Filmarchiv

Internationales Programm 2017
Namrud (Troublemaker) Fernando Romero Forsthuber

Immer wieder gerät das Gespräch zwischen Jowan und Don, Vater und Sohn, zum sokratischen Slacker-Dialog. Eine aufmüpfige palästinensische Kleinfamilie in Israel.

Namrud (Troublemaker)

Dokumentarfilm
Österreich
2017
94 Minuten
Untertitel: 
englische

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Jürgen Karasek
Fernando Romero Forsthuber
Jowan Safadi
Jakob Fuhr, Martin Putz, Falko Lachmund, Rabia Salfiti
Wolfgang Auer
Ari Yehudit Richter, Jürgen Karasek
Feras Shehadeh
Jowan Safadis 15-jähriger Sohn Don ist aus den USA nach Israel gekommen. Ziemlich unvermittelt führt Fernando Romero Forsthuber diese Begegnung ein, wenn Don eines morgens einfach im Bett liegt und sich darüber beschwert, mit seinem Vater zum Strand gehen zu müssen: Kein Mensch möge schließlich den Strand! Der freundschaftlich-aggressive Schlagabtausch zwischen Vater und Sohn bestimmt diesen Film, obschon beide auch gern in andere Richtungen schlagen: Jowan ist Musiker und besingt in seinen Stücken Lebensgefühl und -leid eines in Israel lebenden Palästinensers – Provokation, die er sucht und findet. Don hat gerade mit dem Boxtraining begonnen.

Fernando Romero Forsthuber zeigt zwei Männer zwischen Anpassungsdruck und Aufbegehren. „Ich fühle nicht wirklich, was ich nicht selbst gewählt habe“, erklärt Jowan gleich zu Anfang. „Egal ob es heißt, Palästinenser zu sein, Araber oder irgendetwas anderes.“ Jowan und Don verspüren das Bedürfnis nach Selbstermächtigung, jeder auf seine Weise. Beiden gemein ist jedoch das kritische wie lässige Hinterfragen all jener, die sich ihrem Verständnis nach allzu leicht unterwerfen beziehungsweise andere dazu zwingen, den Kniefall zu tun.

Carolin Weidner

The Family

Dokumentarfilm
Österreich,
Slowenien
2017
106 Minuten
Untertitel: 
englische

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Erna Gorše Biček, Rok Biček
Rok Biček
Rok Biček
Rok Biček, Yulia Roschina
Julij Zornik
Immer wieder ist der Name „Rok“ zu hören. Man solle ihn grüßen, heißt es etwa durchs Telefon, als Matej mit seiner neuen Freundin auf dem Eiffelturm steht. Rok Biček scheint Teil der Familie geworden zu sein, die er über eine Dekade mit der Kamera begleitet hat – was auch die Selbstverständlichkeit erklärt, mit der vor allem Matej agiert. Er ist gewissermaßen das Zentrum dieses Films, der ihn beim Verlassen seiner ursprünglichen Familie und beim Gründen einer eigenen beobachtet. In keiner von beiden hat er es leicht. Matej wurde in eine Familie geboren, deren Mitglieder, im Gegensatz zu ihm, geistig wie körperlich eingeschränkt sind. Der Umgangston ist ruppig und von Missverständnissen geprägt. Die besonderen Unüberwindbarkeiten verursachen Schmerzen.

In der neuen Familie mit seiner ersten Freundin ist wiederum gleich zu Beginn ein Mann präsent, der Matejs Nachfolger werden soll. Dennoch zeugt das Paar Nachwuchs, obwohl Matej früh über eine Sterilisation nachdenkt. Rok Biček changiert in seinem Film zwischen Aufnahmen, die Matej als Jugendlichen zeigen, und solchen vom jungen Erwachsenen und Vater. Einige Fragen, die zunächst offen bleiben, beantworten sich nach und nach, andere werden nicht berührt. Die Souveränität des Erzählens und das Gespür für Situatives heben diesen Film heraus.

Carolin Weidner


Nominiert für MDR-Filmpreis