Filmarchiv

Filmstill Clot

Clot

Klonter
Levi Stoops
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Belgien
2025
15 Minuten
Niederländisch
Untertitel: 
Englisch

Seinen nackten Körper, in Tomatensoße ertränkt, auf einer Tiefkühlpizza betrachten - das ist der Inbegriff entfremdeter Lohnarbeit. Vor allem, wenn es sich dabei um jenes Massenprodukt handelt, dessen Qualität man tagtäglich hundertfach am Fließband kontrollieren muss. Ist es diese Entfremdung, der mehrfache tägliche Konsum ebendieser Mahlzeit oder schlicht die Abwesenheit bedeutender menschlicher Beziehungen, die dazu führen, dass Frankie sich todkrank fühlt und bereit ist, sich von seinem als wertlos und leer empfundenen Dasein zu verabschieden? Es kümmert niemanden, bis sein Körper sich in einen wilden Planeten verwandelt, auf dem die Evolution im Schnelldurchlauf stattfindet: Entstehung des Lebens, Miniatur Frankies mit absurden Penis-Tänzen, Kannibalismus, Darwinismus, gegenseitige Vernichtung, Ausrottung anderer Spezies – und schließlich das Verglühen des Frankie-Planeten selbst.
Levi Stoops lässt uns laut auflachen – und doch verspüren wir den bitteren Geschmack der Selbstzerstörung auf der Zunge. Wird Frankie nach dieser apokalyptischen Erfahrung eine Lebenswende wagen? Oder hält ihn das System so fest in den Klauen, dass heilsame Naturdokus mit exotischen Blumen schon Trost genug sind – anstelle von Kochshows, in denen Steinofenpizzen schwungvoll in die Luft geworfen werden?

Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Levi Stoops
Buch
Levi Stoops
Schnitt
Levi Stoops
Produktion
Annemie Degryse
Ton
Paulo Rietjens
Sound Design
Paulo Rietjens
Musik
Wiet Lengeler
Animation
Camiel Hermans, Sarah Menheere, Karolien Raeymaekers, Neyrouz Jemour, Jana Leeuwerck
Filmvertrieb
Annabel Sebag
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis, Gedanken-Aufschluss-Preis
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill Cyclepaths

Cyclepaths

Cyclepaths
Anton Cla
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Belgien
2023
12 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

An der Peripherie der Stadt schweigen die modernen Neubauten und rauscht die Autobahnbrücke. Vögel kreisen am Himmel, ein junger Mann, verdeckt in seinem Kapuzenpulli, ist mit dem E-Roller auf einem Parkweg unterwegs. Irritierend nur das Gewehr über seiner Schulter.

Anton Clas Film zeichnet eine Stimmung von höchster Alarmbereitschaft, während sich die Katastrophe eigentlich schon Bahn gebrochen hat. Unaufgeregt spielen sich nicht erklärbare Szenen ab, die beunruhigender nicht sein könnten und an Drastik zunehmen. Zur schreienden Stille trägt der sich unmerklich auftürmende Drone-Mix aus Alltagsgeräuschen einer technisierten Welt entscheidend bei: Autobahn, Tram, Blinkerklackern, pulsierende Notsignale. Was die Tonkulisse unnachgiebig verweigert, ist eine laute Entladung, die die Spannung lösen würde. Die Vorstadt-Landschaft überzieht ein rotes theatralisches Warnlicht, Unschärfen schränken die Sicht ein. Das 3D-Computerdesign kaschiert weder die Künstlichkeit noch rechnerbasierte Deformationen in den Bildern einer Normalität, die zur Kampfzone geworden ist – scheinbar regiert bereits die Maschinen-Matrix.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Anton Cla
Produktion
Anton Cla
Ton
Milan Van Doren
Animation
Anton Cla
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Drijf

Drijf

Drijf
Levi Stoops
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Belgien
2023
15 Minuten
Niederländisch
Untertitel: 
Englisch

Sie und er, nackt bei strahlender Sonne auf dem Urlaubsmeer. So idyllisch es klingt, für Aurora und Jeremy ist es die Hölle. Auf der Suche nach lustigen Delphinen paddeln die beiden orientierungslos in der unendlichen Weite des Wassers, ohne Land in Sicht. Mit Gefahren von oben und unten in Form von Hitze und Hai. Und im Zentrum der Ereignisse eine eingeschlafene Paarbeziehung. Die Rollen sind über die Zeit eingespielt und nerven, die verklemmte Lust erfüllt sich nur solo.

Anstatt tosender Wellen ist es vor allem die erbarmungslose Stille des Meeres, die beide umgibt und die die Spannung des Films ausmacht. Sie entlädt sich manchmal in brillanten Miniaturen, zum Beispiel als witziges Wortgefecht, oder in unbeholfener Körperkomik. Ein anderes Mal schocken actionreiche Horrormomente, die absurde Kettenreaktionen auslösen. Ob das gleißende Licht auf dem brutal ruhigen Wasser und dem ratlosen Paar, visuell fast riechbare Verwesungsdämpfe oder ein superdynamischer Tauchgang – Levi Stoops’ inszeniert grandios und mit höchstpräzisem Timing.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Levi Stoops
Buch
Levi Stoops
Kamera
Camiel Hermans, Sarah Menheere, Karolien Raeymaekers, Levi Stoops
Schnitt
Levi Stoops
Produktion
Annemie Degryse
Ton
Paulo Rietjens, Arnout Colaert
Sound Design
Paulo Rietjens
Musik
Mick Lemaire
Animation
Camiel Hermans, Sarah Menheere, Karolien Raeymaekers, Levi Stoops
Filmvertrieb
Annabel Sebag
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Lights, Haze

Lights, Haze

Lights, Haze
Tata Managadze
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Georgien,
Portugal,
Belgien,
Finnland
2024
8 Minuten
Georgisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Erst das Licht bringt die Umrisse der Welt aus der Dunkelheit hervor. Bei der Zyanotypie wird lichtempfindliches Material verwendet, damit sich weiße Zeichnungen auf bläulichem Hintergrund materialisieren. Tata Managadze fordert die Lichtempfindlichkeit unseres Bewusstseins heraus. Sie verwendet Reflexionen und Spiegelungen, um die sensible, hauchdünne Materie der Assoziationen so zu belichten, dass ephemere Erinnerungen und Empfindungen sichtbar werden. Das Gedicht am Anfang verrät, wie beruhigend und brutal zugleich ihr Protagonist – das Licht – sein kann. Wie Kinder auf einem Spielplatz lassen wir uns durch den Tanz der Lichter verführen, suchen ihn stets aufs Neue. Blumenmuster auf dem Geschirr in der Spüle beginnen sich zu drehen, wenn die Lider schwer werden und der Schlaf naht. Alles kommt in Bewegung. Im Übergang zwischen Wachsein und Traum regt sich ein anderes Leben in der Plattenbausiedlung: Die Sterne des Restaurants springen aus dem Schild und ritzen Spuren in die Wand. Oder sind das Narben, die noch heilen müssen? Vielleicht die Narben der sowjetischen Ära?
Immer wieder werden uns schon bekannte Fragmente neu zusammengesetzt. Dieser nicht-narrative animierte Dokumentarfilm führt uns durch eine Spirale der Erinnerung zu einem Ursprung, der nicht auffindbar ist. Er baut eine Brücke zu unserer kindlichen Fähigkeit, Magie in den alltäglichsten Dingen zu finden.

Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Tata Managadze
Produktion
RE:Anima European Joint Master in Animation
Ton
Jose Salgado, Irakli Margishvili
Sound Design
Jose Salgado, Irakli Margishvili
Musik
Jose Salgado
Animation
Tata Managadze
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Murmuration

Murmuration

Zwermen
Janneke Swinkels, Tim Frijsinger
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Niederlande,
Belgien
2025
13 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Die Stare kreisen in Schwärmen über dem Altersheim. Murmurationen nennt man diese beeindruckenden Naturschauspiele, die von fern wie ein kollektives Murmeln klingen. Nicht alle hören oder sehen sie, aber der alte Mann nimmt sie wahr. Manchmal entsenden die Stare einen einzelnen zwitschernden Boten vor sein Fenster. Oft sind die Vögel für ihn präsenter als seine Mitmenschen, präsenter als der alte demente Heimkollege, der regelmäßig ein Blumenstillleben wässert, präsenter als die Heimnachbar*innen im Freizeitchor. Und dann passiert es: Der alte Mann findet die erste Feder im Haar, darauf eine zweite, schließlich mehrere. Bald wächst ihm ein Schnabel, sodass er statt singen nur mehr krächzen kann.
Der letzte Lebensabschnitt, dem wir hier beiwohnen, ist liebevoll animiert: Die Puppenanimation wurde mit Mullbinden gestaltet – eine schöne Annäherung an die Verletzlichkeit, die dem Älterwerden anhaftet. Der hier gezeigte Abschied vom Leben kommt ganz ohne Pathos aus, sogar ohne jene überinszenierte Trauer, die man von vielen Todeserzählungen kennt. Selbst das Altersheim ist ein völlig banaler, wertfrei porträtierter Ort. Stattdessen verfolgen wir dieses Tschüss-Sagen im Fiedergewand als eine leise, aber zunehmende Entfremdung von der Welt, ein Nicht-mehr-Dazugehören. Und irgendwann wachsen uns allen die dazu passenden Flügelschwingen.

Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Janneke Swinkels, Tim Frijsinger
Buch
Janneke Swinkels, Tim Frijsinger
Kamera
Janneke Swinkels, Tim Frijsinger
Schnitt
Janneke Swinkels, Tim Frijsinger
Produktion
Peter Lindhout
Co-Produktion
Annemie Degryse, Janneke Swinkels, Tim Frijsinger, Ben Tesseur
Ton
Corinne Dubien
Sound Design
Corinne Dubien
Musik
Roos Rebergen, Sjoerd Bruil
Animation
Rosanne Janssens, Mirjam Plettinx, Geertrui de Vijlder
Filmvertrieb
Annabel Sebag
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis, Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill Ping Pong

Ping Pong

Ping Pong
Tianji Yu
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Belgien,
Ungarn,
Portugal,
China
2025
15 Minuten
Chinesisch
Untertitel: 
Englisch

Das Offensichtliche eröffnet den Film: Das Problem der Körperlosigkeit der KI – sie kann kein Pingpong mit dem Regisseur Tianji Yu spielen. Aber wäre es für Yu denkbar, sich mit einem ehemaligen Freund und Spielkameraden, der heute Trump wählt, zum Pingpong zu verabreden? Hat der Freund durch seine politische Fremdheit und physische Abwesenheit genau dieselbe Körperlosigkeit wie die KI? Ist diese Abwesenheit unüberwindbar – die der KI und die des Freundes?
Es entsteht ein Pingpong-Gespräch, in dem die oberflächliche und banale KI durch die tiefen Erinnerungen und ehrlichen Überlegungen des Regisseurs zu einem tatsächlichen Ersatzpartner wird. Zu einem Partner, der eine langsame Annäherung an die verflogene Freundschaft ermöglicht und Reflexionen über den Menschen als politisches Wesen auslöst. Schicht für Schicht blättert die Künstlichkeit der KI ab. Yu stimuliert uns visuell, durch die poetisch fesselnden Schichten der Bildgestaltung zum Kern der Dinge vorzudringen: Wir starten mit dokumentarischen Aufnahmen, die durch einen verzerrenden Spiegel verfremdet werden, und wechseln dann zu einem bewegten Gemälde aus einfachen, semi-realistischen 3D-Animationen, die wie hinter einem Pinselstrich-Filter ablaufen.

Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Tianji Yu
Kamera
Yifan Wen
Schnitt
Tianji Yu
Produktion
Tianji Yu
Ton
Tianji Yu
Sound Design
Tianji Yu
Animation
Tianji Yu
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill You Are the Truck and I Am the Deer

You Are the Truck and I Am the Deer

You Are the Truck and I Am the Deer
Max Ferguson
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Belgien
2023
5 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Kraftvolle Poesie in Bild, Wort und Klang – Max Fergusons Arbeit ist ein Rohdiamant, der von einer emotionalen, unpolierten Wucht zeugt und dessen Licht sich in viele Farben bricht. Ferguson mischt Elemente aus Fotografie, Malerei und Collage mit kurzen Videosequenzen, findet starke verbale und visuelle Bilder und markiert damit den Kipppunkt von körperlichem Verlangen zu seelischer Verletzung.
Raue Ästhetik und düstere Atmosphäre, die an frühe Undergroundfilme erinnern, verbinden sich mit sehr viel Feinfühligkeit und einer stets wachen, fast animalischen Neugier. Sie manifestieren ein sehr heutiges weibliches Selbstverständnis. Der Balanceakt zwischen Schmerz und Selbstachtung vollzieht sich in einem Klangkosmos aus elektronischem Donnern und nervösem Dröhnen. Während der kraftstrotzende Lastwagen seine Bahn nicht verlassen kann, folgt das Wild seinem Instinkt und findet einen (neuen) Weg, auch wenn es vom Wolf lernen muss.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Max Ferguson
Schnitt
Max Ferguson
Produktion
Max Ferguson
Ton
Seppe Indigne
Animation
Max Ferguson
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis