So divers die Umstände sind, in denen Menschen leben, so verschieden die Perspektiven, so vielgestaltig sind auch die dokumentarischen Arbeitsweisen, mit denen Filmkünstler*innen sie aufgreifen und weitertragen. Der Internationale Wettbewerb Dokumentarfilm von DOK Leipzig stellt produktive Begegnungen her: zwischen experimentierfreudigem Nachwuchs und jenen, die der Neugier und der Kreativität ihrer Anfänge treu bleiben.
Filmtyp
Custom type
Thema
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
The Evidence of the Termites
Roberto Jaén
Fesselnd vielstimmig im Split-Screen. Dieser ironische, wechselhafte und selbstreflexive Essayfilm ist ein spielerischer Versuch, einen schwer fassbaren Begriff zu definieren: Klasse.
The Evidence of the Termites
La evidencia del comején
Roberto Jaén
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Dokumentarfilm
Costa Rica
2026
15 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Internationale Premiere
Die erste Stimme gehört dem Regisseur, der sich fragt, was er wohl für eine Art Film über die Mittelschicht machen würde. Was wir sehen entspricht mehr oder weniger seinen Beschreibungen; Split-Screen-Kombinationen von Archivmaterial und aktuellen Aufnahmen, die unauffällige Schnipsel aus dem Alltag zeigen: Familientreffen, der benachbarte Park. Außerdem spricht er darüber, den Schwerpunkt seines Films zu verschieben, und auch das geschieht, als mehr Stimmen einsetzen und verschiedene Formate zwischen den beiden Bildausschnitten pendeln: der Mann, der banale Alltagsgegenstände auflistet; die Frau, die durch eine unsichtbare Grenze von San José abgeschnitten ist; der venezolanische Immigrant, der vom Bus als großem Gleichmacher spricht; die Enkelin, die eine riesige Sammlung Lexika erbt. Ihr Hintergrund unterscheidet sich, aber sie alle beziehen sich explizit oder implizit auf gesellschaftliche Klassen, bei jedem eine andere Kategorie zu einer anderen Zeit; so viele Bedeutungen, so viele Objekte und Bezüge, ein Begriff mit zahllosen Ausprägungen. Wenn man den Termitenhügel öffnet, sieht man, dass er von allen gebaut wurde.
James Lattimer
James Lattimer
Termine und Tickets
27.10.
#2C2
Cinémathèque in der naTo
Teil der Kompilation
27.10.2026
Cinémathèque in der naTo
#2C2
Teil der Kompilation
28.10.
#331
CineStar 5
Teil der Kompilation
28.10.2026
CineStar 5
#331
Teil der Kompilation
01.11.
#721
CineStar 4
Teil der Kompilation
01.11.2026
CineStar 4
#721
Teil der Kompilation
01.11.
#772
Passage Kinos Wintergarten
Teil der Kompilation
01.11.2026
Passage Kinos Wintergarten
#772
Teil der Kompilation
Credits
Regie
Roberto Jaén
Buch
Luis Chaves, Claudia Crinigan, Melissa Valverde, Verónica Jiménez, Roberth Pereira, Roberto Jaén
Kamera
Carolina Mora
Schnitt
Roberth Pereira
Produktion
Carlos Matute
Sound Design
Gabriela Rivas
Kontakt
Kontakt
Roberto Jaén
robertojaenchacon@gmail.com
robertojaenchacon@gmail.com
Nominiert für:
Silberne Taube
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
The Maternity Ward
Alain Kassanda
Das Schicksal der traditionsreichen Pariser Geburtsklinik Les Lilas scheint besiegelt: nicht profitabel genug. Eine unsentimentale Elegie auf Mitarbeitende, Patient*innen und ihren Kampf.
The Maternity Ward
Elégie pour Les Lilas
Alain Kassanda
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Dokumentarfilm
Frankreich
2026
106 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Weltpremiere
Ein Institutionsporträt in Form einer Elegie: Nach über sechzig Jahren scheint das Schicksal der Geburtsklinik Les Lilas in Paris besiegelt. Der privaten Einrichtung, die nicht profitabel genug gearbeitet hat, werden die benötigten Zuschüsse gestrichen. Alain Kassanda begleitet in seinem Film ein letztes Aufflackern, zeigt hitzige innerbetriebliche Sitzungen sowie öffentliche Proteste für einen Erhalt. Gleichzeitig steht die Interaktion zwischen den in lila gekleideten Mitarbeitenden und ihren Patient*innen im Vordergrund: das zugewandte Begleiten durch den Geburtsvorgang, präzise Erläuterungen eines bevorstehenden Schwangerschaftsabbruchs oder die Beratung eines jungen Paares, das mit einer ungeplanten Schwangerschaft konfrontiert ist. Der Alltag in der Maternité des Lilas ist bewegt und bewegend. Und er blickt auf eine lange Tradition zurück: Tief verankert in der zweiten Welle der Frauenbewegung, schrieb die Klinik für ihre fortschrittliche Ausrichtung Geschichte. Jede sollte nach eigenen Vorstellungen gebären können, das Patriarchat wurde aus Kreiß- und OP-Saal verbannt – „mon corps, mon choix“. Die progressive Ausrichtung hat sich das unscheinbare Haus bis zuletzt bewahrt. Alain Kassandas Klagelied ist ohne Larmoyanz. Es ist die unsentimentale Darstellung eines nur auf dem Papier begründbaren Verlusts.
Carolin Weidner
Carolin Weidner
Termine und Tickets
28.10.
#354
CineStar 7
The Maternity Ward
28.10.2026
CineStar 7
#354
The Maternity Ward
30.10.
#531
CineStar 5
The Maternity Ward
30.10.2026
CineStar 5
#531
The Maternity Ward
01.11.
#7D1
Kinobar Prager Frühling
The Maternity Ward
01.11.2026
Kinobar Prager Frühling
#7D1
The Maternity Ward
Credits
Regie
Alain Kassanda
Kamera
Alain Kassanda
Schnitt
Alain Kassanda
Produktion
Alain Kassanda, Emilie Guitard, Aloïs Kanyinda
Co-Produktion
Leila Badet
Ton
Alain Kassanda
Sound Design
Jocelyn Robert
Musik
Florent Dupuit
Kontakt
Kontakt
Emilie Guitard
contact@ajimatifilms.com
contact@ajimatifilms.com
Nominiert für:
Preis der Interreligiösen Jury,
FIPRESCI Preis
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
The Nights
Ana Bovino
Buenos Aires bei Nacht. La Pichi spricht ungehemmt von Beziehungen, Familie, Körperbildern und sozialen Schichten. Was könnte befreiender sein, als das Leben nach eigenen Regeln zu erzählen?
The Nights
Las Noches
Ana Bovino
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Dokumentarfilm
Argentinien
2026
82 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Weltpremiere
Jimena ist in ihren Zwanzigern, eine junge Frau, die unter dem Spitznamen La Pichi bekannt ist und am Rand von Buenos Aires in der Nähe des Hafens aufwuchs, auf der anderen Seite der unsichtbaren Grenze zwischen Zentrum und Stadtrand. Das sind nicht einfach Zuschreibungen – so erzählt sie es selbst. Ihre Redseligkeit kennt kein Ende, was sie zur perfekten Geschichtenerzählerin macht. Wie eine Porteña-Scheherazade trägt La Pichi jeden Abend eine neue Geschichte vor, und es sind so viele, dass man schon mal den Überblick verlieren kann. Mit extravaganten Titeln klingen ihre Geschichten von Beziehungen, Familie, Körperbild und Gesellschaftsschichten erfunden, doch sie stammen alle aus ihrer Alltagsrealität. Es ist die gleiche Realität, die wir in samtigen nächtlichen Bildern zwischen ihren Voiceover-Monologen sehen. Die Erzählungen prägt ein ansteckender Enthusiasmus und Humor, der über ihren ambivalenten Subtext hinwegtäuscht: die Geschichte des Liebhabers, der nicht mit ihr gesehen werden wollte, die Geschichte der transvestiten-liebenden Großmutter, die herrliche Mahlzeiten kochte, die sie nicht essen durfte, die Geschichte des Vaters mit Vitiligo, der auf einmal nicht mehr da war. Und doch ist dies keine Erzählung von Elend und Leiden, sondern eine von unbezwingbarer, inspirierender Freude. Denn was kann ermächtigender sein, als den Raum zu bekommen, die eigene Biografie nach eigenem Gutdünken aufzuzeichnen? Wie La Pichi selbst sagt: „Ich war nicht ein Wort, ich war viele.“
James Lattimer
James Lattimer
Enthält Darstellungen von Nacktheit, explizite Sexszenen
Termine und Tickets
27.10.
#254
CineStar 7
The Nights
27.10.2026
CineStar 7
#254
The Nights
28.10.
#321
CineStar 4
The Nights
28.10.2026
CineStar 4
#321
The Nights
29.10.
DOK Stream 24h
The Nights
29.10.2026
DOK Stream 24h
The Nights
31.10.
#664
Passage Kinos Astoria
The Nights
31.10.2026
Passage Kinos Astoria
#664
The Nights
Credits
Regie
Ana Bovino
Buch
Ana Bovino
Kamera
Delfina Margulis Darriba
Schnitt
Laura Basombrío
Produktion
Ana Bovino, Natalia de la Vega
Ton
Mercedes Tennina, Victoria Maréchal
Sound Design
Mercedes Tennina
Kontakt
Kontakt
Ana Bovino
Nominiert für:
Silberne Taube,
Preis der Interreligiösen Jury,
FIPRESCI Preis
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
They’re Here
Laura Poitras, Rachel Lauren Mueller
Ein dystopischer Winter in Minneapolis: Bewohner*innen kämpfen gegen die paramilitärischen Übergriffe durch ICE, deren gewaltige Dimension Poitras und Mueller als Horrorfilm sichtbar machen.
They’re Here
They’re Here
Laura Poitras, Rachel Lauren Mueller
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Dokumentarfilm
USA
2026
25 Minuten
Englisch,
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Deutsche Premiere
Minneapolis hat sich in ein Schlachtfeld verwandelt: Giftgrüner Nebel wabert über die winterlichen Straßen, es gibt Verwundete, Geschrei, panzerartige Fahrzeuge. Laura Poitras und Rachel Lauren Mueller erfassen das Wirken der paramilitärisch agierenden Einwanderungsbehörde ICE aus verschiedenen Blickwinkeln und verbinden sie zu einem Horrorfilm. In ihm organisieren sich Teile der Bevölkerung, um sich dem unrechtmäßigen Vorgehen der zumeist Vermummten entgegenzustellen und es zu protokollieren. Nach und nach wird ein Netz von gigantischer Dimension offenbar, welches die Entführung Minderjähriger, heimliche Auskundschaftungen und einen steten Strom von Abschiebeflügen umfasst. „They’re Here“ ist eine genrefluide, dokumentarische Dystopie, deren Düsterkeit durch den Score Alessandro Cortinis (Nine Inch Nails) noch gesteigert wird.
Carolin Weidner
Carolin Weidner
Thematisiert Rassismus, Mord
Enthält Darstellungen von körperliche Gewalt
Termine und Tickets
27.10.
#2C2
Cinémathèque in der naTo
Teil der Kompilation
27.10.2026
Cinémathèque in der naTo
#2C2
Teil der Kompilation
28.10.
#331
CineStar 5
Teil der Kompilation
28.10.2026
CineStar 5
#331
Teil der Kompilation
01.11.
#721
CineStar 4
Teil der Kompilation
01.11.2026
CineStar 4
#721
Teil der Kompilation
01.11.
#772
Passage Kinos Wintergarten
Teil der Kompilation
01.11.2026
Passage Kinos Wintergarten
#772
Teil der Kompilation
Credits
Regie
Laura Poitras, Rachel Lauren Mueller
Kamera
Rachel Lauren Mueller
Schnitt
Adriana Pacheco, Laura Poitras
Produktion
Rachel Lauren Mueller, Laura Poitras, Yoni Golijov
Co-Produktion
Adriana Pacheco, Adam Mellion
Sound Design
Hasan Estuidios
Musik
Alessandro Cortini
Animation
Josh Begley
Kontakt
Kontakt
Yoni Golijov
World Sales
Josh Braun
Submarine Entertainment
Submarine Entertainment
German Distributor
ARTE France
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Through the Dust of Time
Wan Chen Lin
Ein Hakka-Dorf im Süden Taiwans: Die achtzigjährige Alan verbringt den stillen Alltag mit Gartenarbeit und Freundin A-Mei. Jüngere Generationen zieht es fort. Wer wird die Traditionen bewahren?
Through the Dust of Time
foˋ fong
Wan Chen Lin
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Dokumentarfilm
Taiwan
2026
29 Minuten
Traditionelles Chinesisch
Untertitel: 
Englisch
Internationale Premiere
Wugoushui, ein Hakka-Dorf im Süden Taiwans, verliert mit dem Fortgang jüngerer Generationen zusehends seine traditionelle Lebensweise. Die Huofang-Häuser, in denen einst mehrere Generationen einer Familie zusammenlebten, werden stiller. Zwischen dem Warten darauf, dass Kinder und Enkelkinder das Haus mit Leben füllen, und den Momenten, in denen sie wieder gehen, verbringt die achtzigjährige Alan ihre Tage mit Gartenarbeit, der Verarbeitung der Ernte und den kleinen Tätigkeiten des Alltags, die sie mit ihrer langjährigen Freundin A-Mei teilt. Hier hat das Leben einen anderen Rhythmus, den Alan mit Anmut und Gelassenheit annimmt.
Anca Păunescu
Anca Păunescu
Trailer
Termine und Tickets
27.10.
#271
Passage Kinos Wintergarten
Teil der Kompilation
27.10.2026
Passage Kinos Wintergarten
#271
Teil der Kompilation
29.10.
#481
UT Connewitz
Teil der Kompilation
29.10.2026
UT Connewitz
#481
Teil der Kompilation
01.11.
#7A3
Schaubühne Lindenfels
Teil der Kompilation
01.11.2026
Schaubühne Lindenfels
#7A3
Teil der Kompilation
01.11.
#774
Passage Kinos Wintergarten
Teil der Kompilation
01.11.2026
Passage Kinos Wintergarten
#774
Teil der Kompilation
Credits
Regie
Wan Chen Lin
Buch
Wan Chen Lin
Kamera
Chien Chiang
Schnitt
Hsu Changhao, Wan Chen Lin
Produktion
Chang Tao Ping
Co-Produktion
Lin Tse
Ton
Haung Pei Yu
Sound Design
Hanson Tsai
Musik
Su Chun Han
Kontakt
Kontakt
Wan Chen Lin
qaz196626@gmail.com
qaz196626@gmail.com
Nominiert für:
Silberne Taube