Die 21. Ausgabe des DOK Co-Pro Markets präsentiert 35 Dokumentarfilmprojekte aus 34 Ländern, die auf der Suche nach internationalen Finanzierungs- und Koproduktionspartner*innen sind. An 60 Prozent der ausgewählten Projekte sind Regisseurinnen beteiligt. Die Zahl der Einreichungen, 391 Projekte, ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen.
Die Auswahl umfasst eine Reihe von Projekten, die sich mit den Nuancen von Identität und Selbstfindung auseinandersetzen. Sie begleiten Personen, die sich von gesellschaftlichen Erwartungen in Bezug auf Gender und Sexualität lösen. Zijian Zeng richtet in seinem Autorenfilm „Anything But Love” den Blick auf sich selbst. Mit einer Mischung aus dokumentarischen Aufnahmen, erfundenen Momenten und Reenactments erzählt er von seiner Suche nach Intimität als queerer Mann in China. Julia Fuhr Mann führt nach ihrer radikalen filmischen Utopie „Life is Not a Competition, But I’m Winning” (Venice International Film Critics’ Week 2023) ihre Auseinandersetzung mit Gendergrenzen mit dem optimistischen Film „Cheers to Our Lovely Life” über vier queere Frauen auf einem Roadtrip fort. Die Produktion von PINKY SWEAR FILM (auf dem DOK Co-Pro Market 2024 mit „From Here”) verfolgt einen hybriden Ansatz: Fiktionale Elemente und professionelle Schauspieler*innen stehen neben realen Protagonist*innen, darunter die Künstlerin Sandra Knecht und die literaturschaffende Person Kim de l’Horizon. In „nava mamă” porträtiert Regisseurin Ana Vijdea („Blue“) einen transsexuellen Teenager in Rumänien, der in seinem Heimatdorf Gewalt und Missbrauch erfahren hat. Dorthin zurückgekehrt, sucht er tröstliche Nähe zu vertrauten Menschen, Tieren und Landschaften. Hazal Hanquets „My Aunties“ dreht sich ausgehend von der jahrzehntelangen geheimen Beziehung ihrer Tanten Ayşın und Aslı um queeres Leben in der Türkei, vor dem Hintergrund von sich verändernden politischen und sozialen Verhältnissen.
In einigen Projekten dient Wasser als Metapher, sowohl für Veränderung als auch für Bedrohung. Hussein Eddebs „The Birth of Derna” zeigt anhand der libyschen Stadt Derna, die stark von einer gewaltigen Flutkatastrophe getroffen wurde, wie der Klimawandel sowohl das Leben der Menschen als auch die Natur verändert. Carlos Yuri Ceuninck (DOK Preview International 2022 mit „Omi Nobu”) betrachtet in „Gongon” die Verwandlung eines Fischerdorfes auf den Kapverden – die Dünen verschwinden zusehends, die Fischbestände nehmen ab. Im Zentrum des Films steht der 90-jährige Titoy, den die Jugendlichen wegen seines umfassenden Wissens über Fischgründe „Navi” nennen. Die Angst vor dem Untergang kleiner und großer Welten reflektieren auch Tommaso Barbetta und Setsuya Kakinuma in ihrem Projekt „Welcome to Our Bathhouse” (double tommy, Ina Fichman/Intuitive Pictures) über eines der ältesten Badehäuser Tokios, einst ein wichtiger Treffpunkt für die Arbeiterklasse. Martina Mahlknecht und Martin Prinoth begleiten in „See You Soon“ (AT; produziert von Anke Petersen/Jyoti Film) zwei Seeleute an Bord eines deutschen Containerschiffs und hinterfragen, wie globale Mächte das Schicksal einzelner Menschen beeinflussen.
Drängende gesellschaftliche und politische Herausforderungen spiegeln sich auch in diesem Jahr in einer Reihe von Filmen wider. Der poetische Dokumentarfilm „Of the Trees Unmoved” von der in den USA lebenden georgischen Filmemacherin Nino Benashvili zeichnet die Phasen des Widerstands in ihrem Heimatland nach und verbindet dabei Aufnahmen von Protesten und Archivmaterial aus dem Kriegsjahr 2008 mit persönlichen Fotos, Videos und Erinnerungen. Jeanne Nouchis Projekt „Anatolia” begleitet einen türkischen Bauern auf seiner Suche nach einem versteckten armenischen Schatz. Seine Reise offenbart die Last der Vergangenheit und das anhaltende Leid der Menschen, die noch immer das einst mit Armenier*innen geteilte Land bewohnen. Mit „Speak, Image Speak“ versucht Pary El-Qalqili eine Gegendarstellung zur palästinensischen Geschichte in Deutschland zu entwerfen und dadurch die visuellen „Fantasien” zu negieren, die aus ihrer Sicht den Palästinenser*innen auferlegt wurden und zu ihrer Enteignung beigetragen haben. Nicht zuletzt folgt „The Story of My Shirt” von Zhanana Kurmasheva (CPH:DOX 2025, „We Live Here“) einem Kleidungsstück, von seiner mühsamen Entstehung auf den Baumwollfeldern Kasachstans und Usbekistans bis zu seinem endgültigen Tod in der Atacama-Wüste.
Der DOK Co-Pro Market 2025 präsentiert zudem eindrucksvolle animierte Dokumentarfilmprojekte: Patricio Plazas pointierter „Black Diaries” über den in Irland geborenen Diplomaten Roger Casement und Elsa Perrys „Summer of ‘46”, eine Untersuchung der Vergangenheit ihrer Familie. Auch Archivprojekte sind vertreten, darunter sowohl Dokumentarfilme, die Archivmaterial als Grundlage nutzen, wie Magdalena Szymkows „The Chef Suffragette“ und Tereza Bernátkovás „Sisters“ (MasterFilm in Cannes 2025 mit „Caravan”) als auch Werke, die Archive als solche hinterfragen, wie Tiziana Panizzas „Fossil Matter” und Giuliano Franco Ochipintis „That Soul Stealing Device”.
Fünf vielversprechende Projekte hat das Team DOK Industry bei ausgewählten Partner-Trainingsinitiativen und Filmmärkten gescoutet: „Recovery” von Roman Bondarchuk und Vadym Ilkov, „Her Name Is Fields” von Martyna Wróbel und Anna Biernacik, „It Is What It Is” von Gal Rosenbluth, „The 13th Fish” von Sara Stijović und „Akal” von Basma Rikoui.
Auch die 21. Ausgabe des DOK Co-Pro Markets stößt auf großes internationales Interesse außerhalb Europas. Vier der Projekte werden in Nord- und Südamerika, sechs in Asien und drei in Afrika (ko-)produziert. In der Auswahl sind zudem Projekte aus Ländern, die in der internationalen Filmszene weniger stark vertreten sind, etwa Kasachstan, Benin, Kap Verde und Paraguay.
Der DOK Co-Pro Market 2025 findet am 27. und 28. October in Leipzig statt, mit zusätzlichen Online-Meetings am 4. und 5. November. Dieses Jahr werden sechs Preise vergeben. Zusätzlich zum Unifrance Doc Award und dem Sächsischen Preis für das beste Dokumentarfilmprojekt einer Regisseurin, werden Projekte mit dem IMAGO Archive Award, dem Jacob Burns Film Center Residency Award, dem No Nation Films Fellowship Award und dem Willow Avocats Consultations Award ausgezeichnet.
Die Projektauswahl trafen Karim Aitouna (Produzent bei Haut les Mains Productions), Caroline Kirberg (Produzentin bei pong film), Marìa Vera (Festivalverleiherin, Vertriebsagentin, Gründerin von Kino Rebelde), Brigid O’Shea (Leiterin von DAE, Beraterin), Carmina Orozco López (Koordinatorin für Delegationen und Sonderprogramme bei DOK Leipzig), Babette Dieu (Koordinator*in des DOK Co-Pro Markets) und Nadja Tennstedt (Leiterin von DOK Industry).
Alle 35 Projekte im Überblick:
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The 13th Fish | Regie: Sara Stijovic | Montenegro, Kosovo | Tiny Sofa, Kot Production
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Akal | Regie: Basma Rkioui | Marokko, Frankreich | Kasbah Films, Massala Production
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Anatolia | Regie: Jeanne Nouchi | Frankreich | MB17 Films
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Anything but Love | Regie: Zijian Zeng | China | Shanghai Old Tid Culture Communication
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Between Three Waters | Regie: Olivia Yao | Benin, Südafrika | FMEDIA, STEPS
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The Birth of Derna | Regie: Hussein Eddeb | Norwegen, Libyen, Katar | Integral Film, Aramit Company, Al Jazeera Documentary
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Black Diaries | Regie: Patricio Plaza | Argentinien, Deutschland | Ojo Raro, Osa Estudio, Bridgelight Pictures
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Brigitte, for Instance | Regie: Jan Eilhardt | Deutschland | Eilhardt Productions, Freischwimmer Film
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Cheers to Our Lovely Life | Regie: Julia Fuhr Mann | Deutschland | PINKY SWEAR FILM
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The Chef Suffragette | Regie: Magdalena Szymków | Polen, Slowakei | Raban, Kerekes Film
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Dylan McKay | Regie: Ana Lungu | Rumänien | 4 Proof Film, Microscop Film
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Edition 96 | Regie: Ahmad Naboulsi | Libanon | OOBconcept
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Fossil Matter | Regie: Tiziana Panizza | Chile | Solita Producciones, Panal Producciones, Errante Producciones
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Gongon | Regie: Carlos Yuri Ceuninck | Kap Verde | Korikaxoru Films
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Her Name Is Fields | Regie: Anna Biernacik, Martyna Wróbel | Polen, Deutschland | Mozaika Films, Tondowski Films
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In Transition (AT) | Regie: Ole Jacobs | Deutschland | Film Five
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It Is What It Is | Regie: Gal Rosenbluth | Israel, Deutschland | uvs films, beetz brothers film production
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The Measure of Love | Regie: Mauricio Cuffaro | Spanien, Rumänien | Apnea Films, Aquí y Allí Films, Avanpost
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My Aunties | Regie: Hazal Hanquet | Türkei, Frankreich | istos film, Little Big Story
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nava mamă | Regie: Ana Vijdea | Rumänien, Frankreich | Remora Films, Saga Film, Les Steppes Productions
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No Road to Panjal | Regie: Syed Jazib Ali | Niederlande | Mudland Studio
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Of the Trees Unmoved | Regie: Nino Benashvili | Georgien, USA | Independent
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Old Rocks | Regie: Nicola Pietromarchi | Italien | Studio x01
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Recovery | Regie: Roman Bondarchuk, Vadym Ilkov | Ukraine, Frankreich | Moon Man, Hutong Productions
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See You Soon (AT) | Regie: Martina Mahlknecht, Martin Prinoth | Deutschland | Jyoti Film
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Sense and Sensibility | Regie: Hanna Nordenswan | Finnland | Zone2 Pictures
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Sisters | Regie: Tereza Bernátková | Tschechische Republik, Frankreich, Slowakei | MasterFilm, Bachibouzouk & Les Poissons Volants, Kerekes Film
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Speak Image, Speak | Regie: Pary El-Qalqili | Deutschland | SEERA Films
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The Story of My Shirt | Regie: Zhanana Kurmasheva | Kasachstan, Usbekistan | Plan B, Cinerama Entertainment
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Succession (AT) | Regie: Yi Chen | USA, Indien | C35 Films, Drung Films
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Summer of ‘46 | Regie: Elsa Perry | Frankreich | Wendigo Films
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That Soul Stealing Device | Regie: Giuliano Franco Ochipinti | Paraguay | Juanjo Pereira
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To Cross a River | Regie: Jin Jiang | Frankreich | Hutong Productions
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Welcome to Our Bathhouse | Regie: Tommaso Barbetta, Setsuya Kakinuma | Japan, Kanada | double tommy, Intuitive Pictures
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Youth | Regie: Daria Zhuravel | Ukraine, Frankreich | Contemporary Ukrainian Cinema, Les 48° Rugissants
Mehr Informationen: DOK Co-Pro Market