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Jahr

Filmstill A Simple Soldier

A Simple Soldier

A Simple Soldier
Artem Ryzhykov, Juan Camilo Cruz
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2025
Dokumentarfilm
UK,
Ukraine,
USA
2025
95 Minuten
Englisch,
Russisch,
Ukrainisch
Untertitel: 
Englisch

Als am 24. Februar 2022 die russische Invasion beginnt, tritt Artem Ryzhykov freiwillig der ukrainischen Armee bei. Ausgerüstet mit Maschinengewehr und Kamera, dokumentiert der Filmemacher seinen Alltag als Soldat. Doch schon bald zeigt sich, wie Vorstellung und Realität auseinanderdriften. Während ihn zu Beginn explodierende Bomben so sehr erschrecken, dass er in der verbarrikadierten Küche zu Boden stürzt, während verbrannte Leichen einer besiegten russischen Militäreinheit an der Front in Irpin für sensationsgierige Bilder sorgen, verlieren sich Euphorie und Sensibilität allmählich auf dem Schlachtfeld. Ryzhykov fällt langsam aus seiner beobachtenden Rolle, die Kamera verkommt zum „Spielzeug“ und wird von der Waffe abgelöst.
Das Kriegsgeschehen hinterlässt traumatische Spuren. Zunehmend entfremdet sich Ryzhykov von sich selbst und von seinem privaten Umfeld. Der überwältigende emotionale Ballast lässt sich nicht mehr so leicht katalysieren, Reflexionsräume werden immer kleiner und die Telefonate mit seiner Frau Irusya kälter und wortkarger. Co-Regisseur Juan Camilo Cruz formte aus über tausend Stunden Videomaterial einen Erzählstrang von unmittelbarer Eindrücklichkeit: ein intimer Einblick in das Leben eines Menschen, der versucht, in all dem Chaos klarzukommen.

Philipp Hechtfisch

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Artem Ryzhykov, Juan Camilo Cruz
Buch
Juan Camilo Cruz, Jesper Osmund
Kamera
Artem Ryzhykov, Ruslan Girin, Ruslan Girin
Schnitt
Jesper Osmund, Inés Boffi Sae-Ammac
Produktion
Howard Owens, Ben Silverman, James Packer, John Battsek, Marcel Mettelsiefen
Sound Design
Andrés Velásquez
Musik
Úlfur Hansson
Filmvertrieb
Daniel Thunell
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring, MDR-Filmpreis
Ausgezeichnet mit: Filmpreis Leipziger Ring
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023
Filmstill Self-Portrait Along the Borderline
Self-Portrait Along the Borderline Anna Dziapshipa
Abchasien, für die Regisseurin Erinnerungsort und blinder Fleck zugleich. Von Georgien aus kaum mehr betretbar, nähert sie sich dem abgespaltenen Gebiet assoziativ und persönlich.
Filmstill Self-Portrait Along the Borderline

Self-Portrait Along the Borderline

Avtoportreti zghvarze
Anna Dziapshipa
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023
Dokumentarfilm
Georgien
2023
50 Minuten
Georgisch,
Russisch
Untertitel: 
Englisch

Wie aus einem Horrorfilm wirken Teile des Wohnhauses, das Regisseurin Anna Dziapshipa in ihrer autobiografischen Durchwanderung der Vergangenheit aufspürt: von Spinnweben durchzogen, dunkel, verfallen. Es befindet sich in Abchasien, jenem für Georgier*innen offiziell nicht mehr betretbaren Gebiet, das von Russland protegiert und von der internationalen Staatengemeinschaft nicht als autonome Republik anerkannt wird.

Eine Hälfte von Dziapshipas Familie stammt von hier, unter anderem ein Fußballspieler, seinerzeit Leistungsträger bei Dinamo Tbilisi. In „Self-Portrait Along the Borderline“ montiert die Filmemacherin Aufnahmen seiner sportlichen Aktivitäten, zeigt aber auch die Pracht des einstigen sowjetischen Urlaubsparadieses. Es ist ein persönliches, assoziatives Herantasten, in welchem Dziapshipa ihre eigenen Erfahrungen als Kind mit sowohl georgischem als auch abchasischem Familienstrang verarbeitet und reflektiert. Diskriminierendes spielt dabei ebenso eine Rolle wie Feierliches, Verstörendes. Und immer wieder krabbeln Spinnen durchs Bild, weben ihre Netze und damit Verbindungen.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Anna Dziapshipa
Kamera
Anna Dziapshipa
Schnitt
Eka Tsotsoria
Produktion
Anna Dziapshipa
Co-Produktion
Niko Mikadze
Ton
Anna Dziapshipa
Sound Design
Paata Godziashvili
Musik
Nika Paniashvili
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2025
Filmstill Signs of Mr. Plum
Signs of Mr. Plum Urszula Morga, Bartosz Mikołajczyk
Die Entwürfe von Karol Śliwka haben Grafikdesign-Geschichte geschrieben. Doch wer war der Mensch hinter den ikonischen Linien und Formen? Ein agiles, unbedingt nahbares Porträt.
Filmstill Signs of Mr. Plum

Signs of Mr. Plum

Znaki Pana Śliwki
Urszula Morga, Bartosz Mikołajczyk
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2025
Dokumentarfilm
Polen
2025
72 Minuten
Polnisch
Untertitel: 
Englisch

Wenn Karol Śliwka (1932–2018) seine Schublade öffnet, springen ihm Dutzende Werkzeuge entgegen: Scheren, Zirkel, Lineale und Messer. Denn Śliwkas so berühmte wie elegante Grafiken sind reine Handarbeit. Sie prangen auf Konsumgütern und Werbeplakaten, wurden sogar zu ikonischen Symbolen der Vereinten Nationen. Dabei war sein Werdegang nicht unbedingt vorgezeichnet: Als Kind bei einem Unfall empfindlich an den Augen verletzt und dazu bestimmt, den elterlichen Hof zu übernehmen, kann Karol Śliwkas Hinwendung zur Kunst auch als Akt der Rebellion gelten. Dass sie sich bezahlt gemacht hat, beweisen nicht nur die zahlreichen Preise, die er während seiner langen Karriere gewonnen hat. „Signs of Mr. Plum“ gewährt anhand von privaten Videotapes auch Einblick in die freudvolle Ehe mit einer Opernsängerin. Dabei verstehen es Bartosz Mikołajczyk und Urszula Morga, Karol Śliwkas unverkennbare Entwürfe parallel zum Zeitgeschehen in Szene zu setzen, das Lebensgefühl der 1960er und 1970er Jahre leichtfüßig und in schnellen Schnitten einzufangen. Grafikdesign-Geschichte und Biografisches verbinden sich so zu einem nahbaren und überaus amüsanten Konglomerat.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Urszula Morga, Bartosz Mikołajczyk
Buch
Urszula Morga
Kamera
Bartosz Mikołajczyk
Schnitt
Anna Koc-Wikels, Dominik Jagodziński
Produktion
Stanisław Zaborowski, Daria Maślona
Co-Produktion
Ubi Leones, Jan Borowiec, Mazowia
Ton
Radosław Ochnio MPSE
Sound Design
Radosław Ochnio MPSE
Musik
Michał Jacaszek
Broadcaster
TVP
Funding institution
PFI
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Filmstill Smoke of the Fire

Smoke of the Fire

O fumo do fogo
Daryna Mamaisur
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023
Dokumentarfilm
Portugal,
Ukraine,
Belgien,
Ungarn
2023
22 Minuten
Portugiesisch (Portugal),
Ukrainisch
Untertitel: 
Englisch

Das Erlernen einer Fremdsprache ist wie das Erschaffen eines anderen Selbst. Wie kann man sie sprechen, ohne seinen eigenen Klang zu verlieren, ohne sich ganz darin aufzulösen – und trotzdem Gehör und Beachtung finden? Dieser Film ist ein charmanter und intellektuell akribischer Versuch, sich durch die Komplexitäten von Sprache, Identität und Trauma zu navigieren.

Dafür schöpft die Filmemacherin aus der eigenen Biografie. Denn als sich die aus Kyjiw stammende Daryna Mamaisur im Rahmen des Graduiertenstudiums Doc Nomads in Portugal aufhielt, überfiel Russland die Ukraine. Heimat und die Suche danach wurden bestimmend für diese Arbeit, ebenso die traumatische Erfahrung, der schwierigen Situation nur aus der Ferne „beiwohnen“ zu können. Sie, die Ukrainerin in Portugal, lernt Portugiesisch. Sie lässt sich die neuen Vokabeln für „Krieg“, „Explosion“ und „Angriff“ über die Zunge rollen. Sie vergleicht sie mit dem weichen, intimen Klang ihrer Muttersprache, mit dem Klang von Kyjiw. Freund*innen schicken Ton- und Bildaufzeichnungen aus der Ukraine, die sich mit Animationen zu einem vielschichtigen Essay verbinden und schließlich zum Zeugnis werden – für die Widerstandsfähigkeit von Sprache und Kultur, ganz gleich, wo sie gesprochen und gelebt werden, nicht zuletzt auch für die Kraft des künstlerischen Dokumentarfilms, der Sprechen und Klingen möglich zu machen vermag.

Victoria Leshchenko

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Daryna Mamaisur
Kamera
Shaheen Ahmed, Daryna Mamaisur, Svitlana Vostrikova
Schnitt
Daryna Mamaisur
Produktion
Frederik Nicolai, Daryna Mamaisur
Ton
Ghada Fikri, Juliette Menthonnex, Tetiana Usova
Sound Design
Anna Khvyl
Filmvertrieb
Valentina Zalevska