The Poetess

The Poetess

Dokumentarfilm
2017
89 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Andreas Wolff
Stefanie Brockhaus, Andreas Wolff
Sebastian Zenke
Tobias Tempel, Stefanie Brockhaus
Hansjörg Weißbrich, Anja Pohl
Christoph von Schönburg, Michael Hinreiner
Ein Augenpaar, auf das Millionen blickten. 2010 betrat die saudische Dichterin Hissa Hilal eine Bühne, auf der man sie beim besten Willen nicht übersehen konnte: die Fernsehshow „Million’s Poet“, ein Dichterwettstreit zur besten Sendezeit, der im arabischen Raum zum Straßenfeger wurde. Dabei war ihre Erscheinung – vom Gesichtsschleier über das bodenlange schwarze Gewand bis hin zu den eingeübten Gesten der Zurückhaltung – ganz an den für Frauen geltenden Regeln ausgerichtet, also dazu angetan, sich dem Blick zu entziehen. Die Erlaubnis des Ehemannes hatte sie vorschriftsmäßig eingeholt, die Vorrunden erfolgreich absolviert. Dann kam jenes Gedicht zum Vortrag, in dem Hissa Hilal sich gegen die blinde Wut der religiösen Fanatiker wandte.

Der Rest ist neuere Mediengeschichte. Denn das Ereignis, das Stefanie Brockhaus und Andreas Wolff in Gesprächen, aber auch aus dem Bildgedächtnis der Fernsehunterhaltung rekonstruieren, gelangte in westliche TV-Stationen, wurde dort gedeutet und wieder zurückgefunkt: als geringfügig verschobenes Echo. So mag Hissa „The Poetess“ Hilal die personale Mitte dieses Films sein und ihr Fernsehauftritt der vordergründige Gegenstand – die Bild- und Deutungstransfers zwischen Sendern und Empfängern, auch zwischen verschiedenen Entrüstungskulturen zeichnen entscheidend an ihrem Porträt mit. Das zeigt vielleicht kein Antlitz, aber doch Gesicht.

Sylvia Görke


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts