Filmarchiv

Sections (Film Archive)

Publikumswettbewerb 2023
Filmstill A Still Small Voice
A Still Small Voice Luke Lorentzen
Mati, eine angehende Krankenhausseelsorgerin in New York, muss bei der Betreuung von Patient*innen auch auf sich und ihre eigenen Kräfte achten. Ein intimer Einblick, nah dran und feinfühlig.
Filmstill A Still Small Voice

A Still Small Voice

A Still Small Voice
Luke Lorentzen
Publikumswettbewerb 2023
Dokumentarfilm
USA
2023
93 Minuten
Englisch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Das Mount Sinai Hospital in New York ist eines der ältesten und größten Krankenhäuser der Vereinigten Staaten. Hier arbeitet Mati, eine angehende Krankenhausseelsorgerin. Sie steht kurz vor dem Abschluss ihrer einjährigen Assistenzzeit in der Abteilung für „Spiritual Care“, einem Teilbereich der Palliativmedizin. Patient*innen, die mit Ungewissheit, Trauma und Trauer zu kämpfen haben, bekommen hier emotionale Unterstützung und werden spirituell betreut. 2020 und 2021 begleitet der Film Mati und ihre Kolleg*innen, in den Jahren mit den meisten Toten in der Geschichte der USA. Mati muss selbst täglich dafür kämpfen, ihr Gleichgewicht zu finden. Denn wenn, wie es ihr Supervisor ausdrückt, die eigene Bandbreite verbraucht sei, bleibt einfach kein Platz mehr für die härteren Dinge. Ein wichtiger Teil der Arbeit als Seelsorgerin ist es daher, selbst Unterstützung und Anleitung zu bekommen.

Luke Lorentzen betrachtet diesen Kosmos sehr feinfühlig und, bei aller Nähe, gleichzeitig angenehm zurückhaltend. Die ruhige Kamera bleibt oft auf Abstand, gerade in den Momenten des Zweifelns oder beim Beobachten von Konflikten im Team. Ein Film ohne Angst vor Intimität, der einen nachdenklich stimmenden Bogen schlägt: zwischen Fragen des Glaubens, des Verlusts und der beruflichen Nachhaltigkeit.
Lina Dinkla

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Regie
Luke Lorentzen
Kamera
Luke Lorentzen
Schnitt
Luke Lorentzen
Produktion
Kellen Quinn, Luke Lorentzen
Co-Produktion
Ashleigh McArthur, Robina Riccitiello
Ton
César González Cortés, Javier Quesada
Filmvertrieb
Andrea Hock
Filmstill Better Go Mad in the Wild

Better Go Mad in the Wild

Raději zešílet v divočině
Miro Remo
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Slowakei
2025
82 Minuten
Tschechisch
Untertitel: 
Englisch
Auf einem abgeschiedenen Hof im Böhmerwald, inmitten rauer Landschaft, leben zwei streitlustige Brüder mit beträchtlichen Vollbärten: Dass dieses Setting fast alttestamentarisch wirkt, fällt Franta und Ondra an einer Stelle selbst auf. Wer Kain und wer Abel in diesem Szenario sein könnte, darüber werden sie sich nicht einig. Überhaupt sind sie selten einer Meinung: Der tägliche Zwist ist die große Konstante im Alltag der eineiigen, sonst aber ungleichen Zwillinge. Wenn Franta das nächste halsbrecherische Abenteuer unternimmt, will Ondra nichts sehnlicher als in Ruhe rauchen. Hin und wieder tauschen sie aber auch Umarmungen und Nasenküsse aus. Mit Anfang 60 verbringen Franta und Ondra ihre Zeit mit der Feldarbeit, treiben Schabernack mit den Tieren oder duellieren sich im Armdrücken mit links. Dass Franta seinen rechten Unterarm bei einem Unfall verlor und die Zwillinge 1989 an der Revolution in der Tschechoslowakei mitwirkten, gehört zu einer vermeintlich weit entfernten Vergangenheit. Mit einem Hausrind als Erzähler, dem Leitmotiv eines riesigen Spiegels und klassischem Soundtrack findet Miro Remo eine wunderbare Form für das Porträt dieser eigenwilligen Menschen.
Jan-Philipp Kohlmann

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Regie
Miro Remo
Buch
Aleš Palán, Miro Remo
Kamera
Dušan Husár, Miro Remo
Schnitt
Máté Csupor, Šimon Hájek
Produktion
Tomáš Hrubý, Tomáš Hrubý, Miro Remo, Pavla Janoušková Kubečková
Ton
Lukáš Kasprzyk
Sound Design
Lukáš Kasprzyk
Musik
Adam Matej
Filmvertrieb
Michaela Čajková
Ausführende Produktion
Veronika Marekova
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Filmstill Blueberry Dreams

Blueberry Dreams

Lurji motsvi
Elene Mikaberidze
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Georgien,
Frankreich,
Belgien,
Katar
2024
76 Minuten
Georgisch,
Russisch
Untertitel: 
Englisch
Im Norden von Georgien, zwölf Kilometer entfernt von der russisch beeinflussten Region Abchasien, verwirklicht eine Familie ihren Traum. Unter dem zuversichtlichen Motto „Pflanzt die Zukunft“ legte die georgische Regierung ein Förderprogramm auf, das den Menschen des seit Jahren von Kriegen und Krisen geschüttelten Staates einen Neustart auf eigenem Ackerland ermöglicht. Mit dieser Unterstützung wagt Soso, Ingenieur im Ruhestand, 2021 mitsamt Frau und zwei jungen Söhnen den großen Schritt und beginnt mit dem Anbau von Blaubeeren.
Regisseurin Elene Mikaberidze und eine dynamisch geführte Kamera begleiten das mutige Unterfangen der Landwirtschaftsneulinge, die sich Monat um Monat in ihr noch ungewohntes Leben einarbeiten. Abends vertreiben sie sich die Zeit mit Spielen und Gesprächen. Im Hintergrund läuft der Fernseher: Bilder aus der überfallenen Ukraine, Nachrichten von der Eskalation im Nahen Osten, bei den Erwachsenen werden Erinnerungen an den Kaukasuskrieg vor sechzehn Jahren wach. Familienoberhaupt Soso blickt nachdenklich auf seine Heimat inmitten der sich zuspitzenden politischen Weltlage. Für welche Träume ist darin noch Platz? Mutter Nino sorgt sich um die Zukunft der Kinder. Sie wünscht ihnen die Freiheit, ihren eigenen Weg zu gehen, in die Ferne zu reisen und Georgien hinter sich zu lassen. Ob diese Vorstellungen mit denen von Soso übereinstimmen, bleibt abzuwarten.
Em Johrden

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Regie
Elene Mikaberidze
Buch
Elene Mikaberidze
Kamera
Patrick Wendt
Schnitt
Yannick Leroy, Phillipe Boucq
Produktion
Elene Margvelashvili
Co-Produktion
Baptiste Brunner, Isabelle Truc
Ton
Elene Mikaberidze
Sound Design
Marco Pascal
Broadcaster
Al Jazeera Documentary, Tënk, RTBF, Georgian Public Broadcaster
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Filmstill Bye Bye Tiberias

Bye Bye Tiberias

Bye Bye Tibériade
Lina Soualem
Publikumswettbewerb 2023
Dokumentarfilm
Frankreich,
Palästina,
Belgien,
Katar
2023
82 Minuten
Französisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Die in Frankreich lebende Schauspielerin Hiam Abbass ist einer der größten Filmstars aus dem Nahen Osten. Sie übernahm Hauptrollen in den prämierten Filmen des israelischen Regisseurs Eran Riklis, spielte in Steven Spielbergs „München“ und kürzlich im US-Serienhit „Succession“. Sie saß in der Jury der großen Festivals in Cannes und Berlin, stellte ihr eigenes Regiedebüt in Venedig vor. Sie ist aber auch: Mutter, Tochter und Schwester in einer großen palästinensischen Familie voller tatkräftiger Frauen. In dieser realen Rolle tritt sie im Werk ihrer Tochter Lina Soualem vor die Kamera und reist zurück in ihren Heimatort Deir Hanna im Norden von Israel – ein arabisches Dorf im jüdischen Staat.

„Öffne nicht das Tor zu vergangenen Sorgen“, zitiert die Regisseurin eine Art Dogma ihrer Verwandten. Es bezieht sich unter anderem auf die traumatische Vertreibung der Familie aus Tiberias, der Stadt am See Genezareth, im Palästinakrieg von 1948. Doch Soualem öffnet mit ihrer Konfrontation der familiären Geschichte auch Tore zu vergangenen Freuden und vermeintlich abgelegten Identitäten. Zwischen Home-Videos, historischen Archivaufnahmen, Fotos und Briefen zeigt Abbass eine berührende und nahbare Leinwandpräsenz in der Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Der lange Schatten der eigenen Herkunft fällt auch auf eine Frau von Welt.
Jan-Philipp Kohlmann

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Regie
Lina Soualem
Buch
Lina Soualem, Nadine Naous, Gladys Joujou
Kamera
Frida Marzouk
Schnitt
Gladys Joujou
Produktion
Jean-Marie Nizan
Co-Produktion
Guillaume Malandrin, Ossama Bawardi
Ton
Ludovic Escallier, Lina Soualem
Sound Design
Julie Tribout, Benoit Biral, Rémi Durel
Musik
Amine Bouhafa
Filmvertrieb
Anna Berthollet
Redaktion
Rasha Salti
Publikumswettbewerb 2025
Filmstill Coexistence, My Ass!
Coexistence, My Ass! Amber Fares
Noam Shuster-Eliassi wuchs in einem jüdisch-arabischen Friedensprojekt in Israel auf, arbeitete für die UN und macht Stand-Up-Comedy zum Nahostkonflikt auf Englisch, Hebräisch und Arabisch.  
Filmstill Coexistence, My Ass!

Coexistence, My Ass!

Coexistence, My Ass!
Amber Fares
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
USA,
Frankreich
2025
93 Minuten
Englisch,
Hebräisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Im Namen ihres Dorfes ist eine Utopie formuliert, die Noam Shuster Eliassi von Kindheit an geprägt hat: Newe Shalom (hebräisch) oder Wahat al-Salām (arabisch) bedeutet in etwa „Oase des Friedens“. Die kleine Community von etwa 300 Menschen aus jüdischen und arabischen Familien wurde 1969 gegründet, liegt in Israel an der Grenze zum Westjordanland und erprobt gelebte Solidarität. So werden die Jüdin Noam und ihre palästinensische Freundin Ranin schon als Kinder zu Botschafterinnen der Verständigung, etwa wenn Hillary Clinton oder Jane Fonda zu Besuch kommen. Eine Karriere bei den Vereinten Nationen scheint vorgezeichnet.
In ihrer Comedyshow „Coexistence, My Ass!“, die Regisseurin Amber Fares als Leitmotiv nutzt, schlägt Shuster Eliassi hingegen schärfere Töne an. Mit ihrem beruflichen Wechsel von der Diplomatie zur politischen Komik – je nach Publikum auf Englisch, Hebräisch oder Arabisch – zeigt der Film sie als Kritikerin der Netanjahu-Regierung, vor und nach dem Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023. So spiegelt sich an ihrem Beispiel auch die Zerrissenheit in Teilen der israelischen Linken: Auf den tiefen Schmerz, selbst geliebte Menschen verloren zu haben, folgt bei Shuster Eliassi die Wut über den Gaza-Krieg. Was kann, was darf Humor in dieser Lage? Vielleicht dazu beitragen, über das Leid zweier Völker trauern zu können und die Utopie des Friedens, trotz allem, nicht aufzugeben.
Jan-Philipp Kohlmann

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Regie
Amber Fares
Kamera
Amber Fares, Philippe Bellaiche, Amit Chachamov
Schnitt
Rabab Haj Yahya
Produktion
Amber Fares, Rachel Leah Jones, Valérie Montmartin
Ton
Rachel Leah Jones, Ibrahim Zaher, Sharon Luzon
Filmvertrieb
Stephanie Fuchs
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring
Filmstill Cutting Through Rocks

Cutting Through Rocks

Uzak yollar
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
USA,
Iran,
Deutschland,
Niederlande,
Katar,
Chile,
Kanada
2025
94 Minuten
Aserbaidschanisch,
Farsi
Untertitel: 
Englisch
Die Proteste mit dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ in Teheran und anderen Großstädten scheinen weit weg von dem Ort, an dem Sara lebt. Doch die Protagonistin dieses Films setzt sich in ihrer ländlichen Gemeinde im Nordwesten des Iran ganz alltagspraktisch für die gleichen feministischen Werte ein. Immer wieder werden wir in Bildern darauf zurückgeführt, dass ihr Vater sie einst – zum Unmut des Dorfes – das Motorradfahren lehrte. Ein kleiner Gefallen mit großer Wirkung: Für Sara ebnete er einen Weg jenseits der patriarchalen Ehe. Mobil auf zwei Rädern arbeitete sie als Hebamme und brachte zahlreiche Mädchen zur Welt, für die sie sich jetzt erneut stark machen will: Zu Beginn des Films und in der Mitte ihres Lebens entschließt sich Sara, als erste Frau in der Geschichte ihrer Kommune für den Gemeinderat zu kandidieren. Ein Schritt, der ihr einerseits begeisterte Unterstützung einbringt; andererseits muss sie offene Feindseligkeiten und eine Anhörung bei den Sittenwächtern der Islamischen Republik über sich ergehen lassen. Sara Khaki und Mohammadreza Eyni fangen in „Cutting Through Rocks“ diese Machtstrukturen und ihre individuelle Wirkung ebenso präzise ein wie Gesten der Solidarität und Selbstbestimmung.
Jan-Philipp Kohlmann

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Regie
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Buch
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Kamera
Mohammadreza Eyni
Schnitt
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Produktion
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Ton
Karim Sebastian Elias
Sound Design
Miguel Hormazabal
Filmvertrieb
Stephanie Fuchs
Deutscher Filmverleih
Stephanie Fuchs
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube (Publikumswettbewerb)
Filmstill Eat Bitter

Eat Bitter

Eat Bitter
Pascale Appora-Gnekindy, Ningyi Sun
Publikumswettbewerb 2023
Dokumentarfilm
Zentralafrikanische Republik,
China
2023
93 Minuten
Chinesisch,
Französisch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit, Englisch
Ein Mann im Morgengrauen auf dem Fluss. Er betet, springt ins Wasser und kommt mit einem Eimer voll Sand wieder hoch. Der alleinerziehende Vater Thomas Boa schlägt sich in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, mühsam als Sandtaucher durch. Der Sand landet schließlich auf der Baustelle von Jianmin Luan, einem chinesischen Bauleiter, der nach Afrika ging, um beruflich aufzusteigen. Für diese Chance zahlt Luan einen Preis: Er lebt sehr einfach, wird von Stromausfällen, der Angst vor Malaria, vor Typhus und dem Bürgerkrieg geplagt. Nach Jahren im Ausland hat sich seine Familie in China von ihm entfremdet, seiner Frau geht es psychisch schlecht.

Die Regisseurinnen Ningyi Sun und Pascale Appora-Gnekindy erzählen eine Geschichte von Globalisierung, Armut und Arbeit und fragen, wie man sein Leben in Würde bestreiten kann. Statt Klischees zu perpetuieren, lernen wir zwei Männer (und ihre Familien) kennen, die Rädchen im Getriebe einer weltumspannenden Konkurrenzmaschine sind. In diesem System gibt es viel Ungleichheit, aber kaum Gewinner. Doch es gibt auch Momente, für die sich all das zu lohnen scheint: wenn Luans Frau nach Afrika kommt und plötzlich wieder Nähe entsteht, oder wenn Thomas ein Feld bestellt und endlich nach vorne schauen kann. Ein bildgewaltiger, spannender und horizonterweiternder Film, der Stereotype gekonnt umschifft.
Luc-Carolin Ziemann

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Regie
Pascale Appora-Gnekindy, Ningyi Sun
Buch
Mathieu Faure, Ningyi Sun, Pascale Appora-Gnekindy
Kamera
Orphée Zaza Emmanuel Bamoy
Schnitt
Hannah Choe, Mathieu Faure
Produktion
Mathieu Faure
Co-Produktion
Ningyi Sun, Pascale Appora-Gnekindy, Orphée Zaza Emmanuel Bamoy
Ton
Aaron Koyassoukpengo
Sound Design
Hollis Smith
Musik
Cal Freundlich Moore
Animation
Michael Kosciesza
Ausführende Produktion
Mathieu Faure, Steve Dorst
Publikumswettbewerb 2024
Filmstill Elementary
Elementary Claire Simon
Eine Grundschule am Stadtrand von Paris. Mit Beharrlichkeit und Hingabe werden die Kinder dazu ermutigt, verantwortungsbewusst und empathisch zu sein. Gelungene Pädagogik auf Augenhöhe.
Filmstill Elementary

Elementary

Apprendre
Claire Simon
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Frankreich
2024
105 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Im Fokus von Claire Simons filmischer Beobachtung steht die Institution Schule. Doch anstatt Zielsetzung und Funktionsweise des Bildungsortes systematisch zu analysieren, liegt das Augenmerk auf den alltäglichen Begegnungen von Kindern und Lehrer*innen. Wie werden Auseinandersetzungen gelöst? Wie vermittelt man Rücksicht, Nachsicht, Empathie? Mit viel Ruhe und einer zurückhaltenden Kamera geht der Film diesen Fragen nach, ausgeführt am Beispiel der Anton-Makarenko-Grundschule in Ivry-sur-Seine, kurz hinter dem südöstlichen Stadtrand von Paris.
Eltern kommen mit ihren Kindern an. Der Lehrer reicht einem Neuankömmling die Hand – eine Geste der Ermutigung. In der Klasse wird die Stimme der Unterrichtenden selten laut, autoritäres Gebrüll ist hier fehl am Platz. Stattdessen setzt das Kollegium auf den Dialog, der wiederum auf Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung beruht. Claire Simon begibt sich mitten hinein in das Leben dieser Schule und lässt die eingefangenen Momente zwischen Kindern und Erwachsenen für sich sprechen. Ein feinfühliges Mosaik entfaltet sich: Augenblicke tief empfundenen Lern- und Lehrglücks, Bootsausflüge auf der Seine, Turbulenzen auf dem Pausenhof. All diese Einzelheiten ergeben das lebendige Bild einer von kleinen und großen Schultern getragenen pädagogischen Mission.
Em Johrden

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Regie
Claire Simon
Kamera
Claire Simon
Schnitt
Luc Forveille
Produktion
Michel Klein
Ton
Nathalie Vidal, Pierre Bompy, Jules Jasko, Elias Boughedir
Filmvertrieb
Rūta Švedkauskaitė
Performer
Sophie Axus
Publikumswettbewerb 2024
Filmstill I Shall Not Hate
I Shall Not Hate Tal Barda
Izzeldin Abuelaish, palästinensischer Arzt in Israel, verliert bei einem Angriff drei seiner Töchter. Mit unfassbarer Stärke bleibt er bei seiner Überzeugung: nur Verständigung kann Frieden schaffen.
Filmstill I Shall Not Hate

I Shall Not Hate

I Shall Not Hate
Tal Barda
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Kanada,
Frankreich
2024
92 Minuten
Hebräisch,
Arabisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Mehrmals wurde Dr. Izzeldin Abuelaish bereits für den Friedensnobelpreis nominiert. Als palästinensischer Gynäkologe, der in einem israelischen Krankenhaus praktiziert, war es ihm möglich, wie selbstverständlich die streng bewachten Checkpoints vor Gaza zu passieren. Seine humanistische Perspektive drückt sich in Worten wie diesen aus: „Müssen wir erst krank sein, um zu verstehen, dass wir gleich sind?” Als es im Januar 2009 zu einer Attacke der israelischen Armee auf Abuelaishs Wohnhaus in Gaza kommt und drei seiner Töchter sterben, greift er zum Telefon. Shlomi Eldar ist am anderen Ende, ein Channel-10-Reporter, der beschließt, die Verzweiflung seines Freundes live ins israelische Publikum zu senden. Ein historischer Fernsehmoment, bald darauf wird der Beschuss Gazas eingestellt.
Regisseurin Tal Barda hat ihr Porträt auf denselben Titel getauft wie das 2011 erschienene Buch Izzeldin Abuelaishs. Über zehn Jahre nach der Veröffentlichung der Lebensbeschreibung ergreifen in ihrem Film neben dem Arzt auch seine mittlerweile erwachsenen Kinder das Wort, berichten von Traumata, ihrem Neuanfang in Toronto und dem Kampf, eine offizielle Entschuldigung Israels einzuklagen. „I Shall Not Hate“ thematisiert die komplizierte Verknüpfung der Schicksale Palästinas und Israels. Izzeldin Abuelaishs Überzeugung eines friedlichen Miteinanders als einzige Überlebenschance ist dabei ungebrochen.
Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Tal Barda
Buch
Geoff Klein, Tal Barda, Saskia De Boer
Kamera
Hanna Abu Saada
Schnitt
Geoff Klein
Produktion
Maryse Rouillard, Paul Cadieux, Tal Barda, Isabelle Gripon
Ton
Gordon Neil Allen
Musik
Robert Marcel Lepage
Animation
Jean-Christophe Lie
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring
Publikumswettbewerb 2025
Filmstill Life After Siham
Life After Siham Namir Abdel Messeeh
In einer Montage aus Homevideos, familiären Erinnerungen und Szenen aus ägyptischen Filmklassikern findet der Regisseur eine visuelle Sprache für die Trauer um seine verstorbene Mutter.  
Filmstill Life After Siham

Life After Siham

La vie après Siham
Namir Abdel Messeeh
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
Frankreich,
Ägypten
2025
80 Minuten
Französisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Für Namir ist es eine schmerzhafte Erkenntnis, dass seine geliebte Mutter nicht unsterblich ist. Eigentlich wollte er mit Siham noch einen Film machen. Nun steht er mit seinem Vater Waguih und seinen Kindern, die noch zu jung scheinen, um den Tod zu verstehen, trauernd in der Kirche — und lässt sich filmen. „Wie immer vertraue ich darauf, dass das Kino mir hilft.“ Der Film, so ist er überzeugt, kann aus einer Tragödie eine Komödie machen – und er kann Erinnerungen, die sonst verblassen, festhalten.
Schon in „Die Jungfrau, die Kopten und ich“ (2011) hatte Namir Abdel Messeeh die Biografie seiner Familie zwischen Ägypten und Frankreich, ihren christlichen Glauben und die Liebe zum Kino verarbeitet. Aber Sihams Wunsch war, dass ihr Sohn statt mit den eigenen Verwandten endlich mal einen Spielfilm mit Schauspielstars realisiert. Mit der Kraft des Kinos erzählt Namir Abdel Messeeh stattdessen von der Liebe seiner Mutter, ihrer Sehnsucht und ihren Mysterien. In einer Montage aus Homevideos, familiären Erinnerungen und Szenen aus ägyptischen Filmklassikern von Youssef Chahine erscheint Siham so nahezu „larger than life“.
Jan-Philipp Kohlmann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Namir Abdel Messeeh
Buch
Namir Abdel Messeeh
Kamera
Nicolas Duchêne
Schnitt
Benoît Alavoine, Emmanuel Manzano
Produktion
Camille Laemlé
Sound Design
Roman Dymny
Musik
Clovis Schneider
Filmvertrieb
Marcella Jelić
Filmstill Marching in the Dark

Marching in the Dark

Andhārātlyā mashālī
Kinshuk Surjan
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Belgien,
Niederlande,
Indien
2024
109 Minuten
Marathi
Untertitel: 
Englisch
Sanjivani, eine junge Frau aus einer ländlichen Gegend im Bundesstaat Maharashtra in Zentralindien, ist eine liebevolle, zärtliche Mutter. Nach dem Selbstmord ihres Ehemannes lebt sie bei ihrem Schwager, für den sie auf den Feldern arbeiten muss. Für ihre zwei Kinder ist sie nun allein verantwortlich, konfrontiert mit einem Schuldenberg, den ihr Ehemann hinterließ, und Strukturen einer patriarchalischen Gesellschaft, die Witwen wie sie entmündigt und unsichtbar werden lässt. Erst als sie sich einer Gruppe von Frauen anschließt, denen ein ähnliches Schicksal widerfuhr, gewinnt sie langsam an Selbstbewusstsein. Denn sie ist mit ihrer Verzweiflung und Trauer nicht allein – die Selbstmordrate unter Bauern, die sich angesichts ausfallender Ernten und der Dumpingpreise auf dem globalisierten Markt das Leben nahmen, erschüttert: 400.000 in den letzten zwanzig Jahren.
Kinshuk Surjan beobachtet Menschen und Umstände nicht nur mit Anteilnahme, sondern er steht auch für ein Kino, das Einfluss nimmt. Denn die Frauengruppe, die er hier begleitet, hat sich erst durch sein Filmprojekt zusammengefunden. In beeindruckenden Bildern und mit Feingefühl für die porträtierten Protagonist*innen gelingt nicht nur eine sorgfältige Darstellung hochkomplexer Zusammenhänge, sondern auch eine wahrhaftige dokumentarische Intervention: ein Eingriff in unzumutbare Verhältnisse – mit dem Ziel ihrer Besserung.
Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Kinshuk Surjan
Kamera
Leena Patoli, Carl Rottiers, Vishal Vittal
Schnitt
Joëlle Alexis
Produktion
Evelien De Graef, Hanne Phlypo
Co-Produktion
Arya Rothe, Digna Sinke
Ton
Puneet Dwivedi, Imtiyaz Jumnalkar
Sound Design
Mark Glynne, Olmo van Straalen
Filmvertrieb
Anna Berthollet
Publikumswettbewerb 2023
Filmstill My Father, Nour and I
My Father, Nour and I Wiam Al-Zabari
Vor zwanzig Jahren floh der Filmemacher mit seiner Familie aus Bagdad – warum, blieb immer ein Tabu. Für seinen Sohn bricht er mit dieser filmischen Familientherapie das Schweigen.
Filmstill My Father, Nour and I

My Father, Nour and I

Mijn vader, Nour en ik
Wiam Al-Zabari
Publikumswettbewerb 2023
Dokumentarfilm
Niederlande
2023
56 Minuten
Niederländisch,
Arabisch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit, Englisch
Vor zwanzig Jahren floh der Filmemacher Wiam Al-Zabari mitten in der Nacht mit seiner Familie aus Bagdad. Sein Vater, ein regimekritischer ehemaliger Botschafter, war bereits aus dem Irak entkommen und wartete in den Niederlanden auf sie. Seitdem hat in der Familie niemand mehr über diese Ereignisse gesprochen. Was damals genau geschah, blieb immer ein Tabu. Jetzt, da Wiam selbst Vater ist, merkt er, dass sein früheres Leben ihn einholt und sich immer mehr Fragen auftun. Die größte von allen: Warum mussten sie überhaupt fliehen? Wiam möchte das endlich herausfinden. Zum ersten Mal bricht er das Schweigen und beginnt, der Vergangenheit im Dialog mit seinen Eltern und Geschwistern auf den Grund zu gehen. Vor allem möchte er verhindern, dass er diese traumatischen Erfahrungen an seinen Sohn weitergibt.

In dieser filmischen Familien-Therapie richtet er sich direkt an Nour, den kleinen Sohn. Diesen Film hat Wiam sich und ihm versprochen, um die viel zu lange verdrängten Themen so aufzuklären, dass der Junge, wenn er einmal erwachsen sein wird, festen Boden unter sich fühlt. Dabei ist er schonungslos ehrlich mit sich und seinen Verwandten und wählt manch ungewöhnlichen künstlerischen Kniff. So bringt er sich als Regisseur aus dem Off selbst mit ein und analysiert kritisch die eigene Position im Gefüge aus Sprechen und Schweigen: der Versuch eines Innenblicks von außen.
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Wiam Al-Zabari
Kamera
Niels van Koevorden, Jefrim Rothuizen, Wiam Al-Zabari
Schnitt
Augustine Huijsser, Renko Douze, Wiam Al-Zabari
Produktion
Hasse van Nunen, Iris Lammertsma, Renko Douze, Boudewijn Koole
Ton
Tim van Peppen, Gideon Bijlsma
Sound Design
Jacob Oostra
Musik
Alaa Arsheed, Haian Arsheed
Publikumswettbewerb 2024
Filmstill Naima
Naima Anna Thommen
Als Migrantin muss Naima ihr Leben von Grund auf neu beginnen, als sie von Venezuela in die Schweiz zieht. Hier muss die 46-Jährige wieder unten anfangen. Ein Film über menschliche Stärke.
Filmstill Naima

Naima

Naima
Anna Thommen
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Schweiz
2024
98 Minuten
Deutsch,
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Es gibt Dokumentarfilmheld*innen von solcher Stärke und Vitalität, dass man sich von den ersten Momenten an in ihren Charme verliebt. Man ist sofort bereit, mit ihnen durchs Feuer zu gehen. Naima ist so ein Fall – zweifellos verstärkt durch das Regietalent und die meisterhafte dramaturgische Komposition von Anna Thommen.
Naimas Geschichte ist die Geschichte einer Migrantin in Europa, die ihr Leben von Grund auf neu beginnen muss, als sie von Venezuela in die Schweiz übersiedelt. Früher arbeitete sie im Marketing für internationale Unternehmen, jetzt schlägt sie sich mit wechselnden Service-Jobs durch. Naima gibt nicht auf, sie kämpft für sich selbst und die Möglichkeit, ihre Kinder wieder um sich zu haben. Aufgrund ihrer finanziellen Schwierigkeiten leben die beiden Teens bei ihrem Ex-Mann. Als sie die Chance erhält, die gewünschte Ausbildung zur Krankenschwester und ein vorbereitendes Praktikum in einer psychiatrischen Abteilung zu absolvieren, steht Naima vor erheblichen Herausforderungen. Ihre Vorgesetzte mag sie nicht, was konkret dazu führt, dass das Praktikum nicht anerkannt wird. An Feuer, das unserer Heldin entgegenschlägt, mangelt es also nicht. Doch Anna Thommens Porträt ist der Beweis, dass der menschliche Geist viel auszuhalten und sogar Feuersbrünste zu überwinden vermag. Ein Muss für alle, die im Dokumentarfilm nach Inspiration und emotionaler Berührung suchen.
Vika Leshchenko

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Anna Thommen
Buch
Anna Thommen
Kamera
Gabriela Betschart
Schnitt
Claudio Cea, Anna Thommen
Produktion
Judith Lichtneckert
Ton
Wendelin Schmidt-Ott, Nadine Häusler
Sound Design
Guido Keller, Magnetix
Musik
Ephrem Lüchinger
Filmvertrieb
Renato Manganello
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Publikumswettbewerb 2025
Filmstill Natchez
Natchez Suzannah Herbert
Eine Kleinstadt in Mississippi. Viele kommen hierher, um geschichtsvergessen in Südstaaten-Nostalgie zu schwelgen. Schwarze Tourguides machen die weißen Flecken in den Narrativen sichtbar.
Filmstill Natchez

Natchez

Natchez
Suzannah Herbert
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
USA
2025
87 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Es war einmal eine Stadt am Ufer des Mississippi. Neoklassizistische Häuser aus der Antebellum-Ära säumen noch heute die Straßen, Pferdekutschen voller Tourist*innen sind unterwegs, auf einer Truckladefläche spielt ein fahrender Organist. In Natchez scheint die Zeit stehen geblieben. Doch während die Nachfahrinnen der europäischen Kolonist*innen ihre aus aller Welt herbeiströmenden Gäste in historischen Reifröcken als Reinkarnationen der „Southern Belle“ begrüßen und mit Südstaatennostalgie verköstigen, beginnt die Fassade zu bröckeln. Aufgebaut auf den Schultern von Kindern, Frauen und Männern in Ketten, entstand hier Mitte des 19. Jahrhunderts das Epizentrum des Baumwollkapitalismus und mit 750.000 Schwarzen Ausgebeuteten der zweitgrößte Sklav*innenmarkt in den USA.
In der weiß-gewaschenen Geschichtsversion kommt dieser Teil des ehemaligen „Cotton Kingdom“ fast gar nicht vor. Im Gegenteil trieft sie nur so vor Romantisierungen und rassistischen Klischees. Doch Menschen wie der Schwarze Pastor und Tourguide Rev brechen diese Tradition und lassen die nostalgisch-verklärte Illusion einer heilen Welt zerplatzen. Suzannah Herbert inszeniert den Zusammenstoß verschiedener Perspektiven und Charaktere mit unbestechlichem Blick für direkte oder indirekte Widersprüche. Zugleich legt sie eine gesellschaftliche Spaltung frei, die weit über den Mikrokosmos Natchez hinausreicht.
Philipp Hechtfisch

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Regie
Suzannah Herbert
Kamera
Noah Collier
Schnitt
Pablo Proenza
Produktion
Darcy McKinnon, Suzannah Herbert
Filmvertrieb
Axelle Jean
Publikumswettbewerb 2024
Filmstill Once upon a Time in a Forest
Once upon a Time in a Forest Virpi Suutari
Waldaktivistin Ida legt sich mit den Giganten der finnischen Forstindustrie und den Vorurteilen in der eigenen Familie an. Ein modernes Märchen mit hartem Aufwachen in der Realität.
Filmstill Once upon a Time in a Forest

Once upon a Time in a Forest

Havumetsän lapset
Virpi Suutari
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Finnland
2024
93 Minuten
Finnisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Junge Menschen, durchs Dickicht streifend, unter Birken im klaren Seewasser badend, Tautropfen glitzern im Sonnenlicht, Tiere huschen, fliegen und krabbeln durchs Unterholz. Was wie ein moderner Märchenfilm anmutet, landet schon bald ziemlich unsanft in der Realität von heute. Finnland, das waldreichste Land Europas, fungiert mit seiner borealen Vegetation zusammen mit Schweden als grüne Lunge dieses Kontinents. Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass die Erhaltung von Waldbeständen zu den wirkungsvollsten Maßnahmen gehört, um sich dem Klimawandel entgegenzustellen und dem massiven Artensterben Einhalt zu gebieten. Trotz der immens wichtigen Aufgabe sind aktuell etwa neunzig Prozent der finnischen Wälder durch Abholzung, unter anderem für die Papierindustrie, gefährdet.
Die 22-jährige Ida findet sich durch ihre Liebe zu den Bäumen und ihre ebenso große Wut auf deren Zerstörung plötzlich an der Spitze einer neuen Umweltbewegung wieder. Gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten legt sie sich mit den Giganten der finnischen Forstindustrie an. Gleichzeitig stellt sie fest, dass in ihrer eigenen Familie die tief verwurzelte Überzeugung vom Wald als „Holzacker“ herrscht, der den Wohlstand Finnlands zu sichern hat. Es ist klar: Gegen die Interessen der Wirtschaft und des politischen Systems sowie die Vorurteile von Generationen müssen die engagierten jungen Aktivist*innen einen harten Kampf führen.
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Virpi Suutari
Kamera
Teemu Liakka, Jani Kumpulainen
Schnitt
Jussi Rautaniemi
Produktion
Virpi Suutari
Co-Produktion
Martti Suosalo
Ton
Olli Huhtanen
Musik
Sanna Salmenkallio
Filmvertrieb
Stephanie Fuchs
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube (Publikumswettbewerb)
Filmstill Queens of Joy

Queens of Joy

Korolevy radosti
Olga Gibelinda
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
Ukraine,
Frankreich,
Tschechische Republik
2025
92 Minuten
Ukrainisch,
Russisch
Untertitel: 
Englisch
„Wir sammeln heute Spenden für die 206. Brigade der Territorialverteidigung“, ruft Diva Monroe auf einer Dragshow in einem Kellerklub in Kyjiw. Ob an der Front oder durch ziviles Engagement: Zahlreiche Menschen aus der ukrainischen LGBTQ+-Community setzen sich den russischen Angriffen zur Wehr – viele davon schon vor der Invasion von 2022. Dabei wäre es verständlich, vor Krieg und Diskriminierung zu fliehen. Lange Zeit gab es für Queers in der Ukraine kaum gesellschaftliche Akzeptanz. Doch seit die Propaganda des Kreml nicht mehr nach Kyjiw durchdringt, ist es besser geworden. So erzählt es der Film von Olga Gibelinda am Beispiel dreier Dragqueens: Monroe, die sich ans Empowerment der Maidan-Proteste erinnert und seitdem fürs Fernsehen und als Influencerin arbeitet. Aura, damals noch auf Seiten der prorussischen Regierung, heute in Diensten der Armee unter Oberbefehlshaber Selenskyj. Und Marlen, die als Transfrau in der Vergangenheit Verletzungen erlitten hat und heute auf der Bühne Freude verbreitet.
Prägnant kontrastiert der Film die Show- und die private Alltagswelt der Dragqueens. Dabei gibt er auch ihren politischen Forderungen Raum. So verlangen sie etwa, dass queere Partnerschaften gerade jetzt anerkannt werden sollten, damit Angehörige von Gefallenen und Verletzten die gleichen rechtlichen Ansprüche haben.
Jan-Philipp Kohlmann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Olga Gibelinda
Buch
Olga Gibelinda, Ivanna Khitsinska
Kamera
Kyrylo Nikrashevich
Schnitt
Zuzana Walter
Produktion
Ivanna Khitsinska
Co-Produktion
Louis Beaudemont, Hana Blaha Šilarová
Ton
Mykhailo Zakutskyy
Musik
Artem Baburin
Broadcaster
Serhii Nedzelskyy, Natasha Movshovych, Aloina Holiakova, Claudia Bucher, Béatrice Meier, Barbara Bouillon
Nominiert für: MDR-Filmpreis