Filmarchiv

One Day in Sarajevo

Dokumentarfilm
Österreich,
Bosnien-Herzegowina
2015
60 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Damir Ibrahimovic, Jasmila Zbanic
Jasmila Zbanić
Christine A. Maier
Isabel Meier
Igor Camo
Am 28. Juni 1914 erschoss Gavrilo Princip in Sarajevo den Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie Franz Ferdinand. Ein folgenschweres Attentat, das als Auslöser des Ersten Weltkriegs gilt.

Genau 100 Jahre später besucht die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić, die sich schon in ihren preisgekrönten Spielfilmen mit der Aufarbeitung von Geschichte auseinandersetzte, den Ort des historischen Ereignisses und befragt Menschen, wie sie über den Attentäter denken. Für die einen ist Princip ein Nationalheld, der für die Freiheit Bosniens kämpfte, für die anderen ein Terrorist, der die bestehende Staatsordnung zerstörte. Ihre eigenen Aufnahmen mischt Žbanić mit solchen, die Bewohner und Touristen an jenem Tag mit ihren mobilen Geräten aufgenommen haben. Diesen Bildern des Heute setzt sie Ausschnitte aus Spielfilmen über das Attentat entgegen. So gelingt ein vielschichtiges, von komischen Momenten durchzogenes Bild des Ereignisses und seiner Auswirkungen, vor allem aber eine Reflexion darüber, was eine Nation aus ihrer Geschichte ableitet: In Sarajevo stehen fast geschichtsvergessen zu nennende Feiermomente mit marschierenden Kindern in Uniform und Maschinengewehren den kritischen Stimmen der Gegendemonstranten gegenüber, die im Geiste der Occupy-Bewegung eine erneute Besetzung Bosniens bekämpfen: diesmal jene durch den Kapitalismus.

Lina Dinkla
Internationales Programm 2015
Since the World Was World Günter Schwaiger

Schlachten, pflügen, Wein ernten und im Maisfeld nach illegal gepflanztem Marihuana suchen. Bauer sein in Kastilien: widerständisch traditionell in der Krise, liebevoll beobachtet.

Since the World Was World

Dokumentarfilm
Österreich,
Spanien
2015
103 Minuten
Untertitel: 
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Günter Schwaiger, Cristina G. Alía
Günter Schwaiger
Bence Boka, Los Linces
Günter Schwaiger
Günter Schwaiger, Martin Eller
Günter Schwaiger
Cristina García Alía
Gonzalo lebt mit seiner Familie als Bauer von altem Schlag in Kastilien. Für einen wie ihn würde es vermutlich eine Beleidigung bedeuten, sollte ihn jemand als Agronom bezeichnen. Seine Art des Wirtschaftens steht in vielem gegen die alles zermahlende Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche. Die Existenz als Widerständler aber hat er nur zur Hälfte selbst gewählt. Zur anderen Hälfte ward sie ihm aufgegeben. Erstens von einer Tradition, die ihm gewissermaßen in den Knochen steckt. Zweitens von einer tiefen Verwurzelung in der Erde, die ihn nährt. Und schließlich auch einer handfesten Philosophie, die ihn solch einfache und klare Sätze sagen lässt, wie: „Früher, als alle das Geld zum Fenster hinaus warfen und mit Geldscheinen Feuer machten, wurde unsereins als überholt und rückständig angesehen. Jetzt, wo die meisten Leute nichts mehr haben, geht es den anderen so wie uns und uns nicht viel anders als zuvor.“

Empathische Schadenfreude und surrealistischer Humor sind essenzielle Bestandteile von Gonzalos bäuerlicher Lebenswelt. Günter Schwaigers zugewandte Betrachtung dieser Welt über einen langen Zeitraum hinweg lässt sich auch als kinematografische Arznei zur Steigerung der Abwehrkräfte gegen die Versuchungen von Konsumismus und Agrarkapitalismus sehen. Abwehrkräfte, die dringend gebraucht werden.

Ralph Eue