Filmarchiv

Jahr

Land (Film Archive)

Filmstill Ghost Cat Anzu

Ghost Cat Anzu

Bakeneko Anzu-chan
Yôko Kuno, Nobuhiro Yamashita
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Japan,
Frankreich
2024
96 Minuten
Japanisch
Untertitel: 
Englisch
Die elfjährige Karin verbringt den Sommer auf dem Lande und schließt dort Freundschaft mit einer sprechenden Riesenkatze. So weit, so lieb. Doch es geht weiter. Ihr Vater hat Schulden bei Gangstern gemacht, die ihn halb zu Tode prügeln werden. Der Gott der Armut stellt Karin nach. Er wird sie in die Hölle führen, wo ihre verstorbene Mutter eine ewige Existenz als Putzfrau fristet. Hört sich das immer noch lieb an? Falls „Ghost Cat Anzu“ ein Kinderfilm sein sollte, dann der gnadenloseste, den man sich vorzustellen vermag.
Der Katzendämon beziehungsweise Bakeneko ist in der japanischen Mythologie ein wohlbekannter Akteur. Auch sonst finden sich in Takashi Imashiros Manga, auf dem dieser Film basiert, vertraute Muster: das Portal zur Parallelwelt, die Fabelwesen im Wald … Doch steckt der Teufel im Detail. Denn Comic und Adaption gehen mit den Traditionen erstaunlich respektlos um. Menschen und Geister benehmen sich oft wie die letzten Rüpel, und der Eingang zur Hölle führt durch eine Kloschüssel. Erstlingsregisseurin Yôko Kuno und der renommierte Nobuhiro Yamashita, der zum ersten Mal bei einem Animationsfilm Co-Regie führt, arbeiteten mit dem Rotoskopie-Verfahren. Die skurrilen, cartoonhaften Figuren und malerischen Hintergründe kontrastieren so stimmig, die Akzente sind so liebevoll gesetzt, dass man die schwüle Sommeratmosphäre fühlen, schmecken, riechen und greifen kann.
Christoph Terhechte

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Yôko Kuno, Nobuhiro Yamashita
Buch
Shinji Imaoka
Kamera
Masato Makino
Schnitt
Toshihiko Kojima
Produktion
Keiichi Kondo, Hiroyuki Neigishi, Shunsuke Yanagisawa
Co-Produktion
Pierre Baussaron, Emmanuel-Alain Raynal, Yukari Nishikawa
Musik
Keiichi Suzuki
Animation
Julien de Man
Filmvertrieb
Léonard Altmann / CHARADES
Filmstill God Is Shy

God Is Shy

Dieu est timide
Jocelyn Charles
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Frankreich
2025
15 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Die Zugfahrt ist sterbenslangweilig. Die Landschaft rauscht sirrend als abstraktes Farbkaleidoskop vorbei, und Ariel und Paul vertreiben sich die Zeit, indem sie füreinander ihre schlimmsten Albträume zeichnen. Bei Paul ist es die auf offener See auf ihn zuschwimmende Mutter, die ihn unter Wasser reißt, bei Ariel die Konfrontation mit einer psychotischen Frau in der Badewanne. Was als Spiel beginnt, entwickelt plötzlich unheimliche Züge, als sich die mitreisende Gilda dazu setzt – und dann davon erzählt, dass ihr das Unheimlichste überhaupt passiert sei. Sie habe ihren dementen Mann im Schlaf hypnotisiert. Derjenige, der ihr dann antwortete, sei niemand Geringeres als Gott gewesen. Ein ungehaltener Gott, ein verstimmter Gott, und schließlich ein regelrecht erzürnter Gott, denn sie habe partout nicht aufhören wollen, ihren schlafenden Mann zu fragen: Warum existieren wir?
Mit einem unglaublich präzisen Sinn für den Moment, in dem das Profane plötzlich Horrorpotenzial entwickelt, nimmt uns Jocelyn Charles mit auf einen großartigen Psychotrip. Dabei überlässt es der Regisseur dem Publikum, ob man den 2D-animierten Film einfach als pointierte Genre-Unterhaltung schaut, oder ob man die Untertöne mitnimmt: die Hybris, als Mensch ständig Gott spielen und jedes Mysterium aufklären zu wollen, beispielsweise. Eine Hybris, die nicht ohne Folgen bleibt.
Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jocelyn Charles
Buch
Jocelyn Charles
Produktion
Joséphine Mancini
Animation
Tamerlan Bekmurzayev, Jocelyn Charles, Hugues Valin
Filmvertrieb
Anaïs Colpin
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025

The Great History of Western Philosophy

Aria Covamonas
Was haben Mao und Mickey Mouse gemeinsam? Vielleicht weiß man es auch nach diesem wilden Cut-out-Animation-Ritt nicht besser, aber zwischenzeitlich hat man viel über sie schmunzeln dürfen.
Filmstill The Great History of Western Philosophy
Filmstill The Great History of Western Philosophy

The Great History of Western Philosophy

La gran historia de la filosofía occidental
Aria Covamonas
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Mexiko
2025
73 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch
„Versuchen Sie nicht, über diesen Film nachzudenken. Er ist völlig verrückt und ergibt überhaupt keinen Sinn.“ Das lässt Aria Covamonas in diesem wilden Cutout-Animation-Ritt durch die chinesische und westliche (Philosophie-)Geschichte gleich zu Anfang verkünden – und hält Wort. In scheinbar arbiträrer Reihenfolge treten zahllose Figuren auf, die ohne erkennbaren roten Faden zum Tode verurteilen, sich streiten oder anbändeln – dies aber auf die absurdeste und lustigste Weise tun. Irgendwann taucht beispielsweise Platon auf, den die Elefanten baden müssen, weil er zu lange in der Höhle war. Aber auch Mao, Micky Maus, Nietzsche und Lacan betreten die Bühne. Entnommen sind sie allesamt der Public Domain, genauso wie die chinesischen Dialoge, die nach Rhythmus geschnitten aus den Mündern kommen; die englischen Untertitel haben mit ihnen nichts zu tun.
Jede Interpretation, so Covamonas, sei möglich – und gewünscht. Nichtsdestotrotz verdichten sich Themenfelder: Die willkürliche Gewaltanwendung, die jedes autoritäre Regime auszeichnet, wird ebenso karikiert wie die Absurdität jedweden Kanons. Aber auch Covamonas ist von ihm geprägt: Visuell eine Hommage an dadaistische Collage-Kunst à la Hannah Höch, auditiv ein Verweis auf das Rauschen früher Tonfilme, kann man sich in diesem überbordenden Schatz gesampelter Weltkultur herrlich amüsieren und Referenzen-findend treiben lassen.
Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Aria Covamonas
Buch
Aria Covamonas
Kamera
Aria Covamonas
Schnitt
Aria Covamonas
Produktion
Lucia Cavalchini, Camilla Uboldi
Ton
Aria Covamonas
Sound Design
Daria Kashcheeva
Animation
Aria Covamonas
Filmvertrieb
Annabel Sebag