Filmarchiv

Internationales Programm
American Vagabond Susanna Helke

Nach seinem Coming-out wird der Teenager James von den Eltern verstoßen und lebt auf den Straßen San Franciscos – bis alles anders kommt. Berührendes Coming-of-Age-Drama.

American Vagabond

Dokumentarfilm
Finnland
2013
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Cilla Werning
Susanna Helke
Samuli Kosminen
Susanna Helke, Marko Luukkonen
Niels Pagh Andersen
Es sollte nie wieder erwähnt werden, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Doch entgegen des Verdikts seines Vaters wurde aus James kein „richtiger“ Junge, der gern zum Jagen und Angeln ging, sondern das Schlimmste, was die amerikanische Mittelschichtsfamilie sich vorzustellen vermochte. Also warfen sie den schwulen Sohn, ein Teenager noch, aus dem Haus und überließen ihn seinem Schicksal als einer von Tausenden obdachlosen Jugendlichen in den USA. Bis zu vierzig Prozent von ihnen leben auf der Straße, weil sie einer „sexuellen Minderheit“ angehören.
Susanna Helke begleitet James und seine große Liebe Tyler durch die dreckigen Straßen und dunklen Parks von San Francisco, der „schwulsten Stadt der Welt“. Statt des erhofften Paradieses finden sie sich dort frierend, hungernd und marginalisiert wieder, auch von der arrivierten Gay Community. Doch alles kommt anders: Nachdem im ersten Teil des Films James aus dem Off seine Geschichte erzählt, geht es im zweiten um seine Abwesenheit – als „Sexualstraftäter“ sitzt er ein. Denn während nun selbst die konservative Familie zum Umdenken bereit ist, kennt das „Mutterland der Demokratie“ nur Härte gegen alles, was anders als der Mainstream ist. Atmosphärisch dicht und behutsam erzählt der Film nicht nur eine so zarte wie erschütternde Coming-of-Age-Geschichte. Er ist zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Liebe (zum Menschen), die bedingungslos ist.

Grit Lemke

Hazards

Dokumentarfilm
Finnland
2013
45 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Virke Lehtinen
Virke Lehtinen
Virke Lehtinen
Tuuli Kuittinen, Juuso Lavonen
Virke Lehtinen
Zufälle bestimmen unser Leben. Das ist zumindest die Sichtweise, die sich Virke Lehtinen aufdrängt, als er sich die Bilder seines Lebens noch einmal vornimmt. Seit den 1960er Jahren hat er als Kameramann und Dokumentarfilmregisseur gearbeitet. In seinem Archiv gibt es genug Ereignisse, die sich quasi ungeplant hineinbelichtet haben. Ein brennendes Auto am Wegesrand, inmitten der verschneiten Nacht, ist eines davon. Die Aufnahme läuft stoisch weiter, während der Kameramann – Lehtinen – in die Szene springt, um zu helfen. Die Bilder verfolgen ihn. Ist wirklich alles Zufall? Welches Blatt wann vom Baum fällt, ob wir Krebs bekommen oder nicht – und woran wir uns erinnern? Denn hängt die Erinnerung nicht von unendlich vielen Komponenten ab?
Der Regisseur macht aus seiner These ein filmisches Prinzip, lässt sich von Bild zu Bild leiten und seinen Gedanken freien Lauf, während sich alles zu einem dichten Motivteppich verwebt. Im Hinterkopf des Betrachters mag der Gedanke entstehen, den der Erzähler im Epilog zum Kultfilm „Magnolia“ angesichts schier endloser Zufallsverkettungen äußert: „Und Sie wollen mir wirklich sagen, das ist Zufall? Bitte, das kann es doch nicht sein!“ Mit leiser Melancholie schafft Lehtinen einen kunstvollen Essay-Film über den schicksalhaften Zusammenhang von Zufall, Erinnerung und Filmbildern, der sich zugleich als eine Art Found-Footage-Autobiografie verstehen lässt.

Lars Meyer
Internationales Programm
My Stuff Petri Luukkainen

Abschied von der Überflussgesellschaft: ein Jahr lang ohne Besitz, der Stück für Stück zurückgeholt wird. Aber was ist wirklich wichtig? Sportlicher Selbstversuch ohne Moralkeule.

My Stuff

Dokumentarfilm
Finnland
2013
80 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Anssi Perttala
Petri Luukkainen
Timo Lassy
Jesse Jokinen
Altti Sjögren
Petri Luukkainen
Kyösti Väntänen
Das Leben in der Überflussgesellschaft ist nicht ohne Herausforderungen. All die nützlichen und schönen Dinge, die einen umgeben, sollten doch ein permanentes Glücksgefühl erzeugen. Doch paradoxerweise führt der Mangel an Entbehrung gerne zu Identitätskrisen. Man denke nur an Sofia Coppola, die daraus ihr gesamtes filmisches Œuvre schmiedet. Der junge finnische Regisseur Petri Luukkainen nimmt es sportlich. Um herauszufinden, was er wirklich im Leben braucht, wagt er einen dokumentarischen Selbstversuch. Er räumt mitten im Winter seine Wohnung aus und verschließt alles, was er besitzt, bis hin zur letzten Unterhose, in einem gemieteten Lager. Ein Jahr lang wird er jeden Tag einen Gegenstand auslösen und sich so Stück für Stück sein Leben zurückholen, systematisch. Moralische Rückendeckung erhält er dabei von seiner Großmutter. Doch bald schon kommt es zu Entscheidungen, die ein Individuum überfordern. Was ist wichtiger: Matratze, Mantel, Löffel, Zahnbürste, Mobiltelefon? Spielerisch reflektiert, filmt und – ja: inszeniert sich Luukkainen durch seinen ausgehebelten Alltag im Studentenmilieu von Helsinki. Aus einer schlichten Anordnung entfaltet er eine Erzählung. Auf die Frage, was man im Leben braucht, darf freilich jeder seine eigene Antwort finden, denn auf dem schmalen Grat zwischen Wohlstands- und Überflussgesellschaft schwingt „My Stuff“ eben nicht die Moralkeule.

Lars Meyer

Sock Skewer Street 8

Animationsfilm
Finnland
2013
6 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Eija Saarinen
Elli Vuorinen
Jani Lehto
Elli Vuorinen
Elli Vuorinen
Elli Vuorinen
Elli Vuorinen
Jani Lehto
Eine einsame Frau in leeren Räumen. Es passiert nicht viel. Doch dann findet die Hauptdarstellerin winzig kleine Stricksocken. Nun wird es interessant. Wem gehören diese Söckchen?