Filmarchiv

Filmstill Far from the Light of Day

Far from the Light of Day

Rahok me’oro shel yom
Yotam Ben-David
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Frankreich
2025
27 Minuten
Hebräisch
Untertitel: 
Englisch

Wo die beiden Männer sind, ist zunächst nicht zu sehen. Wir hören nur einen von ihnen im Voiceover hebräisch sprechen. Der Israeli findet keinen Schlaf, während sein palästinensischer Freund neben ihm im Bett von quälenden Albträumen hin und her geworfen wird. Nachts kommt alles hoch. Dieses Zuhause, wo sich der Hund zwischen die beiden kuschelt, liegt in Paris, erklärt der Sprecher. Aber er streift das nur nebenbei. Sein Sprechen ist vielmehr der Versuch, die politische Lage in der Heimat verständlich zu machen, einen Krieg, eine so schreckliche, andauernde Katastrophe, dass sie sich im Grunde unmöglich beschreiben lässt. Jeder Versuch dieser Art muss wohl scheitern. Aber was sonst kann man tun?
Der Sprecher weiß sich eloquent ausdrücken, seine Worte wirbeln und drehen sich um sich selbst, erzählen von Gräueln, Protesten, Diskriminierung, aber auch von Familie, Intimität, freudvollen Erinnerungen. Wie die Worte falten sich auch die Bilder ineinander, schweifen durch die dunkle Wohnung, manchmal sogar nach draußen, zu Metrostationen, vagen Landschaften, eingeschneiten Straßen. Lichtkontraste schaffen Perspektiven, obwohl Dunkelheit herrscht. Trotz allem wird vom nächsten Morgen gesprochen, von Neuanfängen, seien sie auch noch so unfassbar weit weg. Zärtlich fällt der Blick auf das Bett im Tageslicht und den Mann, der darin aufwacht. Woran sonst kann man sich noch festhalten?

James Lattimer

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Yotam Ben-David
Buch
Yotam Ben-David
Kamera
Yotam Ben-David
Schnitt
Yotam Ben-David
Produktion
Yotam Ben-David
Filmstill L’mina

L’mina

L’mina
Randa Maroufi
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Frankreich,
Marokko,
Italien,
Katar
2025
26 Minuten
Arabisch
Untertitel: 
Englisch

Unwirklich mutet die Landschaft an, die Randa Maroufi im finalen Teil ihrer Trilogie über marokkanische Städte präsentiert. Es handelt sich um Jerada, wo einst eine Kohlenmine zahlreiche Arbeiter in die Region lockte. Und obschon das Bergwerk bereits 2001 schloss, findet der Abbau noch immer statt – heimlich und unter gefährlichen Umständen. Maroufi verflicht Super8-Aufnahmen der Kumpel und ihrer Familien mit 3D-Scans des Areals. Am eindrucksvollsten aber ist ihre Reinszenierung der Abläufe und Bedrohungen mit den in Jerada Tätigen selbst: In langen Einstellungen, sowohl über als auch unter der Erde, wird ein Malochen sichtbar, physisch, ausdauernd, ausgeführt mit den einfachsten Mitteln. Hände mit Schaufeln befüllen Kohlesäcke und laden sie auf ein umgebautes Motorrad, einige Meter darunter kriechen Männer durch engste Gänge, die jederzeit einzustürzen drohen. Gemeinsam mit einer ausgeklügelten Soundkulisse beschwört „L’mina“ einen fast surrealen Ort herauf. Gleichzeitig gemahnen dokumentarische Bilder daran, dass die Minengegend kein begehbares Diorama ist, sondern Realität. In ihrer Widmung zum Schluss formuliert Maroufi mit Nachdruck: „Für all jene, die im Schatten leben, um uns zu erleuchten“.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Randa Maroufi
Buch
Randa Maroufi
Kamera
Luca Coassin CCS
Schnitt
Céline Perréard, Randa Maroufi
Produktion
Randa Maroufi, Oumayma Zekri Ajarrai
Co-Produktion
Oumayma Zekri Ajarrai
Ton
Sara Kaddouri, Toni Geitani, Randa Maroufi
Filmvertrieb
Wouter Jansen