Filmarchiv

Land (Film Archive)

Filmstill A Jewish Problem

A Jewish Problem

A Jewish Problem
Ron Rothschild
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Deutschland
2025
80 Minuten
Englisch,
Deutsch,
Hebräisch
Untertitel: 
Englisch

Im ersten Bild steht ein Gitter zwischen der Kamera und der Welt. Es vermittelt das Sichtfeld eines israelischen Soldaten, der zwischen 2007 und 2010 in den von Israel besetzten Gebieten als Kameramann eingesetzt wurde. Der selbstkritische Kommentar des Filmemachers fragt heute, was er damals sehen konnte und was nicht. Mit dem Verlassen des Landes und der Ankunft in Deutschland setzte ein Lernprozess ein, den er hier in einer vielschichtigen und sehr persönlichen Recherche nachzeichnet: „Ich habe gelernt, dass ich mir selbst nicht trauen kann, das Richtige zu tun.“
In komplexen Kameraschwenks kommen aktuelle deutsche Straßenszenen ins Bild, die Zeichen des prekären Miteinanders bündeln, während sich Familien und Freundeskreise über den sogenannten Nahostkonflikt auseinanderbewegen. Ron Rothschild lebt nun in einem Land, das seine Großmutter mit sieben Jahren auf der Flucht vor den Nazis fluchtartig verlassen musste. Im hohen Alter konnte sie noch Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“ auswendig rezitieren. In Haifa angekommen, war sie als Soldatin Teil des Aufbaus des Staates Israel und der Vertreibung von Palästinenser*innen. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit erzeugt in der Familiengeschichte Ambivalenzen und offene Fragen, denen sich der Enkelsohn stellt, ohne die immer wieder neuen Distanzen, die sich zwischen Kamerablick und Welt ergeben, aufzulösen.

Jan Künemund

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Ron Rothschild
Buch
Gil Rothschild
Kamera
Ron Rothschild, Julien Mayer, Masha Biller, Fion Mutert, Sina Aghazadeh
Schnitt
Astrid Hohle Hansen
Produktion
Yusuf Celik
Sound Design
Vadim Mühlberg
Musik
Georg Mausolf
Key Collaborator
Andreas Louis, Eyal Davidovitch
Nominiert für: DEFA Förderpreis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Hommage: Punto y Raya 2025
Filmstill A Joy
A Joy Jodie Mack
Im Stil der Cameraless Animation von Len Lye und Stan Brakhage grooven die dynamische Bilder dieses energiegeladenen Musikvideos zum Sound von Four Tet - irgendwo zwischen Jazz, Punk und Techno. 
Filmstill A Joy

A Joy

A Joy
Jodie Mack
Hommage: Punto y Raya 2025
Animationsfilm
USA
2005
4 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Im Stil der kameralosen Animation eines Len Lye oder Stan Brakhage grooven die dynamischen Bilder dieses energiegeladenen Musikvideos zum Sound von Four Tet. Man meint, Elemente aus Jazz, Punk und Techno zu hören, und doch lassen sich die eigensinnigen Klänge genauso wenig greifen wie das visuelle Geschehen. Alles prescht mit einer irren Geschwindigkeit davon. Ein belebender Sprint für Auge und Ohr.

Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jodie Mack
Filmstill Jinsei

Jinsei

Mumei no jinsei
Ryuya Suzuki
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Japan
2025
93 Minuten
Japanisch
Untertitel: 
Englisch

Der Originaltitel des Films lautet übersetzt in etwa „Ein namenloses Leben“, und anders kann man die Story kaum zusammenfassen. Den wirklichen Namen ihres Protagonisten werden wir nie erfahren, doch in den hundert einsamen Jahren, die wir ihn 90 Kinominuten lang begleiten, sehen wir ihn in immer neuen Facetten. Am Anfang steht eine scheinbar unschuldige Montage von Taxifahrten im Jahre 1994. Aber so nonchalant, wie sich die Szenen hier aneinanderreihen, so sehr muss man auf Feinheiten achten, will man im darauffolgenden Jahrhunderttrip nicht die Übersicht verlieren. Die Reise beginnt in der nordjapanischen Provinz und führt über die J-Pop-Welt des Tokioter Szeneviertels Harajuku bis in eine postapokalyptische Zukunft, in der Fernand Léger und Stanley Kubrick einander die Hand reichen.
Ryuya Suzuki gilt als Außenseiter in der zeitgenössischen japanischen Animation. Er fungiert als alleiniger Autor, Regisseur, Animator, Cutter und Filmmusiker. „Jinsei“ ist ganz allein seine Vision, ein Film über Leben und Tod, über Schicksal und Rebellion, über Macht und Ohnmacht, schonungslos und gefühlvoll. Die 2D-Animation ist einfallsreich, überraschend, meist minimalistisch, stets irritierend, zuweilen kontemplativ, dann wieder explosiv. Ein Höllenritt über menschliche Abgründe, mit so viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt, dass sich auch bei wiederholtem Ansehen immer neue Räume öffnen.

Christoph Terhechte

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Ryuya Suzuki
Buch
Ryuya Suzuki
Kamera
Ryuya Suzuki
Schnitt
Ryuya Suzuki
Produktion
Kenji Iwaisawa
Ton
Shuji Suzuki
Sound Design
Shuji Suzuki
Animation
Ryuya Suzuki
Filmvertrieb
Keiko Yoshida