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Moving Sisters
Nazieh, Shazieh und Hanieh, drei Schwestern aus Afghanistan, leben mit ihrem Vater auf unbestimmte Zeit in einem Flüchtlingscamp in Athen. Ihre Mutter ist bereits in Deutschland angekommen, wo ein neues Gesetz den geplanten Familiennachzug verhindert. Es beginnt ein Aufwachsen im Wartezustand. Über sieben Jahre begleitet der Film die Schwestern und zeigt die unstete Normalität, die sie sich trotz aller Widrigkeiten gemeinsam und getrennt aufbauen: mit Sporttrainings, Sprachunterricht und dem Drehen eigener Filmszenen, die von ihren Fluchterfahrungen geprägt sind. Christos Stefanou, Pädagoge und Filmemacher, lernte die drei Schwestern bei seiner Arbeit im Geflüchteten-Camp kennen, wo er fünf Jahre als Lehrer tätig war. Im Bewusstsein ihrer vulnerablen Situation und Lebensphase verfolgt er in seinem ersten dokumentarischen Langfilm einen kollaborativen Ansatz. Beobachtend und nah fängt er Gesten, Gedanken und Alltagsroutinen der drei Schwestern ein, wodurch sich Entwicklungsschritte und das Verstreichen der Zeit nicht nur körperlich zeigen. Und während Lernerfolge angesichts der sich ständig verändernden Lebenssituation bisweilen ihre Bedeutung verlieren, bleibt die wesentliche Frage bestehen: Wird es der Familie trotz aller Unwägbarkeiten gelingen, wieder zusammenzufinden?
Tina Jany
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christef@gmail.com
Mum’s Hair
Der Verlust der Kopfhaare durch eine Chemotherapie ist für viele Menschen ein schmerzhafter Einschnitt, auch weil die Glatze die neue Verletzlichkeit so ausstellt. Doch Maja Arnekleiv, die Tochter der norwegischen Animationsregisseurin Anita Killi, verwandelt die Schritte der Transformation – die Original-Mama-Haare, die Fast-Glatze, den neuen Haarwuchs, der so anders ist als die Pre-Chemo-Haare – in eine Hommage an Resilienz, Liebe und Familienzusammenhalt, auch in schwierigen Krankheitszeiten. In einem über zwei Jahre entstandenen Pixilation-Dokumentarfilm hält sie in 755 (aus über 3.000 geschossenen) Einzelbildern fest, wie sie und ihre Geschwister die Haare von Anita Killi, die die Betrachter*innen dabei immer fest im Blick hat, frisiert, föhnt, stylt, mit Zöpfen und Haarspray herrichtet. Mal lachend, mal ernst, immer liebevoll. Für ihren zarten, sehr rührenden Film, der die Vierfach-Mama feiert, wie auch immer sie ausschaut, gewann Maja Arnekleiv 2017 die Goldene Taube.
Marie Ketzscher
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claus@trollfilm.no
Nachtschwärmer
Tief im Dschungel scheint alles seinen gewohnten Gang zu gehen – bis eines Nachts eine Laterne aufleuchtet und unzählige Insekten magisch anzieht. Sie verfallen in eine seltsame Trance, auch die Fledermausfamilie wird aus ihrem Schlaf gerissen. Während die Erwachsenen das helle Treiben zur Jagd nutzen, rettet die junge Fledermaus ein Glühwürmchen, eine Fliege und eine Motte. Am nächsten Abend kehrt das gefährliche Licht zurück. Entschlossen versucht die kleine Fledermaus, ihre neuen Freunde vor seinem Bann zu schützen. Ein kleines Abenteuer über Freundschaft und gegenseitige Hilfe.
Lina Dinkla
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mail@lenalena.org
Nicole Nicole
Alberte und Nicole sind Mutter und Tochter, drei Jahrzehnte trennen sie. Mit 55 und 87 leben sie immer noch zusammen in einer Villa am Genfer See und haben sich in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit eingerichtet: Nicole zögert, ihre Mutter zu verlassen, während es Alberte schwer fällt, sie gehen zu lassen; sie fürchtet das Alleinleben. In einem Haus voller Erinnerungsstücke, Katzen und zu vielen Uhren fühlt sich das Vertraute sicher an für das Mutter-Tochter-Duo, das oft gleichzeitig, wie Synchronschwimmerinnen, einnickt. Doch mit der Zeit macht sich die Familie Sorgen über Nicoles Selbstständigkeit. Nicole gilt als neuro-atypisch, „ambivalent“ in Bezug auf ihren vermeintlichen Zustand, und es gibt wenig Einrichtungen, die sie adäquat versorgen können. Dann beschließt Nicoles Schwester Danielle, ihr bei der Suche nach einer Wohnung und einer Arbeit zu helfen. Diese Szenen spielen sich parallel zum Alltag der Familie und den intimen Gesprächen vor der Kamera ab. Außerdem macht sich Nicole mit ihrer filmemachenden Nichte Lauren an eine spielerische kreative Übung, in der sie sich die vielen Szenarien des Lebens ausdenkt.
Sevara Pan
Enthält Darstellungen von psychische Erkrankungen
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Eintritt frei
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Nothing Happens After Your Absence
Seggen Mikael
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Now!
„Still I believe / We are created, free and equal / Now / Now / Now …“ Die US-amerikanische Sängerin Lena Horne interpretiert das hebräische Lied „Hava Nagila“ mit verändertem Text: „Now!“ (1963) wurde zu einer Hymne der Bürgerrechtsbewegung in den USA, während Santiago Álvarez‘ gleichnamiger Film zum Agitprop-Klassiker avancierte. Er montiert Fotografien und wenige kurze Bewegtbildsequenzen von Rassendiskriminierung, Polizeigewalt und weißem Terror im Rhythmus von Hornes Song. Allein die Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche zeigte „Now!“ nach der Golden Taube 1965 fünf weitere Male in zwei Jahrzehnten. Die Präsenz des kubanischen Dokumentarfilms in Leipzig gleicht einer langen Erfolgsgeschichte, nicht zuletzt dank Álvarez, seinem bekanntesten Vertreter. Neben den Vorführungen seiner Filme war er mehrmals Mitglied der Internationalen Jury. Selbst nach dem Eklat um die Positionierung zum Prager Frühling 1968 blieb Álvarez Dauergast.
Florian Wüst
Enthält Darstellungen von Rassismus, körperliche Gewalt
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Onkel Thuận
„Immer traurig“ sei er, sagt Onkel Thuận. Am Handy mit der weltweit verstreuten Familie verbunden, singt er sentimentale Lieder vom Frühling in Hanoi. Seine Frau Thúy kümmert sich indessen unermüdlich um das Restaurant, das die beiden seit zwanzig Jahren in Nordrhein-Westfalen betreiben. Mit 19 kamen sie als Vertragsarbeitende in die DDR. In Gesprächen mit ihren Töchtern entfalten sich Lebensgeschichten, in denen sie selbst kaum etwas zu entscheiden, sondern hauptsächlich fleißig zu sein und zu funktionieren hatten. Eine Rolle, die sie auch heute klaglos annehmen und rechtfertigen. Aber zunehmend werden Risse in der über Jahrzehnte aufgebauten Schutzschicht sichtbar. Und irgendwo in den ewigen, auch den Film strukturierenden Abläufen und Handgriffen in der Restaurantküche taucht sie leise auf: die Frage nach dem Glücklichsein. Mit Minh Anh Nguyễn meldet sich eine postmigrantische Generation zu Wort, die Vertragsarbeit und Rassismus in der DDR nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als Teil ihrer Geschichte betrachtet. Beiläufig und mit großer Nähe zu den Protagonist*innen erzählt sie von kolonialen Prägungen, die sich in Biographien und über Generationen hinweg fortschreiben. Zugleich zeigt sie, wie dieser Kreislauf durchbrochen werden kann. Indem die Töchter Fragen stellen, die – auch außerhalb der vietnamesischen Community und vor allem im Osten – lange überfällig sind.
Grit Lemke
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nguyen.minh-anh@web.de
Otá Layò
Die Brüder Matheus und José leben in Brasilien an den Flüssen des Kalunga-Quilombo, einer Gemeinschaft von Nachfahren geflohener Sklaven. Die Quellen und Flüsse sind ein wichtiger Teil ihres Lebens, und die beiden wissen, wie kostbar und schützenswert diese Gewässer sind. Am liebsten sammeln sie dort Steine, die sie für ihre Kunstwerke verwenden. Der Film begleitet die Brüder ein Stück auf ihren Streifzügen am Wasser und erzählt von ihrer besonderen Verbindung zu diesem Ort.
Lina Dinkla
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contato.acarajefilmes@gmail.com
Patronymic
Seggen Mikael
Thematisiert Kriegsszenen
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shortsfit@gmail.com
Piccolo Piccolo
Immerzu dieser Ärger mit den älteren Geschwistern! Die kleinste Maus beschließt eines Tages, nicht mehr hinter den drei Raufbolden herzulaufen, und geht auf Wanderschaft. Den hohen Berg möchte sie besteigen. Mühsam ist der Aufstieg, hinunter ist es aber fast noch schwerer … Als dann noch Nebel aufzieht, ist die Wiedersehensfreude mit der Familie umso schöner.
Lina Dinkla
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miguel.wasia@gmail.com
Private Universe
„Die Zukunft ist ein relatives Konzept. Sie uns vorzustellen, liegt an uns.“ Wie recht hat doch die Fernsehmoderatorin, die, zu einer Zeit in der Menschen erstmals den Mond begehen und Panzer in Prag einfahren – beides mit unabsehbaren Folgen –, wohlfrisiert und in Schwarz-Weiß auf eine womöglich farbenfrohe Zukunft anstößt. Denn wer kann schon wirklich wissen, wie die Menschen in einigen Jahrzehnten leben werden. Als Petr 1974 am Tag seiner Hochzeit mit Jana in Prag ein Tagebuch beginnt, weiß er nicht, wie die Welt und sein kleines Familienuniversum sich entwickeln werden – und wie sich beides gegenseitig beeinflussen wird. Als Helena Třeštíková kurz darauf beginnt, Janas Schwangerschaft mit der Kamera zu begleiten, weiß sie nicht, dass daraus 37 Jahre später ihre bisher längste Langzeitdokumentation entsteht: „Private Universe.“ Petrs Tagebuchaufzeichnungen bilden das variable Gerüst für dieses stets leichtfüßige Familienportrait. Aus der Tagebuch-Perspektive erscheinen große politische Umbrüche zuweilen als Randnotizen, erste Zähne als zentrale Ereignisse. Im Kleinen wird der Wandel der Tschechischen Gesellschaft nachvollzogen, ein Leben zwischen Karel Gott und John Lennon. Die ganze Dimension des Filmtitels offenbart sich aber erst, als Sohn Honza, der Widerspenstige, sich zum eigentlichen Protagonisten entwickelt. Zur Stunde seiner Geburt vor 37 Jahren ahnte er noch nicht, dass er bereits unter dem Stern der Kamera stand. Ein guter Stern?
Lars Meyer, DOK Leipzig Katalog 2012
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The Snake Charmer
Üppige Avocadoplantagen. Am Horizont steigt Rauch auf. Dann Echos von Explosionen. Im „Envelope“, kurz vor der Grenze zu Gaza, bestellen Yo, Tom, Yan, Piak und Lee israelische Felder. Wie viele andere Wanderarbeiter wurden sie dafür aus Thailand angeworben. Sie arbeiten unter Lohnniveau, oft sieben Tage die Woche, bis zu 17 Stunden am Tag, um ihre fernen Familien zu unterstützen. Sie werden von einer Roboterschlange beobachtet, die durch die Felder kriecht und nach Hamas-Tunneln unter dem Farmland sucht. Patronenhülsen zwischen dem Unkraut, notdürftige Schutzgebilde vor den Barracken – eine Psychogeografie der Angst und Schutzlosigkeit. Manchmal, in Momenten kurzer Freizeit, lenken die heiteren Spiele und die Gemeinschaft der jungen Männer davon ab. Am 7. Oktober 2023 öffnet sich die Unterwelt und unterbricht den Film, der danach zu den Familien der Opfer in Thailand reist. Am Ufer des Mekong wacht der mythische Schlangengott Naga über die Schwelle zwischen den Lebenden und den Toten. Eine ungreifbar schwebende, teilnehmende Erzählung über prekäre Arbeitsbewegungen durch einen militärisch-agrarischen Komplex.
Jan Künemund
Thematisiert körperliche Gewalt, Kriegsszenen
Enthält Darstellungen von Tod
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mel@madeingermany-film.de