Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Deutscher Wettbewerb
Ferne Söhne Andres Rump

Minderjährige Flüchtlinge in Deutschland: Geschichten von Krieg, Flucht, Ankommen und Alltag in poetischen, genau kadrierten Schwarz-Weiß-Bildern, die unseren Blick neu ausrichten.

Ferne Söhne

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
88 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Andres Rump Dokumentarfilm
Andres Rump
Andres Rump
Andres Rump
Andres Rump
Erik Wittbusch, Andres Rump, Ernst Wawra
„Ferne Söhne“ ist auf den ersten Blick ein sehr poetischer Titel für einen Film, der sich mit der Situation minderjähriger Flüchtlinge beschäftigt. Oder will der Regisseur damit einen Hinweis auf seine erzählerische Entscheidung geben, keine vordergründige Nähe zu den Protagonisten zu suchen, sondern auf eine gewisse Distanz zu setzen? Anders gesagt: Zwischen die Berichte der Jugendlichen und den Zuschauer schiebt er eine völlig eigenständige visuelle Ebene. Der Film ist in Schwarz-Weiß gedreht, arbeitet mit langen, genauestens kadrierten Einstellungen und verzichtet fast vollständig auf Originalton. Die Flüchtlinge sprechen aus dem Off zu uns.

Die Gründe ihrer Flucht spiegeln das ganze Elend der globalen Ungleichzeitigkeit wider: Blutrache, Kindersoldaten, Taliban, Bürgerkrieg … Dazu sehen wir Szenen aus ihrem Alltag: Sory aus Mali lernt für die Schule, Mahruf aus Afghanistan hat einen Job als Zeitungsjunge, Biran aus Gambia hockt so verloren auf seinem Bett, als sei er noch gar nicht angekommen. Während wir den verschiedenen Erzählungen in ihren Sprachen Dari oder Fula folgen, geschieht etwas Erstaunliches. Sie verdichten sich zu einer einzigen Stimme, die das grundsätzlichste aller Menschenrechte beschwört: sich ein eigenes, selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Matthias Heeder


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, Young Eyes Film Award

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Furusato Thorsten Trimpop

Radioaktivität ist unsichtbar – und doch um Fukushima allgegenwärtig. Ein Aktivist auf verlorenem Posten, ein Tepco-Ingenieur und eine junge Pferdezüchterin zwischen Normalität und Erschütterung.

Furusato

Dokumentarfilm
Deutschland,
USA
2016
94 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Tobias Büchner
Thorsten Trimpop
Benedikt Schiefer
Thorsten Trimpop
Stefan Oliveira-Pita, Daniel Mooney
Thorsten Trimpop
Björn Wiese
Radioaktivität ist unsichtbar. Und doch findet sich im Umkreis von Fukushima überall ein feiner schwarzer Staub, der den Geigerzähler hochtreibt. Männer in weißen Ganzkörperanzügen durchforsten die Landschaft, um ihn akribisch von den Straßenrändern zu kratzen und in kleine Tüten zu füllen. Passanten bleiben verunsichert stehen. Sie hatten gehofft, wieder an ihr früheres Leben anknüpfen zu können. In den Ort Minamisōma kommen peu à peu nicht nur die Vögel zurück, sondern auch die Menschen. Doch der Reaktorunfall zieht sich als Bruch durch Biografien und Traditionen, trennt die Alten, die für sich selbst weniger fürchten als für ihre Kinder, von der kommenden Generation. Für alle, die heimkehren, stellt sich täglich die Frage nach dem Preis, den sie dafür zahlen. Doch während am Wegesrand die Tiere verenden, sickert in viele Menschen bereits wieder eine neue (alte) Ideologie ein, die Heimat über Sicherheit stellt.

Aus der Perspektive einer uralten Kulturlandschaft entfaltet „Furusato“ in monumentalen Bildern das Panorama eines Ortes, in dem Jahre nach dem Unfall Normalität und Erschütterung einander bekriegen. Protagonisten sind unter anderem ein Aktivist, der einen öffentlichen Kinderlauf verhindern will, eine junge stolze Pferdezüchterin, die entschlossen ist, die Familientradition fortzuführen, und ein ehemaliger Tepco-Sicherheitsingenieur. Sie alle verbindet eins: der menschliche Faktor.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb 2016;
Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2016

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Deutscher Wettbewerb
Happy Carolin Genreith

Echt peinlich, wenn die Zukünftige des eigenen Vaters nicht älter als man selbst und Thailänderin ist. Culture-Clash-Komödie über Liebe, Geld und Glück. Urkomisch, mutig und berührend.

Happy

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
85 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Erik Winker, Martin Roelly
Carolin Genreith
Fabian Saul, Raffael Triebel
Philipp Baben der Erde
Stefanie Kosik
Carolin Genreith
Michael Geck
Wenn der fast pensionierte Vater regelmäßig nach Thailand fliegt und dort die Gesellschaft von Frauen im Alter seiner Tochter genießt, dann ist das für letztere verständlicherweise äußerst peinlich. Doch nun wird es ernst: Seit drei Jahren ist Dieter fest mit Tukta liiert, die den Eigenbrötler und passionierten Hobby-Landwirt jeden Morgen mit einem Fernanruf weckt. Die Hochzeit steht bevor. Ist das Liebe, wie Dieter sich einredet? Oder doch eher „Viehhandel“, wie ihm Tochter Carolin, die Regisseurin, vorwirft? Mutig stellt sie sich nicht nur den unerfüllten Sehnsüchten ihres Vaters und seiner Angst vor Einsamkeit im Alter, sondern auch ihren eigenen ambivalenten Gefühlen.

Wie ihre Mutter nach der Scheidung ihr Glück fand, erzählte ihr Debütfilm „Die mit dem Bauch tanzen“. Die Glückssuche des Vaters als „Sextourist“ ist da eine ganz andere persönliche Herausforderung. Umso erstaunlicher, mit welcher Leichtigkeit und Farbigkeit sie das Vater-Tochter-Duell gestaltet. Beide sind starke Charaktere. Das wird bereits deutlich, wenn sie beim Wäschezusammenlegen gemeinsam am Bettlaken zerren. Doch was sie in der heimatlichen Provinz verbindet, muss in Thailand erst noch auf die Probe gestellt werden. Carolin findet sich dort unversehens als Mitglied einer neuen Familie wieder, während Dieter mit einem vollkommen anderen Konzept von Liebe konfrontiert wird.

Lars Meyer


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Hundesoldaten Lena Leonhardt

Beobachtungen in einem Trainingscamp für Diensthunde und deren Führer. Das Ziel: Symbiose. Der Weg: Dressur und Drill. Ein essayistischer Blick auf den Sinn des Soldatischen.

Hundesoldaten

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
69 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Peter Kuczinski
Lena Leonhardt
John Gürtler, Jan Miserre, Lars Voges
Sebastian Bäumler
Timm Kröger
Lena Leonhardt
Alexander Rubin, Christoph Schilling, Simon Peter, Udo Steinhauser
Irgendwo, tief in den deutschen Wäldern, ereignen sich seltsame Dinge: Da gehen junge Soldaten mit stattlichen Hunden an kurzer Leine Gassi. Innerhalb eines Jahres werden die Rekruten zu Diensthundeführern ausgebildet. In dieser Zeit sollen Mensch und Tier lernen, dass sie einander wechselseitig bedürfen, um das zu werden, was sie sind oder demnächst sein sollen: nicht nur eine funktionierende Verbindung, sondern eigentlich eine Symbiose.

Nach und nach wird aus dem spielerischen Umgang zwischen Mensch und Tier zielgerichtete Dressur und knallharter Drill. Selbst eben noch ganz unscharfe Szenarien rücken immer näher an einen möglichen Ernstfall. Eine Realität, die ein anderer längst kennt: Zur gleichen Zeit im gleichen Trainingscamp soll ein traumatisierter Kosovo-Veteran mithilfe eines neuen Therapiehundeprogramms resozialisiert werden. So wird der Film von Lena Leonhardt zunehmend auch eine gleichermaßen konzentrierte wie weitausholende Erzählung über den Sinn des Soldatischen. Und auch über die Zweifel am Sinn dieses Sinns.

Ralph Eue


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Kokolampy

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
83 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Marcelo Busse
Hajo Schomerus
Hajo Schomerus
Sandra Brandl, Rudi Heinen
Hajo Schomerus
Shinya Kitamura, Ralf Weber, Marcelo Busse
Es beginnt ganz harmlos mit den Erinnerungen des Filmemachers an den Großonkel Menko, der sich viele Jahre in Madagaskar aufhielt und betörende Geschichten von Mythen, Zauberern und Krokodilgeistern zu erzählen wusste. Das Kurioseste aber war ein Elefantenvogelei, das er mitbrachte und das verschwunden ist. Es ist Anlass einer aufwändigen Recherche rund um den Globus, hinein in die Keller und Depots von Auktionshäusern, Archiven und Naturaliensammlungen.

Hajo Schomerus wird von diesen äußerlich unspektakulären Orten geradezu magisch angezogen. Sie sind Gedächtnis und Geheimnis zugleich, verleiten zum Sinnieren und Spekulieren. Auf diesem schmalen Grat zwischen Krimi und Konstruktion wandelt der Film, sich dabei vortastend in Grauzonen wie Biopiraterie und Diamantenschmuggel. Fakt bleibt: Madagaskar ist eine sehr besondere Insel mit vielen Pflanzen und Tieren, die nur dort vorkommen. Wie naiv, fahrlässig oder kalkuliert agierte der Abenteurer, Geschäftsmann und Hobbybotaniker in Wahrheit? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Ethnologie und kolonialem Gebaren? Und welche Rolle spielt das Ei des legendären ausgestorbenen Elefantenvogels, der beeindruckend groß war, aber nicht fliegen konnte? Fragen über Fragen, die der Film von einem Indiz zum nächsten beiläufig und klug entwickelt, um das grundsätzliche Verhältnis Europas zu Afrika im letzten Jahrhundert zu ergründen.

Cornelia Klauß


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Moschee DE Mina Salehpour, Michał Honnens

Ein Moscheeneubau in Berlin, erbitterte Proteste und deren Hauptakteure in konstruierten Dialogen: Alt-Ost-Anwohner und schwäbische Zugezogene, Pfarrer, Imam und ein Konvertit. Komplex.

Moschee DE

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
61 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Michał Honnens, Robert Thalheim, Matthias Miegel
Mina Salehpour, Michał Honnens
Felix Kahlo
Jan Soldat
Robert Thalheim, Kolja Mensing
Dirk Austen, Hagen Wächter
Johanna Bantzer, Rainer Frank, Mathias Max Herrmann, Aljoscha Stadelmann, Sandro Tajouri
Als die islamische Ahmadiyya-Gemeinde 2008 in Berlin-Pankow ihren ersten Moscheeneubau in den Neuen Bundesländern eröffnete, waren dem Proteste, Demonstrationen und erbitterte Auseinandersetzungen vorausgegangen. Fast zehn Jahre später, nach IS-Terror, „Flüchtlingskrise“, Pegida und AfD-Wahlerfolgen, scheint der Kulturkampf auf seinem Höhepunkt – und die Gemeinde plant Neubauten in Leipzig und Erfurt, was die unvermeidlichen Bürgerinitiativen auf den Plan ruft …

Basierend auf Gesprächsprotokollen von 2006, die Kolja Mensing und Robert Thalheim schon zu dem 2010 uraufgeführten gleichnamigen Theaterstück verarbeiteten, verdichten Michał Honnens und Mina Salehpour den Konflikt mittels filmischer Montage. Aus den Originaltexten haben die Autoren Kunstfiguren entwickelt, in Anlage und Inszenierung deutlich überhöht und bis zur Karikatur verfremdet. Es treten auf: der aus Pakistan eingeflogene Imam, die vor PC strotzende süddeutsche Neu-Berlinerin, der Alt-Osteinwohner und Vorsitzende der Bürgerinitiative, der Protest-erfahrene Pfarrer und ein deutscher Konvertit. Der Film schafft, was in der Realität schon lange nicht mehr möglich scheint: Dialog. Von persönlichen Motiven und Hintergründen geht es bis zur Kopftuchfrage und Grundsätzlichem. Im Verlauf dieser Konstruktion lösen sich Kategorien wie „die Guten“ und „die Bösen“ auf und machen einer Komplexität Platz, die wir aushalten müssen.

Grit Lemke


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Neben den Gleisen Dieter Schumann

Ein Bahnhofskiosk in Mecklenburg-Vorpommern. Der Stammtisch trifft auf Flüchtlinge, die hier umsteigen. Überraschender Einblick in die deutsche Provinz 2016, warmherzig und direkt.

Neben den Gleisen

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Fritz Hartthaler
Dieter Schumann
Bernhard Kübel
Michael Kockot
Bernhard Kübel
Dieter Schumann, Michael Kockot
Joao Paulo da Silva
Barbara Denz, Birgit Müller (NDR)
Dieter Schumann hat in „Wadans Welt“ (DOK Leipzig 2010) am Beispiel einer Wismarer Werft die alten Fronten des Kapitalismus neu vermessen. Arbeiter gegen die unsichtbaren Kräfte der globalen Finanzspekulation. Klar, wer da verloren hat. In seinem neuen Film greift er diese ohnmächtige Erfahrung seiner Protagonisten gegenüber Ereignissen, an denen das alte Weltbild zerbricht, wieder auf. Die Geschichte spielt in und um eine Kiosk-Kneipe am Bahnhof von Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Täglich kehren hier Schichtarbeiter, Rentner, Hartz-IV-Empfänger und arbeitslose Jugendliche ein. Stammtischgespräche. Manchmal hart an der Grenze. Gleichzeitig wendet sich der Blick den Flüchtlingen zu, die täglich an dem Kiosk und seiner Stammbesetzung vorbeiziehen.

Das Zusammentreffen dieser beiden Welten ist erzählerisch direkt gesetzt. Geschichten der Flucht gegen das Klischee vom Vergewaltiger aus Syrien. Geschichten von im Bombenhagel getöteten Verwandten gegen das Gerücht, Migranten würden Kinder essen. Stand doch auf Facebook. Dennoch, bei aller Verunsicherung und trotz der diffusen Ängste, durch die Flüchtlinge sozial noch stärker abgehängt zu werden, gibt es Momente, in denen das Mitgefühl für das Schicksal des anderen überwiegt. Das macht, trotz der Affinität des Stammtischs zu rechten Lösungen, doch etwas Hoffnung. Genau darin liegt das große Verdienst dieses Films.

Matthias Heeder



Lobende Erwähnung im Deutschen Wettbewerb 2016;
Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2016

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Deutscher Wettbewerb
Neo Rauch – Gefährten und Begleiter Nicola Graef

Der Leipziger Star der internationalen Kunstszene und seine millionenschweren Sammler. Atelieralltag, Kunstbetrachtungen, überraschende Einblicke und Annäherung an ein Rätsel.

Neo Rauch – Gefährten und Begleiter

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
105 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Susanne Brand, Nicola Graef (Lonamedia)
Nicola Graef
George Kochbeck, Lucas Kochbeck
Felix Greif, Alexander Rott
Kai Minierski
Nicola Graef
René Jugold, Carsten Kramer, Pierre Gaulke, Martin Ehleben, Thomas Preisser
Grundieren, entwerfen, verwerfen und immer wieder die Distanz suchen. So ließe sich auch das dramaturgische Konzept dieses Porträts beschreiben. Folgerichtig zeigen die ersten Aufnahmen Neo Rauch, den Leipziger Star der internationalen Kunstszene, im Atelier. Was seinen Erfolg ausmacht, ist das Rätselhafte und Kryptische seiner großformatigen Gemälde. In gedämpften Farben entwickelt er Anordnungen melancholischer Figuren, die über Zeit, Raum und Geschichte hinweggleiten, Überschreibungen voller Verweise und Zitate, die bis in die Renaissance-Malerei zurückführen. Die Filmemacherin Nicola Graef unternimmt keine Exegese – Neo Rauch bleibt so entrückt wie seine Geschöpfe. Stattdessen lässt sie andere reden: Sammler seiner millionenschweren Bilder, die es bis in die durchdesignten Esszimmer von New Yorker Kunstliebhabern und die Schlafzimmer italienischer Villen geschafft haben.

Malt Neo Rauch nur noch, was von ihm, dem Exoten mit ostdeutschen Wurzeln, der sich am Teutonisch-Autoritären abarbeitet, erwartet wird? In seiner nachdenklichen Art findet er immer eine überraschende Antwort. Ein Grübler fraglos, dem der Film eine Bühne bietet, die er nicht betritt. Er kennt die Klischees und Zuordnungen, die er als Zurichtungen empfindet. Genau in diesen Gegenläufigkeiten hat der Film seine Stärke.

Cornelia Klauß


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts


Das Screening am 02.11.2016 findet als Special Screening des MDR statt.

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Oderland. Fontane Bernhard Sallmann

Das Oderbruch, eine Kulturlandschaft von paradiesischer Schönheit, beschrieben von Fontane. Kontemplativer Bilderfluss und Reflexionen über Natur, Mensch und deren Beziehung.

Oderland. Fontane

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
72 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Bernhard Sallmann
Bernhard Sallmann
Bernhard Sallmann
Christoph Krüger
Bernhard Sallmann
Klaus Barm
Judica Albrecht
Bernhard Sallmanns Filme sind Solitäre. Sie entziehen sich allen Konventionen, Formaten und Einübungen. Man muss sich einlassen. Vom ersten Bild an ist klar: Hier findet ein Kino statt, das andere Tugenden entfaltet als Narration und Entertainment. Das Vergnügen liegt in der Konzentration und Kontemplation. Die zu Stillleben kondensierten Bilder sind streng kadriert und so komponiert, dass sich erst bei längerer Betrachtung eine zarte Bewegung erschließt, mal eine Wolke, mal das Zittern der Blätter. Nach seiner Lausitz-Trilogie hat es den in Berlin lebenden Österreicher einmal mehr nach Brandenburg gezogen: ins Oderbruch, in eine Natur von paradiesischer Schönheit, die trügt. Es ist eine im 18. Jahrhundert von Menschen geschaffene Kulturlandschaft.

In Theodor Fontane fand Sallmann einen Gleichgesinnten. Nur die Werkzeuge sind verschieden. Was er mit der Kamera einfängt, hat der Wanderer und Schriftsteller im vorletzten Jahrhundert mit dem Federkiel aufgezeichnet. Er berichtet von der Trockenlegung, der Ansiedlung der Kolonisten und Albrecht Daniel Thaers Theorie der Fruchtfolge. Wer glaubt, all das läge weit weg, irrt. Übersetzt ins Heutige sind das die globalen Themen der Agrarpolitik: Abwanderung und Monokultur. In der hohen Sprecherkunst Judica Albrechts finden Text und Bild ihre ziselierte Verschmelzung. Sallmanns Film enthält viele Botschaften, auch die: Lest Fontane und lernt sehen!

Cornelia Klauß


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Others

Dokumentarfilm
Deutschland,
Türkei
2016
66 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Mehmet Aktaş, Said Nur Akkuş, Ayşe Polat
Ayşe Polat
Meryem Yavuz, Armin Dierolf
Eyüp Zana Ekinci
Ayşe Polat
Mustafa Baydemir, Oktay Çağla
Natürlich ist die Wirklichkeit komplizierter, aber es ist ein erzählerisch kluger Griff, mit dem uns die Regisseurin in die Vergangenheit der ehemals armenischen Provinz Van in Ostanatolien einführt. Nur hier gibt es seit Menschengedenken die sogenannte Van-Katze, ein fast mythisches Tier, das Armenier, Kurden und Türken gleichermaßen als kulturelles Symbol verbindet. Über diesen historischen Code erzählt der Film die leidvollen Ereignisse von 1915: der Genozid an den Armeniern. Noch heute sind sie präsent im Gedächtnis der Kurden, die die Dörfer der Vertriebenen übernahmen. Spuren, denen die Regisseurin wie eine Archäologin nachgeht und dabei Schicht um Schicht eine schmerzhafte, schwierige und unterdrückte Geschichte aufdeckt.

Was ist geblieben von der Zeit, als die Menschen hier wie Nachbarn zusammenlebten und nicht als Zeugen ethnischer Differenz? Verfallene armenische Kirchen, Pilgerstätten und die vertrackten Familiengeschichten zwangsassimilierter Überlebender. Deren Nachfahren scheuen bis heute das öffentliche Bekenntnis zu ihrer Abstammung. Schlimmer noch: Die Armenier werden als „die Anderen“ markiert, selbst wenn sie Teil der eigenen Biografie, des genetischen Erbes sind. Sachlich im Stil, mit ruhiger, beobachtender Kamera gedreht und frei von Schuldzuweisungen gelingt Ayşe Polat mit „The Others“ der authentische Blick auf eine noch offene historische Auseinandersetzung.

Matthias Heeder


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

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Deutscher Wettbewerb
Trockenschwimmen Susanne Kim

Schwimmen lernen heißt leben lernen: ein Seniorenschwimmkurs, Nachkriegsbiografien und wie man sich seine Träume erfüllt – mit Panikattacken, Witz, Grandezza und Blätterbadehaube.

Trockenschwimmen

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
77 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Holm Taddiken
Susanne Kim
Manuel G. Richter, Rafael Klitzing, Luise Pop
Emma Rosa Simon
Marion Tuor
Susanne Kim
Daniel Fischer
Ins kalte Wasser springen, auf dem Trockenen sitzen, sich freischwimmen – metaphorisch führt unsere Sprache immer wieder in das Element, aus dem wir kommen, aber das uns Angst macht. Oder wie Monika sagt: „Schwimmen lernen heißt leben lernen.“ Sie ist eine derjenigen, die die Leipziger Regisseurin Susanne Kim bei einem Seniorenschwimmkurs begleitet und dabei die biografischen und historischen Untiefen der Verbindung von Wasser und Leben sorgfältig auslotet.

Sie richtet den Blick auf eine Generation, die im Krieg geboren und im Nachkriegsdeutschland (Ost und West) erwachsen wurde. Die Väter an der Front, die Mütter mit dem Überleben beschäftigt, später eine Gesellschaft im bedingungslosen Aufbauwillen, die Pflichterfüllung forderte. Es sind vor allem die Frauen, deren Leben von Rücksichtnahme auf andere geprägt war und die sich erst jetzt in ihren Siebzigern zu fragen wagen, was sie eigentlich vom Leben wollten. Und mehr noch – es in Angriff nehmen und sich ihren Ängsten stellen.

Beobachtungen, Gespräche, flash-artig in die Vergangenheit führende Home-Movie- und Filmbilder, fantasievoll arrangierte Traumsequenzen und Tanzszenen (inszeniert von der renommierten Choreografin Heike Hennig) verweben sich zu einem zarten Geflecht. Sie erzählen vom Alter, der Sehnsucht und davon, dass es nie zu spät ist, für seine Träume zu kämpfen – mit Panikattacken, Witz, Grandezza und Blätterbadehaube.

Grit Lemke


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Zwischen den Stühlen Jakob Schmidt

Drei Referendare zwischen Idealismus und Verzweiflung, Erziehen und Erzogen-Werden, Theorie und Praxis. Spannungsreich-emotionsgeladener Blick in das Innere eines Systems.

Zwischen den Stühlen

Dokumentarfilm
Deutschland
2016
102 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Marie-Luise Scharf
Jakob Schmidt
Andreas Bick
David Schittek, Evgeny Revvo, Jakob Schmidt
Julia Wiedwald
Jakob Schmidt
Malte Eiben, Angelo Fonfara
Bildung DOK Leipzig Logo

Altersempfehlung: ab 14 Jahren 
Klassenstufe: ab 9. Klasse

Themen: Lernen, Beruf, Berufung, Bildung, Schule, Identität, Autorität, Hierarchie 
Unterrichtsfächer: Gemeinschaftskunde, Deutsch, Religion, Ethik, Politik, Geschichte

Zum Inhalt

Wie ist es, wenn man als junger Lehrer vor einer Klasse aus fast 30 SchülerInnen steht? Wie soll man komplexes Wissen im 45-Minuten-Takt vermitteln? Und wie fühlt es sich an, gleichzeitig Lehrer und Schüler zu sein, Noten zu verteilen und dafür selbst benotet zu werden? Kurz gefragt: Wie lebt es sich als Referendar „zwischen den Stühlen“?

Der junge Regisseur Jakob Schmidt taucht in seinem Kinofilm ein in den Kosmos Schule und begleitet drei Referendar*innen auf ihrem Weg in den Beruf. Sein sensibel beobachteter Film zeigt, dass das Referendariat für viele Studierende ein Sprung ins sehr kalte Wasser ist. Die Klassen sind groß, die Bedingungen oft nicht einfach. Es wird deutlich, dass Lehrer heute nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Orientierung geben müssen. Dabei ist es genau diese Orientierung, die den angehenden Pädagog*innen häufig selbst noch fehlt.

Voller Humor und Empathie für seine Protagonisten, aber ohne erklärende Kommentare zeigt Zwischen den Stühlen, wie schwer pädagogische Blaupausen in die Realität zu übersetzen sind. Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm eröffnet Schüler*innen (und Lehrer*innen!) eine ganz neue Perspektive auf die Frage, wie im deutschen Schulsystem mit der wichtigsten Ressource, den Menschen, umgegangen wird.

Auf das theoriedominierte Lehramtsstudium folgt seit Jahrzehnten mit bürokratischer Regelmäßigkeit das Referendariat, der praktische Teil der Lehrerausbildung. Einem Sprung ins eiskalte Wasser vergleichbar, arbeiten angehende Lehrer zwei Jahre lang im Spannungsfeld zwischen Bewerten und Bewertet-Werden. Sie müssen erziehen und werden ihrerseits erzogen. Vom ersten Tag an sind sie gezwungen, gegensätzliche Rollen einzunehmen. Eine permanente Bewährungsprobe zwischen sämtlichen Stühlen. Referendare müssen Schulklassen bändigen und sich von Seminarleitern maßregeln lassen. Sie müssen Zensuren verteilen und schieben helle Panik vor den eigenen Prüfungsstunden. Und sie sind immer Schüler und Lehrer zugleich. Einige starten mit Idealismus und Herzblut, andere aus Mangel an Alternativen, wiederum andere sehen sich als künftige Profis in einer soliden (An-)Stellung. Allmählich werden sie – ob sie wollen oder nicht – zu Vertretern eines Systems, das jeden Einzelnen von uns geprägt hat. „Zwischen den Stühlen“ begleitet drei höchst unterschiedliche Charaktere auf diesem spannungsreichen Weg.



Ralph Eue





Ausgezeichnet mit dem DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, Preis der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und Healthy Workplaces Film Award 2016; Nominiert für den Young Eyes Film Award 2016


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