Filmarchiv

Desert Haze

Dokumentarfilm
Belgien
2014
109 Minuten
Untertitel: 
englische

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Frederik Nicolai, Eric Goossens, Frank van den Engel
Sofie Benoot
Fairuz
Nico Leunen
Sofie Benoot
Kwinten Van Laethem, Michel Schöpping
Die Eroberung des Unbekannten ist der Kern des amerikanischen Gründungsmythos. Was wäre ein besserer Ort, ihn zu hinterfragen, als die Wüste des Mittleren Westens? Wo scheinbar nichts ist als Sand und Steine, stößt Sofie Benoot auf vielfältige Spuren menschlichen Wirkens: verlassene Minen, heilige Berge, prähistorische Zeichnungen, leere Städte, die auf den Ansturm von Bewohnern noch warten, eingeschmolzene Flugzeugteile, geheime Militärzonen bis hin zu Resten von Internierungslagern des Zweiten Weltkriegs und Atommüll-Warnschildern. Manche Spuren, wie die des Uranabbaus oder von Atomwaffentests, sind unsichtbar. Wie die Zweige des Steppenläufers legt Benoot Hunderte von Kilometern zurück. Sie trifft auf traurige Indianer, Country-jodelnde Japaner, Astronauten, die für die Besiedlung des Mars proben, und Mormonen, die kostümiert und mit Leiterwagen auf dem Treck der Pioniere ziehen (mit mobilem Chemie-Klo allerdings). Die Kamera erfasst gigantische Panoramen von Weite und Leere, dann wieder erforscht sie die Struktur bizarrer Gesteins-, Erd- und Wolkenformationen.
Schicht um Schicht legt Benoot den Mythos frei. Die Archäologie des amerikanischen Traums wird zum tiefen Blick in die Abgründe der Zivilisation. Die Geschichte der Eroberung des Westens, zeigt sich, ist eine Geschichte der Unterwerfung. So gnadenlos wie die Wüste selbst. Spiel mir das Lied vom Tod – mehr Western geht nicht.
Grit Lemke

Elephant's Dream

Dokumentarfilm
Belgien
2014
74 Minuten
Untertitel: 
englische

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Bram Crols, Mark Daems, Marion Hansel, Kristof Bilsen, Mike Lerner
Kristof Bilsen
Jon Wygens
Kristof Bilsen
Eduardo Serrano
Yves De Mey
Ein altes Auto ohne Reifen, das vor einem ländlichen Bahnhof bei Kinshasa aufgebockt herumsteht – das erinnert an Bertolt Brechts „Der Radwechsel“. Allerdings steht der Wechsel hier weder bevor, noch wird er mit Ungeduld erwartet. In größter Ruhe überlegt der Besitzer des Wagens, ein Stationswärter, wie er mit ihm ein kleines Nebeneinkommen erzielen könnte. Schließlich fragt er seinen Kollegen, der sonst das bevorzugte Objekt seiner Grübeleien darstellt. Seine Gedanken kommen wie ein Kommentar aus dem Off. Diese Szene ist nur eine von vielen Metaphern für den Stillstand in der Demokratischen Republik Kongo, die der Film mit brillanter Optik herstellt. Neben dem halb verwaisten Bahnhof sind die zentrale Post und die einzige Feuerwehrstation der Hauptstadt (drei Staatsbetriebe) Orte des Wartens auf eine Veränderung, die von der Politik stets mit Paukenschlag angekündigt wird.
Ein Land im Dornröschenschlaf, von Europa geplündert, von Kriegen zerrüttet, ohne funktionierende Infrastruktur. Der Film konzentriert sich auf diesen luziden Istzustand, auf den Traum von einer Modernisierung, dem er eine surreale Note abgewinnt. Vor allem lässt er sich von einer großen Empathie für die von ihm porträtierten Angestellten leiten. Darunter Henriette, die bei der Post hoffnungsvoll dem neuen elektronischen Geldtransfer entgegenblickt, auch wenn sie schon ahnt, dass wieder mehr Form als Inhalt dabei sein wird.
Lars Meyer
Internationales Programm 2019
Machini Frank Mukunday, Trésor Tshibangu Tshamala

Die Hommage an die kongolesische Stadt Lubumbashi entfaltet sich zu einer kritischen Reise und offenbart fatale Zusammenhänge der Weltökonomie. Auch wir im Norden spielen eine gewisse Rolle.

Machini

Animationsfilm
Belgien,
DR Kongo
2019
10 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Rosa Spaliviero, Ellen Meiresonne
Frank Mukunday, Trésor Tshibangu Tshamala
Francesco Nchikala
Frank Mukunday, Trésor Tshibangu Tshamala
Caroline Nugues-Bourchat, Frank Mukunday
Frank Mukunday, Trésor Tshibangu Tshamala
Frank Mukunday, Trésor Tshibangu Tshamala
David Douglas Masamuna
Einst verzauberten afrikanische Klänge den Alltag am Flussufer. Die Hommage von Frank Mukunday und Trésor Tshibangu Tshamala an ihre Stadt Lubumbashi entfaltet sich zu einer kritischen Reise und offenbart die fatalen Zusammenhänge der Weltökonomie. Auch wir im Norden spielen eine gewisse Rolle, wie die Schlusspointe aufrüttelnd anprangert. Mit recycelten rostigen Materialien, Steinen und Kreide positioniert sich das kongeniale Duo und widersetzt sich dem „Schwarzmarkt der Geschichte“ inhaltlich wie formal.

Nadja Rademacher
Spätlese 2019
Marona’s Fantastic Tale Anca Damian

Marona-Sara-Ana-die Neunte ist edler Abstammung, aber keine Prinzessin. Ihre Namen bekam sie von Herrchen und Frauchen. Das moderne Märchen über eine Hündin wirft Identitätsfragen auf.

Marona’s Fantastic Tale

Animationsfilm
Belgien,
Frankreich,
Rumänien
2019
92 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Anca Damian
Anca Damian
Pablo Pico
Brecht Evens, Gina Thorstensen, Sarah Mazetti
Boubkar Benzabat
Dan Panaitescu, Chloé Roux, Hefang Wei, Mathieu Labaye, Claudia Ilea
Anghel Damian
Clément Badin
Marona-Sara-Ana-die-Neunte ist zwar väterlicherseits von adliger Abstammung, anmutig und schön, aber keine Prinzessin. In ihrem kurzen Leben meistert sie manche Abenteuer: Sie lernt Akrobatik und Zaubertricks, landet kurzzeitig auf der Straße und wird sogar zur Retterin in der Not. Sie ist eine Hündin. Ihre Namen bekam sie von diversen Herrchen und Frauchen. Anca Damian erzählt mit Fantasie und Humor eine berührende Geschichte.

Eine eigenwillige, surrealistisch-kindliche Ästhetik, die Kombination verschiedener Animationstechniken, starke Stilisierungen und die buntfröhliche Farbpalette verleihen den Figuren besondere Ausdruckstärke. Die Hintergründe beeindrucken als witzige und künstlerisch geprägte Wimmelbilder. Durch ungewöhnliche Perspektiven entdecken wir gleichzeitig aus vielen Blickwinkeln urbanes Treiben – wie mit allen Sinnen. Im Herzen des Films entfaltet sich ein realistisch-kritisches Stadtgesellschaftsporträt, das vor Fragen zur Beziehung zu Tieren und damit zu unseren Werten nicht zurückschreckt. Freude und Traurigkeit, Abschied und Anfang bedingen sich – auch der Tod wird sensibel mitbehandelt. Damians modernes Märchen dreht sich um Identität und Zugehörigkeit. Mit musikalischer und visueller Poesie sowie mit philosophischem Esprit feiert es – ebenso schlicht wie extravagant – die Komplexität der Existenz und die Einfachheit des Glücks.

Nadja Rademacher

Silence Radio

Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2012
52 Minuten
Untertitel: 
englische

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Isabelle Mathy, Delphine Schmit, Denis Delcampe
Valéry Rosier
Olivier Vanaschen, Mathieu Cauville
Nicolas Rumpl, Didier Vandewattyne
Valéry Rosier
Arnaud Calvar, Guilhem Donzel
Das Leben ist ein Chanson. Weiß nicht nur Alain Resnais, sondern auch die Betreiber des Bürgerradios „Puisaleine“ in der ländlichen Picardie. Wir sehen größtenteils betagte Herrschaften an den Reglern sitzen, redlich mit dem Computer kämpfen (es ertönt schon mal der falsche Song), Musikwünsche entgegennehmen, Witze erzählen und hysterisch ins Mikro kichern oder esoterische bis handfeste telefonische Lebensberatung („Verlassen Sie das Haus!“) erteilen. Ihre Hörer sitzen in Interieurs, die es bald schon nicht mehr geben wird und die hier soziologisch genau aufgezeichnet sind: zwischen Herzchenkissen, Katzenbildern, Teddys, Kunstblumen, Troddeln und barocken Schnörkeln. Sie sitzen allein auf vollautomatischen Betten, in Räumen, die viel zu groß sind und in denen nur Fotos auf dem Sims an eine Familie erinnern, die es einmal gab. Und sie hören Radio: Das Lied von den weißen Rosen oder von der Liebe, die fünfzig Jahre währte. Zu jedem Song erfahren wir eine Geschichte, von Bombennächten und brennenden Flugzeugen, von der großen Liebe oder dem Kind, das vor den Eltern starb. Und irgendwann beginnen sie zu singen.
Verlust und Einsamkeit ebenso wie ein leiser Humor durchwehen diesen zärtlichen Film, der sich mittels raffinierter Arrangements und einer sinnstiftenden Montage sicher auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und großem Drama bewegt. Ein Film fürs Herz, dessen Bedürfnisse nicht hoch genug zu schätzen sind.

Grit Lemke



Lobende Erwähnung im Wettbewerb für junges Kino 2013