Wildes Herz

Wildes Herz

Dokumentarfilm
2017
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Sebastian Schultz, Lars Jessen
Charly Hübner, Sebastian Schultz
Jörg Gollasch
Martin Farkas, Roman Schauerte
Sebastian Schultz
Charly Hübner, Sebastian Schultz
Moritz Springer
Bildung DOK Leipzig Logo

Klassenstufe: ab 9. Klasse

Themen: Rechtsradikalismus, Linksradikalismus, Engagement, Musik, Protest, Demokratie
Unterrichtsfächer: Gemeinschaftskunde, Politik, Deutsch, Musik

Zum Inhalt

Feine Sahne Fischfilet ist eine Band, die die Menschen polarisiert. Manche Betrachter halten die linksradikalen Punk-Musiker für Chaoten und sogar für Verfassungsfeinde, andere sehen in ihnen politisch engagierte Künstler, die sich auch dann nicht von ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern trennen wollen, wenn NPD und AFD dort immer mehr an Boden gewinnen. Im Zentrum des Films steht Jan "Monchi" Gorkow, der charismatische Frontmann der Band, der bis heute in seinem Geburtstort Jarmen lebt und sich weigert, seine Heimat angesichts der starken Präsenz rechter Gesinnung aufzugeben.

Auch der bekannte Schauspieler Charly Hübner (Polizeiruf 110, Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt) stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Er ist, anders als die Musiker von Feine Sahne Fischfilet, nach dem Ende der Schulzeit erst mal vor dem politischen Stumpfsinn des rechten Lagers, der auf "auf dem platten Land" immer salonfähiger wurde, erstmal in Richtung Großstadt geflüchtet.

Doch die Heimat lässt sich nicht so leicht aus dem Pelz schütteln und so ist Hübner gemeinsam mit seinem Co-Regisseur Sebastian Schultz zurückgekehrt und hat einen bewegenden Dokumentarfilm über diejenigen gemacht, die geblieben sind. Wildes Herz ist eine Hommage an Menschen, die nicht bereit sind, ihre Heimat denen zu überlassen, die den Begriff "Heimat" völkisch definieren, die Angst vor dem Anderen schüren und Fremde und Andersdenkende ausschließen wollen.

Der Film ist auch eine Reise in das Spannungsfeld von Politik, rechter Gewalt und linker Gegengewalt im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und ein Portrait des mitreißenden Sängers Monchi, der sich vom Fußballrowdy zum linken Sänger und inzwischen zum Vorbild vieler Jugendlicher entwickelt hat. Damit eignet sich der Film im Gemeinschaftskunde- und Politik-Unterricht für die Auseinandersetzung mit den Chancen und Grenzen politischen Engagements. Für den Musik-Unterricht bietet der Film einen Ausgangspunkt für die Analyse des Zusammenspiels von Musik und Protest. Dabei verleugnet der Film nicht, dass einige Texte der Band Feine Sahne Fischfilet politisch-radikal, wenn nicht sogar gewaltbetont sind. Er zeigt aber auch, dass die Band zur Landtagswahl 2016 wochenlang durch rechte Hochburgen Mecklenburg-Vorpommerns tourte, um ihre Fans zum Wählen zu animieren. In einem wilden Herzen schlägt eben immer mehr als nur ein Beat.

„Wildes Herz“ ist ein Film über „Feine Sahne Fischfilet“, eine der erfolgreichsten deutschen Punkbands, und den Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow. Eine noch junge Combo, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird und sich daher als gefährlichste Band Mecklenburg-Vorpommerns bezeichnen darf. Ein Film, der zeigt, wie sich Musiker gegen Nazis und Gefühle der Leere und Frustration zur Wehr setzen. In einer Gegend, in der das schöne platte Land Heimat bedeutet. Mit einer Musik, die ganz anders ist als diese Heimat, nämlich laut, lust- und kraftvoll. Wenn hier die Biografie von Jan „Monchi“ Gorkow mit Kindheitsvideos und Eltern-Interviews vertieft wird, so begreifen wir diesen Lebenslauf irgendwann als Gleichnis, Verarbeitung und Antwort auf das, was nach der politischen Wende in eben diesem Mecklenburg-Vorpommern passierte. Als in Rostock-Lichtenhagen ein Asylbewerberheim brannte, die Bevölkerung klatschte und die Polizei wegsah. In dieser Zeit ist Monchi aufgewachsen. Sein Weg – oder seine Wut – führte über die Ultra-Szene des F.C. Hansa Rostock bis hin zu dem Moment, als seine Punkband Ende der Nullerjahre merkte, dass sich Nazis auf ihren Konzerten wohlfühlten. Jetzt hieß es, eine Haltung einzunehmen. In den 1990er Jahren habe die linke Bewegung versagt, sagt Gorkow, und das dürfe nie wieder passieren. Ein wichtiger, ganz normaler, poetisch-roher Film – eben wie die Band.



Leopold Grün





Ausgezeichnet mit dem ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, Gedanken-Aufschluss-Preis und dem DEFA-Förderpreis


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