Filmarchiv

Das Venedig Prinzip

Dokumentarfilm
Deutschland,
Italien,
Österreich
2012
80 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Thomas Tielsch, Filmtank GmbH
Andreas Pichler
Jan Tilman Schade
Attila Boa
Florian Miosge
Andreas Pichler, Thomas Tielsch
Stefano Bernardi

Kaum eine Stadt ist so beliebt wie Venedig. Aber was für die einen ein Traum, ist für die Bewohner zum Albtraum geworden. Der Film zeigt wie ganze Kreuzfahrtschiffe und Busladungen voller Touristen am Ufer der Altstadt ausgekippt werden und sich über die Plätze, Brücken und Gassen ergießen. Die Touristen bringen zwar Geld – vor allem den großen Konzernen, sind aber auch der Fluch dieser Stadt. Der Film begleitet einige Venezianer, vielleicht die letzten ihrer Art, durch ihr Venedig. Sie zeigen, dass die Infrastruktur zusammenbricht. Lebensmittelgeschäfte rar sind, Schulen und die Post dicht gemacht haben. Dafür entstehen immer mehr Hotels und Hafenflächen für riesige Kreuzfahrtschiffe. „Was soll man hier machen?“, fragt eine Venezianerin resigniert. „Glassachen und Souvenirs verkaufen?“ Auch sie vermietet ihr Haus, um die Sanierung zu bezahlen. Ein anderer Ur-Venezianer muss aufs Festland ziehen, da er sich die Miete nicht mehr leisten kann. Nur Ausländer und reiche Italiener können die teuren Quadratmeterpreise bezahlen, bilanziert ein verbitterter Immobilienmakler. Im historischen Zentrum leben heute nur noch 60000 Einwohner. Das sind genauso viele Menschen wie Besucher pro Tag. Venedig verkommt zum Freilichtmuseum. Der Film wirft einen ernüchternden Blick hinter die Postkartenidylle von Dogenpalast, Rialtobrücke und den Tauben vom Markusplatz. – Antje Stamer


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Der Prozess

Dokumentarfilm
Österreich
2012
112 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Michael Seeber, Gerald Igor Hauzenberger, framelab filmproduktion
Gerald Igor Hauzenberger
Bernhard Fleischmann
Dominik Spritzendorfer, Gerald Igor Hauzenberger
Michael Palm
Chris Moser
Gerald Igor Hauzenberger
Michael Palm
Von Igor Hauzenbergers Film geht eine große Beunruhigung aus. Wenn im Namen des Paragrafen 278a, der eingeführt wurde, um Organisationen wie die Mafia und Al Quaida zu bekämpfen, aus einem Protestbrief eine Bedrohung, aus einem Tierschützer ein Staatsfeind, aus einer NGO eine terroristische Vereinigung wird, dann geraten die Säulen der Zivilgesellschaft bedenklich ins Wanken. Dreizehn Tierschützer stehen in Wien vor Gericht, weil sie mit durchaus medienwirksamen Aktionen gegen Massentierhaltung und den Handel mit Pelzen vor Ställen und Kaufhäusern protestierten. Klar, nackte Demonstranten, die mitten im Winter in der Wiener Innenstadt tote Tiere in ihren Händen halten oder blutüberströmt Schweineköpfe am Kreuz durch die Straßen tragen, sind kein schöner Anblick. Ebenso stört, dass es sich bei dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) nicht einfach um eine Chaotentruppe handelt, sondern um ein international organisiertes Netzwerk, zu dessen Köpfen Wissenschaftler und Grünen-Politiker gehören, unter ihnen der charismatische Dr. Dr. Martin Balluch, der sich nach seiner Universitätskarriere für den Weg auf die Straße entschieden hat. Igor Hauzenberger begleitet die Demonstranten über mehrere Jahre, versucht, Licht in den Paragrafen-Dschungel zu bringen und sucht hartnäckig Staatsanwälte, Pressesprecher und Kaufhausbetreiber vor die Kamera zu holen. Vergeblich. Dieser größte Strafprozess Österreichs entwickelt sich zum Präzedenzfall: Demokratie versus jene, die auch schon mal brüllen, „der Hitler muss wieder her.“
– Cornelia Klauß

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Kern

Dokumentarfilm
Österreich
2012
98 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ulrich Seidl, Ulrich Seidl Filmproduktion
Severin Fiala, Veronika Franz
Harald Traindl
Birgit Bergmann, Nikolaus Eckhard
Veronika Franz, Severin Fiala
Kern ist maßlos, in jeder Hinsicht, und nicht nur durch seine Körperfülle beeindruckend. Er, der schon bei Fassbinder gespielt hat, ist eine in die Jahre gekommene Diva, eine bekennende Schwuchtel, einer, der unbequem und kompromisslos ist. Stimmgewaltig beherrscht er fraglos den Raum, selbst wenn es sich um seine bescheidene Neubauwohnung in der Wiener Vorstadt handelt. Da, wo er ist, ist die Bühne. Die beiden Regisseure Veronika Franz und Severin Fiala hält er am Gängelband. Keine Sekunde lang lässt er eine Illusion darüber aufkommen, wer hier eigentlich Regie führt. Er dreht die Kamera kurzerhand um und hält uns den Spiegel vor. Er ist der Finger auf der Wunde, indem er unseren Voyeurismus und die Lust am Obszönen bloßstellt. Aber Franz und Fiala halten tapfer dagegen: sie entwaffnen ihn, indem sie ihre Strategien offenlegen. Aus dieser Spiegelfechterei heraus entfaltet sich ein außergewöhnliches, facettenreiches Portrait. Zwar kommt man dem Menschen Peter Kern kaum näher, aber dafür dem Künstler, den er darzustellen weiß und dessen Verkörperung von seinem Ich nicht mehr zu trennen ist. Zu den im Kino seltenen magischen Momenten gehört eine Einstellung, in der Kern sich an die Hand des Kameramannes schmiegt. Man denkt an „Die Schöne und das Biest“– nur wer ist hier wer?

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit der Talent-Taube im Wettbewerb für junges Kino 2012

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Mama Illegal

Dokumentarfilm
Österreich
2011
95 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ed Moschitz
Gailute Miksyste
Sandra Merseburger
Alexandra Löwy
Ed Moschitz
Lenka Mikulova
Am Wegesrand der Bahngleise liegen schmutzige Klamotten, hingeworfen von jenen, die sich im Unterteil der Güterzüge versteckt hielten, um der Armut Moldawiens zu entkommen. Die Arbeitslosenrate liegt bei 80 Prozent, ein Drittel der Bevölkerung hat bereits das Land verlassen. Mittlerweile sind es vor allem die Frauen, die gehen, um sich im Westen als Putzkräfte oder Pflegerinnen illegal, ohne Krankenversicherung und ohne Rechte durchzuschlagen. Die Schlepper sind teuer und das Risiko, geschnappt zu werden, zu hoch, deshalb bleiben sie für Jahre fern. Sie übernehmen die Arbeit, die kein anderer machen will, und das für wenig Geld. Aber die Rechnung geht nicht auf. In der Fremde verändern sie sich, wollen auch so leben wie die, deren Wohnungen sie putzen, während zu Hause ihre Kinder warten und die Väter das Brot backen. Sieben Jahre lang hat Ed Moschitz drei Frauen begleitet. Dieser bemerkenswert lange Zeitraum, den sich dieser Film erkämpft hat, ermöglicht alle Perspektiven kennenzulernen. Die Entfremdung der Kinder von ihren Müttern, die sie nur per Skype kennen, die Enttäuschung der Männer, wenn ihre Frauen sich darüber mokieren, wie sie den Haushalt führen, und der Zwiespalt der Gastarbeiterinnen, die im Westen ohne Papiere sind und in ihre Heimat nicht mehr zurückfinden. Mama illegal ist ein leidenschaftliches Plädoyer an die Politik, den Realitäten einen legalen Rahmen zu verschaffen. Der Blick in das Klassenzimmer einer moldawischen Dorfschule, wo beinahe alle Kinder „mutterlos“ sind, sollte Anlass genug sein.
– Cornelia Klauß

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The Back Room

Animationsfilm
Österreich
2011
5 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Jodok Böhm
Mirjam Baker, Michael Kren
Mirjam Baker, Michael Kren
Michael Kren
Mirjam Baker, Michael Kren
Mirjam Baker, Michael Kren
Matthias Ermert
Ein Mann betritt ein leeres, verwohntes Zimmer mit vergilbten Tapeten. Aus dem einzigen Fenster sieht man einen kümmerlichen Baum vor einer trostlosen Stadt. Plötzlich fällt die Tür ins Schloss und der einzige Ausweg ist versperrt. Ein metaphorischer Film über Verständnis, Kontrolle und die befreiende Kraft eines Gefühlsausbruchs.

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