DOK Leipzig 29. Oktober – 4. November 2018
61. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 29 October – 4 November 2018
61th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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05/2016

Filmauswahl der Sonderprogramme 2016:
Ungehorsam in Form und Inhalt

Die Filme der diesjährigen Sonderprogramme von DOK Leipzig stehen fest. Das Festivalmotto Ungehorsam zieht sich durch die insgesamt sieben Filmreihen, die neben der Offiziellen Auswahl das Filmprogramm des Festivals bilden. Im Rahmen der Sonderprogramme laufen 125 Filme, die zwischen 1919 und 2016 entstanden sind. Zahlreiche der Filmemacher/innen werden während der Festivalwoche vom 31. Oktober bis 6. November anwesend sein.

 

Der Länderfokus Türkei vereint politisch aktuelle und brisante Dokumentar- und Animationsfilme, die den offiziellen Narrativen der Regierung ein unabhängiges Filmschaffen entgegenstellen. Darunter ist der im syrischen Kobane gedrehte Film „Distant...” der kurdischen Filmemacherin Leyla Toprak, die Widerstandskämpferinnen in ihrem Kampf gegen den selbst ernannten IS begleitet. Teil des Programms ist auch der Film „I Remember“, der nach einer Reihe von Zensurmaßnahmen im April 2016 vom Ankara Film Festival zurückgezogen werden musste. Die Arbeit des kurdischen Regisseurs Selim Yıldız ist eine persönliche Erinnerung an das Massaker der türkischen Armee in Roboski 2011. Der Völkermord an den Armeniern wird in „Return“ und „The Eagle’s Tree“ thematisiert. Viele der weiteren ausgewählten Filme rücken Akteurinnen und Akteure von in den letzten Jahren entstandenen Protestbewegungen in den Mittelpunkt. Dazu zählen etwa eine Aktivistin, die sich bei den Protesten im Gezi-Park für LGBTI-Rechte einsetzt und Bürger/innen im Kampf für den Erhalt eines historischen Kinos in Istanbul.

 

Die diesjährige Retrospektive geht dem polnischen Dokumentarfilmschaffen nach, das durch seine Nähe zum Spielfilm und sein Bekenntnis zur Inszenierung mutig und radikal Genregrenzen überschreitet. Neben Klassikern u.a. von Kazimierz Karabasz, Krzysztof Kieślowski und Marcel Łoziński zeigt DOK Leipzig auch kaum bekannte Werke, darunter „Waves“ von Piotr Łazarkiewicz, der sich mit der Punk-Rebellion der späten 1980er Jahre beschäftigt. Unter dem Titel Sieben Sünden und andere Bekenntnisse im polnischen Dokumentarfilm widmet sich die Retrospektive mit humorvollem und kritischem Blick Themen wie Religion, Zensur, Nation oder Generationskonflikten und beleuchtet so historische und kulturelle Hintergründe aktueller politischer Entwicklungen in Polen.

 

Die Hommage ist der einflussreichen russischen Filmemacherin Marina Razbezhkina gewidmet, die in ihren Werken Menschen im postsowjetischen Russland begleitet. Teil des Programms sind neben bekannten Arbeiten wie „The Holidays“ über den Alltag einer sibirischen Familie auch frühe filmische Arbeiten der Filmemacherin, die bisher kaum international gelaufen sind und nun eigens für DOK Leipzig untertitelt wurden. Als Leiterin einer Schule für Dokumentarfilm in Moskau etablierte Razbezhkina gemeinsam mit Mikhail Ugarov eine wichtige Alternative zur staatlichen Filmhochschule VGIK und eine für den aktuellen russischen Dokumentarfilm richtungsweisende Direct Cinema-Tradition. Bei DOK Leipzig hält sie außerdem eine Meisterklasse und vergibt den Preis im Next Masters-Wettbewerb.

 

In der Reihe Disobedient Images treten Dokumentar- und Animationsfilm in einen Dialog. Vier Programme versammeln analoge und digitale, kurze und lange Filme, die das Rebellische des Filmbildes zutage treten lassen. Unter anderem führt die Reihe im Programmteil Reworking the Image vor, wie Künstler/innen in den analogen Bildträger eingreifen und durch etwa Kratzen oder Verätzen ein neues Werk erschaffen. So retuschiert Naomi Uman in „Removed” mit Nagellackentferner Frauenkörper aus einem analogen pornografischen Film und lässt die Männer ins Leere greifen. Im Rahmen der Reihe wird auch Bill Morrisons Found Footage-Film „Decasia“ zur Aufführung kommen, der Zersetzungsprozesse von altem Nitrat-Filmmaterial sichtbar macht. Bill Morrison wird zudem während der Festivalwoche eine Meisterklasse geben.

 

Das Jugendprogramm WE ARE HIP HOP nähert sich den verschiedenen Elementen der Hip-Hop-Kultur, die neben Musik und Tanz auch Street-Art umfasst. In „This Is What It Is” begleitet die französische Filmemacherin Léa Rinaldi eine kubanische Hip-Hop-Band, die in ihrem Kampf für Meinungsfreiheit und künstlerische Autonomie an ihre Grenzen stößt. Tora Mkandawire Mårtens erzählt in „Martha & Niki“ die Geschichte zweier erfolgreicher schwedischer Street-Style-Tänzerinnen, die sich auf die Suche nach ihren ugandischen bzw. äthiopischen Wurzeln begeben.

 

Das Sonderprogramm Der andere Blick? Alltag in der DDR bringt bisher weitgehend unbekanntes Bildmaterial aus der DDR auf die Leinwand. Der erste Teil des Programms rückt den Amateurfilm ins Zentrum. Die Leipzig-Matinee am Festivalsonntag konzentriert sich dabei auf das Amateurfilmschaffen in Leipzig und Umgebung. Der zweite Teil der Reihe gibt Einblick in Werke der Staatlichen Filmdokumentation (SFD), die Filme in erster Linie für archivalische Zwecke produzierte und sich deshalb Themen zuwenden konnte, die weitestgehend tabuisiert waren: Probleme der staatlichen Wohnungspolitik, alternative Lebensentwürfe oder der Verfall der Altbausubstanz in Berlin wurden auf Film festgehalten. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung.

 

Aus Anlass des 70-jährigen Jubiläums der DEFA erinnert DOK Leipzig schließlich an Joris Ivens als einen der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts und frühen wichtigen Unterstützer des Festivals. Zur Aufführung kommt „Die Windrose”, ein opulentes, zwischen Spiel- und Dokumentarfilm changierendes Werk, das 1957 unter Joris Ivens‘ Leitung mit prominenter Beteiligung bei der DEFA entstand.

 

Ausführliche Informationen zu allen Sonderprogrammen inklusive der Filmlisten finden Sie auf unserer Website unter diesem Link.

 

Wenn Sie für Ihre Berichterstattung Filmstills benötigen, wenden Sie sich bitte an die Presseabteilung.

 

Festivalimpressionen finden Sie hier.

 

 

Die Offizielle Auswahl wird am 10. Oktober bekanntgegeben.