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Deutscher Wettbewerb Kurzfilm 2022
Filmstill Make or Break
Biegen und Brechen Falk Schuster, Mike Plitt
Der animierte Dokumentarfilm erzählt in reduzierten Bildern von den traumatischen Erfahrungen des Protagonisten im Heimsystem der DDR und im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau.
Filmstill Make or Break

Biegen und Brechen

Biegen und Brechen
Falk Schuster, Mike Plitt
Deutscher Wettbewerb Kurzfilm 2022
Animationsfilm
Deutschland
2022
8 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Weil seine alleinerziehende Mutter den Staat kritisierte, wurde Alex mit elf Jahren ins Kinderheim eingewiesen, um ihn – wie fast 500.000 Kinder in der DDR – zu einer „sozialistischen Persönlichkeit“ zu formen. Er floh und landete zur Strafe im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau, mehr Knast als soziale Einrichtung. Militärischer Drill und Gewalt prägten nun den Alltag … Reduzierte, im Rotoskop-Verfahren animierte Bilder folgen Alex’ Erinnerungen und zeigen, wie die Traumata bis heute wirken.

Luc-Carolin Ziemann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Falk Schuster, Mike Plitt
Buch
Mike Plitt
Kamera
Falk Schuster
Schnitt
Julian Quitsch
Produktion
Max Mönch, Alexander Lahl
Ton
Hannes Schulze
Musik
Hannes Schulze
Animation
Julian Quitsch, Alexander Schmidt, Falk Schuster
Nominiert für: Gedanken-Aufschluss-Preis, mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Clot

Clot

Klonter
Levi Stoops
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Belgien
2025
15 Minuten
Niederländisch
Untertitel: 
Englisch

Seinen nackten Körper, in Tomatensoße ertränkt, auf einer Tiefkühlpizza betrachten - das ist der Inbegriff entfremdeter Lohnarbeit. Vor allem, wenn es sich dabei um jenes Massenprodukt handelt, dessen Qualität man tagtäglich hundertfach am Fließband kontrollieren muss. Ist es diese Entfremdung, der mehrfache tägliche Konsum ebendieser Mahlzeit oder schlicht die Abwesenheit bedeutender menschlicher Beziehungen, die dazu führen, dass Frankie sich todkrank fühlt und bereit ist, sich von seinem als wertlos und leer empfundenen Dasein zu verabschieden? Es kümmert niemanden, bis sein Körper sich in einen wilden Planeten verwandelt, auf dem die Evolution im Schnelldurchlauf stattfindet: Entstehung des Lebens, Miniatur Frankies mit absurden Penis-Tänzen, Kannibalismus, Darwinismus, gegenseitige Vernichtung, Ausrottung anderer Spezies – und schließlich das Verglühen des Frankie-Planeten selbst.
Levi Stoops lässt uns laut auflachen – und doch verspüren wir den bitteren Geschmack der Selbstzerstörung auf der Zunge. Wird Frankie nach dieser apokalyptischen Erfahrung eine Lebenswende wagen? Oder hält ihn das System so fest in den Klauen, dass heilsame Naturdokus mit exotischen Blumen schon Trost genug sind – anstelle von Kochshows, in denen Steinofenpizzen schwungvoll in die Luft geworfen werden?

Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Levi Stoops
Buch
Levi Stoops
Schnitt
Levi Stoops
Produktion
Annemie Degryse
Ton
Paulo Rietjens
Sound Design
Paulo Rietjens
Musik
Wiet Lengeler
Animation
Camiel Hermans, Sarah Menheere, Karolien Raeymaekers, Neyrouz Jemour, Jana Leeuwerck
Filmvertrieb
Annabel Sebag
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis, Gedanken-Aufschluss-Preis
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill For the Time Being

For the Time Being

For the Time Being
Nele Dehnenkamp
DOK im Knast 2023
Dokumentarfilm
Deutschland
2023
90 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Deutsch

Zu Beginn zeigt und kommentiert Michelle Bastien-Archer Fotos ihrer Hochzeit. 2007 haben die Afroamerikanerin und ihr Jugendfreund Jermaine in der unwirtlichen Besuchshalle von Sing Sing geheiratet. 1998 war er wegen vorsätzlicher Tötung zu 22 Jahren bis lebenslänglich verurteilt worden. Seit damals kämpft sie unermüdlich dafür, seine Unschuld zu beweisen. Nun sind neue Dokumente aufgetaucht, die Zweifel an der prozessentscheidenden Zeugenaussage verstärken. Michelles Zuversicht wächst. Sie treibt ihre Bemühungen um Jermaines Freilassung noch entschlossener voran. Die Kamera ist wie live dabei, beinahe eine Dekade lang.

Man glaubt sich in einem Thriller, dessen Drehbuch das Leben und das US-amerikanische Justizsystem schrieben. Ein Alltag im Ausnahmezustand, Szenen einer ungewöhnlichen Ehe. Zeitlich begrenzte Telefonate aus dem Gefängnis, unzählige Besuche im Anwaltsbüro, Auftritte bei Solidaritätsveranstaltungen für zu Unrecht verurteilte Afroamerikaner. Michelle arbeitet als Anstreicherin für die Stadt New York, zieht ihre zwei Kinder alleine groß. Beiläufig erfahren wir, dass deren leiblicher Vater einem brutalen Verbrechen zum Opfer fiel. Es entsteht das Porträt einer selbstbewussten Frau, die uns an ihren Ängsten und Hoffnungen teilhaben lässt.

Anke Leweke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Nele Dehnenkamp
Kamera
Nele Dehnenkamp
Schnitt
Nele Dehnenkamp
Produktion
Nele Dehnenkamp, Christine Duttlinger
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill The Family Approach

Im Prinzip Familie

Im Prinzip Familie
Daniel Abma
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland
2024
91 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Wenn Eltern ihrer Fürsorgepflicht nicht mehr nachkommen können, stürzt für die Kinder oft die ganze Welt zusammen. Nichts bleibt, wie es war. Plötzlich sind nicht mehr Mama oder Papa zuständig, sondern das Jugendhilfesystem. Daniel Abma hat eine Wohngruppe im ländlichen Raum über mehrere Jahre begleitet. Er zeigt professionelle Erziehende, die fünf Jungs zwischen sieben und vierzehn Tag für Tag geben wollen, was sie am Dringendsten brauchen: Geborgenheit, Orientierung, ein Zuhause.
Der dokumentarische Fokus richtet sich nicht auf die Kinder, sondern auf all jene, die anstelle der Eltern treten und manchmal an Don Quichote im Kampf gegen die Windmühlen erinnern. Denn zwischen Schule, Jugendamt, abwesenden Müttern und Vätern entsteht Verantwortungsdiffusion. Wenn Erwachsene Verabredungen nicht einhalten, wenn Zuständige vor rassistischem Mobbing kapitulieren und eine „Auszeit“ – für den gemobbten Jungen – in der Psychiatrie vorschlagen, fehlen einem die Worte. Es wäre leicht, diese Mechanismen an den Pranger zu stellen. Doch darum geht es Daniel Abma nicht. Seine gleichermaßen zugewandte wie zurückhaltende Beobachtung blickt fragend in die Lücken des Systems – mit denen, die hindurchzufallen drohen, und mit denen, die sie durch Zuneigung zu füllen versuchen. Er lässt uns ahnen: Die Antwort ist kein lückenloseres System. Es sind Menschen, die für andere Menschen da sind und Verantwortung übernehmen.

Luc-Carolin Ziemann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Daniel Abma
Buch
Daniel Abma
Kamera
Johannes Praus
Schnitt
Jana Dugnus
Produktion
Britta Strampe, Laura Klippel
Ton
Alexandra Praet, Christoph Walter
Sound Design
Alexandra Praet, Roman Pogorzelski
Musik
Henning Fuchs
Deutscher Filmverleih
Camino Film
Broadcaster
Rolf Bergmann, Dagmar Mielke
Redaktion
Rolf Bergmann, Dagmar Mielke
Funding institution
Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, Deutscher Filmförderfond, BKM - Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, FFA Filmförderungsanstalt
Nominiert für: VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, DEFA Förderpreis, Gedanken-Aufschluss-Preis
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Filmstill Sediments

Sedimente

Sedimente
Laura Coppens
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Schweiz,
Deutschland
2025
81 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Szene für Szene wird eine Biografie behutsam in Schichten freigelegt und damit auch deutsche Geschichte: Nationalsozialismus, DDR, Nachwendezeit. Eine Enkelin besucht ihren Großvater. Der ältere Herr treibt regelmäßig Sport, hat einen Gymnastikraum im Haus. Sie erklärt ihm ihr Projekt – und ihr Film wird diesen Projektcharakter behalten. Es ist ein permanentes Ausloten, wie tief, wie weit sie mit ihren Fragen gehen kann.
In einer schäbigen Metallbox, die offenbar schon lange nicht mehr geöffnet wurde, verwahrt er Familienfotos aus der NS-Zeit. Auch die Aufnahme des älteren Bruders in der Uniform des nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienstes ist darunter. Erst wenige Monate nach Kriegsende nahm es die Urgroßmutter aus Angst vor den Blicken der Rotarmisten von der Wand. Der Großvater verehrte seinen 1944 an der Ostfront gefallenen Bruder, bewunderte dessen Kraft und Sportlichkeit. Im Sportland DDR lebte er den Körperkult weiter. Wiederholt geht es in den Gesprächen um persönliche Verantwortung und moralische Grauzonen, um Vergessen und Verdrängung. Die Enkelin scheint sich zu fragen, wem sie überhaupt gegenübersitzt.

Anke Leweke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Laura Coppens
Buch
Laura Coppens
Kamera
Pierre Reischer
Schnitt
Kathrin Schmid
Produktion
Laura Coppens
Ton
Laura Coppens
Sound Design
Azadeh Zandieh
Musik
Azadeh Zandieh
Nominiert für: Gedanken-Aufschluss-Preis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, Filmpreis Leipziger Ring, DEFA Förderpreis
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill Yonii

Yonii

Yonii
Julius Gintaras Blum
Wettbewerb um den Publikumspreis Kurzfilm 2022
Dokumentarfilm
Deutschland
2022
23 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Yasin El Harrouk ist Yonii ist Schauspieler, Rapper, Sänger, Schwabe, Marokkaner. Dieses Porträt stellt ihn als quirligen Wandler zwischen Lebens- und Kreativkulturen vor, zwischen Rollen, die er im Studio und vor der Kamera spielt, und Erwartungen, die Familie und Community an ihn haben. Yonii besitzt zwei Sprachen und noch mehr Welten – und genießt diesen Reichtum. Aber auf dem Sofa im Stuttgarter Wohnzimmer seiner Mutter zeigt sich, dass Weltenvielfalt auch andauerndes Abwägen bedeutet.

Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Julius Gintaras Blum
Kamera
Vincent Eckert
Schnitt
Tim Kraushaar
Produktion
Janick Gootz
Ton
Bjarne Taurnier
Musik
Julius Gintaras Blum, Bjarne Taurnier
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis