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Land (Film Archive)

Camera Lucida 2024
Filmstill Collective Monologue
Collective Monologue Jessica Sarah Rinland
Dieser experimentelle Dokumentarfilm nimmt zoologische Einrichtungen in Argentinien in den Fokus - und zeichnet so ein komplexes Porträt der vielen Facetten, die einen Zoo ausmachen.
Filmstill Collective Monologue

Collective Monologue

Monólogo colectivo
Jessica Sarah Rinland
Camera Lucida 2024
Dokumentarfilm
Argentinien,
UK
2024
104 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch

Jessica Sarah Rinland besucht zoologische Gärten in ganz Argentinien. Nicht eine einzelne Institution, sondern das institutionalisierte Konzept will sie porträtieren – als beobachtende, gleichwohl investigative Charakterstudie des Zoos an sich. Zu diesem Zweck sammelt sie verschiedene Bildtypen und -texturen. Viel seidiges 16mm-Material, scharfkantige Überwachungsaufnahmen, „ungestört“ umherstreifende Kreaturen in körnigem Schwarz-Weiß, menschliche wie tierische Indigene auf vergilbten Fotografien. Sie alle sind perfekte Entsprechungen für die multiplen Blickwinkel, aus denen sie ihren Gegenstand ins Visier nimmt: der Zoo als Gefangenenlager und koloniale Hinterlassenschaft, aus dem über die Zeiten ein routinierter Betrieb, eine Bewahranstalt, sogar ein Ort der Zärtlichkeit wurde.
Trotz der Ambivalenz des zentralen Themas ist dies wie alle Arbeiten von Rinland ein Film von außerordentlicher Fasslichkeit: Menschenhände putzen, katalogisieren und streicheln, lederne Baumstämme und pelzige Finger greifen auf der Suche nach Trost durch Eisenstangen, Gefieder glitzern in der Sonne. Jean Piaget prägte den Begriff des kollektiven Monologs, um jene Entwicklungsphase zu bezeichnen, in der das Kind an eine nur für es selbst geschaffene und ausschließlich durch es selbst zu kontrollierende Natur glaubt. Zu sehen, wie die Kontrolle der Fürsorge weicht, ist ein seltsam bewegender Vorgang.

James Lattimer

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jessica Sarah Rinland
Buch
Jessica Sarah Rinland
Kamera
Jessica Sarah Rinland
Schnitt
Jessica Sarah Rinland
Produktion
Jessica Sarah Rinland, Melanie Schapiro
Ton
Philippe Ciompi
Camera Lucida 2025
Filmstill Conbody vs Everybody
Conbody vs Everybody Debra Granik
Drei Viertel der US-Haftentlassenen landen innerhalb von fünf Jahren wieder im Knast. Ex-Drogendealer Coss ist entschlossen, der Statistik zu trotzen, gegen alle Vorurteile und Rückschläge.
2025
Filmstill Conbody vs Everybody

Conbody vs Everybody

Conbody vs Everybody
Debra Granik
Camera Lucida 2025
Dokumentarfilm
USA
2025
332 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Von 650.000 Strafgefangenen, die in den USA jährlich in die Freiheit entlassen werden, landen mehr als drei Viertel innerhalb von fünf Jahren wieder hinter Gefängnismauern. Der ehemalige Drogendealer Coss will der Statistik entkommen. Nach einer langen Haftstrafe kehrt er 2014 zu seiner Familie in die New Yorker Lower East Side zurück, fest entschlossen, sich eine legale Existenz aufzubauen. Gemeinsam mit anderen früheren Gefangenen eröffnet er ein Fitnessstudio in seiner alten Nachbarschaft, die sich in rasantem Tempo gentrifiziert. Wenn einer wie er die extreme Herausforderung meistert, kann dasselbe auch den anderen Ex-Convicts gelingen?
Filmemacherin Debra Granik hat Coss’ Anstrengungen über acht Jahre beobachtet. Mit ihrer Kamera nehmen wir Teil an Reibungen und Hürden, an Rückschlägen und Erfolgen, und wir erfahren den enormen Stress, den es bedeutet, in einer rassistischen Umwelt, die keine Nachsicht kennt, allen Erwartungen zum Trotz zu bestehen. Wie ein Bildungsroman – Granik bezieht sich explizit auf die sozialrealistische Literatur eines Charles Dickens – ist der Film in Kapitel eingeteilt. Die lange Form ermöglicht es ihr, mehreren Erzählsträngen nachzugehen und sich einer Vielzahl von Protagonisten zu widmen. So entwickelt sich ein zunehmender Sog, der uns bald die Zeit vergessen, jedes Scheitern beklagen und jeden kleinen Sieg bejubeln lässt.

Christoph Terhechte

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Debra Granik
Kamera
Eric Philips-Horst, Kefentse Johnson, Sean Hanely
Schnitt
Victoria Stewart
Produktion
Anne Rosellini, Joslyn Barnes