Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Arid Zone

Dokumentarfilm
Brasilien
2019
76 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Antônio Junior, Fernanda Pessoa
Fernanda Pessoa
Pedro Santiago
Rodrigo Levy
Germano de Oliveira, Mari Moraga
Fernanda Pessoa
Daniel Turini
Mesa in Arizona, östlich von Phoenix und gut 200 Kilometer von der Grenze zu Mexiko entfernt, gilt als die konservativste Stadt in den USA. 2001 war Fernanda Pessoa als Austauschschülerin in Mesa zu Gast. Sie war damals 15 Jahre alt. 15 Jahre später kehrte sie zurück, in den Wochen vor der Präsidentenwahl, bei der Donald Trump gewann. Ausgehend von zahlreichen Fotografien aus der damaligen Zeit, sucht Pessoa die Begegnung mit Menschen, die sie als Teenager kennenlernte. Sie findet einen neuen Zugang zu den Vereinigten Staaten, sie erlebt nun alles deutlich bewusster, schließlich ist sie inzwischen erwachsen geworden. Mit ihrem früheren Selbst führt sie einen inneren Dialog, während sie dieses Land neu entdeckt, dessen Bewohner sich so viel darauf einbilden, dass es ihres ist: Amerika. Das Land der Feuerwaffen und der eigentümlichen Sportarten, das Land, das die Shoppingmall erfand und den Western.

Pessoa zitiert den Philosophen Baudrillard, für den Amerika wie eine Fiktion wirkte. Mit ihrem Film macht sie daraus eine Wirklichkeitserfahrung, bei der sie am Ende auch mehr über ihr eigenes Land begreift: „Unser kultureller Kolonialismus kam zurück, um uns abzukassieren.“ „Arid Zone“ (Arizona) setzt dem Kolonialismus den sanften Widerstand genauer Beobachtung entgegen.

Bert Rebhandl



Lobende Erwähnung im Next Masters Wettbewerb Langer Dokumentar- and Animationsfilm.

Body of Crime

Dokumentarfilm
Brasilien
2017
73 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Pedro Rocha, Diego Hoefel
Pedro Rocha
Juliane Peixoto
Frederico Benevides
Diego Hoefel
Paulo Ribeiro
Ein Ausdruck von Ivans Last befindet sich um seinen Fuß geschnallt: eine elektronische Fessel, die seinen Standort überwacht. Kritisch wird es abends, wenn er bei seiner Familie sein soll, Ausgangssperre hat, aber eine Stimme Ideen einflüstert, die nur außerhalb des Hauses – und damit des gesetzlichen Rahmens – realisierbar scheinen. Ivan ist ein Tiger hinter Gittern, dessen Schritte täglich unruhiger werden. Zudem plagt ihn ein Gedankenspiel: Er kennt Männer, die die piependen Apparate eigenmächtig loswurden und nun auf freiem Fuß sind. Und er kennt andere, deren Befreiungsversuche scheiterten. Die Konsequenz: zurück ins Gefängnis. Ivan balanciert zwischen Skylla und Charybdis. Eine Erregtheit, die längst in Unmut gekippt ist und nach Lösung verlangt.

Carolin Weidner


Nominiert für Young Eyes Film Award

C(us)todians

Dokumentarfilm
Brasilien
2013
89 Minuten
Untertitel: 
englische
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Antônio Jr.
Aly Muritiba
Elisandro Dalcin
João Menna Barreto, Aly Muritiba
Aly Muritiba
Alexandre Rogoski, João Menna Barreto
Jefferson Walkiu ist der neue Chefinspektor im „Alpha-Team“ eines brasilianischen Gefängnisses, das über 900 Insassen beherbergt. Kein ungefährlicher Job, denn kriminelle Vereinigungen agieren außerhalb und innerhalb der Gefängnismauern, und das Wachpersonal ist schlecht ausgestattet. Mit guten Vorsätzen geht Walkiu daran, seine Abteilung zu professionalisieren. Doch die Dynamik in der Anstalt arbeitet gegen ihn.
Dass es für alle Gefangenen zusammen nur eine Krankenschwester und drei funktionierende Handschellen gibt, sind nur zwei unter vielen Herausforderungen. Täglich diskutiert Walkiu mit Häftlingen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, die sich keinen Regeln verpflichtet fühlen. Doch auch sein ständiges Krisenmanagement kann Pannen nicht ausschließen. Umso überraschender wirkt sein ihn offenbar erfüllendes Doppelleben als Seelsorger einer kleinen Gemeinde. Hier lässt der stets um Kontrolle bemühte Mann emotionalen Dampf ab.
Der Alltag im Gefängnis aus Sicht des Wachpersonals und das Porträt eines Mannes, der es richtig machen will und gegen Wände anrennt. Regisseur Aly Muritiba hat selbst lange im Alpha-Team gearbeitet und kennt sich in den hohen, schmalen Fluren des Gefängnisses sichtlich aus. Lange Einstellungen und gezielte Perspektivwechsel erzeugen in seinem Film ein Gefühl des zunehmenden Kontrollverlustes.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award 2013

Castillo y el Armado

Animationsfilm
Brasilien
2014
13 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Pedro Harres, Otto Guerra, Marta Machado
Pedro Harres
Felipe Puperi
Marco Arruda
Pedro Harres
Hermes de Lima, Fabiano Pandolfi, Josemi Bezerra, Ruben Castillo
Pedro Harres
Thiago Bello
Ein junger Hafenarbeiter an der Grenze zwischen Brasilien und Uruguay versucht mit aller Gewalt, seine Familie, seine Arbeit und das Fischen in den Griff zu bekommen.
Next Masters Wettbewerb
Cinema Morocco Ricardo Calil

Obdachlose besetzen den ehemals glamourösen Kinopalast in São Paulo. Ein Theaterworkshop ruft die Vergangenheit des Gebäudes wach – und kreiert Projektionsflächen für zerrüttete Biografien.

Cinema Morocco

Dokumentarfilm
Brasilien
2018
76 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Eliane Ferreira, Pablo Iraola
Ricardo Calil
André Namur
Loiro Cunha, Carol Quintanilha
Jordana Berg
Ricardo Calil
Flávio Guedes, Ricardo Pinta
An die glanzvolle Vergangenheit des Cine Marrocos’ in São Paulo erinnert heute nur noch ein kurioser Nachrichtenfilm. Er zeigt, wie Irene Dunne, Erich von Stroheim und Abel Gance 1954 zum ersten Internationalen Filmfestival von Brasilien in den luxuriösen Kinopalast schaulaufen, und dass Fubuki Koshiji beim Stolpern ihren „zarten östlichen Fuß enthüllt“ (Originalton). Vierzig Jahre später stand das zwölfstöckige Gebäude plötzlich leer – zwei Dekaden lang. Als die angekündigte Renovierung auf sich warten ließ, wurde es 2013 von einer Gemeinschaft von Obdachlosen besetzt. Zeitweilig lebten 2.000 Menschen aus 17 Ländern in der ausgeweideten und mit Graffitis gesäumten Bauruine.

Auf Initiative des gleichnamigen Filmprojekts wurden im wiedereröffneten Kino Filme aus dem ersten Festivaljahr vorgeführt und ein Theaterworkshop ins Leben gerufen. Dabei erarbeiteten die schauspielenden Besetzer ikonische Filmszenen, etwa aus „Boulevard der Dämmerung“, „Die große Illusion“, „Julius Caesar“ und „Abend der Gaukler“. Vor dem Hintergrund der drohenden Zwangsräumung dokumentiert der Film die von den zerrütteten Biografien „mitgeschriebene“ Theaterarbeit, an deren Ende kinematografische Reenactments stehen. Norma Desmond, Marcus Antonius, die Kunstreiterin Anne und der Jagdflieger Maréchal werden buchstäblich zu Projektionsflächen – für so unterschiedliche Erfahrungen wie Kriegstraumata, Depression, Wohlstandsekel und postkoloniale Entfremdung.

Esther Buss



Goldene Taube im Next Masters Wettbewerb Langfilm


Länderfokus Brasilien
Diary, Letters, Revolutions Flávia Castro

Rekonstruktion des Wegs der Eltern durch den politischen Kampf in Brasilien und ihr Leben im Exil. Eine Generation linker Aktivisten, ihre Ideale und das Scheitern einer Utopie.

Diary, Letters, Revolutions

Dokumentarfilm
Brasilien
2011
105 Minuten
Untertitel: 
englische
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Estelle Fialon, Flávio Tambellini, Flávia Castro
Flávia Castro
Paulo Castiglioni
Flávia Castro
Flávia Castro
Valéria Ferro
In den 1960er und 70er Jahren herrschte auch in Brasilien eine Diktatur, gegen die sich eine junge Generation linker Aktivisten erhob. Zu ihnen gehörte der Vater der Regisseurin, der Journalist Celso Castro, der Anfang der 80er Jahre unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Beim Versuch, den Tod des Vaters aufzuklären, folgt Flavia de Castro dem Lebensweg ihrer Eltern, der sie ins Exil nach Chile, Argentinien, Panama und schließlich nach Frankreich führte. Auf dem Weg zerbrach die Ehe, und der Vater kehrte 1979 nach dem Erlass eines Amnestiegesetzes nach Brasilien zurück. Mit Hilfe von Erzählungen der Mutter und anderer Weggefährten sowie von Aufzeichnungen und Briefen des Vaters entsteht das spannende Bild eines revolutionären Lebens jenseits der Heimat. Die Hoffnungen, Ideale und Erfolge im politischen Kampf werden genauso spürbar wie die Enttäuschungen, die Resignation und letztlich das Scheitern des revolutionären Projekts. Auf einer parallelen Ebene erzählt die Regisseurin von ihrer eigenen unbehausten Kindheit und zeigt auf, welchen Preis die Angehörigen der Revolutionäre zahlen mussten. Flavia de Castro versucht, den Tod ihres Vaters zu verstehen, und erliegt nicht der Versuchung, eine väterliche Heldenfigur zu erschaffen. Das erfordert Mut.

---Paulo de Carvalho
Internationales Programm
Dominguinhos Joaquim Castro, Mariana Aydar, Eduardo Nazarian

José Domingos de Morais, einer der großen Akkordeonspieler Brasiliens. Träumerische Zeitreise in ein unbekanntes Land und Steinbruch der Erinnerungen. Mutig und hinreißend.

Dominguinhos

Dokumentarfilm
Brasilien
2014
86 Minuten
Untertitel: 
englische
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Deborah Osborn, Gilberto Topczewski, Felipe Briso
Joaquim Castro, Mariana Aydar, Eduardo Nazarian
Mariana Aydar, Eduardo Nazarian, Duani Martins
Pedro Urano, Tiago Tambelli
Joaquim Castro
Boreal Studio
Di Moretti
Edson Secco, Joaquim Castro
Lieder, die von der Liebe erzählen wie von der letzten Dürre oder dem Geld, dem fehlenden. Keine Frage, die Musik von José Domingos de Morais, einem der großen Akkordeonspieler Brasiliens, ist Volksmusik im besten Sinne. Voller Respekt verneigen sich die drei Regisseure mit ihrem Film vor dem 2013 verstorbenen Künstler. Dieser blieb der Kultur seiner Heimat, des Sertão im Nordosten Brasiliens, Zeit seines Lebens tief verbunden. Im Sertão beginnt auch der Film. Kein Musikerporträt, sondern eher eine träumerische Zeitreise durch ein unbekanntes Brasilien, aus dessen Vielfalt etwas so Wunderbares wie die Musik Dominguinhos‘ entstehen konnte. Dazu nutzen die Filmemacher unterschiedlichste Bildquellen: Archivmaterial der 1940er Jahre über den Sertão der Landarbeiter und Habenichtse, TV-Shows aus den 1950er und 60er Jahren, Interviews mit dem Musiker aus den verschiedenen Lebensabschnitten, große Konzerte in den 2000ern. Tatsächlich arbeiten sie im Steinbruch visueller Erinnerungen – nicht nur denen ihres Protagonisten, sondern ebenso ihrer eigenen und denen des Landes. Diese Erinnerungsarbeit, assoziativ und sprunghaft, bestimmt den Tonfall des Films. Eine Bildsequenz zu einer Melodie, ein Rhythmus zu einer Geschichte, ein Liedtext zu einer kurzen biografischen Notiz. Das ist erzählerisch ein mutiger Entwurf und die Musik ist einfach hinreißend.
Matthias Heeder
Internationales Programm
Elections Alice Riff

Von wegen Politikmüdigkeit! Die Wahlen zur Schülervertretung in einer Schule in São Paulo zeigen die Mühen der Demokratie und die Verlockungen des Populismus – und wie man ihnen widersteht.

Elections

Dokumentarfilm
Brasilien
2018
101 Minuten
Untertitel: 
englische
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Alice Riff, Heverton Lima
Alice Riff
Vinicius Berger
Yuri Amaral
Alice Riff, Vanessa Fort
Marina Bruno, Daniel Turini, Fernando Henna
Wie die Demokratie funktioniert (und wo sie hakt), lernt man am besten, indem man sie praktiziert. In einer öffentlichen Highschool in São Paulo stehen die Wahlen zur Schülervertretung an. Verschiedene Teams konkurrieren um die besten Ideen, das coolste Wahlplakat und die meisten Stimmen. Es gilt, sich nicht zu populistischen Aktionen hinreißen zu lassen und persönliche Interessen hintanzustellen. Genau wie in der „großen“ Politik balancieren die Kandidatinnen und Kandidaten in ihren Rededuellen zwischen ehrlichem Engagement und oberflächlichen Showeffekten. Doch als plötzlich die Polizei vor den Schultoren steht, wird augenblicklich deutlich, wie wichtig es ist, dass die Schülerschaft mit einer Stimme sprechen kann.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Young Eyes Film Award

Flesh

Animationsfilm
Brasilien,
Spanien
2019
12 Minuten
Untertitel: 
englische
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Chelo Loureiro, Livia Perez
Camila Kater
Sofia Oriana Infante, Julia Teles
Samuel Mariani
Samuel Mariani
Camila Kater, Giovana Affonso, Flavia Godoy, Cassandra Reis, Leila Monsegur
Camila Kater, Ana Julia Carvalheiro
Xabier Ferreiro, Julia Teles, Luis Felipe Labaki
Ein animierter Dokumentarfilm in fünf Kapiteln von und über fünf Frauenpersönlichkeiten. In den Hauptrollen die eigene Körperlichkeit und eine multiperspektivische Sicht auf Weiblichkeit. Denn Herkunft, Umfeld und Sozialisierung – mit ihren mitunter pervers-zwanghaften Nebenwirkungen – haben ihr ganz eigenes Gewicht. Die autobiografischen Reflexionen gewinnen durch die Wahl unterschiedlicher haptischer Animationstechniken an Tiefenschärfe und Schlagkraft. Plastisch, eindringlich, schön.

Nadja Rademacher
Next Masters Wettbewerb
Guaicurus Street João Borges

Ein Rotlichtviertel in Belo Horizonte. Die Kamera erhält Einlass in ein Laufhaus. Käufliche Liebe erscheint hier mal als routiniert-triste Fließbandübung, mal fast schon als Komödie.

Guaicurus Street

Dokumentarfilm
Brasilien
2019
75 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
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João Borges, Thais Mol (Yara Filmes), Mariana Andrade
João Borges
Lucas Oscilloid, Pedro Durães
Lucas Barbi
Fabian Remy
João Borges
Lucas Oscilloid, Marcel Dadalto, Pedro Durães, Victor Brandão
Ein Rotlichtviertel in Belo Horizonte. Die Bordelle werben um ihre Kundschaft in allen Farben der Nacht. Die Fenster stehen hier meist offen, vor der Tür sitzt höchstens ein Typ auf einem Plastikstuhl. Die Kamera erhält Einlass in eines der Laufhäuser. Wir sehen in einer Totalen, fast wie auf einem Überwachungsbildschirm, Männer in einem schlichten Gang von Tür zu Tür, von Frau zu Frau huschen. Bei einigen der Verhandlungen aber sind wir plötzlich dicht dabei („3 Positionen für 25 Real“), und irgendwann folgt ein „unmöglicher“ Schnitt: ein Gegenschuss von der anderen Seite der Tür her, aus dem Zimmer der Frau heraus. Wir sehen Sexarbeiterinnen beim Aufräumen, beim Abhängen, beim miteinander Klatschen. Sie erzählen von Gewalt, von vorgetäuschten und von echten Orgasmen. Aber wir sehen auch Sexszenen, mit Schauspielern nachgestellt, in denen die käufliche Liebe mal als routiniert-triste Fließbandübung, mal fast schon als Komödie erscheint.

Wenn der Film die Grenzen zwischen einem dokumentarischen und einem fiktionalen Blick systematisch verwischt, dann hat das mit dem Wunsch zu tun, den Frauen ihre Würde zu lassen und die geläufigen Elendsbilder zu vermeiden. Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass Sex nie zu trennen ist von Fiktionen und Projektionen.

Lukas Foerster

Hill of Pleasures

Dokumentarfilm
Brasilien,
Niederlande
2012
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Janneke Doolaard, Hanneke Niens, Hans de Wolf, Maria Ramos
Maria Ramos
Guy Gonçalves, Leo Bittencourt, Miguel Lindenberg
Karen Akerman
Jahrzehntelang überließ der Staat den Drogenkartellen das Regiment über die Favelas von Rio de Janeiro. In Vorbereitung der Fußball-WM 2014 hat er seine Strategie geändert und stationiert nach massivem Militäreinsatz in den Armenvierteln Spezialeinheiten der „Befriedungspolizei“ UPP. Die Regisseurin Maria Ramos beobachtet deren Arbeit in der Favela Morro dos Prazeres. Hier soll die immer noch verhasste Polizei jetzt staatliche Präsenz zeigen und den Dialog mit der Bevölkerung wiederherstellen. Das stößt nicht nur auf Misstrauen, sondern auch auf hartnäckigen Widerstand. Ramos begleitet den Alltag der Polizisten, ihre Kontrollgänge, Blitzaktionen und Verhandlungen mit den Bewohnern. Parallel dazu nimmt sie die Perspektive der einfachen Menschen ein, zeigt ihr Leben in der Gemeinschaft und erfährt von ihrer Vergangenheit. Auf einer der „Baile Funk“-Partys, von der Favela als kulturelle Ausdrucksform hervorgebracht, wird ausgelassen gefeiert und getanzt. Doch der Blick vom Hügel auf das nächtliche Rio lässt ahnen, dass der Friede trügerisch ist …

---Paulo de Carvalho
Länderfokus Brasilien
Housemaids Gabriel Mascaro

Hausangestellte gehören in Brasilien zur Familie. Jugendliche im Gespräch mit Frauen, die wie Mütter für sie sind, doch kein Privatleben haben dürfen. Soziogramm einer Gesellschaft.

Housemaids

Dokumentarfilm
Brasilien
2012
75 Minuten
Untertitel: 
englische
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Rachel Ellies
Gabriel Mascaro
Alana Santos Fahel, Ana Beatriz de Oliveira, Jenifer Rodrigues Régis, Juana Souza de Castro, Luiz Felipe Godinho, Perla Sachs Kindi, Claudomiro Canaleo Neto
Eduardo Serrano
Gabriel Mascaro
Eduardo Serrano
Sieben Jugendliche, sieben Kameras und sieben Tage Drehzeit – das ist der Rahmen, den Gabriel Mascaro seinem filmischen Experiment setzt. Die Hauptdarsteller stehen auch fest: Es sind die „Domésticas“, die Angestellten im Zuhause der jungen Leute, die vom Kinderhüten über das Kochen und Bügeln bis hin zum Chauffieren alles erledigen. Die Doméstica ist eine feste Größe in vielen brasilianischen Haushalten. Sie wird fast als Familienmitglied betrachtet, lebt aber in großer Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern – oft weit weg vom Ehemann und den eigenen Kindern. Der Film begleitet nicht nur den Arbeitsalltag der Hausangestellten, sondern eröffnet uns auch Einblicke in ihr eng begrenztes Privatleben. Aus den Beobachtungen und Gesprächen der Jugendlichen mit den Domésticas, die oft wie eine zweite Mutter für sie sind, montiert Mascaro ein spannendes Soziogramm der brasilianischen Gesellschaft. Obwohl er direkte Aussagen zu Klassenunterschieden oder zu den Arbeitsbedingungen der porträtierten Personen meidet, schälen sich die Machtverhältnisse in seinem Film deutlich heraus. Es gelingt dem Regisseur auf subtile und nuancenreiche Weise, in diesen familiären Mikrokosmen die unsichtbare Trennlinie zwischen der persönlichen und der Arbeitsbeziehung aufzuzeigen.

---Paulo de Carvalho

Linear

Animationsfilm
Brasilien
2012
6 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Rogério Nunes, Karmatique Imagens
Amir Admoni
Amir Admoni
Newton Leitão
Amir Admoni
Thiago Martins, Fabio Yamaji, Amir Admoni
Amir Admoni, Fabito Rychter
Nick Graham Smith
Eine Linie ist ein Punkt, der spazieren gegangen ist. So ein Ausflug kann ziemlich hart werden, besonders wenn er auf der Stadtautobahn stattfindet. Amir Admoni zeigt uns São Paulo, wie wir es noch nie gesehen haben.
Internationales Programm
Luiza Caio Baú

„Live the Old Times“ steht in großen Lettern auf Luizas T-Shirt. Anfangs blättert das behütete 24-jährige Mädchen mit den blaugrünen Haarsträhnen noch in einem Album und betrachtet Fotos aus ihrer Kindheit.

Luiza

Dokumentarfilm
Brasilien
2017
15 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Caio Baú, Amanda Soprani, Isabele Orengo
Caio Baú
Murilo Lazarin
Fábio Allon
Caio Baú
Bruno Ito
„Live the Old Times“ steht in großen Lettern auf Luizas T-Shirt. Anfangs blättert das behütete 24-jährige Mädchen mit den blaugrünen Haarsträhnen noch in einem Album und betrachtet Fotos aus ihrer Kindheit. Doch bald zählt nur noch die Gegenwart mit ihrem Freund und die Frage, wann es Zeit ist für den ersten Sex. Familiäre Ängste, Autonomiewünsche, erwachende Sexualität und Entrücktheit verdichten sich zu einem ambivalenten Szenario.

Esther Buss
Länderfokus Brasilien
Mauro in Cayenne Leonardo Mouramateus

Fiktiver Brief an einen Onkel, der in die Ferne zog. Erinnerungen an die Kindheit und Schilderungen der Gegenwart einer Stadt im Umbruch, voller Fantasie und Metaphern.

Mauro in Cayenne

Dokumentarfilm
Brasilien
2012
18 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Leonardo Mouramateus
Leonardo Mouramateus
Leonardo Mouramateus, Salomão Santana
Leonardo Mouramateus, Salomão Santana
Lucas Coelho de Cravalho, Rodrigo Fernandes, Leonardo Mouramateus
Der Regisseur schreibt einen fiktiven Brief an seinen Onkel Mauro, der die Familie für einen Neuanfang in Cayenne im fernen Französisch-Guayana verlassen hatte. Das Jetzt spiegelt sich in Geschichten und Momentaufnahmen wieder, in denen die kindlichen Albereien des Neffen Marquinhos oder die Großmutter mit ihren Kindheitserinnerungen eingefangen werden. Der abwesende Onkel regt die Fantasie an: über ein heldenhaft-abenteuerliches Leben dort in der Ferne oder wie es wäre, wenn Mauro wieder auftauchen und plötzlich die Straße herunterkommen würde. Geschichten aus der Vergangenheit, Schilderungen der Gegenwart, Ausblicke auf die Zukunft in Fortaleza, einer Stadt im Umbruch, in der die Bäume Neubauten weichen müssen. Der aus dem Meer aufsteigende Godzilla als Metapher für die Immobilienspekulation, die in die Stadt einfällt, um ihr ein neues Erscheinungsbild zu verpassen. Rückblicke auf die Kindheit. „Und immer kehrt man am Sonntagvormittag nach Hause zurück.“

---Paulo de Carvalho