Green Desert
Schwer zu sagen, welche Bilder aus der Vergangenheit stammen und welche von heute – etwa wenn die Regisseurin im Haus ihrer Urgroßeltern in den Spiegel blickt und darin mehrere Generationen ihrer mütterlichen Verwandtschaftslinie gleichzeitig sieht, all die Frauen, die früher Figuren aus Ton fertigten und zur Vihuela, einer Art Gitarre, Lieder sangen. Das Haus steht im Wald, in den Bergen: knorrige Baumstämme, rauschendes Wasser, grünes Laub und schimmernde Blüten auf Zelluloid, das Farben und Texturen zu einem hinreißenden Ganzen verschmelzen lässt. Aber dieses Naturparadies ist verschwunden, Waldbrände haben die alten Eichen mitsamt ihrem Unterholz zu Asche gemacht.
Wenn der Mann auf dem Pferd ein Holzkreuz durch das jetzt kahle Gelände zieht, scheint es, als würde er die Landschaft selbst betrauern. Die von der Regierung angelegte Kiefern-Monokultur ist kein Ersatz, nur noch mehr Futter für die Holzindustrie, das darauf wartet, in den riesigen Häcksler zu wandern und sich als Staub aus Spänen und Splittern auf den nackten Körper der Regisseurin zu senken. „Green Desert“ ist ein enorm persönlicher Essayfilm voller Schönheit, Wut und Reue. Er verbindet das Schicksal einer Familie mit allgemein lebensformenden Traditionen, er verknüpft eine unfreiwillig verformte Region in Chile mit einem allgemeinen ökologischen Unwohlsein.