Filmarchiv

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Land (Film Archive)

Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2023
Filmstill The Wind Is Taking Them
Der Wind nimmt die mit Ann Carolin Renninger
Urknall, Bärtierchen, aussterbende Menschen: Darüber macht sich ein kindlicher Forscher auf einem Hof an der Ostsee erstaunliche Gedanken – und steckt uns mit seiner Gegenwartsneugier an.
Filmstill The Wind Is Taking Them
Filmstill The Wind Is Taking Them
Filmstill The Wind Is Taking Them

Der Wind nimmt die mit

Der Wind nimmt die mit
Ann Carolin Renninger
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2023
Dokumentarfilm
Deutschland
2023
25 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Es ist ein Glücksfall, wenn es einem Film gelingt, dem Leben einfach so beim Ablaufen zuzuschauen und uns ganz nebenbei die Wunder in den Ecken des Alltags zu zeigen. Mit großer Gelassenheit und einer spürbaren Freude am Bilder-Suchen und Bilder-Finden nähert sich Ann Carolin Renninger den Menschen und den Dingen.

Rovin wohnt auf einem abgelegenen Hof an der Ostsee und erkundet seine Umgebung mit unstillbarer Neugier. Er interessiert sich für das Universum, Planeten, unbekannte Wesen – und für Bärtierchen, diese klitzekleinen Vielzeller, die aussehen wie Staubsaugerbeutel auf Beinen und echte Überlebenskünstler sind. Ganz anders als die Menschen, betont Rovin, denn die würden sicher irgendwann aussterben. Das betrachtet er als logische Tatsache, keineswegs als Bedrohung. Und wenn man sich auf die körnigen, erdigen Filmbilder und die unaufgeregte Filmerzählung einlässt, fragt man sich irgendwann auch nicht mehr, warum das ein Problem sein könnte. Solange der Wind weiter durch die Bäume streicht und die Bärtierchen verweht, geht schließlich alles seinen Gang. Neben dem bestechend wachen Jungen trifft Renninger auch noch Marie, die alles über Steine weiß, und Christopher, der mit diesen Steinen einen Ort gestaltet. Sie alle sind auf der Suche und finden dabei täglich ein Stück von dem, was sich nicht festhalten lässt: Gegenwart.

Luc-Carolin Ziemann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Ann Carolin Renninger
Kamera
Ann Carolin Renninger, René Frölke
Schnitt
Ann Carolin Renninger
Produktion
Ann Carolin Renninger
-
Zane Zlemesa, Miro Denck
Filmstill The Woman Who Poked the Leopard

The Woman Who Poked the Leopard

The Woman Who Poked the Leopard
Patience Nitumwesiga
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Uganda,
Südafrika,
Deutschland,
USA
2025
107 Minuten
Englisch,
Luganda
Untertitel: 
Englisch

Wenn Stella Nyanzi einen Raum betritt, ist Action angesagt. Die ugandische Feministin, Genderforscherin, Anthropologin und Poetin nimmt bei ihrem Kampf gegen die staatliche Unterdrückung kein Blatt vor dem Mund. Mit einem vulgären Gedicht verhöhnt sie den seit fast 40 Jahren amtierenden Staatschef Yoweri Museveni und kommt dafür 2017 ins Gefängnis. Nach ihrer Freilassung kandidiert Nyanzi für das Parlament, ohne das nötige Geld für eine Wahlkampagne zu haben. Mit ihren Kindern druckt und verteilt sie Plakate und Flugblätter in den Slums von Kampala. Die Tochter schminkt und frisiert ihre Mutter für öffentliche Auftritte. Manchmal wünschen sich die fast erwachsenen Kinder mehr Zeit für sich selbst. Wiederholt sieht sich die Familie mit Polizeigewalt konfrontiert und emigriert schließlich nach Deutschland.
Mit einer beweglichen Handkamera übernimmt der Film die Power seiner Protagonistin, sein Rhythmus entspricht ihren wütenden Texten. Es entsteht das Porträt einer Frau, die Radikalität und Provokation zu ihrer Lebensform erklärt. Man kommt einer Aktivistin näher, die sich und ihre nächste Umgebung permanent überfordert. Dennoch kann man sich der Energie von Stella Nyanzi kaum entziehen.

Anke Leweke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Patience Nitumwesiga
Kamera
Racheal Mambo, Phil Wilmot
Schnitt
Kristen van Schie
Produktion
Rosie Motene, Phil Wilmot, Patience Nitumwesiga
Co-Produktion
Natalia Imaz, Menzi Mhlongo
Ton
Penelope Najuna, Carla Walsh
Sound Design
Sean Peevers
Musik
Sylvia Babirye
Key Collaborator
Shua Wilmot
Nominiert für: DEFA Förderpreis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Ausgezeichnet mit: DEFA Förderpreis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Filmstill Smoke over Schwarze Pumpe
Weißer Rauch über Schwarze Pumpe Martin Gressmann
1991 wird das Energiezentrum Schwarze Pumpe in der Lausitz abgewickelt. Zehntausende sind arbeitslos, hoffen auf bessere Zeiten. Heute kommen Dreck und Gefühle von damals immer wieder hoch.
Filmstill Smoke over Schwarze Pumpe

Weißer Rauch über Schwarze Pumpe

Weißer Rauch über Schwarze Pumpe
Martin Gressmann
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Deutschland
2025
89 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Die alten Aufnahmen riechen nach Phenol und Braunkohlestaub. Zwei Dokumentaristen waren im Frühjahr 1991 im ehemaligen Energiedreieck der DDR um die Orte Spremberg, Hoyerswerda und Schwarze Pumpe unterwegs. Sie forderten inmitten der Verzweiflung und Resignation Analysen. Die vor der Entlassung Stehenden antworteten: „Wenn keine Arbeit da ist, ist keine da.“ Oder einfacher: „Bums, raus, ab, Schluss.“ Dreißig Jahre später sind Martin Gressmann und die Dokumentaristen von 1991 noch nicht fertig mit den Brüchen und offenen Wunden der Industrie-Abwicklungen direkt nach der Wende.
Der Abgleich der Historie – voller trüber Luft und Menschen, die sich vor der Kamera verstecken – mit der scheinbar beruhigten Gegenwart ist nicht Make-over-tauglich; die Braunkohlefolgelandschaften sind noch nicht hübsch, die Spree ist nur halbwegs geklärt, das Kraftwerk gehört immer noch zu den europäischen Hauptverursachern von CO2-Emissionen. Oft muss man zweimal hinschauen, um zu verstehen, dass man in den Bildern einen wesentlichen Zeitsprung gemacht hat. Der Dreck und die Energie von damals kommen immer wieder hoch, die Lausitz „dient und arbeitet“ weiterhin im „Unterbewusstsein der entfernten Hauptstadt“. Eigenwillige Texte und gewagte dokumentarische Manöver ergeben ein ambivalentes Gemisch von Oberflächen und Tiefenschichten, Verschleiß und Reparatur einer Industrielandschaft.

Jan Künemund

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Martin Gressmann
Kamera
Peter Badel, Dieter Chill, Martin Gressmann, Anja Simon
Schnitt
Stefan Oliveira-Pita
Produktion
Peter Badel, Martin Gressmann
Ton
Christine Wiegand
Sound Design
Rainer Gerlach
Musik
Matthias Rauhe
Nominiert für: Gedanken-Aufschluss-Preis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness