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Internationaler Wettbewerb
When the Bull Cried Karen Vázquez Guadarrama, Bart Goossens

Bildgewaltige Exkursion in die bolivianischen Anden, wo Bergarbeiter auf den großen Fund hoffen. Lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, archaische Rituale und große Träume dicht an dicht.

When the Bull Cried

Dokumentarfilm
2017
66 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Tomas Leyers
Karen Vázquez Guadarrama, Bart Goossens
Bram Bosteels
Karen Vázquez Guadarrama
Tom Denoyette
Karen Vázquez Guadarrama, Bart Goossens
Bart Goossens
In den bolivianischen Anden erheben sich gigantische Viertausender majestätisch in den Himmel. Grau-blau fließen schroffe Steilwände und weiße Wolkengebirge ineinander. Die Menschen hier leben vom Bergbau. Sie steigen hinab in die steinigen Eingeweide und bauen unter Lebensgefahr Silber und andere Mineralien ab. Regelmäßig brechen die eiskalten, dunklen Minenschächte ein und begraben die Arbeiter, viele davon noch Kinder, bei lebendigem Leibe. Es heißt, wer im Schacht stirbt, dessen Seele muss für drei Tage umherwandern, immer auf der Flucht vor „el tío“, dem bösen Gott des Berges. Der Angst begegnet man mit Alkohol und Koka, der Aberglaube treibt immer neue Blüten. Vor allem die Männer leben in einer Schleife von Arbeit, Alkohol und Aggression, hoffen Tag für Tag auf den großen Fund und versuchen, die Geister durch Opfergaben gnädig zu stimmen. Mit archaischen Ritualen soll Mutter Erde beruhigt werden, doch der Blick in die erschöpften Gesichter der Menschen lässt erahnen, dass ihr Glaube mit jeder Todesnachricht mehr erschüttert wird.

Ein bildgewaltiger Film, dem es gelingt, einen in die atemberaubende Umgebung der Anden mitzunehmen, ohne daraus eine Geografiestunde werden zu lassen. Eindringlich, beängstigend und bewegend – großes Kino über den Wolken.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award

Verlorener Horizont

Dokumentarfilm
2013
69 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Eva Kemme, Tobias Siebert, Ansgar Frerich
Robert Bohrer, Emma Simon
Jan Maihorn
Emma Rosa Simon, Max Preiss
Kathrin Dietzel
Robert Bohrer, Emma Simon, Marian Kaiser
Florian Dietrich
„Eines Tages starb das Meer, von einem Ufer zum andern, sich faltend, schrumpfend, ein Mantel, den man fortnimmt.“ Die Wehklage, von der chilenischen Dichterin Gabriela Mistral in ihrem Gedicht „Der Tod des Meeres“ angestimmt, dieser poetisierte Phantomschmerz könnte auch aus Bolivien stammen. Vor über hundert Jahren büßte das Land – durch Chile – seinen Zugang zum Meer ein. Anders als bei Mistral gilt jenes deswegen aber nicht als verloren. Es bleibt als verlorener Horizont erhalten, als nationaler Sehnsuchtsort. Eines Tages kehrt Bolivien ans Meer zurück. Wie ein Mantra wiederholt sich das Motto, in Schulen, bei der „Feier des Tages des Meeres“, bei der Ausbildung der Marine. Ja, Bolivien leistet sich eine Marine für diesen glorreichen Tag, eine „Armada“, auch wenn die statt auf dem Pazifik auf dem Titicacasee schwimmt. Der Film verfolgt die Ausbildung von Wehrpflichtigen zu Matrosen und dringt so in die Funktionsweise des Mythos ein. So manches Manöver rangiert am Rande der Absurdität, etwa wenn die Taucherspezialtruppe sich mit einem beherzten „Für Bolivien, verdammt!“ in den See stürzt oder die Soldatinnen zur Matrosenuniform abgesägte Pumps überstreifen. Szenen wie am Wegesrand eingefangen, zwischen Disziplin und Träumerei, ergänzen das Panorama eines „maritimen“ Andenlandes, das einerseits an alten Idealen festhält, andererseits zaghafte Modernisierungsschritte unternimmt.

Lars Meyer