Filmarchiv

Filmstill Café Kuba

Café Kuba

Café Kuba
David Shongo
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
DR Kongo,
Belgien
2025
29 Minuten
Lingála,
Französisch
Untertitel: 
Englisch

Ein mobiler Kaffeestand wird zu einer Kinoapparatur, welche die Aufzeichnung des oft Übersehenen und noch öfter Überhörten zu ermöglichen scheint. David Shongos nächtliches Kinshasa-Porträt im Nachklang der M23-Gewaltexzesse vom Februar 2025 im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist eine eigensinnige und verdeckte Erkundung einer fragilen Stadt, die historisch wie gegenwärtig vielen Traumatisierungen ausgesetzt war und nach wie vor von Instabilität gezeichnet ist.
Um die Frage nach Kinshasas Zukunft aufzuwerfen, deutet der kongolesische Künstler und Komponist filmhistorische Konzepte um und fügt ihnen neue Facetten hinzu: Durch eine Praxis des radikalen Zuhörens und das Hinterfragen der Grenzen des Sehens entwirft er mit starken Bildern, einem komplexen Ton und äußerst einfallsreichen performativen Inszenierungen seine Form eines „flüchtigen Kinos“.

Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
David Shongo
Buch
David Shongo
Kamera
David Shongo, Kevin Booto
Schnitt
David Shongo
Produktion
David Shongo, Tommy Simoens
Co-Produktion
Olga Sherazade Pitton, Tommy Simoens
Ton
Djo Wamba
Sound Design
David Shongo
Key Collaborator
Divin Sky Kayanga
Filmstill Extended Presences

Extended Presences

Cinzas e nuvens
Margaux Dauby
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2023
Dokumentarfilm
Portugal,
Belgien
2023
12 Minuten
Portugiesisch (Portugal)
Untertitel: 
Englisch, deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit

Der Blick ist fest auf den Horizont und weit entfernte Baumreihen gerichtet. Er unterscheidet natürliche von Rauchwolken. Saisonarbeit von Frauen in Portugal, hinter den Glasscheiben ihrer Feuerwachttürme observieren sie die Landschaft, das Funkgerät in Greifweite, um Waldbrände sofort nach Entdecken zu melden. Während im Korn des Analogfilms die Grenze des Sichtbaren verschwimmt, erscheinen Dina, Adriana, Ana Paula, Helena, Luisa, Cristina, Dulce, Lídia, Inês, Fátima, Francisca und Vera als Agentinnen der Antizipation, als moderne Seherinnen, deren sanftes, aber beharrliches Schauen über die brennende Welt hinausführt. Ihre männlichen Kollegen überwachen die Lage derweil auf Computerbildschirmen. Poetische Texturen des Wartens und der Wokeness. Der weibliche Weitblick ist geschärft und hat Erwartungen an die noch nicht sichtbare Zukunft.

Jan Künemund

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Margaux Dauby
Kamera
Margaux Dauby, Afonso Marmelo
Schnitt
Raul Domingues
Produktion
Margaux Dauby
Co-Produktion
Roxanne Gaucherand
Ton
Margaux Dauby
Sound Design
Margaux Dauby, Paulo Lima, Selia Çakir
Filmstill Oscurana

Oscurana

Oscurana
Violeta Mora
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Honduras,
Portugal,
Ungarn,
Belgien
2025
21 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch

Die grelle Sonne steht am Himmel, doch während sie langsam sinkt, legt sich eine Kakofonie aus unbekannten Stimmen und Lauten über den Horizont. „Die Dunkelheit kommt wie Qualm, der sich ausbreitet“, kommentiert die Regisseurin im Off – und führt uns tiefer in die Nacht, auf den Weg, den viele Migrant*innen aus Zentralamerika wagen: zu Fuß, durch gefährliche Landschaften, mit ungewissem Ausgang.
In ihrem immersiven Kurzfilm macht Violeta Mora diesen Weg erfahrbar. Die wankende Handkamera folgt schweren Schritten, wir hören den Atem der Flüchtenden und die Geräusche der Tiere. Verzweifelte Gesprächsfetzen und Rufe nach Hilfe füllen das lichtdurchzuckte Schwarz, während das Gefühl der Bedrohung wächst. Ein Film, der nicht erklären will, sondern uns sinnlich und unmittelbar spüren lässt, was es heißt, eine Grenze zu überqueren – in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Seggen Mikael

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Violeta Mora
Kamera
Violeta Mora
Schnitt
Violeta Mora
Produktion
Violeta Mora
Sound Design
Violeta Mora, Tiago Raposinho
Filmstill Tale of the Three Flames

Tale of the Three Flames

As três chamas
Juliette Menthonnex
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2023
Dokumentarfilm
Portugal,
Ungarn,
Belgien,
Schweiz
2023
21 Minuten
Portugiesisch (Portugal),
Spanisch,
Niederländisch
Untertitel: 
Englisch

„Bis nächstes Jahr!“, sagt ein portugiesischer Feuerwächter, der seine Kontrollgeräte zum Saisonende abbaut. In Südeuropa sind Mensch und Natur an Waldbrände zwar gewöhnt, doch es ändert nichts am Sachverhalt: Ursache der immer mächtigeren Feuersbrünste ist der Klimawandel. Wir leben längst im Zeitalter des Feuers.

Im Landesinneren Portugals hat gerade ein Waldbrand eine große Fläche komplett zerstört. Die verletzte Natur steht schweigend da, kein einziger Vogel ist mehr zu hören, nur der Wind, der die verkohlten Baumstämme leicht rascheln lässt. Doch die Vegetation erholt sich erstaunlich schnell. Wo scheinbar kein Leben mehr ist, sprießt alsbald das Grün aus den Baumruinen. Die Anwohnenden der betroffenen Region engagieren sich beim Wiederaufbau mit viel Respekt gegenüber ihrer natürlichen Umgebung. Denn auch Pflanzen sind fühlende Wesen. In ruhigen, fast melancholischen, aber auch hoffnungsvollen Bildern würdigt der Film die Kraft der Bäume und verdeutlicht, wie essenziell es wäre, dass die Menschheit wieder lernte, im Einklang mit der Natur zu leben.

Annina Wettstein

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Juliette Menthonnex
Kamera
Ilona Szekeres, Sergio da Costa
Schnitt
Antoine Flahaut, Juliette Menthonnex
Produktion
Véronique Vergari, Victor Candeias, Agnès Boutruche
Ton
Juliette Menthonnex
Sound Design
Yatoni Roy Cantu
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Filmstill Tales from the Source
Tales from the Source Léonard Pongo
Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Künstler Léonard Pongo mit den Landschaften der Demokratischen Republik Kongo. Dabei ist ihm das Land mit seiner Kunst, Tradition und Philosophie nicht Ressource, sondern Quelle. 
Filmstill Tales from the Source

Tales from the Source

Tales from the Source
Léonard Pongo
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Belgien
2024
39 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Seit zehn Jahren dokumentiert der belgische Fotograf und Künstler Léonard Pongo die Landschaften der Demokratischen Republik Kongo. In seiner jüngsten Arbeit tritt er in einen sinnlichen Dialog mit ihnen. Die präzise Kamera fokussiert immer wieder auf Lichtreflexionen, die uns förmlich in die Bewegtbilder hineinziehen. Zugleich lässt sie den kinematografischen Apparat hinter ihnen sichtbar werden. Im Zusammenspiel mit dem elaborierten Sounddesign und der dezenten, wunderschönen Musik von „Bear Bones, Lay Low“, dem Soloprojekt des in Belgien beheimateten Venezolaners Ernesto González, entsteht ein Landschaftsporträt, das durch die fesselnde Montagekomposition zu einem visuellen, auditiven und meditativen Vergnügen wird.
„Tales from the Source“ ist gleichwohl kein „Naturfilm“ im herkömmlichen Sinn, sondern eine durch kongolesische Traditionen, Kunst und Philosophie inspirierte ästhetische Positionsbestimmung, die – so betont es der Künstler selbst – die kongolesische Landschaft „als schöpferische statt als abzuschöpfende Quelle“ darzustellen vermag. Das Ergebnis lässt sich eher als Erfahrung denn als Repräsentation beschreiben.

Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Léonard Pongo
Buch
Léonard Pongo
Kamera
Léonard Pongo
Schnitt
Léonard Pongo, Fairuz Ghammam
Produktion
Marie Logie, Auguste Orts
Co-Produktion
Twenty Nine Studio & Production
Ton
Cédrick Mbongo Mbulu, Léonard Pongo
Sound Design
Laszlo Umbreit
Musik
Bear Bones, Lay Low
Filmvertrieb
Auguste Orts
Nominiert für: Silberne Taube
Filmstill The Red Moon Eclipse

The Red Moon Eclipse

L’éclipse de la lune rouge
Caroline Guimbal
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Belgien
2025
76 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch

Zwei Nachrichten verändern an Weihnachten das Leben von Regisseurin Caroline Guimbal: Ihre Mutter Natalie ist an Krebs erkrankt, und sie selbst ist schwanger. Zwei Jahre lang begleitet sie Natalie und tritt währenddessen in einen Dialog, der sich über verschiedene Ebenen erstreckt. In nahen, behutsamen Aufnahmen filmt Guimbal einerseits die Mutter, lauscht ihren Erinnerungen, dokumentiert ihre Verbundenheit zur Natur und den sukzessiven Verfall durch die Krankheit. Ein anderes Gespräch wird im Voiceover geführt, ein Selbstgespräch, das von erfahrener Brutalität und Missbrauch erzählt: Hier geht es um all die Männer, die die die Mutter geschlagen und ausgenutzt haben und die auch die Kindheits- und Jugenderinnerungen der Tochter prägen, nicht zuletzt die wiederkehrenden Muster ihrer eigenen Beziehungen.
„The Red Moon Eclipse“ ist ein bitter-feinfühliges Porträt, das Bedingung und Simultanität von Ereignissen untersucht. Wie beim Blutmond, der eine totale Sonnenfinsternis beschreibt, bei der Sonne, Mond und Erde auf einer Linie liegen, zieht auch Caroline Guimbal Verbindungen: von Mutter zu Mutter, Tochter zu Mutter, Vergangenheit zu Gegenwart. Am Ende steht die Frage nach der Liebe – nach der wahren, und nach einer, die sich nur als solche ausgibt und meist Schmerz bedeutet.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Caroline Guimbal
Kamera
Caroline Guimbal
Schnitt
Caroline Guimbal
Produktion
Anne-laure Guégan, Géraldine Sprimont
Co-Produktion
Javier Packer-Comyn
Ton
Caroline Guimbal
Sound Design
Mim, Laurent Martin
Key Collaborator
Thomas Schira
Nominiert für: Silberne Taube, FIPRESCI Preis, Preis der Interreligiösen Jury
Ausgezeichnet mit: FIPRESCI Preis
Filmstill We Had Fun Yesterday

We Had Fun Yesterday

We Had Fun Yesterday
Marion Guillard
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Belgien
2024
34 Minuten
Französisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Unerwartet gelingt Marion Guillard die perfekte Aufnahme: Ein Schwarm Vögel fliegt am Abendhimmel Pirouetten, die Kamera folgt den anmutigen Bewegungen wie hypnotisiert, symbiotisch. Bis zu diesem Moment war es ein langer Weg. Guillard lässt teilhaben an einer Reise in die USA, die nicht nur von Gefühlen der Entfremdung gegenüber ihrer Familie geprägt ist – auch die sich vor ihr ausbreitenden Postkartenmotive lassen sie kalt. In einem Voiceover berichtet sie von der Beziehung zu sich und ihrem Körper, von einem Ideal von Weiblichkeit, dem sie nicht entspricht, sowie verstörenden Begegnungen mit Männern.
„We Had Fun Yesterday“ folgt Guillards Gedankenstrom, der zugleich autobiografische Erkundung und Reflexion über den Blick ist, den wir auf andere(s) richten: Tiere – frei lebende und gefangene; Natur – unberührte und von Menschen geformte. Ergebnis ist eine überraschende Verflechtung, in der mentale und digitale Bilder entstehen und wieder zerfallen.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Marion Guillard
Buch
Marion Guillard
Kamera
Marion Guillard
Schnitt
Pauline Piris-Nury, Lenka Fillnerova
Produktion
Cyril Bibas
Co-Produktion
Stefanie Bodien
Ton
Marion Guillard
Sound Design
Maxime Thomas, Sébastien Van Dhelsen, Jeff Levillain