Sinnbilder für Seelentiefen folgen einer eigenen Logik. Ein Mann wird mittels einer Traummaschine mit persönlichen Mythen konfrontiert, die ihn unterbewusst schon lange begleiten.
Der Unergründlichkeit ihres Daseins entsprechend, bedarf es wohl einer ganz eigenen Logik, um Sinnbilder der seelischen Tiefen entschlüsseln zu können. Anhand einer Art selbst gebastelter Traummaschine konfrontiert Švankmajer den Protagonisten mit dessen persönlichen Mythen, die ihn das ganze Leben lang unterbewusst begleiten und ihn noch im Erwachsenenalter wie ein hilfloses Kind leiden lassen.
Ein Vogel mit Schwanenhals, der sich in Hände schmiegt, eine Halbinsel der Sehnsucht, sanft bewaldet: Atsushi Wada’s Traum- und Schamlogik eines geschlechtlichen Erwachens.
Ein Junge, ein Mädchen, ein Vogel mit sich in Hände schmiegendem Schwanenhals, eine sanft bewaldete Halbinsel der Sehnsucht: Atsushi Wada’s in uniformen und unifarbenen Motiv- und Ereignisketten entwickelte, fast sprachlose Animation folgt der Traum- und Schamlogik eines geschlechtlichen Erwachens. Traurigkeit liegt über den rundlich-kindlichen Figuren, vielleicht die eines ersten „kleinen Todes“.
Sylvia Görke
Credits
Regie
Atsushi Wada
Schnitt
Atsushi Wada
Produktion
Emmanuel-Alain Raynal, Pierre Baussaron, Nobuaki Doi
Björks Gestalt nimmt übergangslos fantastische, organische Formen an. Ihr Song macht reinen Tisch: Tabula rasa, freier Entfaltungsraum für Kinder und deren eigene Fehler.
Die Gestalt der Sängerin Björk formt sich übergangslos zu Blütenblättern, zu Unterwasserwesen mit feinen Tentakeln und anderen fantastischen, organischen Erscheinungen jenseits jeglicher Zuordnung. Zur anmutigen Computeranimation von Tobias Gremmler macht Björk im Gesang reinen Tisch: Tabula rasa, freier, unbelasteter Entfaltungsraum für nachgeborene Kinder und deren Chance auf eigene Fehler.
Liebesbedürftig wirkt das kleine Wesen. Bis es um die Ecke faucht. Auf seinen kurzen Beinchen spurtet es dir durch die leere Vorstadt hinterher. Unbehagen macht sich breit.
Klein und niedl… Nein, nicht niedlich, eher liebesbedürftig und schüchtern wirkt dieses kniehohe Wesen. Bis es um die Ecke faucht. Auf seinen kurzen Beinen spurtet es dir durch die leere Vorstadt hinterher. Unbehagliches Lauern macht sich breit. Malte Stein legt mit gezeichneter Kargheit, gemeinen Geräuschmotiven und nicht so freundlichen Charakteren chirurgisches Besteck für das Kopfkino bereit.
Während ein pubertierender Junge seiner Clique zur Halli-Galli-Dreckschwein-Party folgt, flutet die Mutter mit Trennungsangst das karge Heim. Eine mysteriöse Abnabelungsgeschichte.
Sigmund Freuds Traumsymbolik setzt die Geburt in Beziehung zum Wasser, in das man – so sagte er – entweder hineinstürzt oder dem man entsteigt. Während ein pubertierender Junge mysteriöse Anrufe erhält und seiner Clique schüchtern zur Halli-Galli-Dreckschwein-Party folgt, flutet die Mutter mit Trennungsangst und absurden Szenen das karger werdende Heim, verhöhnt vom pompös verschnörkelten Tapetenmuster.
In den Tiefen und an den Peripherien von überwältigenden Panoramaaufnahmen tauchen wie kleine Punkte Personen auf. Die kolossale Landschaft wird zu einem unendlichen Raum der Angst.
Überwältigende Panoramaaufnahmen von Naturlandschaften werden von Verkehrsschneisen durchschnitten. In den Tiefen und an den Peripherien tauchen wie kleine Punkte Personen auf. Erst allmählich wird erkennbar, dass es sich dabei um Fliehende handelt. Aus der Mikrowelt erwachsen große Dramen, die kolossale Landschaft wirkt zunehmend erbarmungslos und wie ein unendlicher Raum der Angst.
Der spottende Transvestit, der tobende Hund, der prophetische Clown und das kleine Mädchen, alle vereint im Inneren des verzweifelten Protagonisten. Eine Krise mit poetischer Würde.
Der spottende Transvestit, der tobende Hund, der prophetische Clown und das kleine Mädchen vereinen sich im Inneren des verzweifelten Protagonisten. Der Wunsch auszubrechen, drängt sich ihm auf – wie eine auf die Brust gedrückte Pistole. In humorvollen Metaphern treibt Hakhyun Kim eine Krise der Desorientierung auf die Spitze und verleiht ihr in außergewöhnlicher Stilistik poetische Würde.
Ein beunruhigender Videoschnitt versetzt den dösenden Körper von Val Kilmer in Zuckungen. Aus dem Inneren machen sich eine aufgewühlte Seele und ruhelose Erinnerungen bemerkbar.
Eine geisterhafte Stimme singt über Vergänglichkeit, die Kamera schwebt an geschlossenen Vorhängen vorbei. Sie fängt das ausdrucksstarke, vom Leben gezeichnete Gesicht von Val Kilmer im Halbschlaf ein. Rick Alversons beunruhigender stroboskopischer Videoschnitt versetzt den dösenden Körper in Zuckungen. Die inneren Erschütterungen einer aufgewühlten Seele und ruhelose Erinnerungen treten nach außen.
Eine Collage, deren Töne undefinierbar und doch organisch wirken. Pauline Oliveros’ Stück bedarf keiner Bilder. Intuitiv erscheinen sie von selbst vor unserem geistigen Auge.
Eine rein akustische Collage, deren Töne in ihrer Natur undefinierbar und doch irgendwie organisch wirken. Sie ziehen uns in ihren Bann, lassen uns zuweilen vor etwas Unbekanntem erschauern. Die Schwerkraft scheint auszusetzten. Dieses Stück bedarf keiner Bilder, denn intuitiv werden sie sich ganz von selbst wie Tausende von Halluzinationen vor unserem geistigen Auge materialisieren.
Kinder, die sich als Richter aufspielen, erteilen dem Nachbarsjungen eine Lektion. Das Mobbingszenario nach Charles Bukowski zeigt in rohem Comicstil mörderische Gruppendynamik.
Ein erschütterndes Mobbingszenario nach einer Short Story von Charles Bukowski, das dessen Sprache in rohem Comicstil authentisch umsetzt. Eine Kindergang erteilt dem Nachbarsjungen eine Lektion. Das sei ihre Pflicht, reden sich die selbsternannten Gerechten ein. Was wie ein Spiel beginnt, steigert sich in einem Gefüge aus Dominanz und banaler Irrationalität zu mörderischer Gruppendynamik.
Nervös vibriert die Kamera, ein Quietscheentchen wird von der Algebra geköpft. Kurz und mit voller Wucht entzündet David Lynch ein Fanal gegen den verschulten Blick auf die Welt.
Nervös vibriert die Kamera, ein Quietscheentchen wird von der Algebra geköpft. In nur einer Minute und mit voller Wucht entzündet David Lynch ein Fanal gegen den verschulten Blick auf die Welt. Reading, wRiting, aRithmetic – die drei Grunddisziplinen der kulturtechnischen „Abrichtung“ entpuppen sich als Trauma der Kindheit und Gegner des nicht Vermessbaren, des Rätselhaften und Unbeschreiblichen.
Weit streckt sie die Arme aus: Für den Übertritt von der unerträglichen Wirklichkeit in den Traum braucht es manchmal nur ein Fingerschnipsen, ein anderes Mal mehrere Liegestütze.
Weit streckt sie die Arme aus: „Ich will nach Hause gehen, träumen.“ Für den Übertritt von der unerträglichen Wirklichkeit in die magische Welt braucht es manchmal nur ein Fingerschnipsen, ein anderes Mal mehrere Liegestütze. Gudrun Krebitz’ poetische Arbeit aus Video und Animation empfiehlt, die Grabplatte wegzuschieben und in das Unterbewusstsein hinabzusteigen.
Ein Mädchen, betroffen von Ausgrenzung, kreiert einen kleinen Dämon. Der seelische Schmerz wird zur lebensbestimmenden Identitätsfigur, von der es scheinbar kein Loskommen gibt.
Ein Mädchen, betroffen von Ausgrenzung, kreiert wütend einen kleinen Dämon, der sie von nun an für immer begleiten wird. Er tröstet sie in Momenten der Enttäuschung, hält sie aber auch in ihrer Einsamkeit fest. In Budanovas wunderschönem Animationsfilm formiert sich der seelische Schmerz zu einer Identitätsfigur, von der es unmöglich erscheint, sich ihr jemals wieder entziehen zu können.