DOK Leipzig hat das vollständige Branchenprogramm der 68. Festivalausgabe (27. Oktober - 2. November) veröffentlicht. DOK Industry präsentiert eine Reihe von Formaten zu relevanten aktuellen Branchenthemen sowie ein umfassendes Angebot an Veranstaltungen, die den kreativen Austausch fördern und es Filmschaffenden ermöglichen, ihre Arbeiten zu präsentieren und sich mit potenziellen Kooperationspartner*innen zu vernetzen. Das Programm von DOK Industry inklusive aller Termine ist auf der Website des Festivals zu finden.
Das diesjährige Programm widmet sich insbesondere dem Engagement für Filmschaffende, die unter prekären Bedingungen arbeiten. Im Rahmen der Initiative „Doc Together“, die DOK Leipzig im März zusammen mit dem Thessaloniki International Documentary Festival ins Leben gerufen hat, richtet DOK Industry den „Doc Together Think Tank“ aus. Die geschlossene Veranstaltung bringt Fachleute von Förderinstitutionen, Festivals und NGOs sowie Jurist*innen und Filmschaffende zusammen. Diskutiert werden Möglichkeiten der Unterstützung von gefährdeten Künstler*innen, unter anderem jenen, die vertrieben wurden oder ins Exil gehen mussten, denen aufgrund politischer oder struktureller Hürden nationale Förderungen verwehrt bleiben oder die in ihren von Krisen und politischen Konflikten erschütterten Heimatländern unter erheblichen Risikobedingungen arbeiten. In Arbeitsgruppen werden wiederkehrende Hürden wie Finanzierungslücken und Visabeschränkungen besprochen, Ressourcen zusammengetragen und nachhaltige, langfristige Lösungen entworfen, um die Arbeit von Dokumentarfilmschaffenden abzusichern.
Der DOK Industry Talk „Doc Together: Documentary as Resistance“ findet ebenfalls im Rahmen der Initiative statt und untersucht, inwiefern Filmemachen in politisch aufgeladenen Zeiten zur Geste und zum Statement der Solidarität werden kann. In zwei Case Studies wird die Arbeit des Palestine Film Institute sowie die Hintergründe des preisgekrönten Filmprojekts „Myanmar Diaries” von dem anonymen Myanmar Film Collective beleuchtet. Anschließend diskutieren Regisseur*innen und Produzent*innen aus Georgien, Indien und Ungarn über die Herausforderungen und Gefahren in ihren Ländern sowie über gemeinsame Strategien zur Unterstützung und zum Widerstand gegen die Unterdrückung kreativer Arbeit.
Auch die Initiative „Generation Ukraine“ von der ARTE-Gruppe und ihren europäischen Partner*innen entstand 2023 mit dem Ziel, Filmschaffende zu unterstützen, die unter politisch instabilen und gefährlichen Bedingungen arbeiten. Auch in diesem Jahr macht DOK Leipzig auf die Initiative aufmerksam. Der DOK Industry Talk „Case Study: Documentary Production in War ‚ARTE – Generation Ukraine'” befasst sich mit der Frage, wie Dokumentarfilmproduktionen in Kriegszeiten entstehen und trotz zerstörter Infrastruktur und anhaltender Unsicherheit weiterentwickelt werden können. Beleuchtet wird unter anderem die Rolle von Sendern, Förderinstitutionen und Koproduzent*innen. Im Mittelpunkt stehen zwei ukrainische Dokumentarfilme, die im Rahmen von „Generation Ukraine“ realisiert wurden: „Queens of Joy“ von Olga Gibelinda und „Silent Flood“ von Dmytro Sukholytkyy-Sobchuk.
Ein weiteres Highlight des Branchenprogramms ist der DOK Industry Talk „Documenting Queer Realities: Representation on Screen“ in Zusammenarbeit mit der Queer Media Society. Die Podiumsdiskussion reflektiert das nicht-fiktionale Kino als Raum, in dem queere Ausdrucksformen und Repräsentationen neu gedacht werden können – mit authentischeren, komplexeren und empowernden Darstellungen von LSBTQIA+-Lebensrealitäten. Drei Filmemacher*innen, die am diesjährigen DOK Co-Pro Market teilnehmen, werden darüber berichten, welche Erfahrungen sie bei der Entwicklung alternativer Erzählweisen und Narrative mit den Themen Sichtbarkeit und Zensur gemacht haben. Zu Gast sind die Regisseur*innen Julia Fuhr Mann und Jan Eilhardt aus Deutschland sowie Zijian Zeng aus China.
In dem DOK Industry Talk „Accessibility – Opportunities and Challenges for Film Productions and Festivals“ beleuchten Branchenexpert*innen den Status Quo von Barrierefreiheit in der Filmproduktion und bei Festivals. Sie diskutieren darüber, wie Barrierefreiheit ganzheitlich in den Festivalbetrieb integriert werden kann, von barrierefreien Filmfassungen über die Zugänglichkeit von Veranstaltungsorten bis hin zur Kommunikation. Dabei werden konkrete Ansätze zum Ausbau der Barrierefreiheit in der Film- und Festivalpraxis vorgestellt.
Im Bereich Animation bietet DOK Industry erneut ein reiches Programm an Veranstaltungen, mit Schwerpunkt auf dem Donnerstag und Freitag der Festivalwoche. In enger Zusammenarbeit mit dem Verein GRAP, German Researchers and Archive Producers, wird auch in diesem Jahr ein Fokus des Branchenprogramms auf Archivmaterial und Archivrecherche liegen. Der DOK Archive Market Talk „How Did They Do It? Sports Footage Licensing for the Documentaries ‚FC Hollywood' and ‚Mädchen können kein Fußball spielen'“ bietet praxisnahe Einblicke in die Arbeit an beiden Filmen. Moderiert wird das Gespräch von Elizabeth Klinck, Visual Researcher und Archivproduzentin. Ihre Kolleg*innen Thorben Bockelmann und Janne Gärtner werden anhand der beiden Dokumentarfilmproduktionen über Lizensierung und Rechteverhältnisse sprechen.
Zwei Keynote-Präsentationen runden das Gesprächsprogramm des DOK Archive Market ab. Unter dem Titel „Archival Tools: What Happens After the Rough Cut?“ gibt Kasimir Marks Einblicke in die entscheidenden finalen Phasen eines Projekts aus der Sicht eines Archivproduzenten. In „Archival Process in Productions“ berichtet Archivproduzent Gregor Murbach über die aktuellen, sich wandelnden Bedingungen von Archivarbeit.
Mit DOK Exchange XR (Conference, Showcase und Prototyping Zone) bietet das Festival erneut ein vielseitiges Programm zu interaktivem und immersivem Storytelling mit Fokus auf XR-Arbeiten. Zu den diesjährigen Themen gehören die Rolle immersiver Praktiken bei der Neugestaltung kollektiver Erinnerungen und kultureller Narrative, die Vermittlung von XR- und Technologiekompetenz sowie Verantwortungsbewusstsein und Ethik im XR-Design.
DOK Short n' Sweet, der Kurzfilm-Pitch des Festivals, präsentiert acht Projekte in verschiedenen Stadien der Entwicklung und mit einer Bandbreite an erzählerischen und künstlerischen Ansätzen, darunter Dokumentarfilme, animierte Dokumentarfilme und Animationsfilme. Die Projekte für DOK Preview Germany und DOK Preview International werden in Kürze ebenfalls auf der Website bekannt gegeben.
Das Branchenprogramm umfasst auch eine Reihe von Veranstaltungen, die von Partner*innen des Festivals organisiert werden. In ihrer Podiumsdiskussion „Dokumentarfilm meets Filmvermittlung – We Have a Match!“ untersucht die AG DOK die Filmvermittlung als Form des nachhaltigen Audience Developments. Die AG Festivalarbeit von ver.di diskutiert in einem Gespräch über die Arbeitsbedingungen von Festivalmitarbeitenden, Best-Practice-Beispiele und Maßnahmen, um die Arbeit für Festivals und ihre zunehmend internationalen Teams nachhaltiger zu gestalten. Im Anschluss wird die vierte Umfrage zum Fair Festival Award gelauncht. Die AG Animationsfilm widmet sich in der Gesprächsrunde „AI in Animation: Curse, Blessing, or Both“ den Auswirkungen des Einsatzes von KI in der Animation.
Bei den Industry Intros erhalten Fachakkreditierte Einblicke in verschiedene Bereiche der Dokumentarfilmbranche, etwa die Arbeit von Weltvertrieben und Verleihern. Eine Case Study befasst sich mit dem Vertrieb von Daniel Abmas Dokumentarfilm „Im Prinzip Familie“ und seinem Erfolg in den deutschen Kinos. Industry Connections bietet Akkreditierten darüber hinaus die Chance, sich in Einzelgesprächen oder Roundtables mit Fachleuten aus der Branche auszutauschen. Das DOK Toolkit for First Timers hilft aufstrebenden Filmschaffenden und Erstteilnehmer*innen des Festivals, die verschiedenen Angebote optimal zu nutzen und mehr über internationale Märkte zu erfahren.
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