Filmarchiv

Jahr

Die Menschenliebe

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
99 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jasper Mielke, Martin Backhaus
Maximilian Haslberger
Sebastian Mez
Katharina Fiedler
Martin Backhaus
Maximilian Haslberger
Martin Backhaus, Jochen Jezussek
Es passiert ganz beiläufig im Hintergrund: eine Frau im Rollstuhl, eine Nebenfigur, lächelt und winkt. Plötzlich hebt ihr Rollstuhl ab und verlässt mit ihr die Erde. Wer es bemerkt, muss sich fragen, was hier noch dokumentarisch ist. In der Tat setzt der Film viele Zeichen, dass er zwischen Dokumentar- und Spielfilm nicht kategorisch unterscheiden will. Seine bewusste Unschärfe, die die Wahrnehmung des Zuschauers kontinuierlich auf die Probe stellt, korrespondiert auf der inhaltlichen Ebene mit seiner Verweigerung der Kategorien „gesund“ und „behindert“. Sexualität und Liebe, und damit sind wir beim Thema, wollen schließlich von allen Menschen gleich gelebt werden. Da ist zum einen Joachim, der alleine wohnt, vollkommen gesund wirkt und doch in einer Grauzone lebt: zwischen relativer Selbstständigkeit und Bevormundung, insbesondere durch seine Schwester, die seine Verliebtheit in eine Prostituierte als Anomalie abtut. Die subjektive Kamera zwingt uns in Joachims Perspektive, in die unbequeme Perspektive eines Stalkers. Sven dagegen, Protagonist des zweiten Kapitels, ist körperlich deformiert und sitzt im Rollstuhl, hat dafür aber ein außergewöhnlich stark ausgeprägtes Bewusstsein für seine Bedürfnisse, die er offen formuliert und durch männliche und weibliche Prostituierte abdeckt. Die Sehnsucht nach Liebe erfüllt sich für ihn aber nicht. Was müsste dafür geschehen? Permanent wirft der Film Fragen auf, die nur der Zuschauer selbst beantworten kann.

Lars Meyer



Lobende Erwähnung im Wettbewerb für junges Kino 2014

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

From My Syrian Room

Dokumentarfilm
Frankreich,
Deutschland,
Libanon,
Syrien
2014
70 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Nathalie Combe, Heino Deckert, Georges Schoucair, Myriam Sassine, Hazem Alhamwi
Hazem Alhamwi
Sivan
Hazem Alhamwi, Ghassan Katlabi
Florence Jacquet
Hazem Alhamwi
Nuzha Al Nazer, Frédéric Maury
Beklemmung überfällt einen. Die Feder von Hazem Alhamwi kratzt über eine Schwarz-Weiß-Skizze, die eines Hieronymus Bosch würdig wäre. Apokalyptische Motive und zugespitzte Satire sind seine Spezialität und waren die Rettung. In einem Land wie Syrien, wo alles, selbst das Atmen – wie einer bitter kommentiert – kontrolliert wurde, brauchte es Fluchträume. Kunst, die auf Öffentlichkeit verzichtet, kann einer sein. Der Film entstand, als die Proteste im Windschatten des Arabischen Frühlings hoffen ließen, dass sich etwas ändern könnte: endlich aussprechen, was jahrzehntelang unterdrückt war und zu hohen Gefängnisstrafen geführt hätte. In Gesprächen mit Freunden und Verwandten betreibt der Regisseur Ursachenforschung, beginnend mit Kindheitserfahrungen von Propaganda und Personenkult, Anpassung und Angst. Heute, da sich die Ereignisse überschlagen, ist die hohe Zeit der schnellen Medien. Alhamwis differenzierte Töne, assoziative Motive und Ausflüge in die Bilderwelt der Kindheit haben es schwer mitzuhalten in einer Gegenwart, in der Syrien zwischen religiösen und ethnischen Interessen sowie denen des Auslands zerrieben wird. Die Stimmen aus Alhamwis Zimmer hallen nach aus einer Zeit, als Demokratisierung und Freiheit gefordert wurden. Diesen kurzen Moment, als die Opposition sich zu formieren und zu formulieren suchte, hält der Film fest. Die Zeit der Idealisten war kurz bemessen.
Cornelia Klauß

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.