Filmarchiv

Internationales Programm 2018
And Arnaud Thomas Damas

Was ist mit Arnaud los, fragt sich Thomas Damas, der einen Film mit und über seinen alkoholsüchtigen Bruder dreht. Die Kamera soll zeigen helfen. Doch was, wenn sie plötzlich zurück zeigt?

And Arnaud

Dokumentarfilm
Belgien
2018
25 Minuten
Untertitel: 
englische

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Sébastien Andres
Thomas Damas
Caroline Marin
Léo Nguyen
Jérôme Swales
Thomas Damas
Louis Martin
Ein Film als Anlass, um jemandem näher zu kommen. In diesem Fall ist der Jemand der Bruder des Regisseurs, Arnaud, der sich schon seit einer ganzen Weile verrannt zu haben scheint, ein Problem mit dem Konsum von Alkohol entwickelt hat. Der reicht von ausgelassener Feierei mit Freunden über den alleinigen Abschuss in der Öffentlichkeit, am Flussufer, bis hin zur einsamen Session in der Wohnung. „Wir machen hier was über mich, aber was ist mit dir?“, fragt Arnaud einmal im Vollrausch.

Carolin Weidner
Internationales Programm 2018
Chez Jolie Coiffure Rosine Mbakam

Der Friseursalon „Jolie“ im Brüsseler Viertel Matonge ist Kontenpunkt für viele afrikanische Frauen. Hier wird nicht nur frisiert, sondern auch organisiert, diskutiert und geflirtet.

Chez Jolie Coiffure

Dokumentarfilm
Belgien
2018
70 Minuten
Untertitel: 
englische

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Geoffroy Cernaix, Rosine Mbakam
Rosine Mbakam
Rosine Mbakam
Geoffroy Cernaix
Rosine Mbakam, Loïc Villiot
Rosine soll reinkommen und bloß nicht ihre Sachen draußen stehen lassen – die Leute würden sich benehmen wie Junkies. Rosine folgt der Einladung, tritt ein und ist nun offizieller Gast im winzigen Friseursalon „Jolie“ im Viertel Matonge in Brüssel. Die Frauen, die hier arbeiten und bedient werden, kommen aus Afrika. Ihre Geschichten handeln von gefälschten Pässen und Fluchtwegen über Libyen, Syrien oder Griechenland, von zurückgelassenen Familien, belgischen Männern und komplizierten Liebesbeziehungen. Es ist ein Ort wie ein Aquarium. Bunte und dunkle Haarsträhnen, die an Tintenfische erinnern, werden gebürstet und geflochten. Das Geschäft ist umglast, immer wieder dringen die Geräusche der Einkaufspassage hinein, die Tür öffnet sich und ein kurzer Flirt mit einem Mann passiert. Zwischendrin brennt der Klebstoff für die Wimpernverlängerung am Augenlid, wird eine Tontine namens „Die Glühwürmchen“ gegründet, ein in afrikanischen Ländern verbreitetes Finanzwerkzeug der solidarischen Ökonomie. Der Salon fungiert als ganz reales, aber auch metaphorisches Bindeglied zwischen Afrika und Europa. Zugleich bedeutet er Schutzraum und Zuhause. Rosine Mbakam, selbst aus Kamerun, kam 2007 nach Belgien, um Film zu studieren. Dies ist ihre zweite lange Regiearbeit.

Carolin Weidner


Nominiert für den Healthy Workplaces Film Award

Doel

Dokumentarfilm
Belgien,
Dänemark
2018
67 Minuten
Untertitel: 
englische

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Mathilde Hvid Lippmann, Frederik Sølberg
Frederik Sølberg
Anders Rhedin, Anders Bertram Mannov, Lavvi Ebbel
Jonathan Wannyn
Mads Hedegaard
Frederik Sølberg
Andreas Sandborg, Neal Willaert
24 Cafés und drei Bäckereien, eine Fähre, eine Metzgerei und ein Supermarkt. Das war Doel in seinen glorreichen Zeiten. Heute eilt der Stadt ein Ruf als Abenteuerpark für Erwachsene voraus. Illegale Autorennen und Techno-Raves füllen die Straßen bei Nacht, und bei Tag diskutieren Touristen in Kleinbussen, ob Graffitis schon Kunst sind oder nur Zeichen des (Sitten-)Verfalls. Anstatt jedoch die verlassenen Häuser vor der Kulisse des expandierenden Hafens von Antwerpen zu filmen, widmet sich Frederik Sølberg in seinem Porträt von Doel den Menschen, die in ihrer Heimatstadt zum Leben geblieben sind. Manche aus Trotz gegen den Zwang der Verhältnisse, andere, weil sie hier die Chance sehen, sich neue Freiräume zu erschließen.

Mit liebevollen Beobachtungen der Bewohner stellt Sølberg die Frage nach dem Recht auf Heimat. Wo ist der Platz der Menschen, wenn die Globalisierung hungrig deren angestammte Räume frisst? Die Gemeinschaft aus Jung und Alt wehrt sich gegen den Verfall der Häuser mit Galgenhumor und einem Bewusstsein für ihre kuriose Lage. Sie sind noch nicht bereit, ihre Heimat aufzugeben. Dabei gelingt es Sølberg, die Berührungspunkte von Bewohnern, Abenteuertouristen und Tuning-Szene einzufangen, die sich diesen Ort teilen, ohne sich wirklich zu begegnen.

Marie-Thérèse Antony

Mitra

Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2018
82 Minuten
Untertitel: 
englische

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Geneviève de Bauw (Thank You & Good Night Productions), Jean-Laurent Csinidis (Films de Force Majeure)
Jorge León
Eva Reiter, George van Dam
Thomas Schira, Jorge León
Marie-Hélène Mora
Quentin Jacques
Jorge León nimmt die dramatische Geschichte der iranischen Psychoanalytikerin Mitra Kadivar, die in ihrer Heimat gegen ihren Willen in der geschlossenen Psychiatrie festgehalten wurde, zum Ausgangspunkt für ein komplexes Kunstprojekt, aus dem zunächst eine Operninszenierung entstand und später dieser vielschichtige Dokumentarfilm.

Im Film stellt León die vermeintlich klaren Grenzen zwischen Wahn und Normalität, Krankheit und Gesundheit infrage, indem er kunstvoll verschiedene Schichten von Realität, Dokumentation und Inszenierung miteinander verknüpft. Immer wieder erschüttert er durch die kontrapunktische Kombination des Materials die selbstgewisse Wahrnehmung des Publikums und fordert uns heraus, die eigene Perspektive als eine immer und grundsätzlich begrenzte wahrzunehmen.

Luc-Carolin Ziemann
Internationales Programm 2018
Our Song to War Juanita Onzaga

Bewegungen der Seelen, Wassergeister, Krokodilmenschen und Gespenster, die an dem Ort des Massakers leben. Welche Toten in welche Familie gehören, wissen die Kinder von heute nicht mehr.

Our Song to War

Dokumentarfilm
Belgien,
Kolumbien
2018
15 Minuten
Untertitel: 
englische

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Juanita Onzaga, Jan Stevens, Sofie Despeer
Juanita Onzaga
Juanita Onzaga
Juanita Onzaga, Romain Vennekens
Juanita Onzaga
Jérémy Bocquet
Ein ganz unübliches Totengedenken, genannt „Novenario“ – ein neuntägiges Gebet zu Ehren der Verstorbenen. Eigentlich aber geht es um Seelen, Wassergeister, Krokodilmenschen und Gespenster, die an den Orten der Massaker leben und die Leute heimsuchen. Die Kinder von heute haben längst vergessen, welches Grab das ihrer Familie ist. Erinnerungen an die toten Zivilisten in Bojayá, Kolumbien, nach einem Gefecht zwischen FARC-Rebellen und Paramilitärs im Mai 2002.

Saskia Walker
Internationales Programm 2018
The Yellow Mazda and His Holiness Sandra Heremans

Mit persönlichen und zarten Bildern nimmt Sandra Heremans Kontakt zu ihrem Vater auf – mit Bildern, die aus der Dunkelheit kommen, die sich erst kristallisieren müssen.

The Yellow Mazda and His Holiness

Dokumentarfilm
Belgien,
Ruanda
2018
10 Minuten
Untertitel: 
englische

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Sandra Heremans
Sandra Heremans
Sandra Heremans
Sandra Heremans, Sébastien Demeffe
Sandra Heremans
Sandra Heremans
Aus dem Schwarz schält sich die Welt und ins Schwarz fällt sie zurück. Die Weisheit von Leben und Tod – und die Weisheit des Kinos: Schwarz, Bild, Schwarz, Bild, Schwarz, Bild. Die in Ruanda geborene Filmemacherin Sandra Heremans nimmt über ihren Film Kontakt zu ihrem Vater auf, der als Missionar einst von Belgien nach Afrika kam und sich dort in ihre Mutter verliebte. Es sind persönliche und zarte Bilder, die ihre Zeit benötigen, um sich aus dem Schwarz des ungeborenen Films herauszukristallisieren.

Lukas Stern
Internationales Programm 2018
Wildebeest Nicolas Keppens, Matthias Phlips

Linda mag Elefanten. Troyer mag Linda. Beide mögen afrikanische Exotik. Eine Safari zwischen Real- und Animationsfilm, in der geschossen wird: scharf, traurig, tödlich, ironisch.

Wildebeest

Animationsfilm
Belgien
2018
19 Minuten
Untertitel: 
englische

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Brecht Van Elslande
Nicolas Keppens, Matthias Phlips
Nicolas Keppens, Matthias Phlips
Nicolas Keppens, Matthias Phlips
Pieter Vanluffelen, Pieter Samyn, Jeroen Ceulebrouck, David Dils, Eno Swinnen
Nicolas Keppens, Matthias Phlips
Greg Scheirlinckx
Jeder Tag könnte der letzte sein. Also erfüllt sich Linda einen Lebenstraum: Elefanten gucken in Afrika. Der gebuchte Safari-Jeep ist perdu, die bezahlte Bequemlichkeit auch und die Schokoriegel sind aufgegessen … Animierte Mitteleuropäer geraten in eine Bernhard-Grzimek-Realfilm-Welt, in der das Exotische den Blick der Zugereisten staunend, aber gelassen erwidert. Wer ist fremd? Welche Spezies ist vom Aussterben bedroht? Ein Knistern zwischen Formen und Inhalt – scharf, traurig, tödlich, ironisch.

Sylvia Görke


Nominiert für den Young Eyes Film Award