Filmarchiv

Jahr

Little Afghanistan

Dokumentarfilm
Afghanistan
2011
28 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Stéphane Jourdain, La Huit Production
Basir Seerat
Basir Seerat
Laurence Attali
Nasim Karawan, Reza Sahel, Mirwais Wahja, Zahra Sadat, Taj Mohammad Bakhtari
Afghanistan und kein Ende? Müde von den 'embedded reports' über die Härten des Auslandseinsatzes alliierter Berufssoldaten im tückischen Feindesland? Dann werfen Sie einen Blick in die Qala-e Wahid Straße in Kabul - ein Mikrokosmos, in dem sich die ganze Misere dieses geschundenen Landes spiegelt. Unterstützt von der französischen Filmschule Atelier Varant, die jungen FilmemacherInnen die Produktionsmittel zur Verfügung stellt, tief in das soziale Leben ihres Landes einzutauchen, folgt der afghanischen Regisseur Basir Seerat den Alltagshärten gewöhnlicher Menschen. In diesem Fall den Lenkern der letzten Pferdekutschen Kabuls. Sie kämpfen an vielen Fronten: gegen die wachsende Flut der Autos; gegen Ladenbesitzer, die ihre Nase voll haben von dem Gestank der Pferdepisse; gegen Fußgänger, streunende Hunde, untätige Lokalpolitiker, gerne auch gegeneinander und alle gegen die Schlaglöcher, die sich überall auftun. Denn die Qala-e Wahid ist nur ihrem Verlauf zwischen den Häusern nach, eine Straße zu nennen. In Wahrheit ist sie eine üble unbefestigte Staubpiste im Sommer und ein matschiger Schlammpfad im Winter. Basir Seerats Blick auf dieses wuselige Little Afghanistan, dem die verordnete Modernität des Westens so gar nicht passt, ist zwiespältig: einerseits ist da eine große Sympathie für die Menschen, ihre Sorgen und ihre mitunter zotigen Späße und derben Umgangsformen. Gleichzeitig spüren wir die tiefe Melancholie über die Verrohung des Landes, dessen sozialen Bezüge sich in dem Chaos aufgelöst haben, das der Krieg verursacht hat. Afghanistan, so hören wir, steht mit heruntergelassener Hose da, und der Nachbar ist ein Dieb. Seine Menschen - 'embedded' in der permanenten Krise.

– Matthias Heeder

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.