Unter Young Eyes versammeln sich unsere Filme ab 12,die den bohrenden Fragen Heranwachsender mit Haltung, Klugheit und Humor begegnen. Eine Jury zwischen 12 und 16 Jahren versieht ihren besten Film mit einem Preis.
Unter Young Eyes versammeln sich unsere Filme ab 12,die den bohrenden Fragen Heranwachsender mit Haltung, Klugheit und Humor begegnen. Eine Jury zwischen 12 und 16 Jahren versieht ihren besten Film mit einem Preis.
Mit zahlreichen film- und medientheoretischen Videoessays hat Kevin B. Lee die Form des sogenannten Desktop-Films wesentlich mitgeprägt. Die elegante Meta-Inszenierung reflektiert, dass sein digitaler Schreibtisch zugleich Rechercheinstrument, Medienarchiv und Distributionskanal ist. Lees erster Langfilm in diesem Stil seziert zunächst ein historisches Propagandawerk: Unter dem Titel „Flames of War“ veröffentlichte die Terrormiliz „Islamischer Staat“ 2014, auf dem Höhepunkt ihrer territorialen Macht, einen aufwendig produzierten Film; etliche Medien verglichen ihn mit der Ästhetik von Hollywood-Blockbustern. Die extreme Gewalt jener Bilder kann Lee zwar abstrahieren und verfremden. Doch mit den Mitteln der Filmanalyse allein, so seine Erkenntnis, lässt sich ihre ideologische Macht nicht entschlüsseln. „Afterlives“ weitet den Blick und sucht im Dialog mit Expertinnen aus Kunst, politischer Bildungsarbeit und Terrorismusforschung nach Gegenentwürfen: Sie rekonstruieren zerstörte Kulturgüter, entwickeln Strategien gegen extremistische Radikalisierung und erforschen, was Menschen zum Ausstieg aus terroristischen Gruppen bewegt. Dabei verliert Lees kluger Essay auch das kolonial geprägte westliche Bild des Nahen Ostens nie aus dem Blick.
Jan-Philipp Kohlmann
Thematisiert Folter
Enthält Darstellungen von Kriegsszenen, Folter
Thematisiert Kriegsszenen
Ein öffentliches Schwimmbad mitten im Wald, kurz vor dem Umbau: Zwischen Rutschen, Pommes, TikTok und Sonnencreme verbringen sechs Teenager ihre langen Sommertage in der Badi – schweizerdeutsch für Freibad. Hier wird diskutiert, gelacht, ausprobiert und einfach Zeit miteinander verbracht. Auf der Wiese, im Wasser und zwischen den Becken kreisen die Gespräche um alles, was sie gerade bewegt. Der sonnendurchflutete Film begleitet die Jugendlichen in einem Moment des Übergangs. Sie erzählen von früher, denken über die Zukunft nach und versuchen herauszufinden, wer sie sind und wie sie in einer sich verändernden Welt ihren Platz finden. Der Film bleibt nah an ihren Blicken, Gesprächen und Begegnungen. Es entsteht ein unverstellter Einblick in die jugendliche Gedankenwelt – in ihre Neugier, ihren Humor, ihre Widersprüche und ihre Unsicherheiten. Ein Sommer lang wird die Badi zu einem Ort, an dem Kindheit und Zukunft nebeneinander existieren. Und während die orangene Rutsche abgebaut wird, plätschert die Frage durch den Pool, was von diesem Sommer bleibt.
Lina Dinkla
Eintritt frei
Thematisiert Tod
Eintritt frei
Łukasz träumt davon, Profiboxer zu werden. Seine Mutter Monika unterstützt ihn dabei so gut sie kann. Doch dass er dafür auf ein über 500 Kilometer entferntes Sportinternat ziehen muss, kann sie nicht nachvollziehen. Denn wer wäscht dort seine Wäsche und sorgt dafür, dass er pünktlich zum Training erscheint? Für Łukasz ist der Umzug ein Schritt in die Unabhängigkeit, aber auch eine Bewährungsprobe unter Gleichgesinnten. Zwischen hartem Training, neuen Freundschaften und der ersten Liebe wird das Internat nicht nur zum Sprungbrett für seine sportliche Karriere, sondern auch zum Ort des Erwachsenwerdens. Über fünf Jahre begleitet Adam Roszkowski seinen stillen Protagonisten auf dem Weg zur polnischen Juniormeisterschaft. Beobachtend und dezent inszeniert fügen sich Trainingsalltag, Familienmomente und auch ein erstes Date zu einer Erzählung, die so nah an ihren Figuren bleibt, dass das dokumentarische Format dabei beinahe in den Hintergrund tritt. Ganz dem Show-don't-tell-Prinzip verpflichtet, erzählt „Growing Up“ ebenso von der Hingabe und dem Preis des Leistungssports wie von den leisen Kämpfen, die es braucht, den eigenen Weg zu gehen.
Tina Jany
Nazieh, Shazieh und Hanieh, drei Schwestern aus Afghanistan, leben mit ihrem Vater auf unbestimmte Zeit in einem Flüchtlingscamp in Athen. Ihre Mutter ist bereits in Deutschland angekommen, wo ein neues Gesetz den geplanten Familiennachzug verhindert. Es beginnt ein Aufwachsen im Wartezustand. Über sieben Jahre begleitet der Film die Schwestern und zeigt die unstete Normalität, die sie sich trotz aller Widrigkeiten gemeinsam und getrennt aufbauen: mit Sporttrainings, Sprachunterricht und dem Drehen eigener Filmszenen, die von ihren Fluchterfahrungen geprägt sind. Christos Stefanou, Pädagoge und Filmemacher, lernte die drei Schwestern bei seiner Arbeit im Geflüchteten-Camp kennen, wo er fünf Jahre als Lehrer tätig war. Im Bewusstsein ihrer vulnerablen Situation und Lebensphase verfolgt er in seinem ersten dokumentarischen Langfilm einen kollaborativen Ansatz. Beobachtend und nah fängt er Gesten, Gedanken und Alltagsroutinen der drei Schwestern ein, wodurch sich Entwicklungsschritte und das Verstreichen der Zeit nicht nur körperlich zeigen. Und während Lernerfolge angesichts der sich ständig verändernden Lebenssituation bisweilen ihre Bedeutung verlieren, bleibt die wesentliche Frage bestehen: Wird es der Familie trotz aller Unwägbarkeiten gelingen, wieder zusammenzufinden?
Tina Jany
An einer berufsbildenden Hotelfachschule tauschen Alma, Moussa, Chaïli, Sarah und ihre Mitschüler*innen Alltagskleidung, Smartphones und Kaugummi gegen Uniformen und Serviertabletts. Im Schulrestaurant und Klassenzimmer lernen sie die Regeln und die präzisen Abläufe des französischen Restaurantservice: eine Branche, in der Tradition, Disziplin und Perfektion einen sehr hohen Stellenwert einnehmen. Die Lehrer*innen vermitteln streng, aber fair die Werte eines Berufs, der vor allem Geduld und das Hintanstellen eigener Bedürfnisse verlangt. Zwischen Unterricht und Serviceabläufen entsteht das Porträt einer Generation, die mit den Erwartungen der Arbeitswelt konfrontiert wird: dem Anspruch, einen Beruf zu erlernen und sich anzupassen, während sie zugleich nach Anerkennung und einem eigenen Weg sucht. Der Film beobachtet die Jugendlichen in ihrem Ausbildungsalltag wohlwollend zugewandt und beleuchtet den Kontrast zwischen einem idealisierten Bild von Gastronomie und der schnöden Realität. Für die Jugendlichen ist diese Ausbildung nicht immer eine freie Entscheidung, sondern lediglich einer der wenigen möglichen Wege ins Arbeitsleben. Ein lebendiger, ungeschönter Blick auf das Erwachsenwerden und die Suche nach einem Platz in einer Zukunft, die wenig zu bieten hat und viele Kompromisse verlangt.
Lina Dinkla
„Mein Leben ist ein Gefängnis", sagt Adelina. Die junge Frau raucht und schaut in die Kamera, rechts und links von ihr sitzen die Eltern auf dem Sofa. In Schwarzweiß und im schmalen 4:3-Format wirkt die Familienszene beklemmend: Elf Jahre hat Adelina dort in Hausarrest verbracht, mit einem Vater, der ihre Identität nicht anerkennt, und einer Mutter, die liebevoll, aber machtlos scheint. Für Transpersonen wie Adelina gibt es in Georgien weder Freiheit noch Sicherheit. Queerfeindliche Angriffe passieren auf offener Straße, die rechtliche Lage der LGBTQ-Community hat sich zuletzt weiter verschlechtert. Als die Protagonistin schließlich das Dorf ihrer Eltern verlässt und nach Wien geht, verändert sich auch der Stil von Rati Tsiteladzes Debütfilm. Rot leuchtet der Lippenstift, neongelb die Lichter der Großstadt. Ein anderes, freieres Leben scheint möglich. Doch mit der Freiheit kommen neue Herausforderungen: finanzielle und gesundheitliche Probleme, die Verständigung in einer fremden Sprache – und Einsamkeit. „A Song Without Home“ ist ein intimes, impressionistisch erzähltes Langzeit-Porträt einer Person, die sich selbst entwerfen möchte und an einer unerschütterlichen Überzeugung festhält: „Kein Gesetz kann auslöschen, wer wir sind.“
Jan-Philipp Kohlmann
Thematisiert Diskriminierung von LGBTQIA2S+-Personen
Enthält Darstellungen von Diskriminierung von LGBTQIA2S+-Personen
Eintritt frei
Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
26. Oktober bis 1. November 2026
Leipziger Dok-Filmwochen GmbH
Katharinenstraße 17
04109 Leipzig
Deutschland
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+49 (0)341 30864-0