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Guaicurus Street João Borges

Ein Rotlichtviertel in Belo Horizonte. Die Kamera erhält Einlass in ein Laufhaus. Käufliche Liebe erscheint hier mal als routiniert-triste Fließbandübung, mal fast schon als Komödie.

Guaicurus Street

Dokumentarfilm
2019
75 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
João Borges, Thais Mol (Yara Filmes), Mariana Andrade
João Borges
Lucas Oscilloid, Pedro Durães
Lucas Barbi
Fabian Remy
João Borges
Lucas Oscilloid, Marcel Dadalto, Pedro Durães, Victor Brandão
Ein Rotlichtviertel in Belo Horizonte. Die Bordelle werben um ihre Kundschaft in allen Farben der Nacht. Die Fenster stehen hier meist offen, vor der Tür sitzt höchstens ein Typ auf einem Plastikstuhl. Die Kamera erhält Einlass in eines der Laufhäuser. Wir sehen in einer Totalen, fast wie auf einem Überwachungsbildschirm, Männer in einem schlichten Gang von Tür zu Tür, von Frau zu Frau huschen. Bei einigen der Verhandlungen aber sind wir plötzlich dicht dabei („3 Positionen für 25 Real“), und irgendwann folgt ein „unmöglicher“ Schnitt: ein Gegenschuss von der anderen Seite der Tür her, aus dem Zimmer der Frau heraus. Wir sehen Sexarbeiterinnen beim Aufräumen, beim Abhängen, beim miteinander Klatschen. Sie erzählen von Gewalt, von vorgetäuschten und von echten Orgasmen. Aber wir sehen auch Sexszenen, mit Schauspielern nachgestellt, in denen die käufliche Liebe mal als routiniert-triste Fließbandübung, mal fast schon als Komödie erscheint.

Wenn der Film die Grenzen zwischen einem dokumentarischen und einem fiktionalen Blick systematisch verwischt, dann hat das mit dem Wunsch zu tun, den Frauen ihre Würde zu lassen und die geläufigen Elendsbilder zu vermeiden. Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass Sex nie zu trennen ist von Fiktionen und Projektionen.

Lukas Foerster

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