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Jahr

Filmstill BAEA

BAEA

BAEA
Terra Long
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Kanada,
UK,
USA
2025
18 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine

Winter an der Pazifikküste in Kanada – eine schwierige Jahreszeit für die Tierpfleger*innen der Wildtierauffangstation in Comox, British Columbia: Es ist Jagdsaison. Trotz massiver Kritik von Tierschutzorganisationen verwenden Jäger*innen nach wie vor Bleimunition. Für die BAEA – so der offiziell in Nord- und Mittelamerika benutzte Alpha-4-Code für Weißkopfseeadler – ist sie auf besondere Weise lebensbedrohlich. Denn die Greifvögel ernähren sich von liegen gelassenen Tierkadavern. Die Überlebenschancen nach einer Bleivergiftung sind gering. Auch die Behandlung ist für die Adler eine schwere Belastung. Mit großer Geduld und liebevoller Zuwendung versuchen die Pfleger*innen, ihre Schützlinge vor dem Tod zu bewahren.
In behutsamen Bildern und respektvoll gegenüber den leidenden Vögeln begleitet Filmemacherin Terra Long den Alltag auf der Station und kontrastiert diesen mit Aufnahmen der – nur scheinbar – von Menschen unberührten Natur. Letztlich stellen sich in diesem Refugium ethische Grundsatzfragen: Wie können Wildtiere von ebenjenen Menschen versorgt und gleichzeitig ihre Würde und Wildheit erhalten werden? Und: Hat die aufwändige Behandlung überhaupt einen Nutzen angesichts der geringen Aussichten auf Veränderung der Jagdgesetze?

Annina Wettstein

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Terra Long
Kamera
Terra Long
Schnitt
Terra Long
Produktion
Heidi Fleisher, Mike Paterson
Ton
Colin Whitman
Musik
Kaija Siirala
Funding institution
Sandbox Films
Filmstill It Must Be Because I Decided to Leave

It Must Be Because I Decided to Leave

Yi ding shi yin wei wo yao li kai
Zhuoyun Chen
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
USA
2025
19 Minuten
Chinesisch
Untertitel: 
Englisch

Die Grenzen zwischen Traum, Erinnerung, Kino und verschiedenen Teilen des Selbst lösen sich in diesem neuen Kurzfilm der in Los Angeles lebenden chinesischen Künstlerin Zhuoyun Chen auf hinreißende Weise auf. Wie benommen pendelt „It Must Be Because I Decided to Leave“ zwischen Tagebuch, Autofiktion und freier Assoziation, steckt voller halb erinnerter Gespräche, ansteckend surrealer Bilder und dem Wunsch der Erzählerin, in all dem einen Sinn zu finden, was ihr freilich nie ganz gelingt. Es wimmelt von traumartigen Motiven aller Art: Steine werden von Händen umschlossen oder verschmelzen mit Gesichtern, Bildschirme erscheinen in Fensterscheiben oder Scheinwerfern, ein glänzender roter Sportwagen dreht sich in der kalifornischen Wüste, eine schemenhafte Gestalt betritt eine Höhle, ein Hund paddelt rückwärts aus einem Pool, seine krabbelnden Gliedmaßen dargestellt in eleganten Überblendungen. Die Erzählerin lässt ihre Gedanken über Begehren, Familie und Entwurzelung kreisen. Sie erwähnt jede Menge „Dus“ und „Ichs“, die aber ebenso gut ein und dieselbe Person sein könnten. Falls es stimmt, dass „wir Landschaften in uns tragen“, dann lernen wir sie auf dieser Reise kennen.

James Lattimer

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Regie
Zhuoyun Chen
Buch
Zhuoyun Chen
Kamera
Luca Cioci
Schnitt
Zhuoyun Chen
Produktion
Zhuoyun Chen
Ton
Zhuoyun Chen, Paul Mason
Sound Design
Zhuoyun Chen
Musik
Keju Luo
Sprecher*in
Siru Wen
Filmstill Morichales

Morichales

Morichales
Chris Gude
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
USA,
Kolumbien
2024
83 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch

Im bewusst gesetzten Duktus eines altmodischen Feldberichts schildert ein fiktiver Forschungsreisender seine vom Goldabbau in Venezuela gewonnenen Eindrücke. Entlang des Orinoco führt ihn seine Mission von entlegenen Minen im Dschungel zu Industriegebieten. Sein Fokus gilt den Arbeitern und ihrem Lebensraum. Die titelgebende Moriche-Palme, eine am Flusslauf wachsende Speise- und Nutzpflanze, steht exemplarisch für die Beziehung der Menschen zur Natur und ihren Umgang mit Rohstoffen. Paradoxerweise leben die Goldgräber im Einklang mit Mutter Erde als Ernährerin und Heilerin, sind aber gleichzeitig ihre Zerstörer. Wie an so vielen Orten der Welt hängt ihr existenzielles Überleben von einem vom Kolonialismus geerbten Wirtschaftssystem ab. Das rasante Tempo des Kapitalismus steht dabei im eklatanten Widerspruch zur beschwerlichen Extraktion des Goldstaubes, der nur durch langsame Erosionsprozesse entstanden ist.
Genauso wie sich der Erzähler den Fluss entlangtreiben lässt und über verschiedene Zusammenhänge meditiert, arbeiten sich auch die Bilder durch die Schichten der komplexen Materie. Die immersive poetische Reise wechselt zwischen beobachtenden Bolex-Aufnahmen, handgezeichneten Illustrationen und abstrakten Visualisierungen fotochemischer Reaktionen. Von einem präsenten und elaborierten Sounddesign begleitet, funkelt der Glanz des Goldes buchstäblich von der Leinwand.

Annina Wettstein

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Chris Gude
Buch
Chris Gude
Kamera
Chris Gude
Schnitt
Felipe Guerrero, Chris Gude
Produktion
Chris Gude, Felipe Guerrero, Maite Bermúdez, Adriana Agudelo
Sound Design
Felipe Guerrero, Chris Gude
Musik
Maximilian Gude
Filmvertrieb
Michaela Čajková
Sprecher*in
Jorge Gaviria
Nominiert für: Preis der Interreligiösen Jury, FIPRESCI Preis, Silberne Taube
Filmstill What Goes Up

What Goes Up

What Goes Up
Samar Al Summary
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Saudi-Arabien,
USA
2024
29 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Die Flugzeuge stehen still, nichts bewegt sich, nichts hebt ab auf dem US-Militärflugplatz in Arizona – bis eine junge Frau im weißen Kleid auf der Außenseite des Zauns beim idyllischen Sonnenuntergang auf einem Trampolin zu hüpfen beginnt. Aus dem stillen Off – nur durch Untertitel – vermittelt sie ihre Geschichte. Sie kommt aus Saudi-Arabien und steckt in den USA fest, weil ihr Vater ihre Ausweispapiere gestohlen hat. Das Heimweh ist so groß, dass sie drastische Maßnahmen erwägt, um wieder nach Hause zu kommen – fast lässt sie sich anmustern. Doch das US-Militär ist misstrauisch und würde sie, den Risikofaktor, nicht einmal in der Nähe des Mittleren Ostens stationieren. Aber Bagdad gibt es auch in Arizona …
Die Arbeit der Künstlerin Samar Al Summary ist eine Auseinandersetzung mit Systemen der Macht. Sie erzählt nicht nur von sich selbst, den Vorurteilen und Hindernissen, mit welchen sie als saudische Frau konfrontiert wird, sondern auch vom Absturz zweier irakischer Militärpiloten, die bei der United States Air Force ausgebildet werden sollten, aber auch nicht mehr nach Hause kommen. In ihrem dramaturgisch verdichteten Filmessay nimmt sie symbolisch den Kampf auf – sowohl gegen die Schwerkraft, die sie mit filmischen Mitteln zumindest für ein paar Momente besiegen kann, als auch gegen das Patriarchat. Das wiederum lässt sich nicht so einfach bekämpfen.

Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Samar Al Summary
Kamera
Samar Al Summary
Produktion
Samar Al Summary
Nominiert für: Silberne Taube
Ausgezeichnet mit: Silberne Taube Kurzfilm (Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm)