Filmarchiv

Robolove

Dokumentarfilm
Österreich
2019
76 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Michael Kitzberger, Wolfgang Widerhofer, Markus Glaser, Nikolaus Geyrhalter
Maria Arlamovsky
Andreas Hamza, Boris Hauf
Sebastian Arlamovsky
Emily Artmann, Maria Arlamovsky, Alexander Gugitscher, Sebastian Arlamovsky
Maria Arlamovsky
Andreas Hamza
Vor Jahrzehnten sahen Roboter noch aus wie bewegliche Werkzeugkästen. Das hat sich radikal geändert. Die heutigen Humanoiden ähneln den Menschen nicht nur, sie können auch mit den Pupillen rollen und mit den Augen zwinkern. In diesem Film kommen sie hauptsächlich aus Japan, Korea und den USA. Ishiguro Hiroshi ist ein Pionier in der Konstruktion solcher Kunstmenschen. Sogar einen Zwilling hat er sich gebaut. Doch die meisten der Neu-Geschöpfe sind weiblich und entsprechend den Fantasien ihrer Schöpfer auch mit den in einer patriarchalen Gesellschaft erwünschten Attributen ausgestattet: „Es wird eine Frau werden, also ist das Lächeln wichtig“, weist einer der Entwickler seine Assistentin an. Fast alle der Androiden haben ein Püppchengesicht mit dümmlichem und unterwürfigem Ausdruck, Kulleraugen und leicht geöffnetem Mund. Nur bei der Firma Terasem in Vermont soll eine sprechende Frauenbüste reiferen Alters namens „BINA 48“ auch emotional an menschliches Verhalten andocken.

Nicht überraschend sprechen die Entwickler ihren Geschöpfen allerlei weltverbessernde Eigenschaften zu und lassen mögliche Kritik schon im Vorfeld abperlen. Oder ist der Mensch sowieso auch nur eine Maschine, wie es Ishiguro behauptet? Der nah und genau beobachtende, kommentarlose Film von Maria Arlamovsky gibt uns tiefe Einblicke in diese Schöne Neue Welt, um uns selbst Urteile zu bilden.

Silvia Hallensleben



Ausgezeichnet mit dem Gedanken-Aufschluss Preis.

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Royal Train

Dokumentarfilm
Österreich,
Rumänien
2019
92 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Johannes Rosenberger, Constantin Wulff, Johannes Holzhausen (Navigator Film), Ada Solomon, Diana Păroiu (HiFilm)
Johannes Holzhausen
Joerg Burger
Dieter Pichler
Johannes Holzhausen, Constantin Wulff
Andreas Hamza, Vlad Voinescu
Eine untergegangene Monarchie wird von einer Prinzessin repräsentiert, deren unerschütterliche Mission es ist, dass ihrer Dynastie wieder eine echte Verantwortung für Politik und Wirtschaft in der rumänischen Gegenwart übertragen wird. Mit großer Energie, manchmal auch komischen Ausrutschern, überwiegend aber mit dem gebührenden royalistischen Ernst spielt Prinzessin Margareta von Rumänien ihre Rolle als Subjekt und Objekt der eigenen Kampagne. Aufgeführt wird das Stück vom neuen Wein in alten Schläuchen. Mit höfischer Entourage bereist Margareta „ihr“ Land im gleichen königlichen Zug, auf derselben königlichen Strecke, in dem auch schon ihr Vater König Michael I. den Kontakt zu seinen Untertanen suchte und pflegte. Dass der rote Teppich als offensichtlichstes Symbol von monarchischer Grandezza auch beim kleinsten Zwischenstopp einen makellosen Eindruck zu machen hat, versteht sich von selbst – lässt sich aber nicht immer hundertprozentig herstellen.

Den Betrieb, der sich um diese Reise ins Rückwärts entfaltet, beobachtet Regisseur Johannes Holzhausen mit distanziert-staunender Neugier, offenbart sich darin doch eine vielsagende (Un-)gleichzeitigkeit zwischen altwurzelndem K.-u.-k.-Zeremoniell und aktueller Marketing-Vision.

Ralph Eue

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Die Tage wie das Jahr

Dokumentarfilm
Österreich
2018
86 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Othmar Schmiderer
Othmar Schmiderer
Othmar Schmiderer
Arthur Summereder
Angela Summereder, Othmar Schmiderer
Angela Summereder, Arthur Summereder, Othmar Schmiderer
Ein Film aus ruhiger Hand: ein Jahr auf einem biologischen Hof im niederösterreichischen Waldviertel. Aus einem Abstand, der weder zu nah noch zu fern, sondern ganz angemessen das Leben mitsamt seinen einzelnen Tätigkeiten und Ereignissen zwischen Haus und Ställen beschreibt. Da ist das Mutterschaf, welches unter fast menschlichen Lauten sein Lamm auf die Welt bringt. Die zarten Zicklein, die über das Stroh hüpfen, als wären darin glühende Steine verborgen. Der Frontlader, der seine langen, dünnen Arme in die Heuballen fährt und sie damit aufspießt. Oder Bäuerin Elfie, dabei zu beobachten, wie sie Glasflaschen mittels Klebstift auf die Etiketten vorbereitet. Bauer Gottfried baut indes einen kleinen Marktstand auf. Und Ziegen wie Menschen werden beim Melken mit historischer Tanzmusik bei Laune gehalten. Dem Beiwohnen all dieser Vorgänge wohnt etwas Meditatives inne, der besondere Rhythmus, gemacht aus einem kräftigen, aber nicht hektischen, dafür sehr gleichmäßigen Takt, überträgt sich und verschafft Genuss und Zuversicht.

Carolin Weidner


Nominiert für den Healthy Workplaces Film Award

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Gwendolyn

Dokumentarfilm
Österreich
2017
85 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jürgen Karasek
Ruth Kaaserer
Serafin Spitzer
Joana Scrinzi
Ruth Kaaserer
Tong Zhang
Gwendolyn Leick ist eine Meisterin der Haltung. Nicht von ungefähr zitiert die pensionierte Anthropologin, Autorin und Gewichtheberin eine Passage aus einem Gedicht von Gertrude Stein, die genau davon handelt: „If can in countenance to countenance a countenance as in as seen ...“ Gwen ist gebürtige Österreicherin. Mitte der 1970er Jahre ging sie nach London, um ihre Dissertation über babylonische Flüche zu schreiben. Im Alter von 52 Jahren fing die zierliche Frau mit dem Gewichtheben an und hat seitdem zahlreiche internationale Titel gewonnen. Während sich Gwen mit ihrem langjährigen Coach Pat auf die europäischen Meisterschaften in Aserbaidschan vorbereitet, bewältigt sie eine halbseitige Gesichtslähmung und ihre inzwischen dritte Krebsoperation.

Nach dem Boxerinnenporträt „Tough Cookies“ von 2014 begibt sich Ruth Kaaserer erneut in ein sportliches Milieu, das wenig mit den gängigen Bildern von Kraftarbeit, Schinderei und Schweiß zu tun hat. Beherrschtere und anmutigere Szenen hat man wohl selten in einem Gym gesehen. Mit derselben geradlinigen Aufmerksamkeit widmet sich „Gwendolyn“ dem Alltagsleben dieser ungewöhnlichen Frau: Arztbesuche, das Zusammensein mit ihrem wesentlich jüngeren Ehemann Charlie, Gespräche mit ihrem Sohn über die Gemeinsamkeiten von Schreiben und Nähen. Manchmal bleibt keine Wahl – man muss die Nähte auftrennen.

Esther Buss

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Lampedusa in Winter

Dokumentarfilm
Italien,
Österreich,
Schweiz
2015
93 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jakob Brossmann
Jakob Brossmann
Serafin Spitzer, Christian Flatzek
Nela Märki
Mit Einsetzen des Flüchtlingsstroms über das Mittelmeer wurde die winzige italienische Insel Lampedusa zur Projektionsfläche paranoider Fremdenhasser wie zum Symbol einer unmenschlichen Asylpolitik. Im Winter 2014 reist der Theater- und Filmemacher Jakob Brossmann auf die Insel, um zu untersuchen, wie es um das Leben dort wirklich bestellt ist.

Touristen und Medien sind fort und die wirklichen Probleme der Bewohner treten in den Vordergrund: Die alte Fähre, überlebensnotwendig, ist abgebrannt und wurde durch eine noch ältere ersetzt. Deshalb treten die Fischer in den Ausstand. Eine Gruppe von Flüchtlingen, die seit Monaten hier festsitzt, will endlich aufs Festland. Sie streiken vor der Kirche. Weil es keine Fähre gibt, stapelt sich der Müll und die Lebensmittel werden knapp. Mitten in dieser angestrengten Lage kämpfen die Bürgermeisterin und eine engagierte Anwältin aus tiefster persönlicher Überzeugung um menschliche Lösungen.

Brossmanns Blick ist unaufdringlich und genau. Mit sicherer Hand führt der Regisseur durch die Ereignisse dieser Krise, während er uns gleichzeitig Orte und Menschen vorstellt, die mit dem Schicksal der Migranten verbunden sind. Bemerkenswert ist, dass Bewohner und Flüchtlinge sich nicht gegeneinander instrumentalisieren lassen. Beide sind Opfer der gleichen zynischen Politik. Das herauszuarbeiten ist die große Stärke dieses Films.

Matthias Heeder

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Wie die anderen

Dokumentarfilm
Österreich
2015
86 Minuten
Untertitel: 
englische
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Johannes Rosenberger
Constantin Wulff
Johannes Hammel
Dieter Pichler
Constantin Wulff
Claus Benischke, Andreas Hamza, Klaus Kellermann
Galten psychiatrische Institutionen einst als Randzonen der Zivilisation, wo die „Gestörten“ aus der Gemeinschaft der „Gesunden“ ausgeschlossen (oder weggesperrt) werden, geht man inzwischen theoretisch davon aus, dass es sich hierbei um haltlose Klischees handelt. Indes fehlen angemessene Bilder, um solche Annahmen auch praktisch und nachhaltig zu verinnerlichen. Constantin Wulff, ein engagierter Vertreter der Methode des Direct Cinema, hat zusammen mit seinem Kameramann Johannes Hammel anderthalb Jahre in der Jugendpsychiatrie des niederösterreichischen Landesklinikums Tulln verbracht. Sie beobachteten die zwischenmenschlichen und institutionellen Prozesse, die ablaufen, wenn Kinder oder Jugendliche unversehens aus der Spur kippen. Wie kommt ein Mensch in eine solche Einrichtung? Wie wird er zum „Fall“? Solch ein „Fall“ kann jedoch nur sinnvoll durchgearbeitet werden, wenn man über den Vorgang hinausschaut und den Menschen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.

Mit bewundernswerter Souveränität findet Wulff den Weg seines Films zwischen vorschneller Kumpanei und wohlfeiler Distanzierung – immer darum bemüht, den sehr komplexen Interaktionen, die sich vor der Kamera ereignen, gerecht zu werden. Außerdem im Fokus: institutionelle Arbeit als permanenter Balanceakt zwischen Behutsamkeit und Druck, Routine und emotionaler Involviertheit, Regelwerk und Improvisation.

---Ralph Eue

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.