierung in einem blinden gesellschaftlichen Fleck, in dem der Umgang mit Frühgeburten ausgespart und unbesprochen bleibt.
Rusnokovás filmisches Tagebuch eines fortwährenden Extremzustandes ist radikal intim und verletzlich. Es lässt emotionale Kreisläufe voller Schmerz, Schuld, Verzweiflung und Wut fast körperlich spürbar werden und zeichnet dabei nach, wie der Alltag mit einem schwerbehinderten Kind das eigene Wertesystem neu ordnet, einen anderen Zugang zum Leben selbst eröffnet.

Felix Mende

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Daniela Meressa Rusnoková
Kamera
Radka Sisulakova, Jonathan Ryan King
Schnitt
Alexandra Gojdičová, Tereza Michalova, Jonathan Ryan King, Maria Hirgelova
Produktion
Jana Belišová
Co-Produktion
Daniela Meressa Rusnoková, Ivan Ostrochovský
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Retrospektive: Un-American Activities 2025
Filmstill The Good Fight: The Abraham Lincoln Brigade in the Spanish Civil War
The Good Fight: The Abraham Lincoln Brigade in the Spanish Civil War Noel Buckner, Mary Dore, Sam Sills
Als 1936 der spanische Bürgerkrieg ausbricht, kommt es zu einer weltweiten Mobilisierung. Auch aus den USA melden sich Hunderte Freiwillige, um dem Vormarsch des Faschismus Einhalt zu gebieten.
Filmstill The Good Fight: The Abraham Lincoln Brigade in the Spanish Civil War

The Good Fight: The Abraham Lincoln Brigade in the Spanish Civil War

The Good Fight: The Abraham Lincoln Brigade in the Spanish Civil War
Noel Buckner, Mary Dore, Sam Sills
Retrospektive: Un-American Activities 2025
Dokumentarfilm
USA
1984
98 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine

Man habe im Leben Dinge getan, auf die man stolz, andere, auf die man nicht stolz sei – unmöglich sei es aber, nicht stolz zu sein auf die Beteiligung am Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939), auch wenn er für die Spanische Republik und ihre Allianz Internationaler Brigaden verloren ging. So einer der US-amerikanischen Veteranen, deren bittere, aber von Selbstachtung geprägte Kriegserinnerungen dieser Film würdigt. Die Abraham Lincoln Brigade setzte sich aus freiwilligen US-Bürger*innen zusammen, die unter widrigen Bedingungen und ohne Parteibuchgehorsam bis 1939 gegen den spanischen und deutschen Faschismus für Demokratie kämpften, während die US-Regierung eine strikte, schließlich fatale Appeasement-Politik fuhr. Ein erfrischend undogmatisches, an unverbrauchtem Archivmaterial reiches Dokument.

Tobias Hering, Tilman Schumacher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Noel Buckner, Mary Dore, Sam Sills
Kamera
Stephen Lighthill, Peter Rosen
Schnitt
Noel Buckner
Produktion
Noel Buckner, Mary Dore, Sam Sills
Musik
Wendy Blackstone, Bernardo Palombo
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Filmstill The Great History of Western Philosophy
The Great History of Western Philosophy Aria Covamonas
Was haben Mao und Mickey Mouse gemeinsam? Vielleicht weiß man es auch nach diesem wilden Cut-out-Animation-Ritt nicht besser, aber zwischenzeitlich hat man viel über sie schmunzeln dürfen.
Filmstill The Great History of Western Philosophy

The Great History of Western Philosophy

La gran historia de la filosofía occidental
Aria Covamonas
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Mexiko
2025
73 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

„Versuchen Sie nicht, über diesen Film nachzudenken. Er ist völlig verrückt und ergibt überhaupt keinen Sinn.“ Das lässt Aria Covamonas in diesem wilden Cutout-Animation-Ritt durch die chinesische und westliche (Philosophie-)Geschichte gleich zu Anfang verkünden – und hält Wort. In scheinbar arbiträrer Reihenfolge treten zahllose Figuren auf, die ohne erkennbaren roten Faden zum Tode verurteilen, sich streiten oder anbändeln – dies aber auf die absurdeste und lustigste Weise tun. Irgendwann taucht beispielsweise Platon auf, den die Elefanten baden müssen, weil er zu lange in der Höhle war. Aber auch Mao, Micky Maus, Nietzsche und Lacan betreten die Bühne. Entnommen sind sie allesamt der Public Domain, genauso wie die chinesischen Dialoge, die nach Rhythmus geschnitten aus den Mündern kommen; die englischen Untertitel haben mit ihnen nichts zu tun.
Jede Interpretation, so Covamonas, sei möglich – und gewünscht. Nichtsdestotrotz verdichten sich Themenfelder: Die willkürliche Gewaltanwendung, die jedes autoritäre Regime auszeichnet, wird ebenso karikiert wie die Absurdität jedweden Kanons. Aber auch Covamonas ist von ihm geprägt: Visuell eine Hommage an dadaistische Collage-Kunst à la Hannah Höch, auditiv ein Verweis auf das Rauschen früher Tonfilme, kann man sich in diesem überbordenden Schatz gesampelter Weltkultur herrlich amüsieren und Referenzen-findend treiben lassen.

Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Aria Covamonas
Buch
Aria Covamonas
Kamera
Aria Covamonas
Schnitt
Aria Covamonas
Produktion
Lucia Cavalchini, Camilla Uboldi
Ton
Aria Covamonas
Sound Design
Daria Kashcheeva
Animation
Aria Covamonas
Filmvertrieb
Annabel Sebag