Ferne Söhne

Ferne Söhne

Dokumentarfilm
2016
88 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Andres Rump Dokumentarfilm
Andres Rump
Andres Rump
Andres Rump
Andres Rump
Erik Wittbusch, Andres Rump, Ernst Wawra
„Ferne Söhne“ ist auf den ersten Blick ein sehr poetischer Titel für einen Film, der sich mit der Situation minderjähriger Flüchtlinge beschäftigt. Oder will der Regisseur damit einen Hinweis auf seine erzählerische Entscheidung geben, keine vordergründige Nähe zu den Protagonisten zu suchen, sondern auf eine gewisse Distanz zu setzen? Anders gesagt: Zwischen die Berichte der Jugendlichen und den Zuschauer schiebt er eine völlig eigenständige visuelle Ebene. Der Film ist in Schwarz-Weiß gedreht, arbeitet mit langen, genauestens kadrierten Einstellungen und verzichtet fast vollständig auf Originalton. Die Flüchtlinge sprechen aus dem Off zu uns.

Die Gründe ihrer Flucht spiegeln das ganze Elend der globalen Ungleichzeitigkeit wider: Blutrache, Kindersoldaten, Taliban, Bürgerkrieg … Dazu sehen wir Szenen aus ihrem Alltag: Sory aus Mali lernt für die Schule, Mahruf aus Afghanistan hat einen Job als Zeitungsjunge, Biran aus Gambia hockt so verloren auf seinem Bett, als sei er noch gar nicht angekommen. Während wir den verschiedenen Erzählungen in ihren Sprachen Dari oder Fula folgen, geschieht etwas Erstaunliches. Sie verdichten sich zu einer einzigen Stimme, die das grundsätzlichste aller Menschenrechte beschwört: sich ein eigenes, selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Matthias Heeder


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, Young Eyes Film Award