Rhythmisch collagierte Geräusche und Filmbilder begleiten den Abbruch eines Hauses in Ost-London und werden zum Proteststück gegen ein Autobahnnetz, das die Nachbarschaft zerstört.
Rhythmisch collagierte Geräusche und Filmsequenzen begleiten den Abbruch eines Hauses. In Interviewfragmenten berichten Menschen aus einer Nachbarschaft im Londoner Osten: Die Wohnbedingungen waren nicht komfortabel – igitt, diese Spinnen! –, aber die Familien hatten ein über Generationen gewachsenes Zuhause. Nun protestiert die Gemeinschaft gegen ihre Verdrängung durch ein Autobahnnetz.
2015, die Ablehnung von Geflüchteten durch die Bevölkerung im mitteldeutschen Tröglitz eskaliert in Gewalt. Zeichnungen und 3D-Animationen machen fühlbar, wie Hass das Gemeindeleben zersetzt.
2015 in Tröglitz: Der Bürgermeister organisiert eine Unterkunft für Geflüchtete. Er und seine Familie werden selbst zu Heimatlosen, denn für viele Bewohner*innen gehören Fremde nicht in ihr mitteldeutsches Zuhause. Zum Interviewton des Bürgermeisters machen die Zeichnungen und 3D-Animationen fühlbar, wie der enorme Hass das Gefüge in der Gemeinde zersetzt und die Menschen auseinanderreißt.
Das Theater der Stadt Greiz ist seit Jahren geschlossen. Der kulturelle Heimatort, an dem mit Sprache Visionen gebaut wurden, löst sich auf. Durch menschenleere Räume klingt ein Abschied.
Das Theater der Stadt Greiz ist ab 2011 für Jahre geschlossen. Für ganze Generationen von Zuschauer*innen wurden hier mit Sprache Welten und Visionen gebaut. Nun löst sich der kulturelle Heimatort auf. In den heruntergekommenen, menschenleeren Räumen hallt der längst verstummte Gesang von lokalen Chören nach. Diapositive werden langsam von Schimmel und Chemikalien zerfressen. Ein Abschied.
Mit dem Pferd Sheila starb auch der familieneigene Bauernhof. Der Erzähler sucht den Ort seiner Kindheit und Jugend in 3D-Onlinekarten auf. Die ungenauen Bilder benötigen digitale Nachhilfe.
Sheila starb an Heustaub in den Lungen, und gleichzeitig mit dem Pferd starb irgendwie auch der familieneigene Bauernhof. Nach dessen Verkauf besucht ihn der Erzähler digital in 3D-Onlinekarten. Aber selbst die detaillierteste Ansicht sagt rein gar nichts über das Grab der dreibeinigen Hofkatze aus. Mit Animation und Bildeingriffen holt er sich den erinnerten Ort der Kindheit und Jugend zurück.
Aufgeschreckt geht eine verängstigte Frau zur Tür … Darstellerinnen solcher klassischen Hollywood-Szenen werden im Zusammenschnitt eins: eine ewige Gefange ihres Heims und ihrer Rolle.
Zuhause im Unheimlichen: Aufgeschreckt schaltet eine Frau das Licht an, zögert, lauscht und geht mit dunkler Vorahnung zur Tür … In dem Zusammenschnitt von sich ähnelnden Szenen aus Hollywood-Melodramen der 1950er und 1960er Jahre verschmelzen die diversen Darstellerinnen zur Meta-Protagonistin, die immer denselben Horror erlebt: Sie ist gefangen in ihrem Heim und in ihrer klassischen Filmrolle.
Die Natur ist aus den Fugen. Es regnet Frösche. Eine junge Frau ist zurück im Haus ihrer Kindheit, fühlt sich aber nicht mehr zu Hause. Die Einsamkeit wird zur körperlichen Alptraumerfahrung.
Die Natur ist aus den Fugen. Es regnet Frösche vom Himmel. Eine junge Frau ist zurück im Haus ihrer Kindheit, fühlt sich aber nicht mehr zu Hause. Die Einsamkeit auf wenigen Quadratmetern führt sie in einen Dämmerzustand. Die Seelenqual entlädt sich in Alpträumen, die auf ihrem Körper Spuren hinterlassen. Die Vergangenheit zerrt an ihr, Insekten ergreifen von ihr Besitz, die Körperhülle löst sich auf.
Ein Erinnerungstraum über den Ort der Kindheit: Wachsende Risse an der Wand, wuchernde Farbflächen und zerbröselnde Einrichtungsgegenstände lassen Auge und Ohr Innenwelten ertasten.
Im Zitronenbaum beim Haus sitzt ein Rabe, der ein Ei verschenkt. Die Erzählstimme erinnert sich an die Kindheit wie an einen Traum. Emotionen von damals finden körperlichen Ausdruck in einem Zimmer, das sich permanent verändert. Wachsende Risse an der Wand, wuchernde Farbflächen und zerbröselnde Einrichtungsgegenstände lassen Auge und Ohr Innenwelten ertasten.
Eine Kamera streift durch eine Wohnung und ein Leben. Familiengeräusche, Radiostimmen und die animierte Einrichtung stellen ein Zuhause vor, in dem heute niemand mehr zu Hause ist.
Eine Kamera streift unablässig durch eine Wohnung und ein Leben ohne besondere Kennzeichen. Klangliche und animierte Interventionen erzählen von Familienglück und -unglück, Streit und Trennung, Alter und Tod. Radionachrichten öffnen das Fenster ein Stück zum Weltgeschehen drumherum. Die sich stetig wandelnde Einrichtungssituation berichtet von Menschen, die hier zu Hause waren, ohne sie jemals zu zeigen.
Im Inneren einer Scheune erhascht die Kamera Tageslicht, das durch die Lücken der schiefen Wände dringt. Die aufblitzenden Strahlen wirken wie der Herzschlag des fragilen Gebäudes.
Im Inneren einer Scheune erhascht die Kamera Tageslicht, das durch die unregelmäßigen Lücken und Spalten der hölzernen Außenhaut in das fragile Gebäude dringt. Die Kamera hastet mit Reißschwenks hinterher oder lauert mit Zeitrafferaufnahmen dem langsam krauchenden Sonnenlicht auf. Die aufblitzenden, gleißenden Strahlen wirken wie der Herzschlag dieser Lichtkammer. Eine Sicht von außen gibt es nicht.
Ein Mädchen hält vorsichtig, aber neugierig Ausschau nach den Vorboten des Erwachsenwerdens. Neben dem behüteten Zuhause der Familie gibt es nun einen neuen, zu erforschenden Gefühlsraum.
Wie Alice in das Land hinter den Spiegeln treten … Ein Mädchen blickt zum ersten Mal hinter den Spiegel ihrer Kindheit und hält vorsichtig, aber auch neugierig Ausschau nach den Vorboten des Erwachsenwerdens. Sie stiehlt sich davon, löst sich von Eltern und Geschwistern. Neben dem kleinen und behüteten Zuhause der Familie gibt es nun einen neuen, großen, zu erforschenden Gefühlsraum.
Ein Pop-Art-Punk-psychedelischer Trip in die Welt der jungen Hausfrau Marcia im London der 1970er Jahre. Sie denkt über Milben in der Bettwäsche nach und spricht mit dem Geist des Schmutzes.
Ein Pop-Art-Punk-psychedelischer Trip in das Leben und die reiche Fantasiewelt einer jungen Hausfrau im London der 1970er Jahre. Marcia betrachtet gebannt das erstaunliche Faltengebirge der Bettwäsche, in dem das winzige, fast unsichtbare Volk der Milben wohnt, und wird in ein Gespräch mit dem Geist des Schmutzes verwickelt. Doch halt, die zeitgeistig-feministischen Freundinnen kommen zum Morgenkaffee.
Der kleine Maulwurf und der Gärtner im heftigen Nachbarschaftsstreit. Ausgelöst durch einen dummen TV-Bericht, geraten die Erdwohnung des einen und der bunte Garten des anderen in Gefahr.
Willkommen im wahren Leben, kleiner Maulwurf! Angefacht durch einen Fernsehbericht, gerät nicht nur die friedliche Koexistenz zwischen dem Gärtner und dem Baumeister von Erdhügeln in Gefahr, sondern ebenso das gemütliche Maulwurf-Zuhause unter Tage. Selten ging es in der farbenfrohen tschechischen Zeichenanimationsserie für Kinder so ernsthaft und brutal um die eigene Existenz.
Das Mittelstück von Jeremy Blakes bewegtem Triptychon blickt ins Herz des Winchester-Hauses. Vom San-Francisco-Erdbeben 1906 hart getroffen, ging der Innenausbau trotzdem weiter. Nur anders.
Wie viel berichten ins Nichts führende Treppen und Türen im kalifornischen Winchester-Haus über den Aberglauben der Bauherrin und wie viel über die jahrelangen Um- und Ausbauten nach dem Erdbeben von 1906? Im Mittelstück seiner Trilogie füllt Jeremy Blake die verwinkelten Innenräume des Architekturunikums mit unwirklichen Licht- und Farberscheinungen von beeindruckender Schönheit und beklemmender Wirkung.
1964 baute man dem verträumten Winchester-Haus ein spaciges Gegenüber zum Weiterträumen: das Filmtheater „Century 21“. Die stilgeschichtliche Pointe von Jeremy Blakes Architektur-Trilogie.
Im dritten Teil der Studie über das Winchester-Anwesen in San Jose wandert der Blick zum 1964 gegenüber erbauten „Century 21“-Kino. Jeremy Blake lässt die Traumhäuser mit Übermalungen in Time-based-Painting-Technik und massenmedialen Bildzitaten visuell korrespondieren. Das Filmhaus schrieb an dem Mythos mit, dass dem American Dream im Frontierland mit Waffengewalt ein Zuhause errichtet wurde.
Jeremy Blakes dreiteilige Studie über den in 38 Jahren von 8 auf 500 Zimmer angewachsenen Alterssitz der Witwe Winchester beginnt mit einer Seelenerkundung in farbigen Faltbildern.
1884 bis 1922 baute die Witwe des Waffenfabrikanten Winchester ein bescheidenes Gutshaus in San Jose zum Alterssitz mit zeitweise 500 Zimmern aus. Um sich vor den Geistern der im Frontierland Erschossenen zu schützen, munkelt man. Zum Auftakt seiner Winchester-Trilogie diagnostiziert Jeremy Blake wie in einem Rorschachtest mit fantastischen Faltbildern den Seelenzustand des exzentrischen Baus.