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Cold River: I Am in Leipzig
Haiguang träumt. Von seiner verstorbenen Großmutter, seinem Geburtsort Lěng Shuǐ Jiāng in China, seinen Performances und Kunstprojekten und seinem Job in einem Großhandelslager in Leipzig. Aber Haiguang träumt nicht nur. Er filmt auch. Sich selbst und seine Umgebung. Ausdauernd, stoisch, mal mit Handkamera, mal mit Stativ. Im Wissen, dass es direkt unter dem Alltag eine weitere Schicht gibt, die man nur wahrnimmt, wenn man sich traut, nach einer Bedeutung jenseits des Sichtbaren zu suchen. Wenn man sich traut, sich im Park auf eine Kreuzung zu legen und zu warten, was geschieht. Wenn man sich traut, den Leistungsdruck der chinesischen Gesellschaft mit einer Performance zu adressieren, einen Autoreifen durch Peking ziehend. Wenn man sich traut, eigene Ängste und Zweifel wahrzunehmen und zu zeigen. Stilsicher und immer in Bewegung zwischen Orten und Bedeutungsebenen verknüpft Haiguang Leben und Traum in acht Vignetten, in denen sich Gefühle kondensieren und eine Form annehmen, die über das Private hinausgeht. Dabei verschränkt er die Elemente seines Alltags zwischen Kunsthochschule und elterlicher Kohlenhandlung in Changsha mit ebenso genauen wie poetischen Beschreibungen. So kann eine am Wegrand liegende Pfütze zu genau dem Ort werden, der ihn quer durch Raum und Zeit mit seiner Oma verbindet.
Luc-Carolin Ziemann
Trailer
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lihaiguang02@gmail.com
Concrete Land
James Lattimer
Thematisiert körperliche Gewalt, Rassismus, Tod, Kriegsszenen
Photosensitivity warning: Enthält Lichteffekte, die bei erhöhter Lichtempfindlichkeit Überreaktionen auslösen können.
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bk.asmahan@gmail.com
Decay
André Eckardt
Thematisiert psychische Erkrankungen, Mord
Photosensitivity warning: Enthält Lichteffekte, die bei erhöhter Lichtempfindlichkeit Überreaktionen auslösen können.
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j.gonzalezj@uniandes.edu.co
Detention
Carolin Weidner
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samy@andanafilms.com
Division
Was sagt die Bibliothek eines Menschen über ihn aus? James Paul Dallas porträtiert nicht nur ein Leben, sondern zeigt eine Gegenwart, in der Besitz, Erinnerung und Identität ins Wanken geraten. Im Frühjahr 2025 navigiert der anonyme Protagonist den Regisseur per Handy durch seine verlassene Wohnung in Brooklyn. Was darf bleiben, was kann gehen nach 20 Jahren Zuhause? Zuerst ist das Küchengeschirr dran, dann die Bücher. Giacometti und Basquiat können in New York bleiben. Aber alles, was zwischen Lequeu und Brick steht, bitte einpacken. So entsteht ein Parcours durch einen intimen Mikrokosmos. Nicht nur die Wissenswege eines einzelnen Individuums werden vermessen, sondern auch seine Begierden, Vorlieben, guilty pleasures. Die Aufnahmen geben fragmentarische Einblicke in die Privatsphäre, regen Neugier und Fantasie an, bei allen, die zuschauen: Was ist alles in dieser Wohnung passiert? Was für ein Mensch hat hier gelebt? Und warum muss er sich von all dem, vielleicht sogar von einem Teil seiner selbst, trennen?
Borjana Gaković
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jamespauldallas@gmail.com
Du solltest träumen, dass du fliegst
Verstecken spielen, einen Schulaufsatz vorlesen, eine Fahrstunde nehmen. Auf dem ersten Blick wirken die Szenen beiläufig, doch erweisen sie sich als Momentaufnahmen eines Alltags im Ausnahmezustand. Erst wenn die Kamera in die Totale geht, gibt sie den Blick auf Flüchtlingsunterkünfte frei. Der Mann hinter dem Steuer fährt forsch und erklärt dem Fahrlehrer, dass er in der Heimat längst seinen Führerschein gemacht habe. Unter der Bettdecke erzählen sich zwei Mädchen Geschichten aus der Zeit vor der Flucht. Zusammengehalten wird der lichte Reigen von der Hoffnung auf Rückkehr in eine Normalität.
Anke Leweke
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laura.staab@gmx.de
Eine chilenische Hochzeit
1977 hospitierte Valentin Milanow, bulgarischer Student an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR, im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Regisseur Rainer Ackermann war ihm als Mentor zugewiesen. Milanow kam auf die Idee, die Lebensrealität von Exil-Chilen*innen in der DDR zu porträtieren. Ein befreundetes junges Paar, Alejandra Holzapfel und José Fuica, wohnte im gleichen Plattenbaukomplex in Potsdam-Babelsberg. Sie studierte Veterinärmedizin, er wurde Lehrer für Marxismus-Leninismus. Milanow durfte ihre Hochzeit mit der Kamera begleiten. Am Rand der scheinbar fröhlichen Feier kommen die Gespräche auf die Erinnerung an Verhöre und Folter durch die Militärjunta sowie auf die Sorge um zurückgelassene Angehörige. Was die Braut selbst damals nicht erzählte: Als linke Untergrundkämpferin war sie u.a. im Gefangenenlager „Venda Sexy“ schlimmsten Misshandlungen ausgesetzt gewesen. Dieser Ort ist heute die Gedenkstätte Asociación de Memoria y Derechos Humanos Irán 3030. Geleitet wird sie von Alejandra Holzapfel.
Florian Wüst
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defa-filmverleih@deutsche-kinemathek.de
El primer año
„El primer año“ dokumentiert das erste Jahr der Unidad Popular: das böse Erwachen der herrschenden Klasse Chiles angesichts der demokratisch gewählten sozialistischen Regierung. Von der direkt einsetzenden Wirtschaftssabotage der Rechten über feiernde Arbeiter*innen, die Situation der Mapuche, die Agrarreform, die Verstaatlichung des Kohle- und Kupferbergbaus und Fidel Castros Besuch bis zum „Marsch der Kochtöpfe“ bürgerlicher Frauen, die nach Brot schreien, das sie in Fülle haben, schließt sich der Kreis der Errungenschaften und Schwierigkeiten. Neben dem journalistischen Interesse galt das Anliegen Patricio Guzmáns und seiner Mitsteiter*innen der atmosphärischen Ebene des Aufbruchs zu einer gerechteren Gesellschaft unter Salvador Allende, was „El primer año“ zu einem so berührenden Zeitdokument macht. Chris Marker bot an, mithilfe des Filmkollektivs SLON eine französischsprachige Fassung zu produzieren. Dieser sind Fotografien von Raymond Depardon vorangestellt, unterlegt mit einem Vorwort zur Geschichte Chiles. Guzmán setzte seine Arbeit an der Chronik der Ereignisse fort, bis er nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 das Land verlassen musste. Erst im kubanischen Exil konnte er sein Meisterwerk „La batalla de Chile“ (1975–79) zusammen mit Pedro Chaskel sukzessive fertigstellen. Die drei Teile wurden sowohl bei der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche als auch im Forum der Berlinale jedes Mal gefeiert.
Florian Wüst
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alexandra@bfdistribution.cl
El tigre saltó y mató, pero morirá... morirá...
Fünf Tage nach dem Putsch wurde der berühmteste Liedermacher Chiles, Víctor Jara, brutal ermordet. Zur Würdigung seines Werks, seiner politischen Haltung und darüber hinaus der „Opfer des faschistischen Sadismus, den das Militär und die CIA seit dem 11. September 1973 in Chile verüben“, schuf Santiago Álvarez sogleich einen filmischen „Bericht in vier Liedern“. Die musikalische, stark rhythmisierte Struktur und der gleichzeitige Reportage-Charakter, der durch gefundene Nachrichtenbilder und Aufnahmen von Jara entsteht, geben die für Álvarez‘ so typische Agit-Prop-Sprache wieder. Der Filmtitel entstammt dem Gedicht „Nuestra América“ (1891) des kubanischen Dichters José Martí. Auch das Ende verweist auf die Kontinuität des antikolonialen Kampfes: Auf eine Collage internationaler Beispiele staatlicher Repression gegen Aufständische von Puerto Rico bis Vietnam und Indonesien folgen Abbildungen legendärer Befreiungsschlachten im Südamerika des 19. Jahrhunderts.
Florian Wüst
Enthält Darstellungen von körperliche Gewalt
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The Evidence of the Termites
James Lattimer
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robertojaenchacon@gmail.com
A Fire There
Felix Mende
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Eintritt frei
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michaela@filmotor.com
Garten der Hoffnung
„Wir passen nicht zusammen“, heißt es über die „zusammengewürfelte Truppe“, die in einem Schweriner Neubaugebiet ein Gartengrundstück bewirtschaftet. Anfangs „wurschtelt“ man für sich: Omar aus Syrien, der unter seiner Sprachlosigkeit in der Fremde leidet. Der Witwer Manfred, der jeden Tag an seine Frau denkt und sich um alle kümmert. Die Ukrainerin Kateryna, die mit bunten Bildern den Krieg zu übermalen sucht. Fawze, der dreimal die Heimat verlor. Ronny, Wiebke und Max, die nach Drogen und Gewalt einen Neuanfang versuchen. Sabine, deren Lachen und Schalk kurz aufflackern und entschwinden. Petra, die sich nach einem Leben voller Arbeit keinen Konzertbesuch leisten kann. Richard, der Spiegel aufhängt, um nicht allein zu sein. Abdul aus Afghanistan, Meister der Okraschoten. Sie verständigen sich mit Händen, Füßen und „russki jasyk“, tauschen Tipps über die richtige Knoblauchaussaat und Geräte, sitzen bald unter der Kastanie zusammen und singen, kämpfen um das Projekt … Und vom Balkon rezitiert Frau Müller Goethe und schickt ein Friedensgedicht hinterher. DEFA-Urgestein Dieter Schumann und sein Kameramann Michael Kockot gelingt, was einmal Ursprung und Tugend des Dokumentarfilms war: den Ungehörten durch genaue Beobachtung eine Stimme zu geben, die auf Nähe, Vertrauen und Respekt fußt. Im Nachbarschaftsgarten geschehen „kleine Wunder“. Eines davon ist dieser Film.
Grit Lemke
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mueller@neuevisionen.de