Die Städte und Dörfer entlang des peruanischen Abschnitts des Amazonas sind nicht durch Straßen erreichbar. Wer sich das Flugzeug nicht leisten kann, reist per Frachtschiff über Tage den Fluss entlang. Als Transportmittel sind die Boote Teil einer wichtigen Infrastruktur: Fuhren einst während des grausamen Kautschukbooms die Dampfer der „Barone“ auf dieser Strecke, bringen nun Frachter Waren in die Gemeinden am Rande des Regenwaldes.
Die Beobachtungen der peruanischen Brüder Álvaro und Diego Sarmiento und der Anthropologin Terje Toomistu konzentrieren sich ganz auf das Geschehen auf dem Schiff: auf die Be- und Entladung mit Zucker, Hühnern, Zwiebeln, Brause und Baumaterialien, auf die Besatzung, die Passagiere, die Hängematte an Hängematte liegend auf dem Deck mitfahren, und auf die Menschen, die am Rande des Flusses warten. Dabei verklärt die Kamera nie ¬– weder Landschaft noch Arbeit –, ist stattdessen stets mittendrin und steht auch mal im Weg. Die Strecke flussabwärts begleiten Erzählungen von sinkenden Schiffen, von schwimmenden Tieren und von gefundenem Glauben. So zurückhaltend betrachtet, lässt sich doch sehr viel erahnen: über die harten Jobs der Docker, die Lebensumstände der Frauen und Kinder, die auf das Schiff kommen, um Essen zu verkaufen, über den Einfluss der „Israelitas“ und darüber, wie wichtig der Handel per Boot für die indigene Bevölkerung an den Nebenarmen ist.
Marie Kloos