Ein Mann sitzt im Kinopublikum und spricht in ein Mikrofon, das er in der Hand hält.
Susann Jehnichen

DOK Leipzig wird in diesem Jahr ein reduziertes Programm von etwa 120 Filmen präsentieren. Alle Filme sollen in ausgewählten Leipziger Spielstätten, unter Einhaltung der Hygienevorschriften, gezeigt werden. Ein Großteil wird darüber hinaus auch deutschlandweit online verfügbar sein. Außerdem wird das Leipziger Publikum die interaktive Ausstellung DOK Neuland besuchen können. Diese und weitere Entscheidungen haben Festivalleiter Christoph Terhechte und sein Team aufgrund der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Auswirkungen beschlossen.

Das Festival wird angesichts der ungewissen Situation in diesem Jahr keine Gäste einladen. Das Publikum wird sich an den etablierten Filmgesprächen jedoch online beteiligen können, im Kino wie auch in den eigenen vier Wänden. Eine Vielzahl neuer Online-Formate wird den Austausch zwischen Filmschaffenden und Publikum ermöglichen. Die angekündigten Wettbewerbe des Festivals bleiben bestehen, allein die Einführung eines Wettbewerbs für den langen Animationsfilm wird auf 2021 verschoben. Auch einige Sonderreihen werden 2020 in Leipziger Kinos wie im Netz stattfinden.

„Unser Ziel ist es, ein künstlerisch vielschichtiges Hybrid-Festival zu präsentieren, das weiterhin von der Beteiligung des Publikums lebt, vom Gedanken der Solidarität getragen ist und den Charakter eines Filmfestivals bewahrt. Über diese Punkte haben wir uns in den vergangenen Wochen im Team viele Gedanken gemacht und wir werden es weiter tun“, erläutert Christoph Terhechte.

Alle Filme werden, ob im Kino oder online, zu einer festgelegten Zeit ihre Festivalpremiere feiern und danach für maximal zwei Wochen on demand verfügbar sein. „Der Festivalcharakter ist uns wichtig, wir sehen das Streaming-Angebot als Erweiterung der Kinovorführungen. Wir wollen die Filmschaffenden möglichst effektiv unterstützen und einer anschließenden Verwertung ihrer Filme nicht im Weg stehen“, so der Festivalleiter. Die ausgewählten Filme werden im Netz nur in Deutschland zugänglich sein, je Film wird es eine Obergrenze an verfügbaren Tickets geben. Die Tickets bleiben auch im Onlineangebot kostenpflichtig.

„Die Tatsache, dass Filmschaffende 2020 ihre Premieren nicht persönlich in Leipzig mit dem Publikum feiern können, schmerzt enorm“, fährt Christoph Terhechte fort. „Umso mehr wollen wir Filmschaffende, das Publikum und unser Programmteam in einen produktiven Austausch bringen.“ So wird es eine Mischung aus vorab aufgezeichneten und live stattfindenden Filmgesprächen geben. Zudem sind Verschränkungen von Online- und Offline-Angeboten geplant.

Auch das Publikum soll in diesem Jahr Filme bewerten: Die Preise im neu eingeführten Wettbewerb Der Goldene Schnitt für lange und kurze Dokumentar- und Animationsfilme sollen durch eine Leipziger Publikumsjury vergeben werden, die die Filme im Kino auf der großen Leinwand anschaut. Auch das Online-Publikum soll in allen Wettbewerbsprogrammen votieren können. Die Fachjurys werden die Wettbewerbe des Festivals in diesem Jahr hingegen aus der Ferne begutachten.

Die Einreichung für die 63. Ausgabe von DOK Leipzig ist noch geöffnet. Bis zum 7. Juli können Regisseur*innen und Künstler*innen ihre Filme und interaktiven Arbeiten dem Festival übermitteln.

Wie bereits vermeldet, finden die gesamten Branchenangebote von DOK Industry 2020 online statt. Dokumentarfilmprojekte können noch bis zum 1. August für den diesjährigen DOK Co-Pro Market eingereicht werden.