Filmarchiv

Land (Film Archive)

Camera Lucida 2025
Filmstill Bulle Ogier, portrait d’une étoile cachée
Bulle Ogier, Portrait of a Hidden Star Eugénie Grandval
Leben und Werk der französischen Schauspielerin und Ikone Bulle Ogier, erzählt von cinephilen Zeitgenoss*innen und in trefflichen Filmausschnitten, die Lust machen auf mehr.
Filmstill Bulle Ogier, portrait d’une étoile cachée

Bulle Ogier, Portrait of a Hidden Star

Bulle Ogier, portrait d’une étoile cachée
Eugénie Grandval
Camera Lucida 2025
Dokumentarfilm
Frankreich
2024
71 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch

„Eine neue Art von Schauspieler“ sah der französische Philosoph Gilles Deleuze in den Filmen der Nouvelle Vague, professionelle Nicht-Darsteller*innen, die keine Dialoge herunterbeten, sondern als Medium für unsere Wahrnehmung fungieren. Er hatte vor allem zwei von ihnen im Sinn, nämlich Jean-Pierre Léaud und sie, Bulle Ogier. Die Französin wirkte in mehr als 50 Jahren an beinahe 100 Filmen mit. Doch die Meisterwerke, an denen sie beteiligt war, wurden von ihren Zeitgenoss*innen oft nicht als Meisterwerke gewürdigt, sondern, wie der Kritiker Philippe Azoury es formuliert, für Kinderspiele gehalten.
Das macht dieses cinephile Biogramm, das neben wenigen Gesprächen hauptsächlich aus Archivmaterial und zahlreichen klug gewählten und montierten Filmausschnitten besteht, so besonders: Eugénie Grandval erinnert mit ihrem Porträt an eine Zeit, als das Kino seine Fesseln sprengte und alles möglich schien. In Rollen, die sich nie wiederholten und die einander dennoch mit verblüffender Konsequenz folgten, wurde Bulle Ogier nicht nur zur Ikone jener Jahre, sondern quasi zur Co-Autorin der Regisseur*innen, mit denen sie arbeitete, ob diese Barbet Schroeder hießen, Rainer Werner Fassbinder, Marguerite Duras oder Jacques Rivette. Selten machte ein Film über Film so viel Lust auf Wiederentdeckung.

Christoph Terhechte

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Eugénie Grandval
Kamera
Pierre-Hubert Martin
Schnitt
Grégoire Pontécaille
Produktion
Sophie Faudel
Co-Produktion
Régine Vial, Sophie de Hijes, Thomas Arbez
Ton
Benjamin Haim
Sound Design
Baptiste Amigorena
Camera Lucida 2025
Filmstill Time to Land
Time to Land Raphaël Girardot, Vincent Gaullier
Als Philosoph hat Bruno Latour nicht nur Denkräume geöffnet, es waren ganze Häuser. Wie integriert man seine Ideen, Visionen und Konzepte in den Alltag, fern von Wissenschaft und Philosophie?
Filmstill Time to Land

Time to Land

Il est temps d’atterrir
Raphaël Girardot, Vincent Gaullier
Camera Lucida 2025
Dokumentarfilm
Frankreich
2025
91 Minuten
Französisch,
Wolof,
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Als Philosoph hat der Franzose Bruno Latour (1947–2022) nicht nur Denkräume geöffnet, es waren ganze Häuser. Als Anthropologe und Soziologe wurde er zum international geachteten Kämpfer für das Verschieben von Paradigmen, verbunden mit dem Ziel, das menschliche Individuum möge seinen Platz im Kreislauf der Natur neu definieren. Latour prägte den Begriff der „ökologischen Klasse“, die es auf dem Planeten Erde zu erschaffen gilt, um sich grundlegender Optionen für das Handeln in Krisen bewusst zu werden. Doch: Wie reagieren wir im Alltag, fern von Wissenschaft und Philosophie, auf seine Fragen, Visionen und Konzepte? Erreichen sie uns? Regen sie Debatten an, wenn wir ihnen begegnen?
Raphaël Girardot und Vincent Gaullier haben in Frankreich, in Belgien und im Senegal Menschen gefunden, die beim Beobachten, Beschreiben und Verändern von Zuständen eigene Wege beschreiten wollen oder es in Gemeinschaft schon tun – auf Äckern und in Wäldern, beim Fischen und Demonstrieren, als Autonome und in gängigen Strukturen. Einige davon konfrontieren die Regisseure mit Latours Schriften, stoßen Gedanken und Gespräche an und lassen Bruno Latour selbst mit kurzen Interviewsequenzen via Internet durch die Episoden führen. Dabei zeigt er sich, zunehmend gezeichnet von seiner Krebserkrankung, als präziser Analyst mit Verve, Humor und klaren Statements.

Andreas Körner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Raphaël Girardot, Vincent Gaullier
Kamera
Raphaël Girardot
Schnitt
Raphaël Girardot, Camille Lotteau
Produktion
Vincent Gaullier
Co-Produktion
Emmanuelle Jacq, Claire Lissalde
Ton
Vincent Gaullier
Sound Design
Thomas Robert, Raphaël Girardot