Collage mit Porträtfotos der elf Jury-Mitglieder
v.l.n.r. Heleen Gerritsen, Ines Weizman, Annie Ohayon-Dekel, Maike Mia Höhne, Kazuhiro Soda, Jonatan Schwenk, Jim Stark, Alain Kassanda, Gerd Kroske, Aneta Ozorek und Betina Kuntzsch

Bei der 68. Ausgabe von DOK Leipzig werden drei Jurys aus renommierten Filmschaffenden, Künstler*innen und Fachleuten der Branche sowie eine Publikumsjury kurze und lange Dokumentar- und Animationsfilme aus den Wettbewerben prämieren.

Die Jury für den Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm besteht aus Heleen Gerritsen, Alain Kassanda, Annie Ohayon-Dekel, Kazuhiro Soda und Jim Stark. Die Juror*innen vergeben je eine Goldene Taube für den besten langen und den besten kurzen Dokumentarfilm sowie jeweils eine Silberne Taube für den besten langen und den besten kurzen Dokumentarfilm einer Nachwuchsregie. Für den Wettbewerb nominiert sind neun Lang- und elf Kurzfilme.

Heleen Gerritsen zeichnen ihre umfangreiche Erfahrungen im europäischen Film- und Festivalmanagement sowie ihr langjähriges Engagement für das Kino Mittel- und Osteuropas aus. Ihre Schwerpunkte liegen zudem auf Erinnerungskultur und immersiven Erzählformaten. Von 2014 bis 2016 leitete sie das Filmfestival dokumentART in Neubrandenburg. Anschließend übernahm sie die Leitung des Festivals goEast, das vom Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF) in Wiesbaden veranstaltet wird. Unter ihrer Führung (2017 bis 2025) entwickelte sich das Festival zu einer der wichtigsten Plattformen für mittel- und osteuropäisches Kino in Europa. Heleen Gerritsen ist seit Juni 2025 Künstlerische Direktorin der Deutschen Kinemathek. In dieser Funktion verantwortet sie auch die Berlinale-Sektionen Retrospektive und Berlinale Classics.

An ihrer Seite in der Jury steht der kongolesisch-französische Filmemacher Alain Kassanda. Zu seinen gefeierten Dokumentarfilmen gehören „Trouble Sleep“, der aus der Perspektive eines Taxifahrers und eines Steuereintreibers in der nigerianischen Stadt Ibadan erzählt und bei DOK Leipzig 2020 die Goldene Taube für den besten internationalen Kurzfilm gewann, sowie sein Debütfilm „Colette and Justin“, in dem er seine Familiengeschichte mit der Entkolonialisierung der DR Kongo verknüpft. Für seinen Film „Coconut Head Generation“, der 2023 den Grand Prix bei dem französischen Festival Cinéma du Réel gewann, kehrte Kassanda nach Ibadan zurück.

Ebenfalls Teil der Jury ist die französische Produzentin Annie Ohayon-Dekel, die hauptsächlich mit Les Films du Poisson und 24images Productions zusammenarbeitet. Sie war unter anderem beteiligt an Paul B. Preciados „Behind Orlando, My Political Biography“ (Weltpremiere bei der Berlinale) und Avi Mograbis „The First 54 Years: An Abbreviated Manual for Military Occupation“ (2021 bei der Berlinale und bei DOK Leipzig). Zuletzt produzierte sie „Put Your Soul in Your Hand and Walk“ von Sepideh Farsi, ein eindringliches Porträt der Palästinenserin Fatma Hassona aus Gaza, das 2025 in Cannes im Rahmen der Parallelsektion ACID uraufgeführt wurde.

Der japanische Dokumentarfilmer Kazuhiro Soda widmet sich häufig Feinheiten des menschlichen Lebens sowie den Institutionen, die es prägen, und ist bekannt für seinen geduldigen, beobachtenden künstlerischen Ansatz. Sowohl seine frühere Werke („Campaign“, „Mental“) als auch seine neueren Filme („Inland Sea“, „Zero“ und „The Cats of Gokogu Shrine“) wurden auf verschiedenen internationalen Festivals gezeigt, darunter die Berlinale und Visions du Réel. Soda wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Peabody Award, dem Marek Nowicki Award der Helsinki Foundation for Human Rights und dem Hauptpreis vom Festival des 3 Continents.

Der Juror Jim Stark ist als Produzent und Drehbuchautor in den Vereinigten Staaten und Mexiko tätig. Während seiner mehr als 30 Jahre langen Laufbahn arbeitete er mit herausragenden Filmemacher*innen wie Jim Jarmusch, Gregg Araki („The Living End“) und Adrienne Shelly („I’ll Take You There“) zusammen und war an drei bemerkenswerten Dokumentarfilmen beteiligt: Tatiana Huezos „Tempestad“, Rati Onelis „City of the Sun“ und Weronika Mliczewskas „Child of Dust“. Er gehörte zu den Produzent*innen von Ruben Östlunds preisgekröntem Film „Triangle of Sadness“ und produzierte zusammen mit Celis Szabolcs Hajdus die drei von der Kritik gefeierten Spielfilme „Treasure City“, „Kalman’s Day“ und „Vulture’s Wake“.

Die Jury des diesjährigen Internationalen Wettbewerbs Animationsfilm besteht aus Betina Kuntzsch, Aneta Ozorek und Jonatan Schwenk. Sie wählen aus den fünf nominierten Langfilmen und 23 Kurzfilmen die Preisträger der beiden Goldenen Tauben für den besten langen Animationsfilm und den besten animierten Kurzfilm aus.

In ihren animierten Dokumentarfilmen setzt sich die in Berlin lebende Filmemacherin und Künstlerin Betina Kuntzsch immer wieder mit Perspektiven auf die DDR-Vergangenheit und mit Geschichten von Außenseiterinnen auseinander. In einem medienarchäologischen Langzeitprojekt sammelt, scannt und reanimiert sie Laterna-Magica-Filme aus der Zeit um 1900 und verarbeitet sie in Kurzfilmen, etwa in „wegzaubern“ (2015), für den sie in Leipzig eine Goldenen Taube erhielt. Auch weitere ihrer Filme wurden bei DOK Leipzig präsentiert, darunter „Himmel wie Seide. Voller Orangen“ (Deutscher Dokumentarfilmwettbewerb 2024) und „Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal“ (Deutscher Wettbewerb 2021).

An ihrer Seite in der Jury steht Aneta Ozorek, die künstlerische Leiterin des Kaboom Animation Festivals in Utrecht und Amsterdam, das gewagte, innovative Animationsfilme in Wettbewerben, Themenprogrammen und der Sektion „Expanded Animation“ präsentiert. Ozorek verfügt über umfangreiche Branchenerfahrung als Kuratorin und Organisatorin von Filmveranstaltungen, Workshops, Ausstellungen und Festivals in ganz Europa. Sie leitet die Kurzfilmsektion des CEE Animation Pitching Forum und ist Vorstandsmitglied bei dem REX Animation Festival, dem AniMela sowie bei den Emile European Animation Awards.

Ebenfalls in der Jury ist der deutsche Regisseur Jonatan Schwenk, der für seine animierten Kurzfilme bekannt ist, in denen er hybride Animationstechniken einsetzt. Seine Kurzfilme wurden auf bedeutenden internationalen Festivals gezeigt und vielfach ausgezeichnet. Sein ungewöhnlicher, surrealer Film „Zoon“ feierte Premiere auf dem Sundance Film Festival, gewann den Lotte Reiniger Förderpreis beim ITFS Stuttgart und lief auf über 150 Festivals. Sein Kurzfilm „Sog“ (DOK Leipzig 2017) wurde in Annecy mit dem begehrten Cristal für den besten Abschlussfilm ausgezeichnet und erhielt darüber hinaus rund 40 weitere Preise.

Die Gewinnerfilme der Goldenen Taube für den kurzen Animationsfilm sowie beider Goldenen Tauben im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm qualifizieren sich für die Nominierung der jährlich vergebenen Academy Awards, vorausgesetzt sie erfüllen die Vorgaben der Academy.

Im Deutschen Wettbewerb Dokumentarfilm werden je eine Goldene Taube an eine lange und eine kurze deutsche (Ko-) Produktion vergeben. Die Jury besteht 2025 aus Maike Mia Höhne, Gerd Kroske und Ines Weizman, die aus den nominierten acht langen und 12 kurzen Dokumentarfilmen die Preisträger auswählen.

In ihrer Arbeit verbindet Maike Mia Höhne Kuration, Filmemachen und Lehre. Ihr Schwerpunkt liegt auf Kurzfilmformaten. Von 2007 bis 2019 leitete sie Berlinale Shorts und schärfte entschieden das Profil der Sektion. Seit 2019 ist sie die künstlerische Leiterin des Kurzfilm Festival Hamburg. Zusammen mit Lilli Thalgott produziert sie zudem mit PINKMOVIES das wöchentliche TV-Magazin „Kurzschluss“ für ARTE. Derzeit arbeitet sie als Filmemacherin an einem Spielfilm, der die Geschichte der Bonner Republik kurz vor dem Deutschen Herbst“ erzählt.

Teil der Jury ist zudem der renommierte ostdeutsche Filmemacher Gerd Kroske. Ende der 1980er arbeitete er als Autor und Dramaturg im DEFA-Dokumentarfilmstudio tätig und arbeitete unter anderem mit Petra Tschörtner, Thomas Heise, Jürgen Böttcher und Volker Koepp zusammen. In seinen Filmen erzählt er anhand von nuancierten persönlichen Geschichte von den politischen und sozialen Umbrüchen in der ehemaligen DDR nach der Wende. Sein mehr als drei Jahrzehnte umspannendes Werk umfasst bemerkenswerte Titel wie „Stolz & Eigensinn“, „SPK Komplex“, „Striche Ziehen“ sowie die Kehraus-Trilogie.

Ines Weizman vervollständigt die Jury. Die gebürtige Leipzigerin ist Gründungsdirektorin des Centre for Documentary Architecture (CDA), einem Forschungskollektiv aus Architekturhistoriker*innen, Filmschaffenden und digitalen Technolog*innen. In diesem Kontext beschäftigt  sie sich unter anderem mit der Geschichte der modernen Architektur, insbesondere im Kontext von Migration und kolonialem Modernismus. Zudem ist sie Professorin für Geschichte und Theorie der Architektur am Royal College of Art in London und leitet dort das Doktorandenprogramm für Architektur. Zu ihren Publikationen zählen „Dust & Data. Traces of the Bauhaus across 100 Years”, „Documentary Architecture/Dissidence through Architecture” und „100+: Neue Perspektiven auf die Bauhaus-Rezeption”.

Die Jury des Publikumswettbewerbs bilden auch in diesem Jahr fünf Festivalfans aus Leipzig und der Region, die das Publikum vertreten: Henry Engelberg, Fine Fritzke, Lara Goldberg, Višnja Jurić-Krappmann und Moritz Mahltig. Sie werden eine Goldene Taube an einen der zehn nominierten langen Dokumentarfilme vergeben.

Die Goldenen und Silbernen Tauben werden am Samstag, dem 1. November, in der Schaubühne Lindenfels verliehen.

Collage zum Download: Pressefotos