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Retrospektive

Der Freiheitskampf der Menschen im Lateinamerika der 1960/70er-Jahre war ein wiederkehrendes Thema politisch engagierter Filmfestivals beiderseits der Mauer. Die daraus erwachsene Verbindung zwischen Leipzig, Ost-Berlin und West-Berlin bezeugen die analogen Filmmaterialien des militanten Kinos aus Ländern wie Argentinien, Chile oder Kuba, die sich heute im Archiv des Arsenal Filminstituts und im Bundesarchiv befinden.

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Retrospektive
Filmstill Tire dié
Tire dié Fernando Birri
Ein waghalsiges Unterfangen für ein paar Münzen. Barfuß rennen Kinder neben dem fahrenden Zug Richtung Buenos Aires her, strecken ihre Hände den Reisenden entgegen. „Tire dié, tire dié!“
Filmstill Tire dié

Tire dié

Tire dié
Fernando Birri
Retrospektive
Dokumentarfilm
Argentinien
1958
33 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Keine Premiere

„Tire dié“ beginnt mit Luftaufnahmen von Santa Fe, Fernando Birris Heimatstadt. Zu hören ist eine Litanei statistischer Daten, die sich auf parodistische Weise in immer trivialere Fakten über die Stadt verwandeln. Die Kamera nähert sich den Randbezirken mit ihren informellen Siedlungen, wechselt aus luftiger Höhe auf Augenhöhe derjenigen, die von ihrem täglichen Überlebenskampf erzählen. Oft sind es die Kinder, die das nötige Kleingeld nach Hause bringen. Sie gehen jeden Nachmittag zum Betteln entlang der nahegelegenen, zwei Kilometer langen Eisenbahnbrücke. Barfuss neben dem Zug herlaufend, der Santa Fe mit Buenos Aires verbindet, strecken sie die Hände in Richtung der Reisenden an den Fenstern und rufen unablässig „tire dié“ (Wirf einen Groschen). Das letzte Drittel des Films, der die Geburtsstunde des neuen lateinamerikanischen Kinos markiert, ist eine ebenso atemberaubende wie erschütternde Montage dieses waghalsigen Unterfangens.

Florian Wüst

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28.10.
#334
CineStar 5
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28.10.2026
CineStar 5
#334
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Regie
Fernando Birri
Kamera
Oscar Kopp, Enrique Urteaga
Schnitt
Antonio Ripoll
Produktion
Instituto de Cinematografía de la Universidad Nacional del Litoral

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Maria Emilia Cortes
Retrospektive
Filmstill Un día yo pregunté
Un día yo pregunté Julia de Álvarez
Drinnen predigen Priester, Gläubige leisten Fürbitten; draußen herrscht Elend. Eine polemische Collage über die Doppelmoral der katholischen Kirche im Kolumbien der 1970er Jahre.
Filmstill Un día yo pregunté

Un día yo pregunté

Un día yo pregunté
Julia de Álvarez
Retrospektive
Dokumentarfilm
Kolumbien
1970
8 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Keine Premiere

„Ein polemischer Kurzfilm von wenigen Minuten, der Bilder jener Institution aneinanderreiht, von der die Unterprivilegierten Wunder, die Befreiung aus ihrem täglichen Elend erwarten: der katholischen Kirche, die in Kolumbien besonders reaktionär ist“, schreibt Peter B. Schumann über „Un día yo pregunté“. Für ihre politische Arbeit wurden Julia de Álvarez und Carlos Álvarez immer wieder angefeindet, neben weiteren Filmschaffenden im Juli 1972 inhaftiert, auch gefoltert. Zu ihrer Entlassung aus dem Gefängnis im Februar 1974 mag nicht unwesentlich der gemeinsame diplomatische Einsatz u.a. der Freunde der Deutschen Kinemathek (heute: Arsenal Filminstitut) und der Westdeutschen Kurzfilmtage Oberhausen beigetragen haben. Für Leipzig waren die beiden ebenfalls eine bedeutende Stimme – und ein Beispiel dafür, wie eng die innerdeutschen Verbindungen waren in Bezug auf Sicherung, Vervielfältigung und Vertrieb der analogen Filmmaterialien des revolutionären lateinamerikanischen Kinos.

Florian Wüst

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28.10.
#334
CineStar 5
Teil der Kompilation
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28.10.2026
CineStar 5
#334
Teil der Kompilation
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Regie
Julia de Álvarez
Kamera
Carlos Álvarez
Schnitt
Carlos Álvarez

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Kontakt
Kurzfilmrolle
Media Name: 401c446a-289e-4256-a11d-0c1d9252602c.png
Verflixtes Heimweh
Erträumt, geliebt, herbeigesehnt – und manchmal hängt sie zum Halse heraus. Ein ganzes Spektrum an Gefühlen gegenüber der Heimat.

Verflixtes Heimweh

Filme

There’s No Place Like Rome

Filmstill There’s No Place Like Rome
There’s No Place Like Rome
Todor Joe Musev
Deutschland
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm
Der antikeverliebte bulgarische Onkel hütet alte Schätze und Männlichkeitsideale. Die Moderne zu verachten ist sein #RomanEmpire. Sein Neffe kommt auf einen Besuch vorbei.

Look, We’re in Europe

Filmstill Look, We’re in Europe
Look, We’re in Europe
Riad Arfin, Manushaqe Ibrahimi
Kosovo,
Bangladesch,
UK
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Hausbau fern des Zuhauses: Bangladeschische Bauarbeiter im Kosovo geben Einblicke in ihre Handyaufnahmen, in ein Leben zwischen prekärer Arbeit und Träumen von einer besseren Zukunft.

B*tch

Filmstill B*tch
Suka
Jaroslava Jelchová
Slowakei
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Ihre Identität als Frau wurde von strengen Erwartungen geprägt: Jelchová sucht ihren Platz im Spannungsfeld zwischen der ländlich-slowakischen Herkunft, ihrer Sexualität und kreativen Berufung.

Glaube Sitte Heimat

Filmstill Glaube Sitte Heimat
Glaube Sitte Heimat
Fidel Sievering, Bennet Staack
Deutschland
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm
Hilflose Rituale und der Geruch abgestandener Zeit: Ein schräges, ehrliches Porträt eines Ortes, der einst vom Bergbau lebte und in den der erfolgreiche Strukturwandel nicht einziehen möchte.

Enthält Darstellungen von Drogenkonsum, Nacktheit, körperliche Gewalt

Termine und Tickets

Im Kino

27.10.
#2C1
Cinémathèque in der naTo
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27.10.2026
Cinémathèque in der naTo
#2C1
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28.10.
#371
Passage Kinos Wintergarten
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28.10.2026
Passage Kinos Wintergarten
#371
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30.10.
#541
CineStar 6
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30.10.2026
CineStar 6
#541
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Retrospektive
Filmstill Yawar Mallku
Yawar Mallku Jorge Sanjinés
Ein Verbrechen, in Rückblenden erzählt: US-Entwicklungshelfer*innen sterilisieren heimlich indigene Frauen. Kampfansage gegen den „Yankee-Imperialismus“ und die Klassengesellschaft Boliviens.
Filmstill Yawar Mallku

Yawar Mallku

Yawar Mallku
Jorge Sanjinés
Retrospektive
Spielfilm
Bolivien
1969
70 Minuten
Quechua,
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Keine Premiere

Jorge Sanjinés‘ Kurzfilm „Revolución“ (1963) wurde neben den kubanischen Filmen als einer der ersten lateinamerikanischen Filme 1964 in Leipzig gezeigt. Mit seinem dokumentarischen Spielfilm „Yawar Mallku“ (Sangre de Condor) unternahm Sanjinés den Schritt hin zu einem Kino, das Geschichte macht. Der Film, in Rückblenden erzählt, basiert auf realen Ereignissen: US-amerikanische Entwicklungshelfer*innen sterilisieren heimlich indigene Frauen. Der Vorsteher einer Quechua-Gemeinde entdeckt das Verbrechen, die Dorfgemeinschaft übt Rache. Schließlich wird er von der Polizei niedergeschossen und überlebt schwerverletzt. Er wird in die Stadt gebracht, doch der Rettungsversuch scheitert: Es fehlt das Geld für eine Bluttransfusion. Die Kampfansage des Films richtet sich sowohl gegen den „Yankee-Imperialismus“ als auch gegen die bolivianische Klassengesellschaft. Infolge der zunächst verbotenen öffentlichen Vorführung mussten die sogenannten Friedenskorps aus dem Land abziehen. Im Rahmen der „Woche des jungen Films: Lateinamerika“ der Berlinale 1970 premierte „Yawar Mallku“ in West-Berlin. Danach zeigten die Freunde der Deutschen Kinemathek (heute: Arsenal Filminstitut) Sanjinés Film über Jahre vielfach im Kino Arsenal, selbst unter der Überschrift „Geburtenkontrolle als Genozid“ im Kontext des Ersten Internationalen Frauen-Filmseminars im November 1973. Die gleiche Wertschätzung im Osten: Unter nur drei lateinamerikanischen Filmen in den „Film-Blättern. Kurzmonographien zu klassischen Filmen“ des Staatlichen Filmarchivs der DDR findet sich mit Nr. 183 „Das Blut des Condors“.

Florian Wüst

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31.10.
#633
CineStar 5
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31.10.2026
CineStar 5
#633
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Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jorge Sanjinés
Buch
Jorge Sanjinés, Óscar Soria
Kamera
Antonio Eguino
Schnitt
Jorge Sanjinés
Produktion
Ukamau Ltd.
Musik
Alfredo Domínguez, Ignacio Quispe, Alberto Villalpando

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Kontakt
Pedro Lijerón Vargas
pedro@ukamau.org
Kurzfilmrolle
Media Name: f46458a9-8121-4ad2-bc4b-5ec5cc441424.jpg
Zeig mal Herz!
Emotional und facettenreich, so sollten Freund*innenschaften sein! Wenn dann ein Funke überspringt, könnte eine Romanze dies noch toppen? Durch dick und dünn gehen – nicht einfach so dahergesagt.

Zeig mal Herz!

Filme

Growing Wild

Filmstill Growing Wild
Growing Wild
Rob Crosse
Deutschland,
UK
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm
Ein Ort der Vielfalt, ein Safe Space für mehrere Generationen von queeren Menschen. Von einer Wohnung zur nächsten werden Erfahrungen geteilt. Wer hier lebt, hat viel erlebt.

Thematisiert Diskriminierung von LGBTQIA2S+-Personen

Ein Typ aus Kleinmachnow

Filmstill A Guy from Kleinmachnow
Ein Typ aus Kleinmachnow
Leonard Volkmer
Deutschland
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm
Queere Ich-Erzählung zwischen Sehnsucht, Rausch und Reue. Im Club, am See und beim nächtlichen Heimweg ist das eigene Judgement oft schneller als die Frage, wie es einem eigentlich geht.

Thematisiert Sucht, Drogenkonsum, psychische Erkrankungen, explizite Sexszenen

Kitzel

Filmstill Kitzel
Kitzel
Mona Keil
Deutschland
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm
Das liebevolle Spiel zweier flauschiger Charaktere kippt schleichend ins Unangenehme, Kuscheln wird zu ernstem Gerangel, Grenzen werden überschritten. Ein Film, der unter die Haut geht.

Lice n’ Shine

Filmstill Lice n’ Shine
Lice n’ Shine
Maria Byoma
Uganda
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm
Ein witzig-liebevolles Porträt des Alltags junger Teenagermädchen im empfindlichen Ökosystem eines Internats – in dem an einem ganz normalen Morgen schnell mal das Chaos losbrechen kann.

Through the Dust of Time

Filmstill Through the Dust of Time
foˋ fong
Wan Chen Lin
Taiwan
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Ein Hakka-Dorf im Süden Taiwans: Die achtzigjährige Alan verbringt den stillen Alltag mit Gartenarbeit und Freundin A-Mei. Jüngere Generationen zieht es fort. Wer wird die Traditionen bewahren?

Omsorg

Filmstill Omsorg
Omsorg
Em Johrden
Deutschland
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm
Über einen unbeschwerten Sommertag legt sich die Erzählung schmerzhafter sexueller Erfahrungen. Aus dem Off spricht eine Frau sich frei, schildert ihre neue Annäherung an das eigene Begehren.

Thematisiert sexualisierte Gewalt

Termine und Tickets

Im Kino

27.10.
#271
Passage Kinos Wintergarten
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27.10.2026
Passage Kinos Wintergarten
#271
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29.10.
#481
UT Connewitz
Teil der Kompilation
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29.10.2026
UT Connewitz
#481
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01.11.
#7A3
Schaubühne Lindenfels
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01.11.2026
Schaubühne Lindenfels
#7A3
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