Filmarchiv

Filmstill Hurikán

Hurikán

Hurikán
Jan Saska
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Tschechische Republik,
Slowakei,
Frankreich,
Bosnien und Herzegowina
2024
13 Minuten
Tschechisch
Untertitel: 
Englisch

Das Bier ist alle in Prag … also eigentlich nur an einem Imbissstand abseits der touristischen Altstadt. Aber das Röcheln des Zapfhahns ist deswegen nicht weniger dramatisch für Hurikán, einen Dauerkunden, der seinen Tag und viel von der Nacht an diesen Treffpunkten der verlorenen Seelen verbringt. Verknallt in die Budenbetreiberin, nimmt Hurikán die Sache in die Hand. Sie kommt ins Rollen, genau wie das leere Fass, das er befüllen lassen will. Ein abenteuerlicher Parcours nimmt seinen Lauf. Er beginnt mit kleinen spöttischen Gesten und weitet sich schnell zu einer rasanten Jagd in den dösenden, aber steilen Seitenstraßen des Prager Stadtviertels Žižkov aus.
Jan Saska verwebt mit großartigem Timing und Augenzwinkern Genretypisches aus Comic und Actionkino. Und mittendrin ein Typ, dem das Leben nicht leichtfällt. Hier muss ihm das Glück helfen, um nicht zu verdursten.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jan Saska
Buch
Jan Saska, Václav Hašek
Schnitt
Jan Saska
Produktion
Kamila Dohnalová, Martin Vandas
Co-Produktion
Antoine Lietout, Ivan Zuber, Juraj Krasnohorsky, Mladen Đukić, Alena Vandasová
Sound Design
Jiří Gráf
Animation
Marek Pokorný, Michaela Večerková, Jan Saska, Camille Chao, Hugo de Faucompret, David Štumpf, Jean-Christophe Lie, Félicia Gillibert, Delphine Grelet
Filmvertrieb
Luce Grosjean
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Camera Lucida 2024
Filmstill Lapilli
Lapilli Paula Ďurinová
Nach dem Tod ihrer Großeltern findet die Regisseurin in surrealen Gesteins- und Landschaftsformationen einen Ausdruck für ihre Trauer. Eine assoziative, freischwebende Begehung.  
Filmstill Lapilli

Lapilli

Lapilli
Paula Ďurinová
Camera Lucida 2024
Dokumentarfilm
Slowakei,
Deutschland
2024
65 Minuten
Slowakisch
Untertitel: 
Englisch

Surreale Formationen, Stalaktiten, von Wasser geformtes Gestein und giftiges Blubbern. Wie eine Traumlandschaft muten die Bilder an, die für Paula Ďurinová zu einer Begehung der eigenen Seele werden. Trauer spielt eine tragende Rolle – die Großeltern Ďurinovás verstarben beide im Zuge der Covid-Pandemie. Sie sucht nach ihnen, zwischen all den Gasen und Dämpfen, taucht durch ein Gewässer, das so nicht mehr existiert, aber in dessen kühle Frische ihr Großvater einst seine Füße tauchte und das sie mit ihrer Großmutter früher durchschwamm.
„Lapilli“ vermittelt sich assoziativ und abstrakt. Gleichzeitig haben die von Ďurinová geborgenen Mineralien etwas sehr Konkretes: zusammengepresst, gestaucht oder gebrochen, scharfkantig, verätzt oder sanft geschliffen. Dabei vergleicht sich die Regisseurin einmal selbst mit einem Stein, losgelöst von seinem Felsen, fragend und orientierungslos umhertreibend: „Ich fühle keinen Halt mehr.“ Dass im Schmerz und Ausgeliefertsein größerer Kräfte liegen können, aber auch eine ganz eigene Poesie und Schönheit, daran lässt „Lapilli“ keinen Zweifel. Im Zusammenspiel mit einer organisch-experimentellen Klangfläche eröffnet sich eine intime, gleichsam universale Erfahrung.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Paula Ďurinová
Buch
Paula Ďurinová, Dane Komljen, Tamara Antonijević
Kamera
Paula Ďurinová
Schnitt
Paula Ďurinová, Deniz Şimşek
Produktion
Matej Sotník, Viera Čákanyová
Co-Produktion
Paula Ďurinová
Ton
Paula Ďurinová
Sound Design
Agnese Menguzzato, Paula Ďurinová
Musik
Petra Hermanova
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Filmstill The Other One

The Other One

Ta druhá
Marie-Magdalena Kochová
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2024
Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Slowakei
2024
87 Minuten
Tschechisch
Untertitel: 
Englisch

Der Moment, da aus Kindern Erwachsene werden, ist so flüchtig, dass er sich kaum in Worte fassen lässt. Unterhalb des Wahrnehmbaren verschieben sich in der menschlichen Psyche tektonische Platten. Der im Stillen vollzogene Wandel tritt plötzlich wie ein Knall zutage. In ihrem Dokumentarfilmdebüt gelingt es Marie-Magdalena Kochová, diesen flüchtigen Moment einzufangen. Sie dokumentiert das Leben der 18-jährigen Johana, die mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in einer kleinen Stadt in Tschechien zu Hause ist.
Die Schwester hat Autismus. Ihr Gesundheitszustand ist kritisch und unberechenbar. Ihre hysterischen Anfälle und Wutausbrüche bestimmen den Alltag der ganzen Familie. Sämtliche Zeitpläne sind aufeinander abgestimmt, damit immer jemand bei der Jüngsten bleibt. Doch die eingeübte Routine gerät in Gefahr, als Johana beschließt, sich nach dem Schulabschluss für ein Psychologiestudium an der Universität zu bewerben. Das bedeutet, dass sie bald in eine andere Stadt ziehen muss und die ganze Belastung bei den Eltern liegt. Kochová zeigt uns eine Übergangszeit in Erwartung gewaltiger Umbrüche, die allen Beteiligten festes Vertrauen in die eigenen Entscheidungen abverlangt. Die mentale Anspannung ist mit Händen zu greifen, doch die Kamera wahrt ausgleichende Distanz. Schritt für Schritt entfaltet sich die Schönheit eines herausgeforderten Lebens, in dem der Mut zum Maß aller Dinge wird.

Vika Leshchenko

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Marie-Magdalena Kochová
Buch
Marie-Magdalena Kochová
Kamera
Ludvík Otevřel, Kristina Kůlová, Marie-Magdalena Kochová
Schnitt
Simona Donovalová
Produktion
Vít Poláček, Petr Kubica, Aleš Hudský, Barbora Drtílková
Co-Produktion
Matej Sotník, Veronika Slámová, Tomáš Šimon, Lenka Medová
Ton
Alexandra Strapková
Musik
Jonatán Pastirčák
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Ausgezeichnet mit: MDR-Filmpreis
Filmstill Wishing on a Star

Wishing on a Star

Wishing on a Star
Peter Kerekes
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Italien,
Slowakei,
Tschechische Republik,
Österreich,
Kroatien
2024
99 Minuten
Italienisch
Untertitel: 
Englisch

Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. So streitet sich ein eineiiges Zwillingspaar darüber, ob die eine Schwester der anderen die Sehnsucht nach einem Kind erfüllen soll, während sich eine unglückliche Mutter nach einem Aufglimmen ihrer Partnerschaft verzehrt.
Luciana schickt die Zwillinge nach Beirut, die Mutter nach Alaska. Kerekes begleitet die jeweils auf Heilsreise Entsandten, auch wenn aus Alaska zwecks Praktikabilität eine Klimaanlage und einige Kübel Eiswürfel werden. Stets arbeitet er das komische Potenzial einer Geschichte heraus und weist darin gleichsam und mit erstaunlicher Prägnanz auf komplizierte Konflikte hin: besitzergreifende Mutterfiguren und abwesende Väter, Einsamkeit in der eigenen Beziehung und die Angst davor, sich zu verändern. „Wishing on a Star“ ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Peter Kerekes
Buch
Peter Kerekes, Erica Barbiani
Kamera
Martin Kollar
Schnitt
Marek Sulik
Produktion
Erica Barbiani, Lucia Candelpergher
Co-Produktion
Peter Kerekes, Anna Mach Rumanová, Ralph Wieser, Vit Schmarc, Vanja Jambrovic, Tibor Keser
Ton
Michal Gábor
Musik
Lucia Chuťková
Filmvertrieb
Rūta Švedkauskaitė