Filmarchiv

Internationales Programm
The Physics of Sorrow Theodore Ushev

Träume können zerplatzen wie Kaugummiblasen. Georgi Gospodinows Roman „Physik der Schwermut“ inspirierte Theodore Ushev zur Saga einer Generation und zur Animation von enkaustischer Malerei.

The Physics of Sorrow

Animationsfilm
Kanada
2019
27 Minuten
Untertitel: 
keine
Credits DOK Leipzig Logo
Marc Bertrand
Theodore Ushev
Theodore Ushev
Theodore Ushev
Theodore Ushev
Olivier Calvert
Träume können zerplatzen wie Kaugummiblasen. Daran und am chronischen Weltschmerz leidet der empathische Erzähler – „Ich sind wir“. Gegen die Vergänglichkeit sucht er mit Inventuren der Gegenwart das Wichtige zu bannen. Von der bulgarischen Jugend, der Übersiedlung nach Kanada und allgemein dem Weltgeschehen bleibt melancholische Nostalgie. Georgi Gospodinows Roman „Physik der Schwermut“ inspirierte Theodore Ushev zur Saga einer Generation und zum ersten Film gänzlich aus enkaustischer Malerei.

Nadja Rademacher

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
A Transplant François Méthé

Drei Menschen warten auf eine Organspende. Mit behutsamen, aber auch expliziten Bildern dokumentiert „A Transplant“ das Wunder der Erneuerung eines ausgehenden Lebens.

A Transplant

Dokumentarfilm
Kanada
2018
69 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Marie-Claude Morazain
François Méthé
Joseph Marchand
Philippe St-Gelais
Sébastien Goyette
François Méthé
Cyril Bourseault
In der Warteschleife des Lebens: Die junge Shannon, der erst dreijährige Nolan und die fünffache Großmutter Suzanne benötigen eine Organspende. Ein Wettlauf gegen die Uhr und gegen den Tod, der rasend und unaufhaltsam näher kommt, während man langsamen Schrittes auf der Bedürftigenliste nach oben rückt. Für Patienten und Angehörige ist diese Zeit des Wartens eine sich stetig neu zusammensetzende Mixtur aus der Angst vor dem Verlust und der Hoffnung auf eine Zukunft. Aus diesem existenziellen Zustand der Unsicherheit, der Sorge und der Zuversicht führt „A Transplant“ mit behutsamen, gleichwohl expliziten Bildern hinein in den OP-Saal und hinein in den Körper, der von einem Team aus Ärzten und Helfern erneuert wird – routiniert und besonnen, aber auch im Bewusstsein des Risikos und der Verantwortung, die auf jedem einzelnen Handgriff lasten. Ein Film über die, wenn man so will, Einzigartigkeit des Lebens. Und über das Wunder, dass es zuweilen und in größter Not seiner Einzigartigkeit sogar entgehen kann.

Lukas Stern

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I’m OK

Animationsfilm
Kanada,
UK
2018
6 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Abigail Addison (Animate Projects), Elizabeth Hobbs, Jelena Popović (National Film Board of Canada)
Elizabeth Hobbs
Elizabeth Hobbs
Elizabeth Hobbs
Elizabeth Hobbs
Sacha Ratcliffe
Im rasanten Galopp durch das stürmische Delirium von Oskar Kokoschka. Nach gescheiterter Amour fou mit Alma Mahler stürzt er sich 1915 als Dragoner in den Krieg, wird verletzt und arbeitet auf: das expressionistische Drama „Orpheus und Eurydike“ entsteht. Elizabeth Hobbs nimmt die Dynamik von Kokoschkas Zeichnungen und das Bewegte seines emotionalen Rausches auf. Kraftvoll und in leuchtenden Farben verschlingen sich unruhige Tuschestriche zu kurzlebigen Szenen über Leidenschaft und Leiden.

André Eckardt

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The Apollo of Gaza

Dokumentarfilm
Kanada,
Schweiz
2018
78 Minuten
Untertitel: 
englische
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Philippe Coeytaux, Colette Loumède
Nicolas Wadimoff
Claude Fradette
Franck Rabel
Christine Hoffet
Nicolas Wadimoff, Béatrice Guelpa
Carlos Ibañez Diaz
Im August 2013 taucht in Gaza eine mehr als 2.000 Jahre alte Bronzestatue von Apollo auf. Ein palästinensischer Fischer soll die 750 Kilogramm schwere Plastik auf dem Meeresboden entdeckt und mit viel Arbeit und Mühe geborgen haben. Fotos geraten in Umlauf, die den gut erhaltenen, grünlich schimmernden Gott des Lichts, der Künste, der Heilkunst und der Orakel liegend auf einem Tuch mit Schlumpfmotiven zeigen. Auch wenn nur wenige den „Apollo von Gaza“ mit eigenen Augen zu Gesicht bekamen, wird er unmittelbar zum Objekt von merkantilen wie geopolitischen Interessen und Spekulationen. Es gibt Angebote und Gebote, Verhandlungen mit Museen, Verdachtsmomente und wilde Gerüchte. Dann ist die Statue plötzlich verschwunden, von der Hamas-Regierung beschlagnahmt – so heißt es, bevor man hinzufügt, nicht über die Sache sprechen zu dürfen.

Mit einer Mischung aus Mystery und investigativer Recherche zeichnet „The Apollo of Gaza“ die Geschichte um den spektakulären Fund nach, der nicht zuletzt symbolpolitisches Gewicht hat. Am Ende bleiben die Hoffnungen einer von Krieg und Blockade gezeichneten Region, die sich von dem schönen Gott in Bronze eine Wiederanknüpfung an die verschüttete kulturelle Vergangenheit verspricht.

Esther Buss

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An Echoing Memory of a Tongue

Animationsfilm
Kanada
2017
2 Minuten
Untertitel: 
VO_Englisch
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Arash Akhgari (Mel Hoppenheim School of Cinema)
Arash Akhgari
Ashkan Behzadi
Arash Akhgari
Arash Akhgari
Arash Akhgari
Der Maler, Zeichner und Animationsfilmer Arash Akhgari widmet sich in seinen Filmen immer wieder einer radikalen Innensicht, etwa den „insomnischen Gedanken eines ängstlichen Gemüts“. Hier geht es um die Erfahrung eines unfreiwillig fragmentierten Sprechakts: das Stottern. Expressionistische Figurenzeichnungen, Streicherklänge und gebrochene Lautwiederholungen illustrieren den Kampf, der mit der Sprachfindung einhergeht.

Esther Buss

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Folly

Animationsfilm
Kanada
2016
8 Minuten
Untertitel: 
englische
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Thomas Corriveau
Thomas Corriveau
Jean Derome
Thomas Corriveau
Thomas Corriveau
Thomas Corriveau, François Dumont
Roger Guérin
Zwei Männer treffen aufeinander. Der eine schlägt, der andere wird geschlagen. In der Erinnerung steht die Unausweichlichkeit den ursprünglichen Gründen gegenüber. Thomas Corriveau adaptiert „Pour un oui ou pour un non“ von Nathalie Sarraute seriell, und das in großartiger künstlerischer Manier. Die zeichnerischen Spuren der Hauptfiguren und die musikalischen Melodien laufen auseinander, überlagern und bedrängen sich. Wiederholungen und Multiperspektive bis zur Erschöpfung. Bis zum Schlag.

André Eckardt

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Internationales Programm
Memory of the Peace Jean Parsons, Jennifer Chiu

In der westkanadischen Öl-Kleinstadt Fort St. John kulminieren die seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Kräfteverhältnisse von Industrie, Rohstoffausbeutung und Kolonialisierung im geplanten Bau eines Staudamms.

Memory of the Peace

Dokumentarfilm
Kanada
2017
25 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jean Parsons, Jennifer Chiu
Jean Parsons, Jennifer Chiu
Scott Woodworth
Farhad Ghaderi
Aynsley Baldwin
Daniel Kaga, Humberto Corte
In der westkanadischen Öl-Kleinstadt Fort St. John kulminieren die seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Kräfteverhältnisse von Industrie, Rohstoffausbeutung und Kolonialisierung im geplanten Bau eines Staudamms. Er wird das Peace River Valley auf einer Länge von mehr als 80 Kilometern überfluten. Was für den jungen Ölarbeiter ein guter Arbeitsplatz ist, ist für die indianisch-stämmigen Kanadier der Verlust von jahrtausendealter Identität – und der bildgewaltig gefilmten Landschaft.

Frederik Lang

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Internationales Programm
Scratchy Marv Newland

Schrappen, scheuern, schaben mit Fingernägeln am Schlagzeug – wachsende und wechselnde Körper. 20 handgemalte 2D-Szenen mit rauer, schuppig-schruppiger Oberfläche ergeben einen Musik-Cartoon-Clip.

Scratchy

Animationsfilm
Kanada
2016
3 Minuten
Untertitel: 
englische
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Marv Newland
Marv Newland
Jacob Cino, Lily Frost
Jim Inkster
Peter MacAdams
Marv Newland
Marv Newland
Craig Waddell
Schrappen, scheuern, schaben mit Fingernägeln am Schlagzeug – wachsende und wechselnde Körper. 20 handgemalte 2D-Szenen mit rauer, schuppig-schruppiger Oberfläche ergeben einen Musik-Cartoon-Clip, der sich selber glattschlürft und -schleckt.

Lukas Stern

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Taming the Horse

Dokumentarfilm
Kanada,
China
2017
124 Minuten
Untertitel: 
englische
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Aonan Yang, Xun Yu, Tao Gu
Tao Gu
Xun Yu
Tao Gu
Catherine Van Der Donckt
Dong, 30 Jahre alt, liegt rauchend im Bett und fragt sich: „Was kann ich tun, um ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein? Sollte ich aufstehen? Nein, werde ich nicht.“ Als der Regisseur Tao Gu 2011 nach zehn Jahren seinen Jugendfreund wiedersieht, trifft er auf einen Mann, der von persönlichen Niederlagen und der jüngsten Turboentwicklung der chinesischen Gesellschaft überrollt wurde. Jemand, der mit Lederjacke, Liebeskummer, Gitarre und Alkohol in einer Studentenbude die Antithese zum diktatorischen Karriereethos verbildlicht. Dong träumt durch den Tag und lebt seine emotionalen Ausbrüche in einem sozialen Umfeld aus, das auf Zurückhaltung programmiert ist.

Das feinfühlige Porträt zeigt keinen willentlichen Aussteiger, sondern einen, der an Selbstzweifeln und dem Erfolgsdruck der kapitalistischen „Freiheiten“ scheitert, der trotz seiner jungen Jahre von der nachrückenden Generation bereits clever ausgespielt wird. Denn die jongliert mit der Logik der Marktwirtschaft schon ganz souverän. Protagonist und Filmemacher begeben sich auf eine Zugreise in Dongs Heimat in der Inneren Mongolei. Die mehrtägige Fahrt gerät zum filmischen roten Faden, denn sie hängt schwelgerisch einem Traum von Dong nach: in der endlosen Steppe Pferde zuzureiten und mit einem einfachen mongolischen Mädchen ein friedliches Leben zu genießen. Der junge Mann bricht die Reise ab.

André Eckardt

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Internationales Programm
Callshop Istanbul Sami Mermer, Hind Benchekroun

Die Telefonzellen von Istanbul verbinden Tausende gestrandete Flüchtlinge mit ihrer Heimat. Universelle Dramen auf engstem Raum, Liebesschwüre, Familienkrach und eine globale Tragödie.

Callshop Istanbul

Dokumentarfilm
Kanada
2016
89 Minuten
Untertitel: 
englische
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Hind Benchekroun, Sami Mermer
Sami Mermer, Hind Benchekroun
Sami Mermer
Sami Mermer
Mit ihren flackernden Lichtern wirken die schmalen Callshops wie Leuchttürme im Gewirr der Gassen. Hier stranden Fremde aus aller Welt, die meisten von ihnen auf dem Weg nach Europa. Doch für viele endet die Reise genau hier, in der Megametropole Istanbul. Der Film findet einen so simplen wie effektvollen Zugang zur Lebenssituation dieser Heimatlosen: Er belauscht ihre Telefonate mit den Angehörigen, von denen sie abgeschnitten sind. Beißende Sorgen um deren Sicherheit in Kriegsgebieten wie Syrien oder Irak, gemeinsame Pläne für eine bessere Zukunft, Liebeserklärungen und Treueschwüre gehen durch die Leitung. Auf engstem Raum spielen sich universelle Dramen ab. Ein obdachloser Senegalese traut sich nach Jahren des Misserfolgs erstmals, seine Familie zu kontaktieren, verspricht Besserung. Dann wieder verhandelt er ergebnislos mit einem Schlepper. Sein Gesicht ist müde.

Von den Mikroporträts der Telefonzellen aus geht der Film in die Straßen, zeigt die Proteste auf dem Taksim-Platz und die Türkei aus der Sicht der migrantischen Parallelgesellschaft. Drei Männer aus Benin, die sich mit dem illegalen Verkauf von Uhren durchschlagen, kalkulieren mit Halbwissen das Risiko für eine Überfahrt nach Griechenland – und entscheiden umzukehren. Information ist überlebenswichtig. „Callshop Istanbul“ bietet nicht nur an dieser Stelle einen Perspektivwechsel zur Debatte über Flucht und Migration.

Lars Meyer

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Cheer Up

Dokumentarfilm
Kanada,
Finnland
2016
82 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Liisa Juntunen
Christy Garland
Tom Third
Sari Aaltonen
Thor Ochsner, Graeme Ring
Try to cheer up! Selbst wenn eine der kunstvoll aufgebauten Körperpyramiden zusammengebrochen ist und die Mädchen blutend und lädiert am Boden liegen, bekommen sie das zu hören. Cheerleading ist der Inbegriff des Motivationscoachings, das ganze Ratgeberregale füllt und uns stets zu neuen Höchstleistungen antreibt – geht es bei diesem Sport doch genau um Letzteres. Nur bei den Arctic Circle Spirit Ice Queens in Rovaniemi am Polarkreis scheint die Logik des immerwährenden Gewinnen-Wollens nicht zu funktionieren: Sie sind das schlechteste Cheerleading-Team Finnlands. Trainerin Miia aber ist fest entschlossen, das zu ändern. Nach einem Besuch bei der Weltspitze im texanischen Dallas – der einer Gehirnwäsche gleicht – möchte sie ihre Schäfchen mit der „Yes You Can“-Strategie zur „Number One“ machen. Die aber haben ganz andere Sorgen: Patu muss nach dem Tod der Mutter mit der neuen Partnerschaft des Vaters klarkommen, Aino verliert sich im wilden Partyleben und gefährdet ihre Stellung im Team. Dazu die erste Liebe und der Auszug von zu Hause. Und es stellt sich auch für Miia heraus, dass das amerikanische Credo „Alles ist möglich“ eventuell ganz anders verstanden werden kann …

Sicher mischt Christy Garland die Dramaturgie des klassischen Sportlerfilms mit der des Coming-of-Age-Dramas und bleibt dabei nah an ihren Protagonistinnen. Fallen und wieder aufstehen. Klingt leichter, als es ist.

Grit Lemke


Nominiert für Young Eyes Film Award

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Internationales Programm
Terminal Device Ross Turnbull

Von Captain Hook bis zu Edward mit den Scherenhänden: Ein Betroffener macht grimmig-humorvoll Tabula rasa mit der Geschichte der Prothese im eigenen Leben und in der Popkultur.

Terminal Device

Dokumentarfilm
Kanada
2015
68 Minuten
Untertitel: 
englische
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Ross Turnbull, Jennifer Hazel
Ross Turnbull
Slim Twig
Ross Turnbull, Alex Kingsmill, Roland Echavarria, David Rendall, Jennifer Hazel
Meghan Remy, Ross Turnbull
Ross Turnbull
Michèle Deslauriers
Wer hat Angst vor Captain Hook? Er stellt den Archetypus des einarmigen Bösewichts dar: der Pirat, dem eine Hand fehlt, die durch eine Prothese ersetzt wird, welche auch noch in einem Haken endet. Hook ist eine wahrlich übermächtige Fiktion, die in einer Quasi-Selbstbefruchtung unendlich variantenreiche Nachkommen auf dem Feld der Popkultur zeugte, von deren Wirkkraft jeder Betroffene ein trauriges Lied singen kann.

Der kanadische Regisseur Ross Turnbull, dem ein Arm fehlt, ist ein solcher. Hook und seine ganze Mischpoke von Candyman bis Edward mit den Scherenhänden sind ihm von klein auf ungeliebte Vettern gewesen, die sich immer wieder ungefragt in sein Leben gemischt haben. Mit „Terminal Device“ macht Turnbull grimmig-humorvoll Tabula rasa mit dieser ganzen Geschichte: die eigene Beeinträchtigung als Stoff für eine geradezu übermütige Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung. Und gratis dazu gibt’s dann auch noch facettenreiche Ausflüge in die Kultur- und Medizinhistorie der Prothese. Komisch oft. Zum Gruseln manchmal. Erhellend immer.

Ralph Eue

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The Picture of the Day

Dokumentarfilm
Kanada,
Deutschland
2016
91 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Eike Goreczka, Jo-Anne Velin
Jo-Anne Velin
Jo-Anne Velin, Thomas Beetz
Jo-Anne Velin
Jo-Anne Velin
Jo-Anne Velin, Florian Marquardt
Als der Bürgermeister von Tröglitz zurücktreten musste, weil er sich für Flüchtlinge eingesetzt hatte, und wenig später deren Heim brannte, drängten sich die Kamerateams in der kleinen Gemeinde in Sachsen-Anhalt. Als der Medientross abzog, kam Jo-Anne Velin – und blieb. Elf Monate, zwischen dem Anschlag und den Regionalwahlen (bei denen die Rechtspopulisten haushoch siegten), verbrachte sie mit den Einwohnern des Ortes. Sie teilte deren Alltag, war auf dem Fußballfeld und bei der Schwangerengymnastik, trank Kaffee mit den Ömchen, sah dem Bäckerpaar über die Schulter, beobachtete Kinder, erkundete verschwundene und gegenwärtige Industrien, durchstreifte die Wälder, sah und hörte genau hin.

Als in Deutschland lebende Kanadierin brachte Velin das Fremde mit und war prädestiniert, danach zu fragen, zu suchen und seine vielfältigen Spuren zu entdecken – vor allem in einer Geschichte, die von Einwanderungen geprägt und weitgehend verdrängt ist. Sie entdeckt bemerkenswerte Linien, die zu vielfältig genutzten KZ-Baracken in der Gegend und schließlich zu Imre Kertész führen. Doch nicht nur auf der Zeitachse stellt sie Verbindungen her, sondern auch geografisch. Immer wieder montiert sie Bilder von Flüchtlingen bei der Überfahrt nach Europa mit denen der Menschen von Tröglitz. Das könntest du sein, sagen diese Bilder. Und – weiter gedacht – auch du bist Tröglitz. Ein mutiger Schritt.

Grit Lemke


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

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The Prison in Twelve Landscapes

Dokumentarfilm
Kanada,
USA
2016
87 Minuten
Untertitel: 
englische
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Brett Story
Brett Story
Olivier Alary
Maya Bankovic
Avril Jacobson
Brett Story
Simon Gervais, Ian Reynolds
Es gehört zu den hervorstechenden Merkmalen von Film und Kino, allgemein sichtbare Phänomene des Wirklichen auch explizit erfahrbar zu machen. „The Prison in Twelve Landscapes“ stellt eine Steigerung dessen dar: Der Film sucht die Spuren einer Institution des amerikanischen Lebens, die sorgfältig aus den Augen und aus dem Sinn verbannt wurde, in der Alltäglichkeit des Sozialen und führt sie darüber in die Augen und in den Sinn zurück.

Statistisch gesehen sind in den USA gegenwärtig mehr Menschen in Gefängnissen interniert als zu jeder anderen Zeit und an jedem anderen Ort der Menschheitsgeschichte. Brett Storys Film ist eine ingeniöse dokumentarische Untersuchung zum amerikanischen Gefängnissystems quer durch die Staaten. Obwohl kaum einmal auch nur die Umrisse einer real existierenden Haftanstalt ins Bild kommen, wird erfahrbar, wie sehr die in die Unsichtbarkeit verdrängten Orte und ihre Insassen zum Alltag gehören und zugleich ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor sind.

Ralph Eue

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Internationales Programm
The Talk. True Stories About the Birds & the Bees Alain Delannoy

Es gibt Dinge im Leben, die man nicht vergisst – ob man will oder nicht. Eines dieser Dinge ist „das Gespräch“.

2016

The Talk. True Stories About the Birds & the Bees

Animadok
Kanada
2016
9 Minuten
Untertitel: 
keine
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Alain Delannoy
Alain Delannoy
Eidski
Alain Delannoy
Alain Delannoy
Alain Delannoy
Es gibt Dinge im Leben, die man nicht vergisst – ob man will oder nicht. Eines dieser Dinge ist „das Gespräch“. Alain Delannoy lässt die Erinnerungen von sieben (heute erwachsenen) Jungs an die elterlichen Versuche sexueller Aufklärung wieder wachwerden. Wie gesagt: Versuche. In der Mischung aus Zeichnungen, Fotografien und animierten Gegenständen wirken die teilweise verstörend unbeholfenen Anläufe, ES den Jugendlichen zu erzählen, im Rückblick nur noch komisch.

Lina Dinkla

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
In Deep Waters Sarah Van Den Boom

Die drei Protagonisten des Films verbindet etwas, das sie selbst erst verstehen lernen müssen: ein Verlust, der so früh in ihrem Leben passierte, dass sie sich nicht mehr erinnern, der aber Auswirkungen auf ihre Entwicklung hatte.

In Deep Waters

Animationsfilm
Kanada,
Frankreich
2015
12 Minuten
Untertitel: 
keine
Credits DOK Leipzig Logo
Richard Van Den Boom
Sarah Van Den Boom
Pierre Caillet
Sarah Van Den Boom
Sarah Van Den Boom, Annie Jean
Gilles Cuvelier, Gabriel Jacquel, Samuel Guénolé, Marine Blin, Marion Le Guillou, Denis Fleurion, Pierre Lesca (Studio Train-Train), Sarah Van Den Boom
Sarah Van Den Boom
Pierre Yves Drapeau, Lise Wedlock, Jean Paul Vialard
Die drei Protagonisten des Films verbindet etwas, das sie selbst erst verstehen lernen müssen: ein Verlust, der so früh in ihrem Leben passierte, dass sie sich nicht mehr erinnern, der aber Auswirkungen auf ihre Entwicklung hatte. Der Film thematisiert mit unterschiedlichen ästhetischen Mitteln die Suche der Personen nach einem verlorenen Teil von ihnen, die Fragen, die sich und anderen stellen, und die Sehnsucht, die immer bleiben wird.

---Annegret Richter

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